E-Bike Kit mit Akku Test: Nachrüsten leicht gemacht

Wer ein liebgewonnenes Fahrrad Zuhause hat, muss keine Unsummen für ein E-Bike ausgeben. Mit hochwertigen Sets zum Nachrüsten wird aus einem alten Drahtesel schnell und legal ein vollwertiges E-Bike, beziehungsweise Pedelec. Ab 250 Euro kann man ein E-Bike nachrüsten.

In den vergangenen Monaten haben wir insgesamt fünf Nachrüst-Kits für E-Bikes getestet. Hier ist alles für Front-, Mittel- und Heckmotor dabei. Die von uns getesteten Kits entsprechen größtenteils den bekanntesten Produkten am Markt. In den kommenden Wochen und Monaten werden wir weitere Nachrüst-Kits testen und die Liste aktualisieren. Es gibt noch ein paar wenige weitere Kits, die wir noch testen werden. So etwa die Nachrüst-Kits von Yose Power, die man unter anderem bei Amazon findet.

Getestete Nachrüst-Kits

  • Mittelmotor Bafang BBS-01B (Testbericht)
  • Mittelmotor Bafang MM G340 (Testbericht)
  • Mittelmotor Pendix Edrive 300 (Testbericht)
  • Frontmotor iMortor 2.0 (Testbericht)
  • Heckmotor Bikight SW900 (Testbericht)

Kosten und Legalität von Nachrüst-Kits

Die Preise für Nachrüst-Kits variieren stark. Oft bekommt man sie bei Händlern mit deutschem Standort für 100 bis 200 Euro mehr als über einen chinesischen Online-Shop. Die meisten Nachrüst-Kits führt Banggood; auch zu den besten Preisen in der Regel. Ausnahme ist hier Pendix. Die Preise sind dauerhaft gleich (hoch) und der Verkauf findet ausschließlich direkt über Pendix statt.

Welche Anforderungen Pedelecs erfüllen müssen, um legal auf deutschen Straßen fahren zu dürfen, klären wir im Ratgeber Legal oder illegal? Alles zu E-Bikes und Pedelecs. Grundsätzlich darf man sein eigenes Fahrrad nachrüsten, das ergab ein gemeinsames Interview mit Deutschlandfunk, ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub e.V.) und TechStage (ab Minute 20). Das bestätigt auch Dr. Arun Kapoor, Rechtsanwalt für Produkthaftung und Produktsicherheitsrecht bei der Kanzlei Noerr LLP, im Interview mit Emobiljournal. Die Nachrüst-Sets müssen laut Thomas Geisler vom Pressedienst-Fahrrad nicht einmal eine CE-Kennzeichnung aufweisen. Im Zweifel haftet hier dann der Inverkehrbringer, also etwa Onlineshops wie Amazon.

Viele Nachrüst-Kits bieten zudem einen Gashebel. Den sollte man lieber nicht anbringen, da solch ein Hebel im öffentlichen Verkehr auf deutschen Straßen bis dato nicht erlaubt ist. Der Motor darf ohne Trittunterstützung maximal auf 6 km/h beschleunigen; das gilt in Deutschland als Schiebehilfe. Generell darf ein Pedelec, also ein Elektrofahrrad ohne Versicherungskennzeichen, nicht mehr als 25 km/h mit Motorunterstützung leisten. Die Nennleistung des Motors darf 250 Watt nicht übersteigen.

Das nachzurüstende Fahrrad sollte zudem in einem einwandfreien Zustand sein. Der ADFC und das Institut für Fahrradtechnik und -Sicherheit raten von einem Umbau ab (Stellungnahme des ADFC), da die Bauteile herkömmlicher Räder nicht auf zusätzliche Belastungen ausgelegt wären. Laut Dr. Kapoor wären hingegen keine Unfälle auf technisches Versagen von umgerüsteten Fahrrädern zurückzuführen. Entsprechend kann man nur festhalten: Das nachzurüstende Fahrrad sollte in einem einwandfreien Zustand sein. Das Material sollte keine Ermüdungserscheinungen aufweisen. Idealerweise rüstet man am besten ein neues oder junges Fahrrad auf. Wer sich unsicher ist, sollte zu einem Fachhändler gehen.

Das ist meist nicht schwierig und erfordert in aller Regel nur Zeit und Werkzeug. Vor allem ein Innenlagerschlüssel ist bei Mittelmotor-Sets ein Muss; den gibt es etwa bei Amazon für rund 14 Euro. Den Produkten liegt meist eine Montageanleitung bei. Zudem gibt es für die hier getesteten Modelle auf Youtube diverse Montageanleitungen. Kurbeln, Motor, Bremshebel und Steuereinheit - das sind in aller Regel die Komponenten eines Nachrüst-Kits.

Wer keinerlei Zeit oder Geduld hat, um sein Fahrrad selbst umzurüsten, geht zu Pendix. Hier kann man über einen Fachhändler die Montage vornehmen. Das kostet natürlich extra.

Top 5: Die besten Motoren & Akkus zum Nachrüsten

Platz 1: Bafang BBS-01B

Mit Gutschein-Code BG04aa52 gibt es den Bafang-Mittelmotor derzeit bei Banggood für 520 Euro. Er ist gut verarbeitet und mit 250 Watt Leistung in Deutschland legal. Laut diverser Foreneinträge kommt der Motor auf 80 Nm; das verschafft dem Nutzer eine entspannte Fahrt bei Hügeln und kleineren Bergen.

Neben dem Mittelmotor liefert Bafang neue Kurbeln, einen großen Farb-LCD-Bordcomputer, einen Handcontroller, einen Geschwindigkeitssensor, neue Bremshebel sowie ein Frontlicht und unzählige Kabelbinder. Montagewerkzeug und eine Anleitung sind ebenfalls dabei. Nur einen Innenlagerschlüssel muss man selbst kaufen. Wir haben unseren von Amazon für rund 14 Euro bestellt.

Zum Bafang BBS-01B (Testbericht) braucht man noch einen Akku. Hier haben wir uns für den Haniwinner H194 samt europäischem Netzteil für knapp 270 Euro entschieden. Den Preis erzielt man derzeit mit dem Gutschein-Code BG2eb379 bei Banggood. Die Kapazität des Akkus liegt bei 561 Wh. In der Praxis kommt man damit zwischen 30 und 70 Kilometer weit; abhängig von vielen Fanktoren wie Unterstützungsstufe und Beschaffenheit der Fahrstrecke.

Platz 2: Pendix Edrive 300

Pendix ist Premium und das spürt man schon beim Preis. Der von uns getestete Pendix Edrive 300 (Testbericht) kostet im Set samt Akku mit Gutschein-Code HeiseMedien2022 1500 statt 1.649 Euro. Dafür ist das System absolut geräuschlos, fällt kaum auf und es gibt keine nervigen Kabel, aber auch kein eigenes Display. Das Pendix-Kit hat drei Jahre Garantie (bei Registrierung) und ist hochwertig verarbeitet.

Der Mittelmotor bietet 250 Watt Leistung und ein Drehmoment von 65 Nm. Der Akku bietet 330 Wh und liefert in der Kombination 40 bis 50 Kilometer Reichweite. Großer Pluspunkt ist bei Pendix das sehr minimalistische Design sowie der komplett geräuschlose Motor. Dieser arbeitet ohne Getriebe und gibt deshalb keinen Ton von sich. Dafür tritt der Motor nach. Wir erleben bei jeder Pausierung unseres Tretens, dass die Kurbeln mit spürbarer Kraft weiter nach vorne drücken. Das ist sehr ungewohnt im Vergleich zu anderen Mittelmotoren, aber einfach erklärt: Die Magnete, die das Getriebe ersetzen, drücken immer nach, bis sie an der nächsten Spule andocken. Daran gewöhnt man sich aber in aller Regel; zumindest war das bei uns der Fall.

Platz 3: Bikight SW900

Den Heckmotor Bikight SW900 (Testbericht) mit 1000 Watt gibt es bei Banggood regulär für 300 Euro. Mit Gutschein-Code BG690f26 kostet er nur noch 279 Euro - ein echtes Schnäppchen. Leider ist die Version hierzulande illegal. Das Modell mit 250 Watt ist derzeit ausverkauft.

Für den kompatiblen Akku Haniwinner HA194 561Wh legt man mit Code BG6e013a 210 Euro auf den Tisch. Insgesamt zahlt man also rund 460 Euro für das gesamte Set. So günstig ist kein anderes Kit in unserer Bestenliste.

Die 250-Watt-Version kann mit einem Drehmoment von vermutlich gerade einmal 25-35 Nm nicht vollständig überzeugen. Ja, man spürt die Unterstützung, bergauf fehlt es aber einfach an Kraft. Somit landet der Heckmotor nur auf Platz 3 unserer Bestenliste.

Platz 4: Bafang MM G340

Eigentlich steht das Kit Bafang MM G340 (Testbericht) unserem erstplatzierten Bafang BBS-01B um nichts nach. Ganz im Gegenteil, der MM G340 ist ein sehr starker Mittelmotor der auf ganzer Linie Freude bereitet. Leider verfügt der Motor über eine Leistung von 750 Watt; das ist in Deutschland illegal. Schade, denn ansonsten hätte es für diesen kraftvollen Mittelmotor den ersten Platz gegeben.

Derzeit bekommt man den Motor via Banggood für rund 480 Euro mit Code BG44073d. Via Amazon findet man den Motor immer wieder für rund 100 Euro mehr.

Platz 5: iMortor 2.0

Eigentlich ist der iMortor 2.0 (Testbericht) eine tolle Idee. Akku, Elektronik und Motor stecken allesamt im Vorderrad. Man muss nur ein Kabel zur Lenkerstange verlegen und es mit dem mitgelieferten Controller verbinden. Insgesamt brauchen wir für den Umbau 15 Minuten.

Das klingt zu gut, um wahr zu sein und ist es leider auch. Denn der iMortor 2.0 hat mit rund 10 bis 15 Kilometern kaum Reichweite, man braucht eine App, um ihn überhaupt nutzen zu können, und ohne Gashebel kann man ihn nicht nutzen. Damit ist das Modell in Deutschland illegal und generell einfach nicht zu gebrauchen. Via Banggood ist das Produkt noch gelistet, aber nicht mehr verfügbar. Auf Geekbuying findet man den Nachfolger, den iMortor 3.0, für rund 420 Euro.

Alternativen: Swytch-Kit

Neben Pendix und weiteren Anbietern mischt auch das britische Unternehmen Swytch seit Jahren erfolgreich diesen Markt auf. Update vom 1. Juni 2023: Swytch hat die Preise für das Kit sehr deutlich im Preis gesenkt. Los geht es jetzt bereits ab 499 Euro. Auch das Verkaufsmodell hat der Hersteller überdacht.

Ähnlich dem einst gefeierten Copenhagen Wheel setzt auch Swytch auf den kompletten Austausch des Rads, in diesem Fall jedoch des Vorderrads. Zur Auswahl stehen satte 13 Größen, von winzigen 16 Zoll, wie es sie häufig an Falträdern gibt, bis hin 29 Zoll. Daher ist bei der Bestellung neben der Angabe zum Fahrradtyp auch die der Felgengröße von essentieller Bedeutung. Zudem sind weitere Angaben erforderlich, etwa zur Art der Bremsen.

Das Swytch-Paket enthält alle notwendigen Bauteile, jedoch kein Werkzeug. Inbusschlüssel, Reifenheber, Schere, Fahrradpumpe, Maulschlüssel, Maßband - all das wird zum Umbau benötigt und muss vorhanden sein. Auf der Verpackungsinnenseite ist ein QR-Code abgedruckt, der zu einem Installationsvideo führt und dessen Anweisungen wir folgen. Zusätzlich liegt eine gedruckte Anleitung bei. Wer Hilfe beim Umbau benötigt, kann auch einen kostenlosen 1:1-Videocall mit Expert:innen des Unternehmens buchen.

Ein Druck aufs schön schlanke, beleuchtete Digital-Display und das nun elektrifizierte Fahrrad erwacht zum Leben. Das Swytch-Kit enthält zwar alles, um ein Fahrrad in ein E-Bike zu verwandeln - einen Drehmomentsensor gibt es indes nicht. Das merken wir auf den ersten Metern. Bis die Unterstützung des Vorderradmotors einsetzt, dauert es eine Gedenksekunde. Dann jedoch erfolgt die Unterstützung spürbar und gleichmäßig.

Leider besteht er auf das Original-Netzteil und lässt sich nicht per USB-C-Anschluss laden. Die versprochenen 15 Kilometer unterstützte Reichweite konnten wir im Alltag auch erreichen. Dann heißt es: bitte nachladen. Leider muss dazu stets das mitgelieferte, 330 Gramm schwere Original-Netzteil verwendet werden. Wir hätten uns gewünscht, dass ein Befüllen des Akkus per USB-C-Anschluss möglich gewesen wäre. Zudem muss der Akku immer vom Rad entfernt werden, wenn ihr es abstellt, da er spielend leicht geklaut werden kann und es keine Möglichkeit gibt, ihn abzuschließen.

Kamingo E-Bike-Umrüst-Kit

Das chinesische Start-up Kamingo hat ein E-Bike-Umrüst-Kit entwickelt, das Mobilität neu denken lässt. Für nur 300 Euro können Radler ihr normales Fahrrad in ein 750-Watt-E-Bike verwandeln, ganz ohne Spezialwerkstatt. Hinter dem Projekt stehen ehemalige Mitarbeiter von Huawei und BYD, zwei Schwergewichten der Elektronik- und Fahrzeugbranche.

Das Kit enthält einen Motor mit 40 Newtonmetern Drehmoment, eine kompakte Steuerungseinheit sowie einen Akku und wird direkt an der Sattelstütze montiert. Innerhalb von zehn Minuten soll das System angebracht und einsatzbereit sein. Die Unterstützung greift bis zu der in Deutschland erlaubten Geschwindigkeit von 25 km/h. Der Akku des Systems ist als Trinkflasche getarnt, wiegt nur rund drei Kilo und liefert 266 Wattstunden Kapazität, genug für bis zu 30 Kilometer Reichweite im Unterstützungsbetrieb. Über einen USB-C-Anschluss lässt sich der Akku flexibel laden und sogar als Powerbank nutzen.

Vor- und Nachteile von E-Bike Nachrüst-Kits

  • Vorteile:
    • Nachhaltiger: Du brauchst kein neues E Bike kaufen und dein altes Fahrrad verschrotten, um ein E Bike zu fahren.
    • An geliebtem Fahrrad festhalten: Wer leidenschaftlich Fahrrad fährt, baut eine Verbindung mit seinem Fahrrad auf.
  • Nachteile:
    • Nicht immer einfach zu montieren: Einen Umbausatz zu montieren, ist nicht immer einfach. Du brauchst häufig spezielles Werkzeug und Fahrradkenntnisse.
    • Kaum teurer als Neukauf: E Bikes werden immer günstiger. Ein Neukauf kann unter Umständen günstiger sein als ein Umbau.

Rechtliche Bedingungen für E-Bikes und Pedelecs

In unserem E Bike Umbausatz Vergleich haben wir auch Pedelecs, die bis zu 45 km/h erreichen können und deutlich mehr Leistung aufweisen. Schaltet der Motor erst bei einer Geschwindigkeit von 45 km/h ab, zählt das S-Pedelec als Kleinkraftrad.

  • Pedelec:
    • Für ein Pedelec ist keine Versicherungsplakette, keine Zulassung und auch kein Führerschein notwendig.
    • Darüber hinaus kann jede Person mit einem Pedelec Umbausatz sein Fahrrad umrüsten.
  • S-Pedelec:
    • Um ein S-Pedelec bis 45 km/h fahren zu dürfen, brauchst du eine Betriebserlaubnis oder eine Einzelzulassung des Herstellers vom Kraftfahrtbundesamt.
    • Außerdem werden eine Versicherungsplakette mit passender Versicherung und ein Führerschein der Klasse AM benötigt.
    • Somit ist ein Mindestalter von 16 Jahren notwendig, um das S-Pedelec zu fahren.
    • Laut aktuellen Vorschriften besteht eine Helmpflicht.

Wichtige Aspekte beim Kauf eines E-Bike Nachrüst-Kits

  • Montage/Kompatibilität: Wie einfach ist der Einbau? Wo sitzt der Motor und wie ist der Akku befestigt?
  • Art des Motors: Wie effizient ist der Motor und wo ist er verbaut? Der Motor entscheidet letztendlich über das Fahrgefühl.
  • Leistung: Wie viel Watt hat der Motor?
  • Akku: Der Akku legt die Voraussetzung für die Weitergabe an den Motor. Insgesamt sorgt ein stärkerer Akku für mehr Reichweite.
  • Preis: Das E Bike nachrüsten sollte nicht zu teuer werden.

Wichtige Hinweise für die Sicherheit

  1. Fahrradhelm: Höhere Geschwindigkeiten bedeuten ein höheres Risiko, bei einem Unfall verletzt zu werden. Der Fahrradhelm ist damit umso wichtiger.
  2. Versicherungen: Ein Umbausatz wertet dein Fahrrad auf und erhöht den Wert.
  3. Wartung Fahrrad & Anbauteile: Motor, Akku, Sensoren, Fahrradcomputer, E Bike Sattel und andere Bauteile können zu einem erheblichen Risiko werden, wenn sie nicht mehr rund laufen.
  4. StVO beachten: Du kannst alles richtig machen und doch im Straßenverkehr andere behindern, wenn du die Straßenverkehrsordnung nicht einhältst.

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