Ducati Monster S2R 800 Technische Daten und Fahrbericht

Die Ducati Monster S2R soll die Faszination für ein attraktives Äußeres mit genussfreudigem Fahrverhalten vereinen - und das zu einem für Ducati-Verhältnisse günstigen Preis. Sie ersetzt zum gleichen Preis von 9045 Euro die bisherige Mittelklasse-Monster M 800. Von ihr stammen der Gitterrohrrahmen und der 77 PS starke 90-Grad-V2.

Design und Ausstattung

Selbst im Epizentrum der Reichen und Schönen fällt die S2R auf. Cremig, drahtig, sportiv. Dafür sorgen die Gene von der erst ein Jahr alten Sport-Monster S4R. Etwa die Einarmschwinge aus kunstvoll geschweißten Alu-Profilen, 1100 Gramm leichter als die Zweiarmschwinge zuvor. Oder die beiden hoch gelegten, rechts übereinander gestapelten Schalldämpfer, für freien Blick aufs ebenfalls vererbte, fette Fünfeinhalb-Zoll-Fünfspeichenrad. Elegant fügt sich der schlanke, luftgekühlte Zweiventilmotor in die längs gestreifte Linie ein. Viel besser als das ausladende Wassermantel-Triebwerk der 117 PS starken S4R.

Die S2R sollte nicht nur günstig, sondern auch flott genug sein. Denn ihr 800er-Desmodue leistet so viel PS wie das 900er-Ur-Monster von 1992. Spontan startet der V2, lässt sich per Choke am Lenker auf moderate Drehzahlen einregeln. Die Abgase durchströmen einen U-Kat im klobigen Edelstahl-Vorschalldämpfer, werden von den Endtöpfen gut gedämpft. Diese sehen nicht nur chic aus, sondern bringen mehr Schräglagenfreiheit. Abgeraspelte Schalldämpfer, das war früher.

Fahrwerk und Handling

Der breite Alu-Lenker von Magura entstammt der S4R. Er zieht den Fahrer weit nach vorn und bedingt so eine aktive Sitzposition, die Enden sind konifiziert und nach unten gekröpft. So fühlt sich Vorderradkontakt an, scheinbar spannt die Lenkstange den 17-Zöller direkt ein. Dazu liegen die SR-Fußrasten schräglagenfreundlich höher und enger an als bei Standard-Monstern. Dadurch schieben sie für satten Knieschluss die Schenkel nach vorn. Das passt alles eher für kleine Biker(innen), lange Leute finden’s mitunter zu kompakt.

Unbeeindruckt vom breiten 180er gibt sich Signora Duc überraschend handlich, fällt selbst in rasch aufeinander folgenden Kurvenkombinationen leicht in Schräglage. Ein vollgetankt rund 190 Kilogramm leichtes Schmunzelmonster. Erst in schnellen Passagen ist mehr Körpereinsatz gefragt. Macht aber Laune. Zumal die S2R mit der Ducati-gemäßen Stabilität durch lang gezogene Radien eilt und sich ohne Aufstelltendenz weit in die Kurven hineinbremsen lässt.

Rahmenbedingt ist der Lenkeinschlag wie bei allen Monstern zu klein, der Wendekreis ungebührlich groß. Da endet die Souveränität. Erst recht beim Angasen auf zerfurchtem Asphalt. Die 43er-Upside-down-Gabel von Marzocchi spricht schlecht an. Bockig und überdämpft, neigt sie zum Stuckern. Dann bringt sie das ganze Motorrad vom angepeilten Kurs ab, verteilt Schläge in den Lenker. Mangels Einstellmöglichkeiten ist die Abstimmung nicht zu ändern. Einen besseren Eindruck hinterlässt das unauffällige Sachs-Federbein hinten.

Motor und Getriebe

Der erwiesenermaßen recht sparsame Desmo-Twin ändert oben heraus die Tonlage, setzt zum vollmundigen V2-Stakkato an. Untermalt von herrlich knurrigem Ansaugschnorcheln. Fortissimo! Neue Pleuel hat der V2, und er zeigt sich prächtig abgestimmt; nimmt ab 2500 Touren ruckfrei, ab 3000/min quicklebendig Gas an. Ein wenig zu direkt erfolgt der Einsatz aus dem Schiebebetrieb. An- sonsten steigt die Leistung ganz homogen und linear mit der Drehzahl. Bis plötzlich bei 8800/min der Begrenzer zukneift. Wo doch der Drehzahlmesser, typisch Ducati, gar keinen roten Bereich kennt. 77 Pferde reichen im Kurvenkarussell voll und ganz aus. Alles darüber dient nur dem Prestige. Dann lieber auf der sanft gerundeten Drehmomentwelle bei mittleren Drehzahlen surfen und freiwillig früh hochschalten.

Trotz harten Schaltgefühls rasten die Gänge des modifizierten Getriebes exakt. Laut Ducati soll es leiser laufen. Die sehr lange Übersetzung speziell des ersten Gangs erfordert in engen Kehren etwas Zauberei mit der Kupplung.

Bremsen und Reifen

Die Bremsen verbeißen sich nur dann heftig in die 300er-Scheiben, wenn man mächtig am Hebel zieht. Handlingfördernd sollen sie 400 Gramm ungefederte Masse im Vorderrad einsparen. Oder doch bloß Kosten senken? Wenigstens kommen nach wie vor Stahlflexleitungen zum Einsatz. Gut bewähren sich die Pneus, Pirelli Diablo. Rückmeldung wie Haftung stimmen.

Technische Daten im Überblick

Merkmal Daten
Motor luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor
Hubraum 803 cm3
Nennleistung 56,7 kW (77 PS) bei 8250/min
Getriebe Sechsganggetriebe
Tankinhalt 15 Liter (davon 3,5 Liter Reserve)

Fazit

Unterm Strich darf die S2R als Monster mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis gelten, nur 1100 Euro teurer ist sie als eine Standard-620er. Wie jene Baby-Duc fällt die attraktive 800er in die versicherungsgünstige 78-PS-Klasse. Monster S2R, das heißt eben ordentlich razionalismo, reichlich emozione und viel passione.

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