Drehmomentschlüssel für Fahrräder: Test und Vergleich

Nach fest kommt ab, diesen Spruch hat vermutlich jeder schon einmal gehört. Damit dies nicht beim Fahrrad passiert, gibt es den Drehmomentschlüssel für das Fahrrad. Neben dem normalen Fahrradwerkzeug ist auch der Drehmomentschlüssel in jeder Werkstatt unabdingbar.

Was ist ein Drehmomentschlüssel und wozu dient er?

Was genau macht der Drehmomentschlüssel und wieso brauchen wir diesen? Das Funktionsprinzip ist dabei sehr einfach. Am Schlüssel, oft ist dies eine Ratsche, wird ein Drehmoment eingestellt. Wird nun eine Schraube oder eine Mutter mit exakt diesem Kraftaufwand angezogen, gibt der Drehmomentschlüssel einen Hinweis. Jetzt sollte nicht weiter festgezogen werden.

Am Fahrrad gibt es neben den großen Schrauben auch kleine und filigrane Schrauben und Bauteile. Wer Carbonteile verschraubt, sollte in jedem Fall Montagepaste nutzen. Klemmen, wie zum Beispiel bei Lenkerhörnchen, üben einen gewissen Druck auf das Material aus und können es frühzeitig ermüden lassen oder beschädigen. Aus damaligen Stahlrahmen wurden Aluminiumrahmen oder Bauteile werden aus Carbon hergestellt. Damit diese Bauteile nicht durch zu viel Kraftaufwand kaputtgehen, muss die Kraft beim Anziehen der Schrauben korrekt dosiert werden.

Funktionsweise und Typen von Drehmomentschlüsseln

Das entsprechende Drehmoment wird am Werkzeug eingestellt. Dazu befindet sich bei mechanischen Schlüsseln eine Skala, auf der Werte in Nm (Newtonmeter) angegeben sind. Der Griff oder die Stellschraube wird so weit hinein oder herausgedreht, bis der gewünschte Wert auf der Skala angezeigt wird. Neben den mechanischen, meist mit einer Feder funktionierenden Drehmomentschlüsseln, gibt es auch digitale Drehmomentschlüssel.

Ersterer zeigt live auf einer Skala den aktuellen Wert an, mit dem die Schraube angezogen wird. Der Zweite gibt ein akustisches Signal beim Erreichen des eingestellten Kraftaufwands wieder. Bei Werkzeugen in geringen Nm Bereichen gibt es auch über rutschende Werkzeuge, die beim Erreichen des eingestellten Drehmoments überspringen und so keine weitere Kraft mehr auf die Schraube gegeben werden kann. Hier spricht man von einem Drehmomentschrauber.

Einer dieser Schrauber ist zum Beispiel der Wera 7510 mit 1-3 Nm oder der Drehmomentschrauber von BikeBroz mit 1-6 Nm. Um verschiedene Schrauben festziehen zu können, wird oftmals ein Aufsatz benötigt, in den die verschiedenen Bits eingesetzt werden. Dieser Aufsatz, diese Nuss wird auf dem 1/4 Zoll Vierkant-Aufnahme des Drehmomentschlüssels aufgesteckt.

Warum ein eigener Drehmomentschlüssel für Fahrräder?

Wieso benötige ich für das Fahrrad einen eigenen Drehmomentschlüssel? Eine sehr einfache Frage, auf die es keine konkrete Antwort gibt. Diese Frage liegt auf der Hand, die Antwort ist sehr einfach. Die Schrauben am Fahrrad sind klein, die Drehmomente, mit denen diese befestigt werden, unterscheiden sich von Schrauben am Auto.

Ein Drehmomentschlüssel für das Fahrrad startet im Idealfall bei 1 Nm oder 2 Nm und weist eine Range bis ca. 20 Nm / 25 Nm auf. Mit dieser Spanne kann man bereits sehr viele Schrauben am Fahrrad korrekt festziehen. Schrauben für die Schalthebel, den Vorbau, die Fahrradklingel, die Sattelstütze oder auch für die Bremssättel können wir alle mit einem Fahrrad Drehmomentschlüssel mit einem Bereich von 1 Nm bis 20 Nm bedienen.

Das richtige Drehmoment finden

Es gibt zwar Richtwerte für verschiedene Bauteile, jedoch kommt das korrekte Drehmoment immer auf die jeweiligen Bauteile und Materialien an. Eine Carbongabel hat andere Werte als eine aus Stahl. Damit das korrekte Drehmoment genutzt wird, drucken einige Hersteller einen Hinweis auf das Bauteil. Solche Hinweise findet man auch an Sattelstangen, Bremssätteln oder Vorbauten.

Die Herstellerangabe ist immer dem Richtwert vorzuziehen. Es gibt auch Unterschiede zwischen den einzelnen Herstellern. Wer sich unsicher ist, schaut in das Datenblatt des Bauteils oder fragt beim Hersteller nach.

Genauigkeit und Kalibrierung

Es können Abweichungen in der Kraftübertragung auftreten. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass man darauf achtet, dass diese Abweichungen unter + / - 4% liegen. Je kleiner der Wert, umso genauer ist der Drehmomentschlüssel. Zertifikate können die Genauigkeit bestätigen, diese Dokumente haben jedoch überwiegend nur hochpreisige Markengeräte.

Es wird empfohlen, den Drehmomentschlüssel einmal im Jahr oder nach 5000 Lastwechseln zu überprüfen und gegebenenfalls rekalibrieren zu lassen, da häufiger oder falscher Gebrauch Einfluss auf die Messgenauigkeit haben kann. Jedem Drehmomentschlüssel sollte ein Kalibrierzertifikat nach DIN EN ISO 6789 beiliegen. An drei definierten Messpunkten müssen jeweils fünf Messvorgänge verzeichnet sein, die eine Toleranz von plus/minus 4 Prozent nicht überschreiten dürfen.

Tipps zur korrekten Anwendung

Was soll beim Schrauben mit einem Drehmomentschlüssel schon schiefgehen? Jede Menge, weiß Rene Steuth, Schulungsexperte bei Werkzeughersteller Gedore. Hier seine Tipps für korrektes Schrauben!

  1. Einstellen: Stellen Sie das erforderliche Drehmoment immer vom höheren Wert kommend ein, damit sich der Mechanismus im Inneren entspannt und nicht verspannt. Fassen Sie den Schlüssel mittig und mit gleichmäßigem Druck am Griff. Gute Exemplare haben eine Markierung, an welcher der Mittelfinger aufliegen sollte. Ziehen Sie kontrolliert mit zunehmender Kraft, niemals ruckartig. Stoppen Sie den Anzugsvorgang sofort bei Auslösung, um nicht zu überziehen. Bei geringen Drehmomenten können Sie auch nur mit der Daumenbeuge in der Griffmitte oder an der entsprechenden Markierung drücken, um besonders exakte Werte zu erreichen.
  2. Sauber arbeiten: Setzen Sie den Schlüssel exakt und gerade in die Schraube ein. Verkantet der Schlüssel, kann es zum Auslösen kommen, bevor das gewünschte Drehmoment anliegt. Achten Sie darauf, dass die Gewinde der Schraubverbindungen und die Schrauben selbst sauber und trocken sind. Eine auf den Boden gefallene Schraube sollten Sie vor dem Einbau kurz reinigen. Selbst kleinste Schmutzpartikel verändern die Reibwerte im Gewinde und an der Schraubenkopfauflage. Die Reibung macht am Ende bis zu 80 bis 90 Prozent des Drehmoments aus.
  3. Die richtige Richtung: Verwenden Sie den Drehmomentschlüssel nicht zum Lösen von Schrauben, um Schäden am Werkzeug durch zu fest sitzende Schrauben zu vermeiden. Auch wenn ein Schlüssel in beide Richtungen auslöst, ist er in der Regel nur in eine Richtung kalibriert. Ein Pfeil sollte auf die entsprechende Funktionsrichtung hinweisen.
  4. Am Ende - entspannen: Viele Hobbyschrauber vergessen, den Drehmomentschlüssel nach Gebrauch wieder zu entspannen, indem sie ihn auf den niedrigsten Wert der Skala zurückstellen. Das schont den Federmechanismus. Drehen Sie jedoch nicht weiter als bis zum Ausgangspunkt der Skala.
  5. Immer nur ein Mal: Selbst erfahrene Mechaniker drücken oft ein zweites Mal, um sicherzugehen, dass die Schraubverbindung richtig angezogen wurde. Das ist unnötig und erhöht die Gefahr, die Schraube noch zu überziehen. Bei den sensiblen Verschraubungen am Fahrrad liegen so schnell mal ein paar Newtonmeter zu viel an, was bereits zum Defekt eines Bauteils führen kann. Mehrfachauslösungen sind nur an Teilen notwendig, die von mehreren Schrauben (Schraubverband) gesichert werden, wie etwa der Bremsscheibe oder dem Vorbau. Durch das Anziehen der einen Schraube verringert sich hier die Vorspannkraft an der anderen; daher muss noch einmal nachgezogen werden.

Test und Vergleich verschiedener Drehmomentschlüssel

Im Folgenden werden einige Drehmomentschlüssel für Fahrräder verglichen, basierend auf verschiedenen Tests und Bewertungen:

3min19sec Premium-Drehmomentschlüssel

  • Preis: 70 Euro
  • Gewicht / Länge: 262 Gramm / 220 Millimeter
  • Prüfsiegel: Hersteller-Prüfung
  • Bereich / Antrieb: 2-26 Newtonmeter / 1/4 Zoll
  • Zubehör: Anleitung, Prüfsiegel, Innensechskant 2,5-10, Torx 25 und 30, Softbox
  • Fazit: Der günstigste Schlüssel im Test überzeugt mit überraschend präzisen Mess-Ergebnissen und ist der Preis-Leistungs-Tipp für Hobbyschrauber.

BBB Torqueset BTL-73

  • Preis: 95 Euro
  • Gewicht / Länge: 277 Gramm / 223 Millimeter
  • Prüfsiegel: Hersteller-Prüfung
  • Bereich / Antrieb: 2-14 Newtonmeter / 1/4 Zoll
  • Zubehör: Anleitung, Prüfsiegel, Innensechskant 3-8, Torx 25 und 30, Softbox
  • Fazit: Im unteren Drehmomentbereich liegt der TorqueSet minimal außerhalb der Normwerte. Das größere Manko aber ist die schwer ablesbare Skala, die anfällig für Paralaxenfehler und wenig intuitiv übersetzt ist.

Birzman Torque Wrench 3-15Nm

  • Preis: 139 Euro
  • Gewicht / Länge: 295 Gramm / 209 Millimeter
  • Prüfsiegel: Hersteller-Prüfung
  • Bereich / Antrieb: 3-14 Newtonmeter / 1/4 Zoll
  • Zubehör: Anleitung, Prüfsiegel, Innensechskant 3-8, Torx 25
  • Fazit: Klein, leicht und schmal: Als Reisebesteck macht der Birzman eine gute Figur. Dafür liegt er nicht ganz ideal in der Hand. Die Messwerte schwanken, sind aber im "grünen Bereich".

Hazet 5108-3CT

  • Funktion/Messbereich: Knarre, 1/4", auslösend, 2,5-25 Nm
  • Länge/Gewicht: 23,5 cm/313 g
  • Lieferumfang: Prüfdokumente, Plastikumverpackung, Anleitung. Keine Bits
  • Einstellgenauigkeit: Mit 0,25-Nm-Feineinstellung etwas grob, dafür haptisch top
  • Abweichung vom Zielwert: Zeigt minimal bis etwas zu viel an, bleibt aber in der Toleranz
  • Handhabung: Liegt hervorragend in der Hand, Nonius rastet spürbar ein
  • Verarbeitung: Toll verarbeitet, super Handhabung, dafür jedoch im Vergleich recht grobe Verstellung: Der Hazet ist dank sehr guter Messwerte dennoch besonders für regelmäßige Schraubarbeiten perfekt. Höherer Preis.

Pro Bike Tool Torque Wrench Set

  • Funktion/Messbereich: Knarre, 1/4", auslösend, 2 bis 20 NmLänge/Gewicht: 22 cm/282 g
  • Lieferumfang: Inbus: 2, 2,5, 3, 4, 5, 6, 8, 10; Torx 10, 25, 30; Bit-Verlängerung
  • Einstellgenauigkeit: Feineinstellung in 0,1-Nm-Schritten, prima ablesbare Skala
  • Abweichung vom Zielwert: Zeigt minimal bis etwas zu viel an, bleibt aber in der Toleranz
  • Handhabung: Die Grifffläche ist etwas knapp bemessen und zu rutschig, sonst sehr gut
  • Verarbeitung: Ausstattung und Handhabung sind gut bis sehr gut, die Messwerte sind unkritisch, der Lieferumfang zudem üppig - daher mit 79 von 100 möglichen Punkten der verdiente Kauftipp! Nur der Testsieger und die wesentlich teureren Modelle von Topeak und Wera sahnen mehr Punkte ab.

Rose Drehmomentschlüssel Pro

  • Funktion/Messbereich: Knarre, 1/4", auslösend, 1-25 Nm
  • Länge/Gewicht: 26,5 cm/484 g
  • Lieferumfang: Inbus: 3, 4, 5, 6, 8, 10 mm, Torx: 15, 20, 25, 27, 30, 40; Kreuz: PH2, PH3
  • Einstellgenauigkeit: Etwas grobe 0,2-Nm-Feineinstellung, Skala nicht optimal ablesbar
  • Abweichung vom Zielwert: Bei 2 Nm zeigt der Rose 0,5 Nm zu wenig an, der Rest ist okay
  • Handhabung: Liegt stabil, aber etwas kopflastig in der Hand. Griff eher rutschig
  • Verarbeitung: Günstig, stabil und reichhaltig ausgestattet, aber mit deutlicher Schwäche im unteren Einstellbereich. 0,5 Nm Abweichung sind hier zu viel. Für Hobbyisten ohne kritische Leichtbau-Anbauteile okay.

Topeak D-Torq Pro

  • Funktion/Messbereich: Knarre, 1/4", akustisch, 1-20 Nm
  • Länge/Gewicht: 21 cm/169 g
  • Lieferumfang: Inbus: 2, 2,5, 3, 4, 5, 6 mm; Torx: 25; Kreuz: PH2; Bit-Verlängerung
  • Einstellgenauigkeit: Mini-Display, auf 0,1 Nm genaue, digitale Einstellung. Umschaltbare Einheiten
  • Abweichung vom Zielwert: Zeigt etwas zu viel an, bleibt aber in der Toleranz
  • Handhabung: Sehr schmal, nicht gut zu greifen. Zu kleine Folientasten und Mini-Display!
  • Verarbeitung: Klein, leicht und rein digital: Der Topeak ist etwas für Schrauber mit Gefühl, da die Gefahr besteht, ihn zu überdrehen. Dafür zeigt er "live" das aktuelle Drehmoment an. Messwerte unkritisch. Sehr teuer!

Wera Click-Torque A5

  • Funktion/Messbereich: Knarre, 1/4", auslösend, 2,5-25 Nm
  • Länge/Gewicht: 29,8 cm/432 g
  • Lieferumfang: Prüfdokumente, Plastikumverpackung, Anleitung. Keine Bits
  • Einstellgenauigkeit: 0,1-Nm-Rasterung, großes Sichtfenster und perfekte Ablesbarkeit
  • Abweichung vom Zielwert: Zeigt im unteren Bereich minimal bis etwas zu viel an, im oberen knapp an der Toleranz
  • Handhabung: Perfekter Grip, gut ausbalanciert - so macht Schrauben Spaß!
  • Verarbeitung: Der Wera ist ein toller Schlüssel mit bester Handhabung, perfekter Einstell- und Ablesbarkeit und toller Verarbeitung. Leichte, aber unkritische Schwäche am oberen Ende des Drehmoments.

Weitere getestete Drehmomentschlüssel

Neben den oben genannten Modellen wurden auch folgende Drehmomentschlüssel getestet und verglichen:

  • Wera Click-Torque A 6
  • Wera Click-Torque X 1
  • Gedore R48900025
  • Gedore R21702021
  • Bgs 2803
  • Wiesemann 81444
  • Vanpo Digitaler Drehmomentschlüssel

Eine detaillierte Übersicht der Testergebnisse und Kundenbewertungen finden Sie in der folgenden Tabelle:

Modell Kundenwertung bei Amazon Drehmoment Präzision Antrieb
Wera Click-Torque A 6 1722 Bewertungen 2,5-25 Nm ± 4 % 1/4 Zoll Sechskant
Wera Click-Torque X 1 74 Bewertungen 2,5-25 Nm ± 4 % 3/8 Zoll Vierkant
Gedore R48900025 2156 Bewertungen 5-25 Nm ± 3 % 1/4 Zoll Vierkant
Hazet 5108-3CT 1838 Bewertungen 2,5-25 Nm ± 3 % 1/4 Zoll Vierkant
Gedore R21702021 145 Bewertungen 2,5-25 Nm ± 3 % 1/4 Zoll Vierkant
Bgs 2803 294 Bewertungen 5-25 Nm ± 4 % 1/4 Zoll Vierkant
Wiesemann 81444 1263 Bewertungen 3-25 Nm ± 3 % 1/4 Zoll Vierkant
Vanpo Digitaler Drehmomentschlüssel 658 Bewertungen 3-60 Nm ± 2 % 1/4 Zoll Vierkant

Fazit

Die Wahl des richtigen Drehmomentschlüssels hängt von Ihren individuellen Bedürfnissen und Anforderungen ab. Achten Sie auf einen geeigneten Drehmomentbereich, eine hohe Genauigkeit und eine komfortable Handhabung. Berücksichtigen Sie auch das mitgelieferte Zubehör und das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0