E-Mountainbike Test: Top-Modelle bis 5000 Euro im Vergleich

Wer mit dem E-Mountainbike ins Gelände möchte und künftig die Trails am Hausberg oder in den Alpen genießen will, muss ungleich mehr Geld auf den Tisch legen als Menschen, die mit dem Laufsport anfangen. Einen Satz hochwertiger Jogging-Schuhe bekommt man für unter 200 Euro. Ein vollgefedertes E-MTB, das uneingeschränkt für Berg-Touren und Trails zu empfehlen ist, findet man kaum unter 4500 Euro.

Darum haben wir auf den folgenden Seiten sechs E-MTB-Fullys zwischen 4500 und 5500 Euro getestet. Doch blind zum nächstbesten E-Bike zu greifen, ist bei diesen Summen keine gute Idee. Die recht kleine Testgruppe zeigt, wie dünn der Markt in der Preisklasse bis 5500 Euro besetzt ist.

Als wir das Stevens E-Inception AM 7.6.1 GTF zum Test bestellt haben, stand ein Preisschild mit 4899 Euro dahinter. Das Beispiel Stevens verdeutlicht obendrein, dass sich das Bild nicht unbedingt zum Positiven wandelt. Jetzt rufen die Hamburger 5499 Euro auf und reißen damit unser ursprünglich anvisiertes Preislimit von 5000 Euro deutlich.

Preisreduzierungen und Neueinsteiger

Die Highend-Marke Specialized hat nämlich für 2023 die Preise drastisch gesenkt. So passt das Einstiegsmodell Turbo Levo Alloy für 5000 Euro plötzlich genau in unser günstiges Testfeld. Das ist ungewohnt, zumal das 23er-Modell sogar noch ein Update auf den größeren Akku erhalten hat.

Alte Bekannte in der Preis-Leistungs-Klasse sind hingegen Marken wie Cube, Giant und Direktversender Rose. Mit dem Root Miller+ startet der Bocholter Versender gerade erst wieder ins E-MTB-Geschäft. Wobei der letzte Kandidat jahrelang keine Option für E-Mountainbiker im Portfolio hatte.

Für 4500 Euro stellt Vitus mit dem E-Sommet VR sogar ein rassiges E-Enduro mit richtig solider Ausstattung und 170 Millimetern Federweg. Ebenfalls neu im Rennen ist Vitus. Die anderen Räder sind gemäßigter ausgelegt. Ein Bike für hartes Gelände, schwere Abfahrten und Ausflüge in Bikeparks. Cube, Giant, Rose und Stevens liefern E-MTBs für Tour und Trail mit 130 bis 150 Millimetern Federweg.

Das Turbo Levo von Specialized ist gewissermaßen ein Grenzgänger zwischen der Allround- und der Enduro-Klasse. Aber kann es die Performance, die wir von den teuren Top-Modellen kennen, auch im günstigen Preissegment bestätigen?

Sparmaßnahmen bei Antrieb und Komponenten

Ohne Sparmaßnahmen geht es in dieser Preisklasse kaum. Größter Kostenpunkt: der E-Antrieb. Also gibt es genau hier auch einiges an Sparpotenzial.

Roses Root Miller+ ist mit Boschs Performance-CX-Motor zwar richtig kräftig ausgestattet. Heißt: kleinere Akkus und keine Kompatibilität mit den neuesten Bosch-Parts, Apps und Bedienelementen. Doch der Neuling setzt noch nicht auf das aktuelle Smart-System.

Hier steckt Shimanos E7000 im Tretlagerbereich, der deutlich schwächer ausfällt als die aktuellen Top-Antriebe. Noch deutlicher macht sich die Sparmaßnahme bei Vitus bemerkbar. Auch die Akkus sind meist kleiner. 625 Wattstunden bei Rose und Stevens, 500 bei Vitus.

Cube leistet sich obendrein den Luxus eines Carbon-Rahmens. Lediglich Cube, Giant und Specialized gehen beim Antrieb in die Vollen. Nur Rose kann das übertreffen, die neben dem Hauptrahmen auch den Hinterbau aus Kohlefasern fertigen und damit ein in dieser Preisklasse unschlagbar geringes Gewicht realisieren. Brose. Das ist beachtlich.

Gespart wird natürlich auch an den Komponenten. Mit Cube, Giant, Specialized und Rose setzen gleich vier von sechs Test-Bikes auf diese Forke. Ein Klassiker in der Einstiegspreisklasse ist die schmächtige Rockshox-35-Federgabel. Die bietet Touren-Fahrern erstaunlich viel Komfort.

Positiv sticht an dieser Stelle die massive Domain-Gabel am Enduro von Vitus heraus. Im heftigeren Trail- und Geländeeinsatz muss man aber deutliche Einbußen hinnehmen, denn die schwache Dämpfung bietet zu wenig Gegenhalt. Der Faktor Federgabel führt im Gelände bei unserer Testgruppe zu den deutlichsten Einbußen gegenüber teureren Modellen. Darunter leidet die Kontrolle.

An zweiter Stelle stehen die Reifen. Cube und Rose setzen hier den Rotstift an, was ihren Bikes auf dem Trail einiges an Fahrsicherheit kostet. Doch ein Satz Reifen ist im Zweifel schnell gewechselt. Und der ist dann auch nicht teurer als ein hochwertiger Satz Jogging-Schuhe.

Testergebnisse und Empfehlungen

Die Charaktere sind dabei ziemlich unterschiedlich. Cube ist ein ausgewogener Allrounder, Specialized der Trail-Spezialist. Ausgewogene Geometrien und gelungene Konzepte machen die sechs Kandidaten zu ”echten” E-Mountainbikes. Giant kann mit besonders unkomplizierten Fahreigenschaften und Komfort punkten. Vitus beweist, dass pralle Abfahrtsstärke auch günstig geht - wenn auch mit Einschränkungen beim Antrieb.

Die Motoren im Detail

  • Bosch Performance CX: Viel Power und top Dosierbarkeit machen den Motor zum Uphill-König. Die volle Leistung gibt der Motor erst bei kräftigem Pedaldruck frei. Klappert bergab.
  • Brose Drive SMag: Starker Durchzug bei niedriger Trittfrequenz. Im Testvergleich unschlagbar leise, insbesondere in den unteren und mittleren Modi.
  • Shimano E7000: Spürbar weniger Leistung und Drehmoment, verfügt aber über ein geschmeidiges Fahrverhalten. Kein Klappern in der Abfahrt.
  • Yamaha Syncdrive Pro 2: Spritzige Kraftentfaltung. Die maximale Leistung liegt aber unter Bosch-Niveau. Klappert bergab.

Aussagen der Tester

Gerade das günstige Levo zeigt, dass Geometrie und Konstruktion die Fahreigenschaften mindestens genauso mitbestimmen. Teure Komponenten alleine machen noch kein gelungenes E-MTB. Trotz schwacher Federgabel und mäßiger Bremsen ist das Specialized ein echter Trail-Könner. Auch Cube und Giant überzeugen.

Insbesondere trifft das auf den britischen Neueinsteiger Vitus zu. Generell ist das Preis-Leistungs-Niveau in dieser Testgruppe gut. Dass auch ein Specialized in diesem Preisbereich überzeugen kann, ist eine Premiere - die Marktsituation macht’s möglich: Die Lager sind voll, da müssen die Hersteller Kaufanreize setzen.

Für gemäßigte Touren sind die getesteten Modelle völlig ausreichend ausgestattet. Wer seinen Fokus auf Trails und Gelände legt, sollte aber eine Ausstattungsstufe weiter oben checken. Denn gerade die günstigen Federgabeln und zum Teil auch Bremsen limitieren die Bikes in schweren Abfahrten unnötig.

Zahlen, Daten, Fakten: Die 6 E-Fullys im Vergleich

Die Reichhöhe und das Gewicht sind wichtige Faktoren bei der Wahl des richtigen E-Mountainbikes. Die folgende Tabelle zeigt die Reichhöhe und das Gewicht der getesteten Modelle:

Modell Akku-Kapazität Gewicht
Rose Root Miller+ 625 Wh Gering
Specialized Levo Alloy Groß Kein Übergewicht
Stevens E-Inception 625 Wh 26 kg
Vitus E-Sommet VR 500 Wh Schwer
Cube Stereo Hybrid 140 HPC Race 750 750 Wh
Giant Stance E+ 1 Pro

Rose setzt sich mit seinem leichten Vollcarbonrahmen deutlich an die Spitze des Gewichts-Rankings. Ein starker Wert in dieser Preisklasse. Das Levo Alloy von Specialized hat trotz großen Akkus und robusten Alu-Chassis kein Übergewicht.

TOP 3 auf der Tour

  • Cube Stereo Hybrid 140 HPC Race 750
  • Giant Stance E+ 1 Pro
  • Stevens E-Inception AM 7.6.1 GTF

TOP 3 auf dem Trail

  • Specialized Levo Alloy
  • Vitus E-Summet VR
  • Cube Stereo Hybrid 140 HPC Race 750

Preis-Leistung

Mit dem Vitus E-Sommet landet das günstigste Bike im Test dank starker Fahreigenschaften ganz vorne. Beim Versender kann nur der Antrieb nicht mithalten. Mit dem Testsieger Cube sichert sich ein Bike aus dem Fachhandel Platz zwei. Nach der deutlichen Preissenkung schafft es auch unser Trail-König von Specialized aufs Treppchen.

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