Die Ducati Hypermotard ist eine Mischung aus Naked Bike, Supermoto-Flitzer und Fun Bike. Die Szene ist hin und weg, honoriert das mit sicherer Hand designte Spielmobil mit dem Prädikat "Best of Show". 2007 geht das Playbike mit dem luftgekühlten 1100er-V2 in Serie, orientiert sich im Jahr 2013 mit dem wassergekühlten 821 cm³-Zweizylinder antriebsseitig neu.
Und jetzt? Heißt der Eckenwetzer Ducati Hypermotard 939. Auch wenn’s nicht ganz korrekt ist. Denn die sechs Millimeter größere Bohrung stockt den L-Twin auf exakt 937 cm³ Hubraum auf. Schwamm drüber, auch die Panigale 959 und 1299 tragen nicht ihren wirklichen Hubraum im Namen. Äußerlich bleibt der Treibsatz unverändert. Nur ein vor dem liegenden Zylinder montierter Ölkühler erinnert an den wegen des Hubraumnachschlags abgesicherten Wärmehaushalt.
Sitzposition und Ergonomie
Und unverändert platziert die Ducati auch ihren Piloten. Das rechte Bein mit Elan über die auf Reiseenduro-Höhe (870 mm) montierte Sitzbank geschwungen, und sofort stellt sich dieses typische Hypermotard-Feeling ein. Ganz nah rückt der Oberkörper an den Lenker, der Blick nach unten führt ins Nichts. Die Front scheint regelrecht nach hinten weggeklappt zu sein. Diese Ergonomie vorderradbetont zu nennen, wäre wohl untertrieben.
Technische Details und Änderungen gegenüber dem Vorgängermodell
Die Ducati Hypermotard 939 soll dank gut 100 cm³ mehr Hubraum vor allem mehr Druck bei mittleren Drehzahlen bieten. Wir haben die Standard- und SP-Version auf der Straße und auf der Rennstrecke getestet.
Sechs Kilogramm hat die vollgetankt 204 Kilo schwere Ducati Hypermotard 939 im Vergleich zu ihrer Vorgängerin zugelegt. Der Großteil des Zusatzballasts soll im zehn Zentimeter längeren, Euro-4-konformen Schalldämpfer stecken.
Quirlig, spritzig, kultiviert - mit seiner erfrischenden Leichtigkeit hat der 821er die Hypermotard-Fans in den vergangenen drei Jahren begeistert. Diesem Erbe fühlt sich auch der aufgebohrte Nachfolger verpflichtet. Keine zusätzliche Schwungmasse oder geänderte Steuerzeiten sollen den Antritt zähmen, eine etwas höhere Verdichtung (13,1 statt 12,8) sogar den Charakter noch etwas nachschärfen. Selbst dass die Spitzenleistung bei der Ducati Hypermotard 939 von 110 auf 113 PS kaum gestiegen ist, hat einen Plan. Denn die Losung lautet: alles auf Drehmoment.
Bis zu 18 Prozent soll die Kurve des 937er-Triebwerks über der des 821ers liegen. Beschwingt tritt er an, hängt ab 3000/min aufmerksam am Gas und scheint nach dieser Marke sein Drehmoment so geradlinig wie ein Elektromotor über das Drehzahlband zu verteilen. Kein überraschend einsetzender Biss, keine Gedenksekunde, kein Abflachen vor der Drehzahlgrenze bei 10.000 Touren. V2-Power appetitlich serviert.
Die neue Hypermotard 939 Familie nutzt einen flüssigkeitsgekühlten Vier-Ventil-Motor mit 94 mm Bohrung und 67,5 mm Hub. Der neue Motor trägt technische Lösungen in sich, die direkt auf Ducatis Ingenieurskünste hinweisen und die die neue Kreation zu einem laufruhigen und starken Antrieb machen.
Die wichtigsten Neuerungen im Überblick:
- Motor Bohrung von 88 auf 94 mm erhöht
- Hubraum von 821 auf 937 cm³ erhöht
- Drehmoment um bis zu 18 Prozent erhöht
- Spitzenleistung von 110 auf 113 PS erhöht
- Ölkühler hinzugefügt
- Längere Übersetzung (Kettenrad 43 statt 45 Zähne)
- Display mit Ganganzeige
- Schalldämpfer um 10 cm verlängert und mit größerem Katalysator ausgerüstet
- LED-Blinker
Fahrwerk und Bremsen
Die Hypermotard 939 Familienmitglieder sind mit Stahl-Gitterrohr-Rahmen ausgerüstet mit 34 mm starken Rohren im Hauptbereich, 25.5° Lenkkopfwinkel, 104 mm Nachlauf und 30 mm Offset - alles in allem Daten, die stabile und sichere Fahrmanöver ermöglichen, ohne an Agilität einzubüßen, die so typisch für diese Motorrad-Gattung ist.
Die vordere Bremse arbeitet mit einem Paar Brembo M4.32 Monobloc 4-Kolben-Sätteln, die radial verschraubt sind und im Fall der Hypermotard 939 und Hyperstrada 939 von einem Hauptbremszylinder mit 4-fach verstellbarem Hebel aktiviert werden. Die 939 SP glänzt mit einem Radial-Hauptbremszylinder und 5-fach einstellbarem Hebel.
Alle neuen Hypermotard 939 Modelle sind serienmäßig mit dem Multilevel Bosch 9MP ABS ausgerüstet. Die hintere Radaufhängung der neuen Hypermotard 939 Familie fußt auf der exklusiven Druckguss-Aluminium-Einarmschwinge. Sie wurde speziell dafür entwickelt, um Stärke und Stabilität für die maximale Kontrolle der Hinterachse bereit zu stellen.
Elektronik und Fahrmodi
Die Hypermotard 939 Familie ist mit der aktuellsten Bosch 9MP ABS Einheit ausgestattet, das ein integraler Bestandteil des Ducati Safety Pack ist. Die komplette Modellfamilie der Hypermotard ist mit dem Ducati Safety Pack (DSP) ausgestattet. Das DSP wurde entwickelt, um den Fahrer eine bessere Kontrolle über das Bike zu geben und die aktive Sicherheit beim Fahren zu vergrößern.
Alle Mitglieder der Hypermotard 939 Familie bieten drei Riding Modes, die so programmiert sind, dass sie unmittelbar das Motor-Drehmoment sowie den Interventions-Level von ABS und Ducati Traction Control verändern können, sogar beim Fahren.
- SPORT: Der Sport Riding Mode liefert 110 PS mit einer sehr direkten Gasannahme über RbW.
- TOURING: Der Touring Riding Mode stellt ebenfalls 110 PS bereit mit einem etwas gemäßigteren Ansprechverhalten des RbW beim Beschleunigen.
- URBAN: Der Urban Riding Mode erzeugt 75 PS mit "weicher" Gasannahme des RbW.
Ducati Hypermotard 939 SP: Die sportliche Speerspitze
Ducati stellt traditionell fast jedem Modell eine hochwertiger ausgestattete Variante zur Seite. Die Ducati Hypermotard 939 SP ist technisch sowie optisch deutlich aufgerüstet - und kostet 3700 Euro mehr.
Die Unterschiede der SP-Variante zum Basismodell sind unübersehbar. Hochglänzend lackierte Kunststoffteile, Zahnriemenabdeckung und Frontkotflügel in Karbon, Öhlins-Federelemente, abgesteppte Sitzbank - die Nobel-Motard macht was her. Immerhin 3700 Euro trennen die 15.590 Euro teure SP-Variante vom Standardmodell.
Die Ducati Hypermotard 939 SP ist technisch sowie optisch deutlich aufgerüstet. Mittelgroße Piloten (1,83 m) ertasten wegen der längeren Federwege und der aufgepolsterten Sitzbank nur noch mit den Fußspitzen den Boden. Während die vorderradorientierte Abstimmung der Hypermotard auf der Landstraße etwas Gewöhnung braucht, passt die Ausrichtung auf der Piste auf Anhieb. Mit viel Druck auf der Front zieht die Ducati Hypermotard 939 SP enge Bögen, der Punch des Zweizylinders lässt das Vorderrad dennoch nach jeder engen Kehre über dem Asphalt schweben.
Übermäßiges Abtauchen beim Anbremsen? Kein Thema. Gewichtsverlagerung in Wechselkurven? Auf der flachen Sitzbank ein Kinderspiel. Anbremsen auf der letzten Rille? Der ABS-Race-Modus und die gefühlsechte Radial-Bremsarmatur machen’s nervenschonend möglich. Schnell fasst man Mut, lotet die auf 47,5 Grad erhöhte Schräglagenfreiheit aus und erkennt: Die Ducati Hypermotard 939 SP bügelt gezielt die Schwächen ihrer Schwester aus. Wahrscheinlich nicht nur auf der Rennstrecke.
Unterschiede der Ducati Hypermotard 939 SP zum Standardmodell:
- Aggressiveres Mapping (Wet, Sport, Race)
- Federelemente von Öhlins, voll einstellbar mit 15/25 mm (v/h) längerem Federweg
- Geschmiedete Räder von Marchesini
- Radial-Bremspumpe
- Pirelli Supercorsa SP
- Gewicht (201 kg) um drei Kilogramm niedriger
- ABS-Abstimmung mit drei statt zwei Stufen
- Aufwendigere Lackierung
- Karbon-Abdeckungen
- Zylinderkopfdeckel aus Magnesium
- Sitzbankkontur flacher
- Sitzhöhe um 20 auf 890 mm erhöht
- Lenker konifiziert
Technische Daten im Überblick
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten technischen Daten der Ducati Hypermotard 939 zusammen:
| Merkmal | Daten |
|---|---|
| Motor | Flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Motor in L-Konfiguration |
| Hubraum | 937 cm³ |
| Bohrung/Hub | 94,0/67,5 mm |
| Leistung | 83 kW (113 PS) bei 9000/min |
| Drehmoment | 97,9 Nm bei 7500/min |
| Getriebe | Sechsganggetriebe |
| Radstand | 1498 mm |
| Sitzhöhe | 870 mm (Standard), 890 mm (SP) |
| Tankinhalt | 16,0 Liter |
| Gewicht (vollgetankt) | 204 kg (Standard), 201 kg (SP) |