DT Swiss hat sich seit der Gründung 1994 als einer der führenden Hersteller von Laufrädern etabliert. Bekannt für Schweizer Präzision, produziert DT Swiss hochwertige Speichen, Naben, Felgen und komplette Laufradsätze, die weltweit von Ridern geschätzt und an Bikes verbaut werden.
Um uns nicht nur auf die umfangreichen Labordaten zu verlassen, sondern auch Fahreindrücke im Gelände zu sammeln, ging es mit sechs Laufradsätzen und drei Testfahrern auf eine aussagekräftige Testrunde. Ohne die Laborwerte (Steifigkeit, Gewicht, Trägheit) zu kennen, fuhren drei erfahrene Tester alle Laufräder mit Einheitsreifen und identischen Luftdrücken auf einem selektiven Rundkurs. Die gewonnenen Fahreindrücke zum Fahrkomfort, zur Präzision und zum allgemeinen Handling flossen zu 20 Prozent in die Endnote ein.
Die Überraschung: Die gewonnenen Praxiseindrücke decken sich nicht zu 100 Prozent mit den ermittelten Seitensteifigkeitswerten. Zwar wurden die steifsten Laufräder recht gut eingegrenzt, bei den weicheren Modellen gab es jedoch Überraschungen. Die gemessene Seitensteifigkeit spiegelt also nur einen Teil des Fahrgefühls wider.
Im Gelände scheinen also weitere Faktoren maßgeblichen Einfluss zu haben. So können sich Felgen- und Speichenmaterial auf die Dämpfung und das Schwingungsverhalten auswirken und im Gesamtaufbau ein zum Beispiel gutmütiges oder sogar steifes, unnachgiebiges Verhalten bewirken. Um diesen Effekt abzubilden, fließt auch das Fahrgefühl zu 20 Prozent in die Endnote mit ein. Dennoch bleibt die Seitensteifigkeit ein wichtiges Indiz, das je nach Fahrergewicht nicht zu vernachlässigen ist.
DT Swiss EXC 1200 Classic: Ein genauerer Blick
DT Swiss stellt die Neuentwicklung der 1200-Produktfamilie vor. Darunter HXC, XMC, XRC und die für uns spannendsten EXC 1200 Classic-Laufräder. Für den dedizierten Enduro-Laufradsatz mit Carbon-Felgen werden satte 2.499 € aufgerufen.
Der neue Laufradsatz EXC 1200 Classic ist extra für den Enduro-Einsatz entwickelt worden und setzt auf Carbon-Felgen, die durch neue Fertigungsmethoden verarbeitet werden. Außerdem kommen neue DT Swiss 180-Naben in Verbindung mit J-Bend-Speichen zum Einsatz, die auf Keramik-Kugellagern rollen. Mit einem Gewicht von nur 1.778 g (Vorderrad: 779 g, Hinterrad 999 g) soll der Laufradsatz trotzdem eine hohe Stabilität aufweisen.
EXC steht für den Enduro-Einsatz und die Carbon-Felge. Je mehr Buchstaben, desto hochwertiger der Laufradsatz - das C steht jeweils für Carbon-Felgen. Die Zahl - also in unserem Fall die 1200-Familie - steht jeweils für den Nabentyp. Hier gilt: Je niedriger die Zahl, desto hochwertiger ist die Nabe. Das angehängte Classic bezeichnet die Nabe mit J-Bend-Speichen wie beim neuen EXC 1200 Classic-Laufradsatz; SPLINE bezeichnet die Naben für Straightpull-Speichen, wie sie die restlichen Laufräder aus der 1200er Baureihe haben.
Neue Fertigungsmethoden für Carbon-Felgen
So verwenden die Schweizer nun ein patentiertes Verfahren zur Herstellung von Carbon-Felgen, das die Lagen des Carbons maximal komprimieren soll. Die sogenannte Carbon-Mold-Technologie soll Lufteinschlüsse und Harzansammlungen minimieren und eine homogene Materialstruktur begünstigen. Hier werden die Felgen direkt von außen nach innen in einer einzigen Form mit Carbon-Fasern aufgebaut.
Um die Felgen gegen härtere Beanspruchungen zu schützen, werden zusätzliche Carbon-Stränge im Bereich des Felgenhorns um die gesamte Felge gelegt. Das nennt DT Swiss Carbon-Shield-Technologie und soll den äußeren Bereich durch ununterbrochene Fasern noch besser schützen. DT Swiss scannt nach eigener Aussage jede Carbon-Felge im Anschluss an die Produktion Schicht für Schicht.
Fahreindrücke mit dem DT Swiss EXC 1200 Classic
Wir konnten den DT Swiss EXC 1200 Classic-Carbon-Laufradsatz schon einige Wochen testen und haben ihn auch mehrere Tage im Bikepark, in Finale und im ligurischen Hinterland auf einem Trek Slash im Einsatz gehabt. Das geringe Gewicht macht sich durch spontane Beschleunigung bei Zwischensprints oder beim Pushen über Wellen auf dem Trail bemerkbar.
In roughen Trail-Sektionen, wo man die Verwindung der Laufräder spürt, - und diese auch durchaus erwünscht ist - haben die EXC 1200-Räder mit einem angenehmen Flex für Carbon-Laufräder überzeugt. Etwas steifer als der FR541-Alu-Laufradsatz, aber immer noch fehlerverzeihend. In Sachen Haltbarkeit gab es trotz einigen hörbaren Durchschlägen auf die Felge mit MAXXIS DoubleDown-Karkasse keine Probleme - die mit Carbon Shield verstärkten Felgenhörner scheinen ihren Job zu erfüllen.
Aluminium vs. Carbon: Ein Vergleich
Um zu überprüfen, wie sich ein Alu-Laufrad und eine schwerere Carbon-Felge schlagen, haben wir zwei Referenz-Laufräder mit in den Test gepackt. Im Antritt macht sich die um bis zu 35 Prozent höhere Trägheit deutlich bemerkbar. Bei der Seitensteifigkeit erzielen die Alu-Laufräder den zweithöchsten Wert hinter den Roval-Control-SL-Laufrädern. Das Fahrgefühl zwischen diesen beiden Laufrädern unterscheidet sich dennoch grundlegend. Beim Crashtest schlagen sich die Alu-Laufräder bestens.
Tatsache allerdings ist, dass die Rennen im Cross-Country nun mal bergauf gewonnen werden. Und hier kommt es auf andere Tugenden an: geringes Gewicht, Steifigkeit, Beschleunigung. Neue Materialien wie der Einsatz von Carbon- oder Textilspeichen sorgen selbst in Verbindung mit breiten Felgen für Rekordgewichte von deutlich unter 1200 Gramm. Das sorgt für eine Top-Beschleunigung.
Die Rolle des Reifens
Den größten Einfluss beim Antritt hat aber immer noch der Reifen. In Kombination mit einem aufgezogenen Reifen relativiert sich der Unterschied zwischen den Laufradsätzen wieder. Durch die weit außen liegende Masse des Reifens (z. B. 715 Gramm XC-Reifen) schmilzt der Abstand zwischen Pi Rope und Bike Ahead auf sieben Prozent.
Platten und Defekte an den Reifen sind für Felix ein absolutes No-Go. Deshalb setzte er beim EX 1700 ausschließlich auf Downhill-Reifen oder Reifen mit super robuster Enduro-Karkasse (Schwalbe Super Gravity, MAXXIS Doubledown) in Kombination mit Inserts wie CushCore. Alle Reifen sitzen sehr stramm und benötigen zum Aufziehen auf die Felge Gefühl und die richtige Technik, bei der der Reifen rundum ins Felgenbett gedrückt wird. Dafür lassen sie sich im Anschluss problemlos mit einer gewöhnlichen Standpumpe tubeless aufpumpen. Cool!
Weitere getestete Carbon-Laufräder
Neben DT Swiss wurden auch andere Carbon-Laufräder getestet, darunter:
- E-Thirteen Grappler Sidekick Flux Carbon Enduro-Laufräder
- Newmen Phase 30 Enduro
- Reserve 30|SL
Jeder dieser Laufradsätze wurde im Hinblick auf Gewicht, Fahrverhalten und Haltbarkeit bewertet.
E-Thirteen Grappler Sidekick Flux Carbon Enduro-Laufräder
Die neuen Grappler Sidekick Flux Carbon Enduro- Laufräder vereinen die Federungs- und Performance-Vorteile der Sidekick-Anti-Kickback-Naben. Im Fahrbetrieb zeigt sich das deutlich: Die Laufräder laufen spürbar leichter und damit auch schneller. Trotz des hohen Systemgewichts war es der schnellste Laufradsatz - bergauf wie bergab.
Newmen Phase 30 Enduro
Die Newmen Phase 30 Enduro-Laufräder sind mit 1.657 Gramm der leichteste Laufradsatz im Test. Im Fahrbetrieb zeichnen sie sich durch hervorragende Beschleunigung und sehr guten Komfort aus. Dennoch mangelt es dem Newmen Phase Enduro nicht an Nehmerqualitäten - selbst auf den ruppigsten und verblocktesten Steinfeldern gab es keinerlei Beanstandungen oder Mängel.
Reserve 30|SL
Die Reserve 30|SL gehören zu den leichtesten Carbon-Traillaufrädern auf dem Markt. Im Fahrbetrieb überzeugen die hochwertigen Reserve-Laufräder durch hohe Stabilität und Komfort. Ein gutes Einlenkverhalten und Spurtreue zeichnen den Traillaufradsatz aus, der zudem mit großer Robustheit punktet.
Der Einfluss von Carbon-Speichen
Carbonspeichen machen ein steifes Laufrad, was wiederum ein reaktives und agiles Rad bedeutet, meist geht das aber auf Kosten der Compliance. Für Racing und das letzte bisschen Performance zwar die richtige Wahl, doch für die entspannte Wochenendtour etwas zu hart.
Michi Grätz, Gründer und Chefentwickler bei Newmen Components, äußerte sich zu den Vor- und Nachteilen von Carbon-Speichen: "Die Vorteile überwiegen deutlich. Sie sind leichter, stabiler und steifer. Steifer heißt, sie dehnen sich weniger als Stahlspeichen. Dadurch kann man Laufräder mit weniger Speichen bauen, was wiederum einen positiven Effekt auf die Aerodynamik und das Gewicht hat. Einziger Nachteil: Sie sind teurer als Stahlspeichen."
Tabelle: Vergleich der getesteten Laufräder
| Laufradsatz | Gewicht (g) | Preis (€) | Einsatzbereich | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| DT Swiss EXC 1200 Classic | 1778 | 2499 | Enduro | Carbon-Felgen, Keramik-Kugellager |
| E-Thirteen Grappler Sidekick Flux | - | - | Enduro | Sidekick-Anti-Kickback-Naben |
| Newmen Phase 30 Enduro | 1657 | - | Enduro | Leichtester Laufradsatz im Test |
| Reserve 30|SL | - | - | Trail | Asymmetrische Felgen |
Diese Tabelle bietet einen schnellen Überblick über die wichtigsten Eigenschaften der getesteten Laufräder.
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