Dreiradroller vs. 125er-Zweirad: Führerschein, Unterschiede und Entscheidungshilfe

Viele Autofahrer träumen davon, den Stadtverkehr auf einem wendigen Roller zu umfahren oder einfach das Freiheitsgefühl auf zwei Rädern zu genießen. Doch welche Roller dürfen tatsächlich mit einem Autoführerschein gefahren werden? Die rechtlichen Bestimmungen sind komplex und hängen von der Art des Rollers sowie dem Führerschein ab. Um die Regelungen richtig zu verstehen, sollte man zuerst wissen, welche Führerscheinklassen in Deutschland existieren und welche Roller damit gefahren werden dürfen.

Vorneweg die 2 größten Unterschiede: Als Autofahrer oder Autofahrerin benötigt ihr für einen Dreiradroller, wie er in Deutschland angeboten wird, keinerlei zusätzliche Fahrerlaubnis. Für die Klasse der 125er-Zweiräder braucht ihr aber zumindest den Autoführerschein mit zusätzlicher Schlüsselnummer B196.

Aber wie finde ich nun heraus, ob ich besser die B196-Führerscheinerweiterung mache oder mir einen Dreiradroller kaufe? Wir klären euch über die Vor- und Nachteile der beiden Möglichkeiten auf, damit ihr euch ohne Zweifel für die euch passendere Lösung entscheiden könnt.

Führerscheinklassen und Roller-Typen in Deutschland

  • Klasse AM: Dies ist die gängigste Einstiegsoption, um kleinere Roller zu fahren. Hiermit darf man Roller oder Mopeds bis 50 ccm Hubraum und einer Maximalgeschwindigkeit von 45 km/h fahren. Diesen Führerschein kann man ab 15 Jahren erwerben.
  • Klasse B196: Seit 2020 besteht die Möglichkeit, mit dem Autoführerschein (Klasse B) und einer zusätzlichen Schulung Motorräder und Roller bis zu 125 ccm und maximal 11 kW (ca. 15 PS) zu fahren. Es handelt sich hierbei um eine Erweiterung, die nach vier theoretischen und fünf praktischen Doppelstunden erlangt wird.
  • Klasse A1: Mit einem A1-Führerschein darf man ebenfalls 125er fahren, allerdings ist hierfür eine umfangreichere theoretische und praktische Ausbildung notwendig. Dies ist oft eine beliebte Option für jüngere Fahrer, da man den A1-Führerschein bereits mit 16 Jahren erwerben kann.
  • Klasse A2 und A: Für größere Roller mit stärkerer Leistung (über 11 kW bzw. 125 ccm) benötigt man die Führerscheinklassen A2 oder A. Der A2 erlaubt das Fahren von Motorrädern und Rollern bis 35 kW, während der Klasse A keine Einschränkungen mehr unterliegen.

Dreirad-Roller: Die Alternative für Autofahrer

Besonders interessant für Autofahrer ist die Option des B196: Diese Zusatzqualifikation erlaubt es, Roller mit bis zu 125 ccm und einer Leistung von maximal 11 kW zu fahren. Damit sind deutlich höhere Geschwindigkeiten möglich - oft über 100 km/h, was Autobahnfahrten erlaubt. Die Wahl des Rollers beeinflusst ebenfalls, welcher Führerschein benötigt wird. Dreirad-Roller wie der Piaggio MP3 bieten eine interessante Alternative.

Dreirädrige Roller haben den Vorteil, dass sie je nach Modell auch mit dem B-Führerschein gefahren werden können, ohne die Erweiterung B196. Dies gilt jedoch nur, wenn der Roller eine Spurweite von mindestens 460 mm und ein ABS-System hat.

Vorteile der Dreiradroller

  • Wie bereits erwähnt, einen extra Führerschein oder eine Erweiterung braucht’s dafür nicht.
  • In Sachen Hubraum sind keine Grenzen gesetzt. Und auch bei der Leistung gibt es fast keine Einschränkungen. Nur wer nach dem 19. Januar 2013 den Autoführerschein gemacht hat, muss mindestens 21 Jahre alt sein - aber auch nur, wenn der Dreiradroller mehr als 15 kW (20,4 PS) Leistung hat.
  • Außerdem bieten die Dreiradroller durch ihre beiden Vorderräder vor allem im Herbst und Winter ein Haftungsplus und somit mehr Sicherheit. Das kann vor allem für Pendler interessant sein, die so viel wie möglich aufs Auto verzichten möchten.

Der Trick: Die Spurbreite und eine fußbetätigte Zweikreis-Bremse führen dazu, dass die Dreiradroller nicht als Motorräder definiert werden.

Nachteile der Dreiradroller

  • Die Nachteile hat nicht jeder auf dem Schirm, sie betreffen aber auch nicht alle Fahrer oder Fahrerinnen. Wer vor allem deshalb vom Auto auf den Roller umsteigen möchte, um im Pendelverkehr zwischen den Autos durchzuschlängeln, sollte sich für ein zweirädriges Gefährt entscheiden. Punkt. Die Dreiradroller sind definitiv zu breit. Und schwerer sind sie auch.
  • Hinzu kommt, dass sie verhältnismäßig teuer sind.
  • Außerdem ist die Auswahl nicht besonders groß. Aktuell gibt es 3 Hersteller, die Dreiradroller in Deutschland anbieten, insgesamt sind es 5 Modelle.

In Deutschland erhältliche Dreiradroller (Preise können abweichen):

Modell Kubik Leistung Gewicht Preis (ab)
Peugeot Metropolis 399 26,2 kW/35,6 PS 280 kg 9.355 Euro (ohne NK)
Piaggio MP3 300/Sport 278 19 kW/25,8 PS 225 kg 7.290/7.490 Euro (inkl. NK)
Piaggio MP3 400/Sport 399 26 kW/35 PS 257 kg 9.590/9.590 Euro (inkl. NK)
Piaggio MP3 500 Sport Advanced 493 32 kW/44 PS 282 kg 11.590 Euro (inkl. NK)
Yamaha Tricity 300 292 20,6 kW/28 PS 239 kg 8.699 Euro (inkl. NK)

Führerschein-Erweiterung B196: Die Alternative für 125er-Roller

Nachteile der Führerschein-Erweiterung B196

Der Nachteil der B196-Option lässt sich folgendermaßen auf den Punkt bringen: Es ist eine Führerschein-Erweiterung um die Schlüsselzahl B196 notwendig. Dafür gibt es Voraussetzungen und ein paar wenige Hürden:

  • Die Anwärter müssen mindestens 25 Jahre alt sein,
  • seit mindestens 5 Jahren den Führerschein Klasse B haben
  • und es sind neun 90-minütige Doppelstunden Fahrschule zu absolvieren - 4 in der Theorie und 5 in der Praxis. Kosten: je nach Region ca. 700 - 900 Euro.
  • Mit dieser Führerschein-Erweiterung dürfen Autofahrer oder Autofahrerinnen dann lediglich Leichtkrafträder der 125er-Klasse pilotieren, also alles, was bis zu 125 cm³ Hubraum und maximal 11 kW (15 PS) Leistung aufweist. In Sachen Hubraum und Leistung sind also strikte Grenzen gesetzt.

Vorteile der Führerschein-Erweiterung B196

Die Vorteile für Autofahrer oder Autofahrerinnen sind bei der Führerschein-Erweiterung um Schlüsselzahl B196:

  • Sie dürfen ein Kraftrad pilotieren, was Fahrdynamik in Schräglage, wendiges Kurvenverhalten, einfaches Handling sowie Durchschlängeln im Verkehr, insbesondere im Stau, umfasst. Hinzu kommt die deutlich leichtere oder oft ganz entfallende Parkplatzsuche.
  • Die Auswahl an Fahrzeugen ist riesig. Ob schickes Retro-Bike oder praktischer Alltagsroller - der Neufahrzeug-, aber auch der Gebrauchtmarkt bieten eine große Auswahl.

Alternativen und Besonderheiten

Auch Roller mit Dach, wie etwa der BMW C1, fallen in eine spezielle Kategorie. Der C1 war seinerzeit der erste Roller mit Dach und Anschnallgurten, was dazu führte, dass er in vielen Ländern, auch in Deutschland, mit dem Autoführerschein gefahren werden konnte. Der Clou hierbei ist, dass man sich mit dem C1 nicht nur vor Wind und Wetter, sondern auch vor einem Helmzwang schützen konnte.

Fazit

Zusammengefasst bietet der Autoführerschein viele Optionen, je nach den individuellen Bedürfnissen des Fahrers. Wer lediglich einen Roller für kurze Strecken und den Stadtverkehr sucht, ist mit einem Roller der Klasse AM bestens bedient. Wer jedoch mehr Leistung sucht und auch längere Strecken fahren möchte, sollte über die B196-Erweiterung nachdenken. Dies ermöglicht den Einstieg in die Welt der 125er Roller und Motorräder, ohne die hohen Kosten und den Aufwand einer vollen Motorradführerscheinausbildung. Die Wahl zwischen Zweirad-, Dreirad- oder Roller-Modellen mit Dach bietet Autofahrern zudem eine große Flexibilität. Dreiräder sind oft komfortabler und sicherer im Handling, während Zweiräder agiler sind. Letztendlich hängt die Wahl des richtigen Rollers und der passenden Fahrerlaubnis stark von den eigenen Bedürfnissen und Vorlieben ab.

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