Diese Anleitung beschreibt den Zahnriemenwechsel an einer Ducati Monster. Die Vorgehensweise ist dabei unabhängig vom Baujahr oder Hubraum, beschrieben ist hier der Wechsel an einem Zweiventil Motor bei den Vierventilern ist es prinzipiell gleich.
Wartungsintervalle und Sichtprüfung
Laut Werkstattbuch sollen die Zahnriemen alle 5000 Km gewechselt werden, Ducati hat den Intervall zwischenzeitlich auf 7500 Km angehoben, nach Rücksprache mit einem Ducati Techniker wurde mir versichert das der Wechsel alle 10000 Km ausreichen würde, jedoch spätestens nach zwei Jahren sei dies zwingend erforderlich, da eine Versprödung der Zahnriemen eintritt. Eine Sichtontrolle der Zahnriemen sollte bei jeder Inspektion erfolgen, spätestens jedoch nach 5000 Km.
Werkzeuge und Materialien
Bevor man beginnt, müssen die passenden Zahnriemen besorgt werden, entweder beim freundlichen Ducati Händler um die Ecke oder z.B. hier Stein Dinse im Onlineshop, hat man sogar die Wahl zwischen Original Ducati oder Zubehör. Ich habe beides ausprobiert und habe keinen Unterschied festgestellt, Ducati wird die Zahnriemen auch nicht selbst herstellen, also jeder so wie er mag.
Was man dafür meiner Meinung unbedingt benötigt, sind die Arretierungsstifte für die Arretierung der Nockenwellen. Ein Satz, bestehend aus zwei Stiften, bekommt man bei ebay bereits für 18 Euro. Ein weiteres sinnvolles Hilfsmittel ist eine Arretierung für die Kurbelwelle.
Vorbereitung
Bevor mit dem Wechsel der Zahnriemen begonnen werden kann, heißt es erst einmal die Verkleidung abbauen, eine Anleitung dazu erspare ich mir das sollte jeder der sich an die Zahnriemen ran wagt können. Als nächstes müssen die Zahnriemenabdeckungen abgeschraubt werden, bei meiner Ducati muss man mit dem stehenden Zylinder anfangen, da die Abdeckung des liegenden Zylinders an einer Stelle mit der des stehenden Zylinders gemeinsam verschraubt ist, ob das bei jedem Motor so ist, entzieht sich in diesem Fall meiner Kenntnis.
Wenn die Vorarbeiten erledigt sind, haben wir freien Blick auf die Zahnriemen.
Ausbau der alten Zahnriemen
Als nächstes müssen wir die Spannrollen der Zahnriemen lösen, ich baue sie immer komplett aus, da ich so am einfachsten die Freigängigkeit prüfen kann und sich die Laufflächen auf denen sich gerne auch Gummiabrieb festsetzt, reinigen kann. Die Spannrollen sind einfache Standardkugellager von denen auf einer Achse zwei Stück hintereinander sitzen bei der 750ss kann man die Lager, sollten sie defekt sein auch wechseln, was nicht bei allen Motoren möglich sein soll.
Auch sollte man die feststehenden Laufrollen einmal auf Freigängigkeit prüfen und auch hier die Laufflächen auf Gummiabrieb kontrollieren und gegebenenfalls reinigen. Sind die Spannrollen ausgebaut, können die alten Zahnriemen von den Laufrollen entfernt werden.
Da sich im Gehäuse und den Deckeln gerne Gummiabrieb anlagert, reinige ich dieses gerne mit einem herkömmlichen Motorradreiniger bei hartnäckigen Verschmutzungen kann man auch ein wenig Waschbenzin hinzunehmen.
Einbau der neuen Zahnriemen
Nun kommt der schwierige Teil der Aktion, die Nockenwellen und auch die Kurbelwelle müssen in OT gedreht werden, dieser Punkt ist ganz wichtig und muss mit großer Sorgfalt ausgeführt werden, da es ansonsten zu Schäden am Motor kommt. Dazu sind auf den Laufrollen, dem Motorgehäuse und den Zahnriemengehäusen Markierungen angebracht, die aufeinander stehen müssen. Die Laufrollen der Nockenwellen kann man per Hand in die entsprechende Stellung drehen, bei der Kurbelwelle wird mehr Kraft benötigt, deshalb gehe ich dort wie folgt vor, den zweiten Gang einlegen und das Motorrad ohne gezogener Kupplung soweit rollen bis auch hier die Markierungen übereinander stehen, Keine Angst die Nockenwellen können sich nicht verdrehen, da keine Zahnriemen aufgelegt sind.
Nachdem Nockenwellen und Kurbelwelle in OT gedreht wurden und dies mehrfach geprüft wurde, sicher ist sicher können die neuen Zahnriemen beginnend mit dem für den stehenden Zylinder vorsichtig aufgelegt werden, dabei sind Knicke und scharfkantige Werkzeuge tabu da ansonsten der Zahnriemen unwiederbringlich beschädigt und ein Motorschaden durch einen gerissenen Zahnriemen vorprogrammiert ist.
Sind beide Zahnriemen montiert, sollte man noch einmal die Stellung der Laufrollen zu den Markierungen am Gehäuse kontrollieren, um sicher zu stellen das sich nichts verstellt hat, ansonsten heißt es noch einmal von vorne beginnen.
Spannen der Zahnriemen
Nun können auch die Spannrollen wieder eingebaut werden, dazu schraube ich die Träger der Spannrollen erst einmal lose im Gehäuse fest (Loctite mittelfest nicht vergessen!). Anschließend drücke ich die Spannrollen gegen den Zahnriemen und kontrolliere die Spannung wie folgt, ein 5 mm Inbusschlüssel muss sich zwischen feststehender Laufrolle und Zahnriemen "satt" vorbeiführen lassen. Ist dem so, kann man die Befestigungsschraube sowie die Spannschraube der Spannrolle mit dem vorgeschriebenen Drehmoment von 29 Nm anziehen. Sollte sich der Inbus-schlüssel nur mit erheblichen Kraftaufwand oder ganz leicht vorbeiführen lassen so muss der Spannvorgang wiederholt werden.
Ducati schreibt in seinen Werkstattbüchern zum spannen der Zahnriemen Werkzeuge vor, meine Vorgehensweise ist ein wenig unkonventionell, ich habe Sie von einem alten Ducati-Schrauber gelernt und sie wird meines Wissens recht häufig praktiziert, auch bei Youtube findet man dazu ein Video von Ducatitech.com, ich bin damit bisher ohne Probleme gut gefahren. Bei Ducati wurde früher mittels einer Federwaage die Spannung der Zahnriemen kontrolliert, heute wird dazu ein Messgerät eingesetzt welches die Schwingungsfrequenz der Zahnriemen misst, wobei die Frequenzen zwischen stehenden und liegenden Zylinder unterschiedlich sind.
Als Hobbyschrauber, auch wenn man gut ausgerüstet ist wird man ein solches Messgerät wohl kaum besitzen.
Zum Spannung einstellen kann ich dir Easy Tension empfehlen (app). I'm Modus "Frequenz messen" wird automatisch die Frequenz angezeigt von der mehrere gleichmäßige Amplituden erfasst werden - also keine Umgebungsgeräusche oder einmalige Frequenzspitzen. Im Modus "Frequenzmessung" zupft man am längsten ungeführten Stück des Riemens. Im Normalfall also zwischen Spannrollen und Nockenwellenrad. Das ganze so lang, bis das Programm eine gleichmäßige Schwingfrequenz erkennt. Nach meiner bisherigen Erfahrung schwankt der gemessene Wert von Messung zu Messung um etwa 2hz - also absolut im Rahmen.
Ich habe zuerst den liegenden Riemen gespannt und mit der Android App "G-Strings" die Frequenz gemessen. Bei der 620 i.e. sind das 160 Hz, Toleranz 5 Hz. Anschließend den stehenden Riemen gespannt, dieser soll bei der 620er mit 140 Hz gespannt werden. Hier maß ich allerdings verschiedene Frequenzen zwichen vorderem und hinterem Riemen. Motorwelle um ca. eine 1/2 Umdrehung weiter gedreht, so das die Ventilkipphebel nicht mehr auf die Nockenwelle drückten.
Stimmt nun alles, kann man eigentlich alles wieder zusammen bauen, um ganz sicher zu gehen, schraube ich die Zündkerzen raus und drehe den Motor einmal per Hand durch, blockiert und scheppert nichts ist alles ok.
Wichtiger Hinweis
Für wen ist diese Anleitung? Für jeden der Verständnis für Motoren und handwerkliches Geschick besitzt. Ganz wichtig ist man sollte sich im darüber im klaren sein, was passiert wenn die Steuerzeiten nicht stimmen oder der Zahnriemen reißt, dann heißt es Motorschaden! Also im Zweifelsfall die geliebte Ducati in die Werkstatt bringen.
Jeder, der an seiner Ducati alleine die Zahnriemen wechselt sollte sich im Klaren darüber sein, dass ein Fehler beim Wechseln der Zahnriemen einen Motorschaden, oder sogar einen Sturz zur Folge haben kann!!!
Zahnriemenspannung
wechseln stramm stellen ewentuell mit dem inbus kontrollieren und gut ist.
Ich nutze an meiner 900SS auch die Inbusschlüssel-Methode: einen 6er für den stehenden (der wird heisser) und einen 5er für den liegenden Zylinder (der steht besser im Wind). Ist kein Hexenwerk. Spannrollen abschrauben (überprüfen, ob die sich noch ohne Knarzen drehen. Wenn nicht, durch passende Lager austauschen.
Weitere Tipps
- um den Kerzenstecker des horizontalen Zylinders raus zu bekommen, reicht es zwar den Kühler unten links auszuhängen und auf der rechten Seite abzuschrauben, jedoch ist es dann immer noch ein Einfinger Kampf, den rauszubekommen. Wenn der Stecker locker ist, Kühler etwas nach oben und zum Motor drücken, dann kommt man grad so mit dem Zündkerzenstecker unter dem Kühler vorbei.
- trotz festgestellter Nockenwellen unbedingt super ordentlich die Positionen auf den Riemen anzeichnen!
- wenn die neuen Riemen drauf sind, penibelst darauf achten dass der Zylinder, bei welchem die Spannung gemessen werden soll, exakt auf OT steht. Zudem empfehle ich eine Raumtemperatur um 20 Grad.
Ich finde es schon OK, wenn man auf mögliche Fehler hinweist, gerade dann, wenn es Nachahmer geben könnte.... Wenn sich nachher rausstellt, dass der Fehler doch keiner war... Dann ist doch auck OK... Zum Austausch ist das Forum doch da, wenn man sich nachher einigt, Hand shakes und fertig...
Zusammenfassung
Der Zahnriemenwechsel an einer Ducati Monster ist mit etwas technischem Verständnis und den richtigen Werkzeugen machbar. Es ist jedoch wichtig, sorgfältig vorzugehen und die Anweisungen genau zu befolgen, um Motorschäden zu vermeiden. Im Zweifelsfall sollte man die Arbeit von einer Fachwerkstatt durchführen lassen.
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