E-Bike Bremsscheiben wechseln: Eine detaillierte Anleitung

Die Bremsanlage ist das sicherheitsrelevanteste Bauteil an Ihrem Fahrrad, daher sollten Sie ihr bei der Wartung besondere Aufmerksamkeit widmen. Ein wirklicher Notfall an der Scheibenbremse beim Mountainbike lässt sich meist schon im Vorfeld einer Tour verhindern. Denn anders als beim platten Reifen oder beim abgerissenen Schaltwerk, treten Probleme bei der Bremse in der Regel nicht plötzlich während einer Tour auf. In den allermeisten Fällen kündigt sich ein Bremsversagen in einem schleichenden Prozess an und kann so frühzeitig behoben werden. Wer regelmäßig seine Bremsbeläge auf ihren Verschleiß hin überprüft, sie rechtzeitig erneuert oder einen schwammigen Druckpunkt nicht wochenlang ignoriert, kann die häufigsten Fehlerquellen im System Bremse entweder in der heimischen Werkstatt selbst oder vom Fachmann beheben lassen.

Möchten Sie Ihre Bremsscheiben selbst montieren und dabei Zeit und Geld sparen? In dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung erfahren Sie, wie Sie sicher und präzise vorgehen. Praktische Tipps und Hinweise helfen Ihnen, Fehler zu vermeiden und Ihre Bremsen optimal einzustellen. Der Austausch der Bremsscheibe am Fahrrad ist entscheidend für Ihre Sicherheit.

Wann sollte man die Bremsscheibe wechseln?

Bremsscheiben nutzen sich mit der Zeit ab, vor allem durch intensive Bremsvorgänge und Schmutz. Ratternde Geräusche, eine nachlassende Bremswirkung oder sichtbare Risse sind klare Anzeichen, dass ein Wechsel nötig ist. Überprüfen Sie regelmäßig die Dicke Ihrer Bremsscheiben, um festzustellen, ob sie abgenutzt sind. Vergleichen Sie ein Stück der Bremsscheibe, das zum Bremsen benutzt wurde, mit einem Stück der Bremsscheibe, das nicht abgenutzt ist. Bei einigen Bremsscheiben ist auf der Scheibe angegeben, wie dick die Bremsscheibe mindestens sein muss. Das ist von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich.

Messen Sie die Dicke Ihrer Bremsscheibe mit einem Messschieber. Ihre Bremsscheibe muss nicht nur ausgetauscht werden, wenn die Oberfläche abgenutzt ist. Es kann auch sein, dass Ihre Bremsscheibe verbogen ist. Das können Sie leicht überprüfen, indem Sie die Bremsscheibe auf einen Tisch legen und mit dem Finger auf eine Seite der Scheibe drücken.

Vorbereitung: Das richtige Werkzeug und Material

Für die eigenständige Montage benötigen Sie das passende Werkzeug, wie einen Torx-Schlüssel, und eine neue Bremsscheibe, die mit Ihrem Bremssystem kompatibel ist. Grundkenntnisse in der Fahrradtechnik sind hilfreich. Arbeiten Sie sorgfältig und ziehen Sie Schrauben mit dem richtigen Drehmoment fest. Sind Sie unsicher, lassen Sie den Austausch lieber von einem Fachhändler vornehmen.

Für die Montage von Bremsscheiben am Fahrrad brauchen Sie einen Torx-Schlüssel, einen Drehmomentschlüssel und eventuell einen Inbusschlüssel. Zur Reinigung der Scheibe empfiehlt sich Isopropanol oder Bremsenreiniger. Passende Ersatzteile finden Sie im Fachhandel oder aber online. Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Bremsscheibe zu Ihrem Bremssystem - beispielsweise Shimano oder SRAM - und zur Größe Ihrer Laufräder passt. Viele Händler bieten auch Filterfunktionen, um die richtige Scheibe schnell zu finden. Lesen Sie außerdem die Angaben in der Bedienungsanleitung Ihres Fahrrads, um Fehler zu vermeiden.

Wenn Sie festgestellt haben, dass Sie Ihre Bremsscheibe ersetzen müssen, ist es wichtig, dass Sie die richtige neue Bremsscheibe bestellen. Bremsscheiben gibt es in verschiedenen Größen, einige sind größer als andere. Die Größe der Bremsscheibe ist oft auf der Bremsscheibe selbst angegeben. Dort steht der Durchmesser der Bremsscheibe. Der Durchmesser einer Bremsscheibe liegt oft zwischen 140 und 220 Millimetern.

Für deine eigene Sicherheit und die anderer musst du die Bremsscheibe wechseln, wenn sie abgenutzt ist.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Wechseln der Bremsscheibe

Eine gute Vorbereitung ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Montage der Bremsscheibe am Fahrrad. Beginnen Sie, indem Sie das Fahrrad aufbocken, sodass das betroffene Rad frei dreht. Entfernen Sie dann das Laufrad, um ungehindert arbeiten zu können. Reinigen Sie nun die Kontaktflächen an der Nabe gründlich, um eine perfekte Auflage der Scheibe zu gewährleisten.

Nach der Vorbereitung ist die Demontage der alten Bremsscheibe am Fahrrad der erste Schritt beim Austausch. Hier kommt es ganz auf das jeweilige System an. Ist Ihre Bremsscheibe mit einem Centerlock-System befestigt, benötigen Sie einen passenden Werkzeugaufsatz und einen Drehmomentschlüssel. Bei 6-Loch-Bremsscheiben verwenden Sie einen Torx-Schlüssel, um die Schrauben zu lösen. Arbeiten Sie diagonal, um Spannung zu vermeiden. Nach dem Entfernen der Schrauben oder der Mutter können Sie die alte Bremsscheibe abnehmen. Fällt das Abnehmen schwer, können Rostlöser, Kriechöl oder Erwärmung - beispielsweise durch einen Fön - helfen, Korrosion zu lösen. Reinigen Sie nun die Aufnahmefläche an der Nabe gründlich, bevor Sie die neue Bremsscheibe montieren.

Tatsächlich kann das Weglassen dieses Schrittes einige Probleme zur Folge haben. Darunter ein unsauberer Sitz durch Schmutz, Korrosion oder alte Rückstände. Nachdem die Aufnahmefläche sauber ist, können Sie die neue Bremsscheibe montieren. Dafür sollten Sie zuerst die Bremsscheibe gründlich auf Schäden überprüfen. Achten Sie auf Risse, Verformungen oder starke Kratzer, die die Funktion beeinträchtigen könnten. Jetzt können Sie die Scheibe auf die Nabe setzen. Bei einer 6-Loch-Bremsscheibe richten Sie die Löcher aus und schrauben die Scheibe mit den passenden Torx-Schrauben an. Bei einer Centerlock-Scheibe setzen Sie die Scheibe auf die Nabe und befestigen sie mit der Mutter. Auch hier sollten Sie die Mutter mit dem richtigen Drehmoment anziehen.

Unser Tipp: Vermeiden Sie es, die Bremsscheibe direkt mit den Fingern zu berühren, da Fett von der Haut die Bremsleistung beeinträchtigen kann.

Nacharbeiten und Überprüfungen

Nach der Montage der Bremsscheibe setzen Sie die Bremsbeläge in den Bremssattel ein. Achten Sie darauf, dass sie richtig ausgerichtet sind und gleichmäßig in den dafür vorgesehenen Halterungen sitzen. Richten Sie den Sattel so aus, dass er perfekt über den Bremsbelägen und der Bremsscheibe sitzt. Ziehen Sie die Befestigungsschrauben des Bremssattels mit dem richtigen Drehmoment fest und achten Sie darauf, dass der Sattel nicht verrutscht.

Nach der Montage der Bremsscheibe sollten Sie einige Nacharbeiten und Überprüfungen durchführen. Zuerst bringen Sie die Räder wieder an und ziehen die Radmuttern gleichmäßig und mit dem richtigen Drehmoment fest. Achten Sie darauf, dass keine Lecks an den Bremsleitungen auftreten. Anschließend führen Sie eine Funktionsprüfung durch.

  • Werkzeug richtig wählen: Stellen Sie sicher, dass Sie das passende Werkzeug, wie einen Torx-Schlüssel und einen Drehmomentschlüssel verwenden.
  • Bremsscheibe richtig reinigen: Reinigen Sie die Bremsscheibe vor der Montage gründlich mit Bremsenreiniger, um Öl oder Fett zu entfernen.
  • Bremssattel richtig anbringen: Achten Sie darauf, dass der Bremssattel korrekt über den Bremsbelägen und der Bremsscheibe sitzt.
  • Funktionstest durchführen: Betätigen Sie die Bremsen vor der ersten Fahrt, um sicherzugehen, dass sie gleichmäßig und ohne Vibrationen greifen.

Bremsscheibensysteme: Centerlock vs. 6-Loch

Grundlegend gibt es momentan zwei verschiedene Befestigungsstandards: Centerlock und 6-Loch. Bei letzterem Standard werden - wie es der Name vermuten lässt - die Bremsscheiben mittels sechs Schrauben befestigt. Je nach Hersteller sollten diese mit 4-6 Nm angezogen werden (sowohl Manual für die Nabe als auch der Scheibe beachten). Auf den Schrauben befindet sich eine Schraubensicherung, damit sich die Bremsscheibe nicht lösen kann.

Centerlock kommt hingegen mit einem einzelnen Abschlussring aus, der mit demselben Tool montiert wird, das für die Montage einer Kassette oder Innenlager benötigt wird. Hier werden gut 40-50 Nm Drehmoment benötigt. Durch eine Verzahnung auf der Nabe und auf dem Abschlussring wird verhindert, dass sich die Bremsscheibe lockern kann. Das System ist also, genauso wie bei 6-Loch, absolut sicher und zuverlässig. Die Vorteile von Centerlock liegen bei der einfacheren Montage. Da hier nur ein Verschlussring festgezogen werden muss, geht es deutlich schneller und entspannter. Das gilt natürlich nur, wenn man das passende Werkzeug hat. Je nachdem, welche Naben und Scheiben verwendet werden, kann manchmal auch ein leichter Gewichtsvorteil gegenüber 6-Loch-Systemen erreicht werden. Allerdings ist dieser Punkt schwer zu verallgemeinern.

Ein großer Nachteil von Centerlock ist die reduzierte Auswahl an Komponenten. Der Standard kommt ursprünglich von Shimano und so bieten hauptsächlich die Japaner passende Scheiben an. Auch bei den Naben ist längst nicht jeder Komponentenhersteller auf den Centerlock-Zug aufgesprungen. Will man also maximale Auswahl, setzt man lieber auf 6-Loch Scheiben. Auch auf Alpenüberquerungen oder anderen längeren Touren sind sie im Grunde überlegen, da man sie mit den meisten Multitools (meistens wird ein T25-Torx benötigt) demontieren kann. Für Centerlock müsste man dafür ein sperriges Kassettentool mitschleppen. Im Notfall findet man eine Schraube für 6-Loch Scheiben auch bedeutend leichter als den Verschlussring eines Centerlock-Systems. Wer also gerne etwas abseits vom Schuss unterwegs ist, ist mit 6-Loch besser beraten.

Ein Nachteil ist hingegen, dass sich durch nicht korrektes Anziehen (s. dazu Abschnitt „Worauf muss ich bei der Montage achten) die Scheibe verspannen und zu Defekten führen kann. Außerdem hat sich schon der eine oder andere schon eines der sechs Gewinde in der Nabe kaputtgedreht. Hier ist also Vorsicht geboten.

Vergleich: 6-Loch vs. Centerlock

Merkmal 6-Loch Centerlock
Vorteile Große Auswahl an Naben und Bremsscheiben, Montage per Multitool (meist Torx-25), Ersatzschrauben leicht zu beschaffen, Mit Adapter auch 6-Loch Bremssscheiben möglich, Kompatibel mit 15/20mm Achsen Einfache und schnelle Montage, Eventueller Gewichtsvorteil
Nachteile Montage dauert länger, Höhere Wahrscheinlichkeit, ein Gewinde zu beschädigen Spezielles Werkzeug notwendig, Reduzierte Auswahl an Bremsscheiben und Naben, Keine Umrüstung auf Centerlock möglich, Für verschiedene Achsen werden unterschiedliche Abschlussringe benötigt

Bremsscheibendurchmesser: Welche Größe ist die richtige?

Hinsichtlich der Größe haben sich 140, 160, 180 und 200mm Bremsscheiben durchgesetzt. Bei genauer Betrachtung ist es aber leider doch nicht ganz korrekt, da einige Hersteller ihr eigenes Süppchen kochen. So verwendet Formula z.B. 185mm Scheiben, während Magura nicht auf 200 sondern auf 203mm Bremsscheiben setzt.

Um den Einsatzbereich der verschiedenen Scheiben zu definieren, nehmen wir aber einfach einmal die vier eingangs genannten Größen:

  • 140mm: Passen zu Rennrädern und Cyclocrossern. Wichtig ist allerdings, dass das Fahrergewicht hier eher gering sein sollte (<80 kg). Ansonsten greift man besser zu 160mm Scheiben.
  • 160mm: Kommen auch gerne bei Cross-Country Fahrern zum Einsatz, da sie einen guten Kompromiss aus Bremskraft und Gewicht darstellen.
  • 180mm: Wer gerne Trail-Touren fährt, der braucht jedoch mehr Standfestigkeit. 180mm Scheiben vorne und hinten haben sich dafür bewährt. Kräftigere Kerle können auch auf eine 200mm Scheibe an der Front setzen.
  • 200mm: Spätestens beim Enduro-Fahren ist das sowieso Pflicht und wer im Bikepark den ganzen Tag seine Laps zieht, der darf auch noch hinten eine 200mm Version verbauen. Auch E-Bikes werden häufig mit 200mm Scheiben ausgestattet, da hier durch das erhöhte Systemgewicht deutlich mehr Belastung auf die Bremse wartet.

Allgemein gilt also, je abfahrtsorientierter, desto größer die Bremsscheibe.

Worauf muss ich bei der Montage achten?

Egal ob 6-Loch- oder Centerlock-Bremsscheibe - es ist extrem wichtig, immer auf die Montagerichtung der Scheibe zu schauen. Die meisten Bremsscheiben haben nämlich eine Laufrichtung, bei der die volle Stabilität gewährleistet werden kann. Das hat folgenden Grund: Bei richtig herum montierter Bremsscheibe werden die Speichen der Scheibe (bzw. der Spider) auf Druck belastet, also zusammengedrückt. Der Reibring hingegen ist auf Zug belastet, man spricht auch von Zugspannung. Montiert man die Scheibe umgekehrt, tritt genau der umgekehrte Fall ein: Speichen auf Zug, Reibring auf Druck. Das hat ab dann fatale Folgen, wenn die Bremsscheibe heiß wird. Nun sinkt nämlich die Widerstandsfähigkeit des Stahls, weshalb der Reibring unter dem Druck zusammenfallen kann. Unter Zug passiert das nicht.

Es ist also absolut sicherheitsrelevant, die Bremsscheibe in Laufrichtung zu montieren. Bei 6-Loch-Schrauben sollte man außerdem darauf achten, die einzelnen Schrauben bei der Montage immer über Kreuz festzuziehen. Dadurch beugt man einer Verspannung der Scheibe vor, was sich ansonsten ebenfalls negativ auf deren Stabilität auswirken könnte. Die oben genannten Drehmomente sollten natürlich immer beachtet werden, was auch für Centerlock-Scheiben gilt. Zudem sollte man an der Bremse immer mit sauberen Fingern arbeiten, da man sonst erst die Bremsscheibe und anschließend die Bremsbeläge unbrauchbar verschmutzen kann. Vor allem Öle und Fette sind hier natürlich problematisch.

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