Die folgenden Schilderungen beziehen sich auf den EVO Motor, bei dem man die Steuerzeiten einstellen kann. Sie sind aber abgesehen von Messwerten auch auf andere Ducati 2-Ventile übertragbar.
Vorbereitung und Werkzeuge
Nun ist es so, dass bei diesem Kopf das Riemenrad, welches der Ventilsteuerung dient, vom Kopf demontiert war und von mir wieder angebracht werden musste. Nun kann man das natürlich so grob machen, aber richtiger ist natürlich, die Steuerzeiten einzustellen. Sonst machen die Ventile zu falschen Zeit auf oder zu. Ein wenig Werkzeug ist dazu nötig.
Wie sieht es aus, was sollte alles griffbereit sein, zum Einstellen? Klar, Drehmomentschlüssel für die Nockenwellenlagerböcke und Ventildeckelschrauben, etwas Dirko oder 3Bond für die Ecken an der Deckeldichtung. Braucht es das Werkzeug zum Vermessen der Shims? Ich meinte, eine Bügelmessschraube oder eine digitale Schieblehre ist okay. Dann die Ölabflussbohrungen blockieren, damit kein Halbring reinpurzelt. Ein Alurohr für den Schließerhebel zum Entspannen des Ventils... es gibt ja original diese Gabeln mit zwei Rohren... Es müssen aber vielleicht nicht beide Ventile gleichzeitig entspannt werden? Und dann vielleicht ein Set Shims... sonst renne ich ja ständig zum Händler?
Wenn du die Shims vorliegend hast, die die Dicke angeschrieben haben, dann ist das mit dem Messwerkzeug für die Schliesser nicht unbedingt nötig. Für die Öffner ist es aber einfacher eine 8mm Lagerrolle o.ä. griffbereit zu haben. Je nach Ventilbauart hast du die Ventilkeile. Um diese Vorzuspannen braucht es ein Werkzeug oder Schlag mit dem Hammer.
Als Werkzeug benötigst Du einen guten Satz Fühlerlehren mit 0,02 - 0,03 - 0,04 - 0,05 - 0,06 - 0,07 - 0,08 - 0,09 - 0,10 - 0,15. Noch besser wenn Du auch 0,11 - 0,12 - 0,13 - 0,14 bekommen kannst. Es ist besser das Spielmaß mit einer einzigen Lehre zu messen, da durch das übereinanderlegen von Lehren Meßfehler entstehen können (Ölfilm, Verschmutzungen, Korrosion, Knicke ect.). Man sollte das Messen schon mal an einem anderen Motorrad oder Auto geübt haben.
Zur Messung müssen die Lehren "saugend" an der Meßstelle durchgezogen werden. Wenn Du das raus hast, weist Du was ich meine. Vielen Selbstschraubern fehlt es genau hier am Fingespitzengefühl. Zur Messung der Käppchen (Öffner) und Hülsen (Schließer der Desmodromik) benötigt man noch eine Mikrometerschraube als Meßwerkzeug, brauchbare sind ab 70 DM zu bekommen (Meßbereich 0,00 bis min 30,00 mm).
Zudem muß man sich noch ein Hilfsmeßwerkzeug basteln, ohne dieses Hilfswerkzeug mißt man an den Kehlen für die Halbringe der Schließerhülsen nur Mist. Halbringe mit Sekundenkleber ein. (Achtung: Kleberreste verfälschen Meßergebnis). Man kann sich auch aus 10 mm Rundeisen einen Schaft drehen mit 8 mm und dreht die Wulst der Halbringe gleich mit an.
Es empfiehlt sich auch, den Brennraum mit z.B. Epoxidharz zu füllen, um ein formschlüssiges Teil gegen die Ventilteller stemmen zu können. Und ja, ein Häufchen Shims ist schon gut zu haben.
OT (Oberer Totpunkt) finden
Es gibt dann prinzipiell zwei Möglichkeiten, den wahren OT zu finden. Beiden liegt eine Gradscheibe an der Kurbelwelle und die Kunst des Mittelns zugrunde. Das macht man einmal in Motordrehrichtung und einmal entgegen der Motordrehrichtung. Bei beiden Stellen liest man jeweils auf der Gradscheibe die Gradzahl ab und bildet den Mittelwert.
Beispiel: Anschlag 14° vor OT in Drehrichtung, Anschlag 20° nach OT gegen Motordrehrichtung. (14+20)/2=17. Ergo muss man die Gradscheibe bei Anschlag auf 17° vor bzw. nach OT stellen, ohne die Kurbelwelle zu drehen!
Genauso funktioniert das mit der Messuhr im Kerzenloch, nur wählt man dort einen beliebigen Kolbenhub bei dem man die Gradzahl abliest. Also zB. Jetzt kann es losgehen mit dem Messen der Steuerzeiten. Dazu muss man die Messuhr auf dem Ventil platzieren und dort den Hub, ausgehend von komplett geschlossenem Ventil, messen. Also zB. Einlassventil öffnet um 1mm Ventilhub bei 14° vor OT. Gleiches Ventil beim schliessen, kommt auf 1mm Ventilhub dann bei 73° nach UT, entspricht einer Ventilöffnungsdauer von 267° (14+90+90+73).
Messung und Einstellung der Steuerzeiten
Zum Messen selbst muss man das Ventilspiel egalisieren, heisst zwischen Öffnerarm und Ventil das Spiel mit einer geeigneten Fühlerlehre auf 0,0 bringen.
Der neue Kopf war ein paar Grad neben den optimalen Steuerzeiten, das zeigte die Messung beim öffnen am Einlass. Also wurde am Riemenrad gedreht bis es besser passte. Das erste Mal natürlich in die falsche Richtung gedreht.. elend. Dann passte es einigermaßen. 19° vor OT ging das Ventil auf und es ging zu um.. 58° nach UT. Haeh? Das sind doch keine 267°, sondern nur 257°! Da fehlen doch 10° Öffnungsdauer!? Wie kann das sein? Es folgten langwierige gewissenhafte Neumessungen, das bauen von verbesserten Messspitzen um genauere Werte zu bekommen, der Kauf einer digitalen Messuhr, erneute OT Bestimmung. Auch wurde am stehenden Zylinder gemessen, welcher ja noch original ist.
Dieser Öffnungdauer-Wert, der ist Nockenwellenspezifisch. Bekommt man den nicht, kann es sich eigentlich nicht um die korrekte Nockenwelle handeln! Was kann man jetzt tun um rauszufinden ob dem so ist? Klar, Nockenwelle raus. Heisst aber Hutmutter kaputt machen, Kopf auseinander nehmen. Elend.
Erstmal habe ich den Ventilhub gemessen, am originalen stehenden Zylinder 11,7mm. Am neuen liegenden 11,5mm. Huch? Hmm, Messungenauigkeit? Da ich ja die neuen Köpfe als Paar gekauft hatte, hatte ich ja noch den Kopf vom stehenden Zylinder und dort war die Kronenmutter sowieso abgemacht worden. Es war also ein leichtes dort mal die Nockenwelle auszubauen und zu untersuchen. Denn der Mensch würde doch wenn dann beide Nockenwellen tauschen.
Wo kann man sich prima Ungenauigkeit einhandeln? Klar, beim Ventilspiel! Das sollte man ja egalisieren, was aber wenn man das nicht ausreichend getan hatte?! 11,7mm Ventilhub und 267° Öffnungsdauer! Jetzt konnte ich prima das 1mm öffnen vor OT auf 14° stellen und kam bei 1mm schliessen bei gewünschten 73° herraus. Wow.
Ein Hilfreiches vorgehen hierbei ist übrigens die Kurbelwelle auf den zu erreichenden Gradwert zu drehen, dann die Nockenwellenriemenscheibe lösen und die Nockenwelle so weit drehen das man 1mm Hub an der Messuhr hat, ohne das sich die Nockenwellenriemenscheibe mit dreht. Jetzt die Nockenwellenriemenscheibe wieder fest machen, schauen das die Kurbelwelle noch auf dem Gradwert steht, Motor mehrmals durchdrehen und noch einmal kontrollieren.
Der stehende Zylinder wurde auch noch eingestellt, der lag auch ein paar Grad daneben und dann wurde alles schön festgemacht und das Kapitel geschlossen.
Ventilspiel Toleranzen
Laut den Werkstattunterlagen die ich für die 1100er habe sind alle Öffner auf 0,10-0,15 (Kontrollwert 0,05-0,15) und alle Schliesser auf 0,00-0,05 (Kontrollwert 0,00-0,20) einzustellen, kein Unterschied zw. Einlass/Auslass bzw. steheneder/liegender Zylinder, das sollte auch für die 796 gelten. Einstellblätter Vordrucke haben meist andere Werte, ich nehme an die sind für andere Modelle.
Gute Maße sind für Einlaß-Öffner 0,08 mm, Auslaß-Öffner 0,12 mm und alle Schließer 0,00 bis 0,02 mm. Die Handbücher sind da etwas lockerer.
Zahnriemenwechsel
Wenn du die pos TDC vom vertikalen Zylinder auch noch auf dem Zwischenwellen Zahnrad markierst, also wenn die Nockenwellen mit dem T auf dem Kopf stehen, so wie jetzt beim Vertikalen, dann ist der Riemenwechsel ein Klacks. Ja, dazu wird die Kurbelwelle und Zwischenwelle gedreht. wie geschrieben, für den Riemenwechsel brauchst du kein Spezialwerkzeug, da kannst du mit einem Filzstiftmarker einen Punkt für den vertikalen Kopf auf die Zwischenwelle setzen und gut ist.
Oben kannst du auch noch Markierungen bei den Riemenrädern anbringen, aber die umgekehrten T sollten klar in einer Pos.
Weitere Tipps und Überlegungen
- Shim-Sets und Tauschbörsen: Überlege mir schon, die verbliebenen in einer Art Shim-Bank zum Tausch anzubieten. Es gab im Duc-Forum schon mal eine derartige Bestrebung.
- Erfahrungen und Wissen: Gibt es Gedanken oder geballtes Wissen zum Thema? Was mich gerade noch umtreibt: Können die Ventile durch den Kolben im TDC am Herabfallen gehindert werden, wenn die Halbringe am Shim entfernt werden, oder gibt es eine bessere Methode...
- Nockenwellen: Was für Werte auch immer genommen werden, die Nockenwellen sollen sich ohne Klemmstellen drehen lassen. Eine Methode das zu prüfen ist die Schliesser gegen Nullspiel einzustellen und zwischen die Öffner Kipphebel und shim eine Fühlerlehre einzufügen. Also quasi Null Spiel einstellen. Läuft alles fein, dann stimmen die Radien und Nocken.
- Ventilspiel: Die von Ducati angegebenen Werte sind sicher so gewählt, dass innerhalb der Garantiezeit nichts gemacht werden muss. Bei grösserem Schliesserspiel können die Halbringe sicher eher verschleissen als bei knappem Spiel. Wird das Öffnerspiel zu gross wird man aus dem Bereich der Anlauframpe des Nockens rauskommen. Dazu müsste aber sicher das doppelte Spiel eingestellt werden. Ich tendiere das Schliesserspiel eher klein zu halten, das Öffner eher auf der oberen Toleranz.
Zusammenfassung der Ventilspieleinstellung bei Ducati
Die Ventilspieleinstellung bei Ducati erfordert Präzision und das richtige Werkzeug. Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:
| Komponente | Wichtige Hinweise |
|---|---|
| Werkzeuge | Drehmomentschlüssel, Fühlerlehren, Mikrometerschraube, Shim-Set |
| OT-Findung | Gradscheibe an der Kurbelwelle, Mittelwertbildung |
| Ventilspiel | Egalisieren des Ventilspiels vor der Messung |
| Zahnriemen | Markierung des Zwischenwellen-Zahnrads für einfachen Wechsel |
Denke daran, dass diese Anleitung als allgemeine Information dient und spezifische Anweisungen für dein Ducati-Modell im Werkstatthandbuch zu finden sind.
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