Statt selbst ein Fahrrad zu kaufen, nutzen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer immer häufiger die Möglichkeit, ein Dienstrad zu leasen. Dienstfahrräder liegen in Deutschland im Trend.
Der Trend zum Dienstrad
Etwa 100.000 Arbeitgeber bieten inzwischen das Leasing von Diensträdern an, davon geht zumindest der Bundesverband Zukunft Fahrrad aus, der mehrere Leasing-Dienstleister vertritt. Zwar liegen keine offiziellen bundesweiten Zahlen vor, aber nach Schätzungen des Branchenverbands sind mehr als zwei Millionen Diensträder in Deutschland in Gebrauch. Von dieser Entwicklung profitiert insbesondere der Fachhandel. Für viele Fahrrad-Geschäfte sind Dienstfahrräder inzwischen zu einer wichtigen Einnahmequelle geworden.
Ein Beispiel aus der Praxis
Mehrfach die Woche pendelt Michael Müller mit seinem Dienstrad zur Arbeit, rund 22 Kilometer hin und zurück. "Durch das Jobrad-Angebot fahre ich ein E-Bike zum Preis von knapp 5.000 Euro, das ich mir sonst ehrlicherweise nicht gekauft hätte." Müller arbeitet für den Spezialglashersteller Schott in Mainz. "Dafür verzichte ich jeden Monat auf einen Teil meines Gehalts in Höhe der Leasingrate."
Wie funktioniert das Dienstrad-Leasing?
Das Grundprinzip des Dienstrades ähnelt dem des Dienstwagens, vor zwölf Jahren wurden sie steuerlich gleichgestellt. Seit 2019 gelten für Räder zusätzliche Steuervergünstigungen. Diese müssen, wenn sie das Dienstrad auch privat nutzen wollen, pauschal 0,25 Prozent des Listenpreises des Rads als geldwerten Vorteil versteuern. Die Schott AG will durch das Jobrad-Angebot nach eigenen Angaben einen Beitrag zur Gesundheit ihrer Mitarbeiter und zum Klimaschutz leisten.
Vorteile des Dienstrad-Leasings
- Gesundheit und Umwelt: Das Dienstrad bietet eine Möglichkeit für gesunde Bewegung und trägt zum Umweltschutz bei.
- Erschwinglichkeit: Dank Dienstrad-Leasing werden auch hochpreisige Fahrräder für mehr Menschen erschwinglich.
- Attraktiver Arbeitgeber: Unternehmen können sich mit einem Dienstrad-Angebot als attraktiver Arbeitgeber positionieren.
Dienstfahrräder geleast durch Entgeltumwandlung werden gerade als eine win-win-win Situation beworben: Der Beschäftigte spart Geld, der Arbeitgeber auch, und die Umwelt gewinnt auch noch.
Regelmäßige Bewegung wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus. Radelnde Mitarbeiter sind seltener krank, insgesamt fitter und starten täglich motivierter in den Job. Arbeitgeber leisten außerdem mit dem Benefit Dienstrad einen positiven Beitrag zur CO2-Bilanz.
So gut wie jeder Arbeitgeber kann seinen Mitarbeitern Dienstrad-Leasing anbieten, ohne dass ihm dabei Kosten entstehen.
Vorteile für Arbeitgeber
Insgesamt sinkt durch die Entgeltumwandlung der Arbeitnehmer die Berechnungsgrundlage nicht nur für die Lohnsteuer, sondern auch für die Sozialversicherung. Dadurch sparen also auch Arbeitgeber Zahlungen in die Sozialversicherung.
Bei einer monatlichen Leasingsumme von 100 Euro spart der Arbeitgeber rund 20 Euro Sozialversicherungsbeiträge. Das mache in drei Jahren 720 Euro Plus für einen einmaligen Verwaltungsvorgang.
Am Beispiel eines 3000,-€ inkl. MwSt. e-Bikes spart der Arbeitgeber folgenden Betrag pro Mitarbeiter über 36 Monate:
- Der relevante Brutto-Lohn sinkt um die monatliche Leasingrate inkl. Versicherung: 90€ (Lohnumwandlung)
- Durch die 0,25% Regelung, erhöht sich der monatliche Brutto-Lohn um: 7 € (geldwerter Vorteil)
- Unter dem Strich fallen also 83 € weniger Brutto-Lohn an, für den der Arbeitgeber keinen anteiligen Beitrag an Sozialabgaben mehr leisten muss.
Der Arbeitgeber spart somit: 83 € * 19,28% * 36 Monate = 576 € pro Mitarbeiter über 36 Monate. Der Umsatzsteuereffekt auf den geldwerten Vorteil mindert zwar diesen Betrag, jedoch bleibt eine Ersparnis von ca. 530 €.
Vorteile für Arbeitnehmer
Private Fahrradhändler bieten Beschäftigten an, einen Teil ihres Entgelts durch den Arbeitgeber in eine monatliche Leasingrate umwandeln zu lassen, um so beispielsweise beim Kauf eine (E-)Bikes im Wert von 2.500 Euro über 600 Euro zu sparen.
Bei JobRad® per Gehaltsumwandlung wird die monatliche Leasingrate vom Bruttogehalt gezahlt, hier sparst du also Steuern! Zusätzlich kann dein:e Arbeitgeber:in einen Zuschuss zahlen - dann sparst du noch mehr.
Bis zu 40 Prozent Ersparnis - für Arbeitnehmer ist das eines der wesentlichen Pro-Argumente beim Dienstrad-Leasing.
Nachteile und Kritik
Aber bei den derzeit angebotene Modellen gewinnen nur die Arbeitgeber und die Fahrradhändler wirklich, für die Beschäftigten geht es Richtung Nullsummen Spiel, Hauptverlierer sind die Sozialkassen.
- Sozialversicherung: Fakt ist aber auch: Insgesamt sinkt durch die Entgeltumwandlung der Arbeitnehmer die Berechnungsgrundlage nicht nur für die Lohnsteuer, sondern auch für die Sozialversicherung.
- Rente: Als Nachteil des Dienstrad-Leasings wird oft der mögliche Einfluss auf spätere Rentenansprüche genannt. Dadurch werden unter anderem auch weniger Rentenbeiträge fällig.
- Arbeitsplatzwechsel: Die Leasinglaufzeit beim Dienstrad-Leasing beträgt in der Regel drei Jahre.
Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di rät Interessierten, genau zu überlegen, ob sich ein Dienstrad wirklich rechnet, da durch den Entgeltverzicht der Arbeitnehmer in Höhe der Leasingrate die Berechnungsgrundlage eben nicht nur für die Lohnsteuer, sondern auch für die Sozialversicherung sinkt.
Da durch das Modell der Entgeltumwandlung auch Arbeitgeber weniger Sozialversicherungsbeiträge zahlen müssen, kritisiert die Gewerkschaft, dass durch Diensträder der Solidargemeinschaft Geld verloren geht.
Die Krux: Wer weniger in die Rentenversicherung einzahlt spart nur scheinbar, dadurch sinkt auch automatisch die spätere Rente, auch die Ansprüche auf Krankengeld und Arbeitslosenunterstützung sinken natürlich. Richtig sparen kann bei diesem Modell nur der Arbeitgeber, nämlich seine Beiträge zur Sozialversicherung.
Als weiterer Nachteil wird oft die aufgrund der eingesparten Rentenbeiträge niedrigere spätere Rentenleistung angeführt.
Auswirkungen auf die Rente
Natürlich gehe es da meist nur um etwas mehr als einen Euro weniger Rente pro Monat. Das höre sich harmlos an, aber im Schnitt bekämen Menschen gut 20 Jahre Rente mal zwölf Monate. "Das ergibt je nach Leasing-Summe mehrere Hundert Euro", sagt Henke.
Bei Dienstrad-Leasing per Gehaltsumwandlung zahlen Sie weniger Steuern und Sozialversicherungsbeiträge - und damit auch weniger Beiträge in die Rentenversicherung. Allerdings sind die Einbußen für die spätere Rente minimal und in der Regel geringer als die Ersparnis durch das Dienstrad-Leasing. Das zeigt ein Rechenbeispiel: Wird ein Dienstrad im Wert von 2.500 € geleast, reduziert sich der Rentenbeitrag um weniger als 7 € monatlich, jeweils für den Arbeitgeber und den Arbeitnehmer.
Leasingdauer und Arbeitsplatzwechsel
Die Leasingdauer beträgt 36 Monate. Arbeitnehmer*innen, die das Angebot wahrnehmen wollen, sollten daher sicher sein, das bestehende Beschäftigungsverhältnis in den nächsten drei Jahren nicht wechseln zu wollen oder zu müssen. Gleiches gilt für eventuell geplante Elternzeiten.
Wenn Dienstrad-Nutzer ihren Arbeitgeber wechseln, gibt es verschiedene Möglichkeiten - von der Übernahme des Dienstrads über die Umschreibung auf den neuen Arbeitgeber bis hin zur Regulierung über die Bikeleasing-Arbeitgeber-Ausfallversicherung.
Alternativen zum Leasing
Anders sieht es aus, wenn Arbeitgeber bereit sind on top die Leasingraten zu finanzieren. Dann stehen wir auch gerne für tarifvertragliche Lösungen bereit. Das wollen die öffentlichen Arbeitgeber und die meisten privaten bis jetzt aber nicht.
Der öffentliche Dienst im Land und viele Kommunen geben ihren Beschäftigten einen Zuschuss zum ÖPNV (Jobticket), meist 25 Euro im Monat. Radfahrer*innen werden davon ausgeschlossen. Warum eigentlich?
Kauf am Ende der Leasingzeit
Nach drei Jahren geht das Rad zurück an den Händler, wenn Du nichts machst. Du kannst neu leasen - das ist aber oft nicht die günstigste Lösung. Ist das Jobbike gut in Schuss, kann sich der Kauf lohnen. Achte dabei auf ein paar Punkte.
Gegen Ende der 36-monatigen Leasinglaufzeit erhalten Dienstradnutzer üblicherweise ein Übernahmeangebot von uns. Auch, wenn ein verbindliches Angebot aus steuerrechtlichen Gründen erst kurz vor Ablauf der Laufzeit erfolgen darf, kann man mit einem Übernahmepreis von 18 % der UVP rechnen.
Früher warb man oft mit nur 10 Prozent des Neupreises zur Übernahme. Insgesamt schien das deutlich günstiger als ein Direktkauf - 40 Prozent Ersparnis waren keine Seltenheit.
Steuerliche Aspekte beim Kauf
Vereinbarst Du eine Kaufoption im Vertrag droht eine Steuerfalle. Finanzierst Du über Gehaltsumwandlung im Wesentlichen selbst, könntest Du als wirtschaftlicher Leasingnehmer gelten. Folge: Nachzahlungen bei Lohnsteuer und Sozialversicherung sowie Rückzahlung der Vorsteuer für die Firma.
Maßstab ist der Zeitwert des Jobbikes. Alternativ erlaubt das Schreiben des Bundesfinanzministeriums (BMF) vom 17. November 2017 eine Pauschale: Am Vertragsende hat das Rad noch 40 Prozent des Neupreises.
Die Leasingfirma kann die Versteuerung übernehmen und laut BMF-Schreiben pauschal mit 30 Prozent versteuern. Der geldwerte Vorteil gilt dann als Lohn von dritter Seite (§ 37b EStG).
Tabelle: Beispielhafte Kostenaufstellung Dienstrad-Leasing
| Position | Betrag (Beispiel) |
|---|---|
| Bruttomonatsgehalt | 4000 € |
| Kaufpreis Fahrrad | 3500 € |
| Restwert (18 %) | 630 € |
| Leasingrate (ca.) | 100 € |
| Versicherung (ca.) | 10 € |
| Geldwerter Vorteil (ca.) | 8 € |
| Monatliche Nettobelastung (Steuerklasse I, keine Kinderfreibeträge, Versicherung durch AG) (ca.) | 65 € |
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