Die Diskussion um Lärmemissionen von Motorrädern und die daraus resultierenden Fahrverbote, insbesondere in Regionen wie Tirol, sind ein viel diskutiertes Thema. Im Fokus steht dabei oft das Standgeräusch, ein Wert, der jedoch nicht immer die tatsächliche Lärmbelastung im Fahrbetrieb widerspiegelt.
Fahrverbote in Tirol und die Rolle des Standgeräuschs
Seit 2020 gibt es in den Bezirken Reutte und Imst in Tirol Fahrverbote für Motorräder, die ein Standgeräusch von mehr als 95 dB(A) aufweisen. Diese Regelung gilt auf bestimmten Streckenabschnitten vom 15. April bis zum 31. Oktober. Hintergrund dieser Maßnahme ist die Annahme, dass das Standgeräusch eine einfache Möglichkeit zur Lärmkontrolle vor Ort darstellt.
Allerdings ist diese Praxis umstritten, da das Standgeräusch nicht immer mit dem tatsächlichen Fahrgeräusch korreliert. Es gibt Motorräder, die im Stand relativ laut sind, aber im Fahrbetrieb unauffällig leise sind, und umgekehrt. Zudem wird das Standgeräusch oft mittels Nahfeldmessung ermittelt, einem Verfahren, das eigentlich zur Identifizierung von manipulierten oder defekten Auspuffanlagen gedacht ist.
Unterschied zwischen Standgeräusch und Fahrgeräusch
Das Problem liegt darin, dass die echten Fahrgeräusche einiger Modelle als sehr laut empfunden werden können, obwohl sie ein niedriges Standgeräusch aufweisen. Die Lautstärke ist messbar, die Lautheit jedoch eine subjektive Wahrnehmung. Dies bedeutet, dass die Chance, mit einem lauten Motorrad legal in Tirol zu fahren, größer sein kann als mit einem leisen Motorrad, dessen Standgeräusch über dem Grenzwert liegt.
Rechtliche Unsicherheit des Standgeräuschs
Die Rechtssicherheit des Standgeräuschs als Grundlage für Fahrverbote ist umstritten. Der niedersächsische Landtag bestätigte bereits im Sommer 2021, dass aus den Standgeräuschen der Fahrzeuge nicht belastbar die Betriebsgeräusche abgeleitet werden können. Motorräder mit niedrigen Standgeräuschen können überproportional laute Fahrgeräusche erzeugen und umgekehrt. Damit ist die Basis dieses Modells rechtsunsicher.
Die Standgeräuschmessung
Bei einer Schalldruckpegelmessung im Nahfeld, der sogenannten Standgeräuschmessung nach UN-ECE R 41.04, werden mehrere Messungen seitlich hinter der Endtopfmündung genommen. Bei halber Nenndrehzahl muss die Drehzahl mindestens 1 Sekunde gehalten und dann abrupt der Gasgriff geschlossen werden. Aus mindestens drei Messungen, die nacheinander nicht weiter als 2 dB(A) voneinander abweichen dürfen, errechnet man den Mittelwert, der mathematisch gerundet das Ergebnis ergibt.
Ducati SuperSport 950S im Vergleich
Die Ducati SuperSport 950 S ist ein Motorrad, das in dieser Diskussion eine Rolle spielt. Betrachten wir die technischen Details:
- Motor: 4-Takt 90 Grad V 2-Zylinder mit Einspritzung
- Hubraum: 937 Kubik
- Leistung: 110 PS bei 9.000 U / min
- Maximales Drehmoment: 93 Newtonmeter bei 6.500 Touren
- Federung vorne: In Druckstufe, Federvorspannung und Zugstufe verstellbare Telegabel Upside-Down von Öhlins mit 48 Millimeter Standrohr-Durchmesser
- Federung hinten: In Druckstufe, Federvorspannung und Zugstufe verstellbares Monofederbein von Öhlins
- Bremsen vorne: Doppelscheibe mit 320 Millimeter Durchmesser und Vierkolben-Zange von Brembo
- Bremsen hinten: Scheibe mit 245 Millimeter Durchmesser und Zweikolben-Zange
- Bereifung vorne: 120 / 70 - 17
- Bereifung hinten: 180 / 55 - 17
- Radstand: 1.478 Millimeter
- Sitzhöhe: 810 Millimeter
- Tankvolumen: 16 Liter
- Leergewicht: 218 kg
- Standgeräusch in dB(A): 93
- Fahrgeräusch in dB(A): 76
Obwohl die Ducati SuperSport 950 S ein Standgeräusch von 93 dB(A) aufweist, was unter dem Grenzwert von 95 dB(A) in Tirol liegt, zeigt dies die Problematik der pauschalen Fahrverbote anhand des Standgeräuschs auf. Das tatsächliche Fahrgeräusch von 76 dB(A) ist deutlich geringer.
Alternativen und Kompromisse
Die Diskussion um Lärmemissionen und Fahrverbote zeigt die Notwendigkeit von Kompromissen und differenzierten Lösungen. Anstatt pauschaler Verbote, die auf dem Standgeräusch basieren, könnten gezielte Lärmemissionskontrollen und die Förderung lärmarmer Technologien dazu beitragen, die Akzeptanz von Motorrädern in der Bevölkerung zu erhöhen und gleichzeitig die Lärmbelastung zu reduzieren.
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