Die Geschichte der Dnepr Motorräder

Horror hat einen Namen! Es ist der Name der russischen Motorradgespanne Dnepr bzw. Ural und der chinesischen Pendants Jangtse 750, Chang Ijang oder Dong-Hai.

Die Anfänge der Dnepr K750

Die Dnepr K750 wird ab 1958 im Kiewer Motorradwerk KMZ (Kievskiy Mototsikletniy Zavod) produziert. Sie basiert technisch auf der M72, die wiederum eine sowjetische Weiterentwicklung der BMW R71 darstellt.

Die K750 ist ein schweres Gespannmotorrad mit festem Beiwagen und richtet sich an militärische und zivile Nutzer. Sie wird ausschließlich mit Seitenwagen ausgeliefert und ist für den Betrieb mit drei Personen ausgelegt. Es begann 1994/95. Ich wollte etwas interessantes, spektakuläres fahren. Ein Oldie, etwas mit Seitenwagen.

Es kursierten Gerüchte von russischen Nachbauten des legendären Kriegs-BMW-Gespanns, nur viel billiger. Das war's genau, was ich brauchte. Aber niemand wußte etwas von den sagenumwobenen Dingern. Da geschah das Unfassbare - mitten in München auf dem Mittleren Ring. Ein Gerät wie aus dem 2. Weltkrieg und auch wie eine BMW, nur mit deutlich anderen Ventildeckeln.

Die unweigerliche Folge: Gesehen, verliebt, gekauft. Mittlerweile sind unzählige Arbeitsstunden in die Aufbereitung der Maschine geflossen. Eine neue Lackierung, Aufbereitung von Polstern und Abdeckungen, diverse Zierelemente, alles wurde Stück für Stück aufbereitet, überholt, repariert und wieder an Ort und Stelle gebracht.

Modellgeschichte der Dnepr K750 (1958-1973)

  • Baujahr 1958-1963 - Einführung der K750: Die erste Version der K750 übernimmt den seitengesteuerten Zweizylinder-Boxermotor (SV) mit 6-Volt-Elektrik. Das Vierganggetriebe mit Rückwärtsgang wird per Hand geschaltet. Die Vorderradführung erfolgt über eine Kurzschwingengabel, das Hinterrad ist an einer Schwinge mit zwei Federbeinen aufgehängt. Der Antrieb erfolgt über eine Kardanwelle. Der Beiwagen ist fest mit dem Rahmen verbunden und besitzt eine eigene mechanische Trommelbremse.
  • Baujahr 1964-1967 - technische Überarbeitung: Ab 1964 wird die K750 mit einer verstärkten Kurbelwelle ausgestattet. Die Lichtmaschine bleibt ein 6-Volt-System, wird jedoch in ihrer Leistung verbessert. Die Vorderradgabel wird überarbeitet, bleibt aber eine Kurzschwingengabel. Die Lackierung erfolgt je nach Verwendungszweck in mattem Olivgrün (militärisch) oder Schwarz (zivil).
  • Baujahr 1968-1973 - Einführung der K750M: Die K750M stellt eine überarbeitete Version der K750 dar und wird ab 1968 produziert. Die auffälligste Änderung ist die Einführung einer Telegabel anstelle der bisherigen Kurzschwingengabel. Die Sitzbank wird überarbeitet und bietet besseren Komfort für Fahrer und Sozius. Die Trommelbremsen bleiben unverändert, ebenso das Getriebe mit Rückwärtsgang. Die Elektrik bleibt bei 6 Volt. Die K750M wird bis 1973 produziert, danach wird sie durch die Dnepr MT-9 mit OHV-Motor und 12-Volt-Elektrik abgelöst.

Technische Details und Unterschiede

Die K750 besitzt einen seitengesteuerten Motor (SV), während die MT-9 einen OHV-Motor mit obenliegenden Ventilen verwendet. Zudem hat die MT-9 eine 12-Volt-Elektrik, während die K750 bei 6 Volt bleibt. Die MT-9 bietet außerdem eine verbesserte Telegabel und eine modernisierte Elektrik.

Der Tankinhalt beträgt laut Hersteller 22 Liter. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 5,5 Litern pro 100 km ergibt sich eine Reichweite von rund 400 Kilometern.

Dnepr K750 vs. Dnepr MT-9 - Unterschiede?

  • Die K750 besitzt einen seitengesteuerten Motor (SV), während die MT-9 einen OHV-Motor mit obenliegenden Ventilen verwendet.
  • Zudem hat die MT-9 eine 12-Volt-Elektrik, während die K750 bei 6 Volt bleibt.
  • Die MT-9 bietet außerdem eine verbesserte Telegabel und eine modernisierte Elektrik.

Die Dnepr K750 ist für den Betrieb mit Beiwagen ausgelegt und bietet Platz für Fahrer, Sozius und eine weitere Person im Beiwagen.

Probleme und Qualität

Um es vorweg zu nehmen, Horror hat einen Namen! Es ist der Name der russischen Motorradgespanne Dnepr bzw. Ural und der chinesischen Pendants Jangtse 750, Chang Ijang oder Dong-Hai. Ich verfolgte das Unding und lernte Christian kennen. Der Besuch beim Münchner Dnepr-Händler war aufregend.

Gebraucht war nur ein Gespann da, 1 Jahr alt, himmelblau, vergammelt und schon halb ausgeschlachtet, aber für 2.500,- DM wurde es meins. Stolz erklärte ich den Fragestellern die Geschichte der russischen Motorradproduktion, wo noch alles grundsolide und einfach - eben unverwüstlich sei.

So bin ich mit schuldig an den nie endenden Legenden von der Kalaschnikow, die auch im Dreck noch schießt, dem berühmten Panzer T34 und den russischen Qualtitätsgespannen. Am Gespannfahrer-Stammtisch bemerkte ich, dass sich die Japaner, Guzzisten, MZ-ler und BMW-Fahrer hauptsächlich mit der Planung von Touren befaßten, während die Russengespannfahrer sich mehr mit der Technik befaßten.

Mich sollte es dann auch bald wieder erwischen. Bei einem Hinterachsölwechsel plumpste eine sogennante "Nadel" - ein Teil des hinteren Rollenlagers - in die Ölauffangwanne. Eine komplett neue Hinterachse kostete nur 500,- DM in Exportqualität. Der elektronische Regler fiel aus und schlug mit 75,- DM zu Buche.

Dazwischen hielt mich meine Dnepr mit verlorenen Schrauben, Muttern und Kleinteilen bei Laune. Der TÜV verlangte ein neues Lenkkopflager sowie neue Bowdenzüge. So gingen sie dahin, die Wochen. Mal brach der Schwingsattel durch wegen eines unglaublichen Verarbeitungsfehlers, mal mußte der Auspuff wieder zusammengesucht werden, wobei sich herausstellte, dass ein paar Passringe fehlten, mal hatte ich Reifenpannen - eine Spezialität der Dnepr, weil sich der Mantel auf der Felge verdreht.

Dem Rat der Spezialisten folgend habe ich mich entschlossen, nunmehr ein Exportmodell aus der Produktion vor Glasnost anzuschaffen. Die Maschine, die mir über den Weg lief, war wunderschön, Baujahr 1985. Der berühmte seitengesteuerte Motor mit 24PS bei 750 ccm schien unverwüstlich.

Mein Optimismus wurde bereits beim Heimholen des Gespanns im Frühjahr 1998 gedämpft. Hinter mir war alles in undurchdringlichen blauen Nebel gehüllt. Ich mußte folgende Teile erneuern: Beide Kolben und Zylinder, links den Kolbenbolzen mit -buchse. Kein Problem. Danach war die Freude wieder nur von kurzer Dauer.

Die russischen Gespanne sind eine absolute Katastrophe und die chinesischen Gespanne sind nichts anderes als die Nachbauten dieser Katastrophen. Während die Dnepr-Gespanne effektiv nicht fahrbar sind, können gute Kraftfahrzeugspezialisten unter glücklichsten Umständen mit den Ural-Gespannen Laufleistungen von ca. 20.000 Kilometern erzielen, bevor kapitale Eingriffe (z. B. Austausch der Kurbelwelle oder Überholen des Getriebes) nötig sind.

Innerhalb dieser Zeit sind jedoch kleinere Defekte (Kupplung, Lichtmaschine, Benzinhahn, Vergaser, Kolbenfresser, Ventile) üblich. Die Leistungen der unterschiedlich aufgebauten Motoren bewegen sich bei 32 PS (Dnepr) und 33 PS (Ural). Die Maschinen fügen sich also in die günstige 34 PS-Versicherungsklasse ein.

Das angetriebene Seitenwagenrad mit Differential gibt’s aber nur bei der DNEPR MT 16. Weiterer Vorteil der Ural sind die ungekröpften Speichen. Sie sind weniger bruchanfällig als die gekröpften Versionen des DNEPR-Gespannes.

Überhaupt zeigte die bisherige Erfahrung, das im URAL-Werk eine konstantere Fertigungsqualität geboten wird als von den Kollegen bei DNEPR. Jochen Brett weiß von mancher DNEPR oder auch URAL, die bereits auf der ersten Kontrollfahrt noch in Sichtweite zur Werkstatt mit kapitalem Motorschaden das Handtuch warf.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Wie unterscheidet man Inlands- und Exportmodelle?

  • Inlandsmodelle: Zu erkennen an den lackierten Felgen und Speichen (oder Rost statt Farbe). Egal wie billig solch ein Fahrzeug auch immer angeboten wird :!! niemals kaufen !!
  • Exportmodelle: Zu erkennen an den verchromten Felgen, lagerichtigen Schweissnähten und sich auch bei festgezogenen Achsmuttern drehenden Rädern!!!

Diese Fahrzeuge stellen eine gute Ausgangsbasis für weitere Massnahmen dar, die zu einem alltagstauglichen Gespann führen können.

Die Dnepr ist de facto (tourentauglich modifiziert) keineswegs eine billige Angelegenheit, der niedrige Kaufpreis relativiert sich bei über 10.000km Fahrleistung im Jahr durch die Ersatzteil- und Wartungskosten. Auch die scheinbar billigen Ersatzteile müssen im Normalfall vor dem Einbau überarbeitet werden und verwandeln sich auf diesen Weg schnell in Gold.

Gemeinsam haben DNEPR und URAL den Viertakt-Boxer-Motor mit 649 ccm Hubraum nach BMW-Vorbild. Beide Fabrikate verwöhnen den Gespannfreund beim Rangieren mit einem Rückwärtsgang.

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