Shimano Deore Schaltung am E-Bike einstellen: Eine detaillierte Anleitung

Das Einstellen des Schaltwerks einer Kettenschaltung am Fahrrad ist nicht schwer. Rasselnde Ketten und springende Gänge müssen nicht sein. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Ihre Shimano Schaltung perfekt einstellen können.

Wir gehen bei dieser Beschreibung davon aus, dass die Schaltung schon am Fahrrad verbaut ist und die Schaltzüge und Außenhüllen unbeschädigt sind. Sind die Außenhüllen beschädigt oder von innen verrostet, kann sich der Schaltzug nicht richtig in der Hülle bewegen und das Einstellen des Schaltwerks bringt nichts.

Die richtige Einstellung des Schaltwerks wird durch drei Schrauben gewährleistet. Am Schaltwerk selbst, können drei Dinge eingestellt werden: oberer Anschlag, unterer Anschlag und die Umschlingung. Über die Anschläge stellen Sie die Maximalauslenkung der Schaltung ein.

Vorbereitung und Kompatibilität

Um Deine Schaltung bestmöglich einstellen zu können, gibt es ein paar Voraussetzungen. Alle Teile des Antriebs und der Schaltung müssen zueinander kompatibel sein. Schaltwerk und Schaltgriff müssen vom gleichen Hersteller und idealerweise aus der gleichen Serie stammen.

Essenziell sind hier aber die Schaltstufen: ein 12-fach Schaltwerk kann nur von einem 12-fach-Schaltgriff gleichen Herstellers angesteuert werden; es kann ausschließlich eine 12-fach-Kassette und -Kette benutzt werden. Shimano- und SRAM-Bauteile können NICHT gemixt werden. Dies führt unweigerlich zu Problemen bis hin zur kompletten Fehlfunktion.

Auch wenn andere Hersteller kompatible Teile anbieten, schwöre ich persönlich auf Originalbauteile des jeweiligen Gruppen-Herstellers, um die beste Performance zu gewährleisten. Für beste Performance ist ein markenreines, in sich kompatibles System obligatorisch.

Reinigung und Schmierung

Grobe Verschmutzungen, insbesondere an Ritzeln, Kette und Schaltröllchen, können Probleme beim Schalten verursachen. Eine gründliche Reinigung ist daher obligatorisch. Für geschmeidige Schaltvorgänge muss die Kette sauber und gut geschmiert sein. Die Gelenke des Schaltwerks müssen leichtgängig sein.

Sind sie verdreckt oder ist die Schmierung durch häufiges Waschen mit dem Hochdruckreiniger nicht mehr gegeben, dürfen Sie ihnen nach dem Säubern gern einen Tropfen Kettenöl spendieren. Dasselbe gilt für die Lager der Schalträdchen. Grundsätzlich sollen alle Komponenten, die mit im Spiel sind, vor dem Einstellen der Schaltung sauber und natürlich technisch einwandfrei sein. Die Hauptursache für schlecht funktionierende Schaltungen ist zu viel Reibung. Weniger Dreck bedeutet weniger Reibung. Alle beweglichen Teile müssen sauber und geschmiert sein.

Bauteile prüfen

Nimm Dir zuerst die Kassette vor: Wenn Du das größte Ritzel im montierten Zustand an zwei gegenüberliegenden Stellen fasst und die Kassette dann zu kippen versuchst, darf nur wenig bis kein Spiel spürbar sein. Kontrolliere bitte das Anzugsmoment der Kassette am Freilauf (40Nm). Die Kassette sollte in puncto Verschleiß im grünen Bereich sein. Spitze Zähne, auch „Haifischzähne“ genannt, sind ein klares Indiz dafür, dass die Kassette getauscht werden muss.

Kontrolliere die Kassette auch auf etwaige Beschädigungen wie beispielsweise krumme oder abgebrochene Zähne. Ist dies der Fall, muss sie ebenfalls getauscht werden.

Das Schaltwerk muss fest und mit vorgeschriebenem Drehmoment am Schaltauge verschraubt sein. Selbstverständlich darf es nicht verbogen oder verzogen sein, was beim ernsthaften Mountainbiken schon mal vorkommt. Auf bockigen Abfahrten kann das Schaltwerk schon mal anecken und beim Kontakt gewinnt in aller Regel der Felsen. Durch das Gerüttel auf den Trails schlägt es auch irgendwann in seinen Gelenken aus.

Dies spürst Du, wenn Du den Käfig unten fasst und seitlich bewegst. Nur ein spielfreies Schaltwerk kann die Gänge sicher, schnell und präzise wechseln. Kontrolliere auch das seitliche Spiel der Schalträdchen (idealerweise bei abmontierter Kette), indem Du daran wackelst. Sind die Lager verschlissen, kippen die Rädchen hin und her. Das Schaltwerk ist dann nicht mehr in der Lage, die Kette sauber unter dem gewünschten Ritzel in Position zu bringen und sie in der Flucht zu den Ritzeln zu halten.

Die Kassette muss korrekt auf dem Freilaufkörper montiert werden und spielfrei sein. Dann kannst Du gleich noch den Zustand der Zähne an den Schalträdchen checken: Genau wie bei der Kassette und dem vorderen Kettenblatt dürfen die Zähne der Schalträdchen ebenfalls nicht verschlissen oder beschädigt sein. Möchtest Du die Kette weiter benutzen und keine neue verbauen, solltest Du sie vorher mit einer Kettenlehre auf Längung prüfen. Gerade am Mountainbike schlägt die Kette durch die starken Vibrationen und Schläge zusätzlich seitlich aus.

Moderne 11- und 12-fach-Schaltwerke von Shimano und SRAM beherbergen eine Mechanik zur Erhöhung der Kettenspannung, die in der Verbindung von Schaltwerkskörper zum Käfig steckt. Da diese Technik ebenfalls einem Verschleiß unterliegt, kontrolliere die Funktion bzw. die Wirkung der Kupplung: Der Käfig darf sich nur mit spürbarem Kraftaufwand nach vorne bewegen lassen - Du spürst ein deutliches Losbrechmoment im Gelenk, bevor du gegen die Federkraft andrückst. So soll es sein!

Schlägt das Schaltwerk gegen einen festen Gegenstand, verbiegt das Schaltauge auch gerne mal, obwohl das Schaltwerk selbst vielleicht gar nicht viel abbekommen hat. Ein sichtbar verzogenes Schaltauge lässt eine saubere Einstellung der Schaltung per se nicht mehr zu. Wir empfehlen, bei Beschädigung direkt ein neues Schaltauge zu verbauen.

Schaltzug und Außenhülle prüfen

Damit der Schaltgriff exakte „Befehle“ an das Schaltwerk weiterleiten kann, muss der Schaltzug und die schützende Außenhülle akkurat angeschlossen sein. Wenn Du einen neuen Schaltzug installierst, solltest Du auch immer gleich prüfen, ob er reibungsarm durch die komplette Hülle gleitet. Falls nicht, musst Du besser auch die Hülle tauschen. Beim Kürzen einer neuen Außenhülle ist wichtig, dass sie sauber und im 90°-Winkel abgeschnitten wird. Nimm hierzu auf keinen Fall einen Seitenschneider oder die Kombizange, da die Hülle hierbei gequetscht wird. Ein Bowdenzugschneider schert die Außenhülle sauber und quetschfrei ab. Präzises Schalten geht nur mit wenig Reibung!

Zu enge Radien bei der Verlegung der Außenhülle erhöhen die Reibung unnötig und sollten daher vermieden werden. Die Endkappe muss kräftig auf die Hülle gedrückt werden, damit sie später nicht noch weiter nachgibt, was die Schaltzug-Spannung wiederum verändern würde.

Überblick der Einstellschrauben

Bevor es an das Einstellen geht, hier noch ein kurzer Überblick der 3 Einstellschrauben eines modernen Schaltwerks. Die Schrauben und deren Funktion sind bei SRAM und Shimano aber gleich, auch deren Anordnung ist sehr ähnlich.

  • B-Schraube (B-Screw): Diese Schraube ist für den Grad der Umschlingung der Kette auf der Kassette und für den Abstand des oberen Schalträdchens zum jeweiligen Ritzel zuständig.
  • L-Schraube (Low Limit Screw): Diese Schraube stellt die obere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am größten Ritzel der Kassette.
  • H-Schraube (High Limit Screw): Diese Schraube stellt die untere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am kleinsten Ritzel der Kassette.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Einstellen der Shimano Schaltung

1. Endanschlag unten (H-Schraube)

Schaltest Du das Schaltwerk in den leichtesten oder schwersten Gang, besteht bei schlechter Justierung die Gefahr, dass sich die Kette unten zwischen dem kleinsten Ritzel und dem Rahmen oder oben zwischen dem größten Ritzel und den Speichen verklemmt, sollte sie über das jeweilige Ritzel springen. Hierzu lässt sich der Schwenkbereich des Schaltwerks in beide Richtungen mit sogenannten Endanschlägen begrenzen.

Zuerst wird der „untere“ Endanschlag eingestellt, also für die Begrenzung auf dem kleinsten Ritzel. Dies machst Du mit der H-Schraube (High Limit Screw oder H-Screw). Hierbei steht das „high“ sinnbildlich für den schwersten Gang. Wenn Du auf das kleinste Ritzel schaltest, muss das obere Schaltröllchen in einer Flucht unter dem kleinsten Ritzel der Kassette stehen und darf nicht weiter Richtung Rahmen verfahren. Am besten geht diese erste Einstellung vonstatten, wenn noch kein Bowdenzug und keine Kette montiert sind. Wichtig: der Schaltgriff muss auf den schwersten Gang geschaltet sein.

Drehst Du die Endanschlags-Schraube im Uhrzeigersinn, wird der Anschlag nach links, also Richtung Speichen, verschoben. Durch Drehen der Schraube gegen den Uhrzeigersinn stellst Du den Anschlag weiter nach rechts, Richtung Rahmen.

2. Schaltzug klemmen und Zugspannung einstellen

Von hier aus wird nun die Zugspannung eingestellt. Als Faustregel gilt: Befindet sich das Schaltwerk mit dem Röllchen unter dem kleinsten Ritzel, soll der Schaltzug minimal vorgespannt sein. Am Schaltgriff befindet sich am Ausgang für den Schaltzug-Außenhülle eine kleine Rändelschraube, die werkzeuglos verstellt werden kann. Sie sollte komplett im Uhrzeigersinn hereingedreht werden und dann ca. 1-2 Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn wieder heraus. So hast Du in beide Richtungen Spielraum beim Einstellen.

Ist der Schaltzug korrekt angeklemmt, kann der überschüssige Teil mit einem Bowdenzugschneider abgeschnitten werden. Zum Schutz des abgeschnittenen Endes wird eine Endtülle auf den Zug gequetscht.

3. Endanschlag oben (L-Schraube)

Nun stellen wir den "oberen" Endanschlag ein, also am größten Ritzel der Kassette. Hierzu schalte in den leichtesten Gang. Der Endanschlag wird mit der L-Schraube (Low Limit Screw oder L-Screw) justiert.

Feinabstimmung der Schaltung

Die Shimano Schaltung einstellen kann zu einer Herausforderung werden. Mit den richtigen Tipps und Handgriffen lässt sich der Vorgang jedoch schnell durchführen. Das Radfahren wird jedoch erst dann wirklich zu einem Spaß, wenn das Rad richtig schaltet. Die Shimano Schaltung einstellen ist daher der erste Punkt, der bei einem neuen Fahrrad zu beachten ist. Zusätzlich dazu ist es empfehlenswert, bei seinem eigenen Rad immer wieder zu prüfen, ob noch alles gut funktioniert.

Einstellung des unteren Schaltwerksanschlags

Die Einstellung erfolgt über den unteren Schaltwerksanschlag. Wird die H-Schraube nach links gedreht, erfolgt dies ebenfalls im unteren Schaltwerksanschlag. Um nun die Einstellung vornehmen zu können, muss der Blick auf das Ritzel gehen. Der untere Anschlag steht zuerst im Fokus. Das kleinste Ritzel, das sich auf der Kassette befindet, wird geschalten. Wenn die Einstellungen richtig vorgenommen wurden, ist nun das oberste Schaltröllchen so positioniert, dass es unter dem kleinsten Ritzel sitzt. Wenn sich zeigt, dass die Leitrolle nicht wie gewünscht steht, muss mit dem Endanschlag gearbeitet werden. Hier kann mit der L-Schraube gearbeitet werden. Diese ist notwendig, um den oberen Anschlag einzustellen. Die Schraube kann dafür sorgen, dass sich dieser entweder nach innen oder auch nach außen verschiebt. Auch die H-Schraube wird notwendig.

Einstellung des oberen Endanschlages

Nun geht es an die Einstellung des unteren Endanschlages. Auch hier muss wieder auf das kleinste Ritzel geschalten werden. Der Endanschlag kann jetzt über die H-Schraube eingestellt werden. Die H-Schraube wird gedreht. Abhängig von der ausgewählten Drehrichtung wird das Schaltwerk weiter nach innen oder auch weiter nach außen gesetzt. Damit die Leitrolle unter dem kleinsten Ritzel auch wirklich zu finden ist, muss nun ein wenig mit der Einstellung gespielt werden. Wenn die Schraube nach rechts gedreht wird, dann geht der Endanschlag in die Innenrichtung. Bei der Bewegung der Schraube nach links, wird das Schaltwerk dagegen eher nach außen bewegt.

Einstellung des oberen Anschlags

Beim Shimano Schaltung einstellen wird nun der obere Anschlag eingestellt. Dafür ist es notwendig, die Schaltung durchzunehmen und auf das größte Ritzel zu stellen. Jetzt muss der Blick wieder auf die Leitrolle gehen. Diese muss nun direkt unter dem größten Ritzel zu finden sein. Wenn jetzt beim Endanschlag zu sehen ist, dass das Schaltwerk zu nahe an den Speichen ist, muss mit der L-Schraube gearbeitet werden. Es kann passieren, dass nun das Schaltwerk blockiert. In diesem Fall muss mit der L-Schraube so gearbeitet werden, dass diese nach außen gedreht wird.

Einstellung der Zugspannung

Die Zugspannung stellt den nächsten Aspekt dar. Um diese Einstellung vornehmen zu können, muss nun jeder Gang erst einmal nach oben und nach unten geschalten werden. Hier muss darauf geachtet werden, wie die Kette beim Schalten reagiert. Wenn die Kette die Richtung einnimmt, die sie einnehmen soll, ist dies ein Vorteil. Wenn die Kette allerdings nicht das nächste kleine Ritzel anspringt, ist dies ein Hinweis darauf, dass die Zugspannung noch zu hoch eingestellt ist. Damit diese gelockert werden kann, muss an dem Einstellrädchen gedreht werden. Zeigt sich beim Test, dass die Schaltung nicht auf das nächste größere Ritzel übergeht, wird davon ausgegangen, dass die Zugspannung zu gering ist. In dem Fall muss sie erhöht werden.

Einstellung der Umschlingung

Wer die Shimano Schaltung einstellen möchte, der muss nun noch die Umschlingung einstellen. Hierfür wird die B-Schraube genutzt. Es handelt sich um die Einstellschraube, die für den Abstand zwischen dem größten Ritzel sowie der Leitrolle vom Schaltwerk notwendig ist. Die Vorgaben zur Umschlingung werden durch den Hersteller herausgegeben.

Die B-Schraube kann nach rechts oder auch nach links gedreht werden. Abhängig von der gewählten Drehrichtung kann auch die Wirkung variieren. Wenn die Drehrichtung nach rechts geht, wird das Schaltwerk nach unten und auch nach hinten bewegt. Zeigt sich ein zu großer Abstand zwischen Leitrolle und Ritzel, sollte die Drehrichtung nach links gehen. Auch bei diesem Punkt ist es notwendig, sich ein wenig heranzutasten und dann zu schauen, wie die Schaltung reagiert.

Zusätzliche Tipps und Hinweise

  • Regelmäßige Wartung: Überprüfen und reinigen Sie Ihre Schaltung regelmäßig, um eine optimale Leistung zu gewährleisten.
  • Professionelle Hilfe: Bei Unsicherheiten oder komplexen Problemen sollten Sie einen Fachmann konsultieren.

Häufige Probleme und Lösungen

Wenn die Kette beim Fahrradfahren schleift oder rattert, sobald man zu treten beginnt, ist häufig eine falsch eingestellte Schaltung das Problem. Was nach einem teuren Werkstattbesuch klingt, lässt sich meist mit wenigen Handgriffen selbst beheben. So geht's.

Überprüfung des Schaltauges

Um festzustellen, ob das Schaltauge verbogen ist, kann eine Sichtprüfung von hinten auf das Schaltwerk hilfreich sein. Dabei sollte die Leitrolle des Schaltwerks in einer Linie mit den Ritzeln stehen. Für eine präzisere Diagnose empfiehlt sich die Verwendung einer Schaltauge-Kontrolllehre oder eines Richtwerkzeugs, mit dem die genaue Ausrichtung überprüft werden kann.

Richten oder Austausch des Schaltauges

Ist das Schaltauge nur leicht verbogen, kann es mit einem speziellen Richtwerkzeug vorsichtig zurückgebogen werden. Achtung: Das Material kann brechen, insbesondere wenn es bereits vorgeschädigt ist.

In vielen Fällen ist es jedoch empfehlenswert, das Schaltauge auszutauschen. Ersatz-Schaltaugen sind modellabhängig und können bei Fachhändlern oder online bezogen werden. Der Austausch erfordert in der Regel das Entfernen des Schaltwerks und eine präzise Montage des neuen Schaltauges.

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