Ducati 1098 R: Technische Daten und Fahrbericht

Die Ducati 1098 R wurde für Rennsiege gebaut. Dafür bekam sie so ziemlich alles, was gut und teuer ist.

Einleitung

Die Ducati 1098 R ist ein kompromissloses Renneisen, Schönheit, Superlativ. Der leichteste und stärkste Serien-Zweizylinder aller Zeiten. Dessentwegen die Hubraumgrenzen des Superbike-WM-Reglements neu gezogen wurden. Das Motorrad, das schon lange vor seinem Erscheinen für gewaltige Unruhe gesorgt hat wie ein aufziehender Sturm, dem sein unheilvoller Donner weit vorauseilt. Total auf Racing getrimmt: Die ultimative Zweizylinder-Granate.

Motor und Leistung

Auch wenn sich die von Ducati vollmundig proklamierten 180 PS laut Homologation als 170 PS entpuppen. Dafür soll sich der 1200er-Desmo-Twin fette 134 Nm Drehmoment aus seinen Zylindern pressen. Und der mitgelieferte Race-Kit aus offenen Termignoni-Kohlefaser-Endtöpfen und Steuergerät soll noch einmal sechs Pferde mobilisieren.

Der 1200er-Twin reißt an, dass es einem schier die Sprache verschlägt. Gestützt auf eine kräftige Mitte zerrt die Ducati vorwärts, als wäre der Leibhaftige hinter ihr her. Mit unnachgiebigem Biss bis zum Abregeln bei 10500/min – und trotzdem völlig gleichmäßig. Wheelies im zweiten Gang sind an jedem Kurvenausgang nach Belieben abrufbar. Die Gasannahme ist äußerst direkt, doch nie ruppig.

Um dem Twin diese Leistung abzuringen, war freilich mehr als das bloße Aufblasen des Hubraums notwendig. Über Kastenkolben mit gewaltigen 106 Millimeter Durchmesser tanzen Titanventile auf und ab, mit 44,3 (Einlass) und 36,2 (Auslass) rund zwei Millimeter größer als jene der 1098 S. Beatmet werden die Zylinder über elliptische Drosselklappen, die gewaltige 63,9 Millimeter messen. Da geht jede Menge Vollgas durch.

Leckere Pankl-Titan-Pleuel und die gegenüber der "S" nochmals leichtere, gasnitrierte Kurbelwelle halten die drehenden Massen und das Motorgewicht niedrig, das auch durch die Verwendung eines Sandguss-Gehäuses um 2,2 Kilogramm unter dem der "S"-Motoren liegt.

Fahrwerk und Bremsen

Aber ohne adäquates Fahrwerk ist alles nichts. Deshalb spendierten die Italiener der 1098 R neben einer fein ansprechenden Öhlins-Gabel einen Öhlins-TTX-Stoßdämpfer, der keine Shim-Pakete mehr auf dem Dämpferkolben trägt und das Öl in einem geschlossenen Kreislauf durch die Dämpferventile von Zug- und Druckstufe hindurchpumpt.

Die Vorteile: schneller Aufbau der Dämpferkraft, geringerer Gasdruck und damit eine verminderte Losbrechkraft an den Dichtungen. Die Abstimmung der Federelemente, hinten recht stramm, vorne eher weich, ähnelt der der S-Modelle. Doch nachdem die Gabel in Richtung straff getrimmt war, ging richtig die Post ab. Erzstabil in den schnellen Bögen, hochpräzise und dabei sahnig im Ansprechen, eine wahre Pracht.

Die montierten Pirelli Supercorsa SC sind bezüglich Grip ohnehin eine Macht.

Gewicht und Design

Dazu sparen der leichte Alu-Heckrahmen, die Titan-ummantelten Endtöpfe unter dem Monoposto-Heck und vor allem die Fülle an Karbonteilen vom Verkleidungskiel bis zu den Zahnriemenabdeckungen einige Kilo. Trocken 165 Kilogramm verspricht Ducati und damit drei weniger als bei der 848, was etwa 193 Kilogramm vollgetankt entspräche.

Gemessen daran, wie willig sich die mit leichten Schmiederädern bestückte 1098 R in den engen Ecken von einer Seite auf die andere werfen lässt, durchaus glaubhaft.

Intensive gewichtsreduzierende Maßnahmen wie zahllose Kohlefaserteile drücken das Trockengewicht der Duc auf lediglich 165 Kilo. Das und die leichten Schmiederäder sind verantwortlich dafür, dass sich die elegante Italienerin mühelos von einer Schräglage in die andere werfen lässt.

Elektronik und Traktionskontrolle

Vor allem aber schlummert in den ­digitalen Tiefen des Racing-Steuergeräts ­eine waschechte Traktionskontrolle. Das gleiche System , wie es auch die Werks-Superbikes besitzen.

Die Gasannahme ist äußerst direkt, doch nie ruppig. Der zweizylindrige Kraftprotz schleudert das Leichtgewicht dermaßen zornig über die Geraden, dass kaum Zeit zum Verschnaufen bleibt. Allzu krampfhaft sollte man bei solchen Beschleunigungsorgien nicht an den Stummeln hängen, sonst reagiert die Diva mit leichtem Pendeln.

Auf diesem Steuergerät ist nicht nur das Mapping für die Rennauspuff-Anlage hinterlegt, sondern die DTC (Ducati Traction Control), der ersten Traktionskontrolle im Serienbereich. Dieses Elektronikwunder lässt sich in acht Stufen justieren und regelt zuverlässig den Krafteinsatz in Schräglage. Je nach Modus und aktuellen Gasgriffbefehlen greift das System in die Motorsteuerung ein vom spürbaren Unterbrechen der Zündung bis zum sanften Herunterregeln des Schubs.

Denn die in acht Stufen einstellbare Traktionskon­trolle funktioniert zuverlässig. Vom frühen, aussetzerartigen Eingreifen im Sicherheits-Modus bis zum sanften Regeln in schnellen Kurven. Das schafft Vertrauen. Bis die Hinterhand pumpend von maximaler Beschleunigung kündet und am Kurvenausgang nur noch Grip, Punch und brutaler Vorwärtsdrang bleibt.

Ducati Superbike 1098R Bayliss LE - Sondermodell 2009

Die Ducati 1098R Bayliss Limited Edition ist ein streng limitiertes Sondermodell, das Ducati im Jahr 2009 in einer Auflage von exakt 500 nummerierten Einheiten weltweit produziert. Sie basiert technisch auf der Ducati 1098R, dem damaligen Topmodell der Superbike-Baureihe, und wurde zu Ehren des dreifachen Superbike-Weltmeisters Troy Bayliss aufgelegt, der sich 2008 aus dem aktiven Rennsport zurückzog.

Design und Sonderausstattung

Die 1098R Bayliss LE unterscheidet sich optisch deutlich von der Serienversion. Sie trägt eine spezielle Lackierung im Stil des Ducati-Xerox-Werksteams, inklusive der Startnummer 21 von Troy Bayliss. Der Kraftstofftank besteht aus gebürstetem Aluminium und bleibt unlackiert - ein exklusives Merkmal dieses Modells. Auf der oberen Gabelbrücke ist eine nummerierte Plakette angebracht, die die Limitierung dokumentiert.

Zum Lieferumfang gehört ein offizielles Racing-Kit, bestehend aus einer Termignoni-Titan-Komplettauspuffanlage und einer speziell abgestimmten ECU. Diese Komponenten sind ausschließlich für den Einsatz auf der Rennstrecke vorgesehen und nicht für den Straßenverkehr zugelassen.

Fahrwerk und Ergonomie

Das Fahrwerk entspricht der regulären 1098R. Es umfasst eine voll einstellbare Öhlins-43-mm-Upside-Down-Gabel sowie ein Öhlins-TTX36-Federbein hinten. Auch der Lenkungsdämpfer stammt von Öhlins. Die Sitzposition ist kompromisslos sportlich und auf den Rennstreckeneinsatz ausgelegt. Die Bayliss LE wird ausschließlich mit Monoposto-Heck ausgeliefert, eine Soziusoption ist nicht vorgesehen.

Elektronik und Anzeigeinstrumente

Die Ducati 1098R Bayliss LE ist mit einem volldigitalen LC-Display ausgestattet, das neben den üblichen Fahrdaten auch Informationen zur Traktionskontrolle und zur Datenaufzeichnung liefert. Die Ducati Traction Control (DTC) ist in acht Stufen einstellbar und basiert auf der Technologie aus der Superbike-Weltmeisterschaft. Ebenfalls serienmäßig ist das Ducati Data Analyzer (DDA) System zur Auswertung von Fahrdaten.

Reifen und Ausstattung

Ab Werk ist die 1098R Bayliss LE mit Pirelli Diablo Supercorsa SP Reifen ausgestattet. Diese sind für den sportlichen Straßeneinsatz homologiert. Koffer, Topcase oder ein verstellbarer Windschild sind nicht erhältlich, da das Modell konsequent auf Leichtbau und Performance ausgelegt ist. Ein Windschild ist vorhanden, jedoch nicht verstellbar.

Garantie und Zulassung

Die Ducati 1098R Bayliss LE wird mit der standardmäßigen zweijährigen Ducati-Werksgarantie ausgeliefert. Sie ist voll straßenzugelassen, allerdings darf die mitgelieferte Racing-Auspuffanlage nicht im öffentlichen Straßenverkehr verwendet werden. Das Standgeräusch beträgt laut offiziellen Zulassungsdokumenten 104 dB(A), was in bestimmten Regionen - etwa in Tirol - zu Fahrverboten führen kann.

Ist die Ducati Superbike 1098R Bayliss LE für Anfänger geeignet?

Nein, die 1098R Bayliss LE richtet sich ausschließlich an erfahrene Fahrer. Leistung, Sitzposition und Fahrwerk sind auf den Rennstreckeneinsatz ausgelegt und nicht für Einsteiger geeignet.

Hat die Ducati Superbike 1098R Bayliss LE ABS?

Nein, die 1098R Bayliss LE ist nicht mit einem Antiblockiersystem ausgestattet. ABS war bei diesem Modelljahr nicht serienmäßig verfügbar.

Unterschiede Ducati 1098R vs. 1098R Bayliss LE?

Die Bayliss LE unterscheidet sich durch die exklusive Rennlackierung, den gebürsteten Aluminiumtank, die limitierte Seriennummer und das mitgelieferte Racing-Kit mit Titan-Auspuff und spezieller ECU. Technisch entspricht sie der regulären 1098R.

Wie hoch ist die Reichweite der Ducati Superbike 1098R Bayliss LE?

Der Tankinhalt beträgt 15,5 Liter. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 6,5 l/100 km ergibt sich eine theoretische Reichweite von rund 240 Kilometern. Der tatsächliche Wert hängt stark von der Fahrweise ab.

Darf man mit der Ducati Superbike 1098R Bayliss LE nach Tirol fahren?

Mit einem Standgeräusch von 104 dB(A) fällt die 1098R Bayliss LE unter das Tiroler Fahrverbot für Motorräder mit über 95 dB(A) Standgeräusch.

Technische Daten im Überblick

Hier sind die wichtigsten technischen Daten der Ducati 1098 R:

Merkmal Daten
Motor wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor
Hubraum 1198 cm³
Leistung 125 kW (170 PS) bei 9750/min
Drehmoment 134 Nm bei 7750/min
Trockengewicht 165 kg
Tankinhalt 15,5 Liter

Ducati 1098 R vs. Ducati Panigale V4 S

Dem Ducati 1098 R mit ihrem 2-Zylinder-Motor und einem Hubraum von 1.198 Kubik steht die Ducati Panigale V4 S mit ihrem 4-Takt V 4-Zylinder-Motor mit 1.103 Kubik gegenüber. Die Panigale V4 S bietet mit 214 PS bei 13.000 Umdrehungen einen spürbaren Unterschied im Vergleich zur 1098 R mit 180 PS bei 9.750 U / min. Das maximale Drehmoment der 1098 R von 134 Newtonmeter bei 7.750 Touren bietet ähnlich viel Schub als die 124 Nm Drehmoment bei 10.000 Umdrehungen bei der Panigale V4 S.

Die Panigale V4 S setzt vorne auf eine in Druckstufe, Federvorspannung und Zugstufe verstellbare Telegabel Upside-Down von Öhlins mit 43 Millimeter Standrohr-Durchmesser und hinten arbeitet auf ein in Druckstufe, Federvorspannung und Zugstufe verstellbares Monofederbein von Öhlins. Für die notwendige Verzögerung sorgt auf der 1098 R vorne eine Vierkolben-Zange von Brembo und hinten eine Scheibe Zweikolben-Zange. Die Panigale V4 S vertraut vorne auf eine Doppelscheibe mit 330 Millimeter Durchmesser und Vierkolben-Zange von Brembo. Hinten ist eine Scheibe mit 245 mm Durchmesser und Zweikolben-Zange verbaut.

Für Bodenkontakt sorgen auf der Panigale V4 S Reifen in den Größen 120/70-17 vorne und 200/60-17 hinten. Der Radstand der Ducati 1098 R misst 1.430 Millimeter, die Sitzhöhe beträgt 820 Millimeter. Die Ducati Panigale V4 S ist von Radachse zu Radachse 1.469 mm lang und ihre Sitzhöhe beträgt 830 Millimeter. In den Tank der 1098 R passen 15,5 Liter Sprit. Bei der Panigale V4 S sind es 16 Liter Tankvolumen.

Fazit

Mit der 1098 R stellt sich ein sündhaft teures Rennmotorrad ohne Wenn und Aber vor, mit ausgeklügelten Features dazu auserkoren, auf der Rennstrecke Triumphe einzufahren.

Die Ducati 1098 R wird ausschließlich in den Modelljahren 2008 und 2009 produziert. Sie dient als Homologationsmodell für die Superbike-Weltmeisterschaft und basiert technisch auf der Ducati 1098, unterscheidet sich jedoch in wesentlichen Punkten, die auf den Rennstreckeneinsatz ausgelegt sind.

Ducati 1098 R vs. Ducati 1098 - Unterschiede?

Die 1098 R unterscheidet sich durch den größeren Motor (1198 cm³), Titanpleuel, das DTC-System (nur mit Kit aktivierbar), ein hochwertigeres Öhlins-Fahrwerk, geschmiedete Marchesini-Räder und weitere rennsportorientierte Komponenten von der Standard-1098.

Ducati 1098 R Tankinhalt und Reichweite?

Der Tank fasst 15,5 Liter.

Ist die Ducati 1098 R für Anfänger geeignet?

Nein, die Ducati 1098 R ist aufgrund ihrer hohen Leistung, der aggressiven Sitzposition und der rennsportorientierten Fahrwerksabstimmung nicht für Fahranfänger geeignet.

Hat die Ducati 1098 R ABS?

Nein, die Ducati 1098 R ist nicht mit einem Antiblockiersystem (ABS) ausgestattet.

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