Ducati: Eine Übersicht über Modelle und Geschichte

Ducati - allein schon der Name lässt das Herz von Motorradfans höherschlagen. Die italienische Traditionsmarke steht für Leistung, Innovation und ein unverwechselbares Design, das seit Jahrzehnten die Zweiradwelt prägt.

Die Anfänge: Von Radioteilen zum Motorradhersteller

Ducati Motor Holding S.p.A., wie das Unternehmen offiziell heißt, hat seine Wurzeln nicht in der Motorradbranche, sondern in der Entwicklung und Herstellung von Radioteilen. Die Geschichte beginnt im Jahr 1926 in Bologna, Italien. Damals gründete Antonio Cavalieri Ducati mit seinen Söhnen Adriano, Bruno und Marcello die „Società Scientifica Radio Brevetti Ducati“.

Die eigentliche „Ducati Motor“-Geschichte beginnt also erst nach 1945, als man den Bau von Motoren für Fahrräder und leichte Motorräder ins Visier nahm. Diese strategische Wende vom Elektronik- zum Fahrzeughersteller war mutig, aber genau richtig.

Die Gründung von Ducati wird oft einem einzigen Namen zugeschrieben, tatsächlich war es aber ein Familienprojekt. Der Patriarch der Familie war Antonio Cavalieri Ducati (1855-1927). Zusammen mit seinen drei Söhnen Adriano, Bruno und Marcello gründete er die „Società Scientifica Radio Brevetti Ducati“.

Die Ära der V2-Motoren in der Superbike-WM

Mit 17 Konstrukteurs- und 14 Fahrertiteln ist Ducati der mit Abstand erfolgreichste Hersteller der Superbike-WM-Geschichte. 31 Jahre lang setzte der italienische Hersteller auf den traditionellen V2-Motor im 90-Grad-Winkel, der von der 851-Ära zur eben zu Ende gegangenen 1199-Ära immer weiter perfektioniert wurde. Am Ende leistete Ducatis Twin mehr als 230 PS und stieß an die Grenzen des Machbaren.

Die frühen Erfolge mit der 851 und 888

Alles begann 1988 - der ersten Saison der Superbike-Weltmeisterschaft. Ducati-Pilot Marco Lucchinelli konnte mit der 851 aber bereits Rennen gewinnen. Doug Polen setzte 1991 und 1992 mit der 888 die Erfolgsserie fort.

Die Legende 916 und Carl Fogarty

In der Saison 1994 debütierte die legendäre 916 - das wohl wichtigste Superbike in Ducatis Firmengeschichte. Carl Fogarty gewann seinen ersten Titel und wiederholte diesen Erfolg in der Saison 1995. "Foggy" verließ 1996 sein Erfolgsteam und wechselte zu Erzfeind Honda, doch Ducati gewann trotzdem. Troy Corser bescherte der 916 den dritten Titel in Folge. Und auch 1999 triumphierte Fogarty mit Ducati.

Das Ende der Ära Carl Fogarty

Durch einen Sturz beim Rennwochenende in Australien wurde die Karriere des viermaligen Weltmeisters in der Saison 2000 abrupt beendet. Ducati musste einen Ersatz finden und ermöglichte Troy Bayliss den Aufstieg ins Werksteam. Honda-Pilot Colin Edwards holte in der Saison 2000 souverän den Titel, kein Ducati-Pilot schaffte es in die Top 5 der Meisterschaft. In der darauffolgenden Saison wurden die Superbike-Fans Zeugen des wohl spannungsvollsten Finales der WSBK-Geschichte. Bayliss duellierte sich in Imola mit Edwards und unterlag nur knapp. Die Ära der 916/996/998 ging mit dem Vizetitel zu Ende, bevor Ducati die Fans mit dem neuen Modell irritierte.

Die Ära der 999

In der Saison 2003 begann für Ducati eine neue Ära. Die Italiener präsentierte die 999, die bei den Traditionalisten nicht gut ankam. Im Vergleich zur bildhübschen 916 wirkte die 999 gewöhnungsbedürftig. Mit der unkonventionellen Front und dem Verzicht auf die Einarmschwinge der 916-Reihe ging die 999 als Flop in die Superbike-Geschichte von Ducati ein. Doch die sportlichen Erfolge geben dem 999-Konzept Recht.

Die Dominanz in der WSBK

Nachdem die anderen Hersteller in die MotoGP abwanderten, dominierte Ducati die Superbike-WM nach Belieben. 2003 fuhr Neil Hodgson Siege in Serie ein und wurde vorzeitig Meister. Troy Bayliss bescherte Ducati nach seiner Rückkehr in die WSBK in der Saison 2006 den dritten Titel mit der 999.

Die 1098 und der dritte Titel für Bayliss

Bayliss gelang 2008 in der Debütsaison der 1098 das Kunststück, mit einem weiteren Ducati-Superbike den WM-Titel sicherzustellen. Der Australier verabschiedete sich nach dem dritten Titelgewinn aus der Superbike-WM. Ducati kämpfte 2009 mit Noriyuki Haga erneut um die WM, musste sich schlussendlich aber Ben Spies geschlagen geben. Es war die bisher letzte Saison in der WSBK-Geschichte, in der Ducati einen Fahrer- oder Herstellertitel feiern konnte.

Das Kapitel Panigale

Das Kapitel Panigale, das in der Saison 2013 begann, ging 2018 ohne Titel zu Ende. Ab 2019 tritt Ducati mit dem neuen V4-Superbike an.

Ernesto Marinellis Erinnerungen an die Ducati-Superbikes

Ex-Ducati-Superbike-Projektleiter Ernesto Marinelli ist eng mit der WSBK-Geschichte des Herstellers aus Bologna verbunden. Bis Ende 2017 war Marinelli für Ducatis Superbike-Projekt verantwortlich. Im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' spricht der Italiener über seine Zeit bei Ducati und die verschiedenen Epochen.

"Ich begann 1995 mit der 916, einem der schönsten Motorräder", schwärmt Marinelli. "Es war das erste Motorrad, mit dem ich mich im Detail befasste. Die 999 war das erste Superbike, mit dem ich als Technischer Direktor arbeitete. Ich begleitete das Projekt von der Idee über die ersten Prototypen bis zum fertigen Motorrad. Es war ein besonderes Projekt für mich."

"Das Straßenmotorrad wurde wegen der Optik in Frage gestellt. Wenn ich ins Museum gehe und mir die 999 im Rennlook anschaue, dann gefällt sie mir nach wie vor sehr", berichtet Marinelli. "Wir haben damit viele Meisterschaften und Rennen gewonnen. Es war die erste Liebe und deshalb nach wie vor eine meiner Lieblingsmaschinen."

"Die 1198 war ein sehr emotionales Motorrad. Es war das letzte Jahr, in dem wir die Meisterschaft gewinnen konnten und zudem der Abschied von Bayliss. Er war zweifellos der beste Fahrer, mit dem ich zusammenarbeiten durfte. Ich verbinde sehr viele tolle Erlebnisse mit diesem Motorrad. Negativ im Gedächtnis blieben mir die Diskussionen bezüglich der Regeln, die kein Ende fanden", spielt er die Balance of Performance zwischen Zwei- und Vierzylindern an.

"Ich hatte mit allen Fahrern ein sehr gutes Verhältnis. Sicher teilte ich die intensivsten Momente mit Troy Bayliss", erinnert sich Marinelli. "Wir gewannen zusammen Meisterschaften, aber auch das MotoGP-Rennen in Valencia. Die Verbindung war sehr stark. Es war unglaublich. Die Meisterschaft mit James Toseland war noch direkter, denn ich war der Technische Direktor", blickt der langjährige Ducati-Mitarbeiter zurück.

Die Ducati Monster: Ein Kult-Naked-Bike

Die Geschichte der Ducati Monster begann in den frühen 1990er Jahren, genauer gesagt im Jahr 1992. Ducati Designer Michel Angel Galluzzi bekam von der Cagiva Gruppe und Ducati den Auftrag ein Motorrad zu designen, welches kraftvolles, italienisches Styling mit den Ducati-typischen Komponenten wie dem Giterrorrahmen und einem 90° Zweizylinder-Motor beinhaltete. Zudem sollte es ein Motorrad für den Cruisermarkt werden, kein Sportmotorrad wie die damals bereits in der Superbike-Weltmeisterschaft eingesetzten Ducati 888.

Galluzzi stellte im besagten Jahr 1992 das Design der Ducati Monster bei Ducatis technischem Direktor Massimo Bordi vor. Wie man heute weiß mit immensem Erfolg. Bordi leitete die Produktion der Ducati Monster ein, aber Ducati selbst hatte Probleme zu dieser Zeit. Die finanziellen Mittel waren einmal mehr knapp, was eine durchgehende Neukonzeption des Motorrads unmöglich machte.

Der Rahmen der Monster entstammte der 851 respektive Ducati 888, inklusive der Kastenschwinge und Federbeinkonstruktion mit Heckbügel. Die Front stammte aus der Ducati 750 Supersport.

Im Jahr 1993 wurde dann die Ducati Monster 900 (kurz M900) auf die kaufwillige Menschheit losgelassen. Basierend auf der Monster 900 kam 1994 zeitgleich mit der ikonischen Ducati 916 auch die Monster 600 auf den Markt. 1995 schob Ducati dann die Monster 750 nach.

Die Millenniumswende 2000 markierte dann den Einzug der elektronisch geregelten Einspritzung in die Monsterbaureihe. Diese wurde in der Monster 900 eingebaut, die dann den Zusatz i.e. (iniezione elettronico) bekam.

Im darauffolgenden Jahr 2001 kam dann der große Knall. Die Desmoquattro-Motorren (Vierventiler aus den Superbikes) wurden in der Superbikebaureihe durch die Testastretta-Motoren abgelöst. Was also tun mit den ganzen Restmotoren? Ducati nahm sich der Problematik in der alten Tradition an und nahm aus dem Regal, was nötig war um der Monster wieder einmal eine Frischzellenkur zu verpassen. Die 916 Motoren fanden ihren Weg in die Monster S4. Zudem wurden die Bremsen der S4 höherwertig mit den aktuell verfügbaren Brembo P30/34 aus den Superbikes ausgestattet.

2005 kam die Ducati Monster S4RS auf den Markt. Ein durch den Testastretta aus der 999S nur so vor Kraft strotzender, wütender PS-Wuthobel, der um die 140 PS auf die Straße drückte. Zudem war die S4RS ausgestattet mit komplettem Öhlinsfahrwerk und dicken P4 34/34 Brembo Bremsen aus der 999S.

2007 veröffentliche Ducati mit der Monster 696 ein komplette Neugestaltung des Monster Themas.

Die Eigentumsverhältnisse von Ducati

Die Frage „Wem gehört Ducati?“ führt direkt zum Volkswagen-Konzern - einem der mächtigsten Automobilriesen der Welt. Doch ganz so einfach ist es nicht, denn die Unternehmensstruktur setzt sich aus mehreren Ebenen zusammen. Offiziell ist Ducati Motor Holding S.p.A. eine Tochtergesellschaft der Automobili Lamborghini S.p.A., die wiederum im Besitz der Audi AG ist.

Im Jahr 2012 übernahm Audi die Ducati Motor Holding S.p.A. von der damaligen Investmentgesellschaft, die sie zuvor gehalten hatte. Audi ordnete die Motorradmarke Ducati kurzerhand ihrer italienischen Tochter Lamborghini zu. Seither firmiert Ducati als indirektes, aber hundertprozentiges Tochterunternehmen des Volkswagen-Konzerns.

Effektiv bedeutet das: Sämtliche strategischen Entscheidungen müssen letztendlich mit dem Management von Audi und dem Volkswagen-Konzern abgestimmt werden. Innerhalb dieser Konzernstruktur gibt es also keinen Streubesitz oder signifikante Anteile, die sich in den Händen anderer Investoren befinden. Ducati ist vollständig im Besitz des Konzerns.

Claudio Domenicali: Der aktuelle CEO

Der aktuelle CEO von Ducati Motor Holding S.p.A. ist Claudio Domenicali. Er hat die Position seit 2013 inne und gilt als eine der prägendsten Führungspersönlichkeiten in der jüngeren Geschichte des Unternehmens. Sein Werdegang ist eng verknüpft mit der Entwicklung der sportlichen DNA von Ducati.

Unter seiner Führung hat Ducati sich stärker international ausgerichtet und die Modellpalette erweitert. Zudem setzte Domenicali einen Fokus auf Innovation und Technologie. Auch im Bereich Motorsport hatte er seinen Anteil: Dank konsequenter Investitionen in die MotoGP gewann Ducati in den letzten Jahren an Schlagkraft und konnte zahlreiche Siege und WM-Titel feiern.

Umsatz und Markstellung

Ducati Motor Holding hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich weiterentwickelt und konnte beeindruckende Geschäftszahlen vorweisen. Insbesondere in der jüngeren Vergangenheit wächst der Hersteller von Premium-Motorrädern stetig. Ein Meilenstein war das Jahr 2022: Hier meldete das Unternehmen einen neuen Rekordumsatz von über 1 Milliarde Euro. Konkret lagen die Einnahmen bei rund 1,09 Milliarden Euro, was einer deutlichen Steigerung gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Im globalen Markt für Motorräder über 500 ccm Hubraum nimmt Ducati eine Premiumstellung ein. Die Marke konkurriert dabei mit anderen High-End-Herstellern wie Harley-Davidson oder BMW Motorrad.

Ducati vertreibt seine Fahrzeuge und Zubehörteile in über 90 Ländern. Dort sorgen lokale Niederlassungen oder ausgewählte Vertragshändler für eine professionelle Marktbearbeitung. Dieser internationale Fokus zahlt sich aus: Das Unternehmen konnte in vielen Märkten Rekordverkäufe verbuchen und erwirtschaftete erhebliche Teile seines Umsatzes außerhalb Italiens.

Die unternehmerische Erfolgsgeschichte

Die unternehmerische Erfolgsgeschichte von Ducati ist geprägt von Innovationskraft, Motorsportleidenschaft und einer unermüdlichen Suche nach Perfektion. Nachdem das Unternehmen in den 1920er-Jahren als Hersteller von Radioteilen gestartet war, drehte sich in der Nachkriegszeit zunehmend alles um Zweiräder. In den folgenden Jahrzehnten baute Ducati seine Reputation im Bereich Hochleistungsmotorräder aus.

Ein wichtiger Durchbruch gelang Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre mit der „851“, die dank modernster Technik im Superbike-Segment für Furore sorgte. Sie legte den Grundstein für spätere Erfolge in der Superbike-Weltmeisterschaft.

Im Laufe der 1990er etablierte sich zudem die „Monster“-Baureihe, eine Naked-Bike-Serie, die sich zum Verkaufsschlager entwickelte und Ducati weitere Käuferschichten eröffnete.

Seit den 2010er-Jahren ist Ducati zudem für innovative Elektronik und Assistenzsysteme bekannt, die Spitzenleistung und Sicherheit kombinieren. Auch abseits der Rennstrecke setzt das Unternehmen Trends: Modelle wie die Multistrada (Touring) oder die Scrambler-Serie (Lifestyle) sprechen neue Zielgruppen an.

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