E-Bike vs. Normales Fahrrad: Vor- und Nachteile im Vergleich

Elektrofahrräder liegen voll im Trend und verdrängen das normale Fahrrad immer mehr. Doch hat das E-Bike auch in Sachen Trainingseffekt seine Berechtigung? Dieser Artikel räumt mit Vorurteilen auf, stellt Studien vor und beleuchtet die Vor- und Nachteile von E-Bikes im Vergleich zu herkömmlichen Fahrrädern.

Die Vorteile des E-Bikes

Bewegung ist für den Organismus überaus wichtig, nicht nur für den Körperbau, auch für das Immunsystem. Wer sich viel bewegt, wird nachweislich seltener krank. Der Zusammenhang zwischen Bewegung und Gesundheit wurde bereits durch eine Vielzahl von Studien belegt.

Die Vorteile der E-Bikes für untrainierte Hobbyfahrer liegen auf der Hand. Nachweislich erhöht die elektrische Unterstützung die Motivation zur Bewegung. Dies kann bereits nach einigen Wochen vieles bewirken. Gerade als Einstieg nach langer Zeit ohne Training ist das E-Bike eine gute Alternative, um spielerisch wieder eine gewisse Grundfitness aufzubauen.

Studien belegen den positiven Effekt

Im Juni 2022 wurde im European Journal of Apllied Physiology eine Studie veröffentlicht, in der sich Forscher der University of Colorado mit dem Thema E-Bikes befassten. Dabei ging es den Amerikanern vor allem darum, zu testen, ob das Fahren auf dem E-Bike für Menschen, welche sonst nicht oft trainieren, ein vollwertiges Workout sein kann.

Das Ergebnis: Alle Teilnehmer hatten sich an die zeitliche Vorgabe gehalten, die meisten saßen sogar bis zu 50 Prozent länger im Sattel als verlangt. Auch die Intensität war durchaus hoch. Der durchschnittliche Puls lag bei 75 Prozent der jeweiligen Höchstgrenze. Die Probanden hatten also ein moderates Workout. Und am wichtigsten: Jeder einzelne hatte deutlich bessere Fitness- und Gesundheitswerte im abschließenden zweiten Labor-Test.

Diese beiden Ergebnisse der Studie zeigen, dass das E-Bike allein schon durch die sich bietenden erweiterten Möglichkeiten positive Effekte mit sich bringt. Die Motivation, sich öfter und länger zu bewegen, stieg bei allen Studienteilnehmern. Die damit einhergehenden Auswirkungen auf die Gesundheit und Fitness sind ebenfalls nicht von der Hand zu weisen.

Auch eine Studie aus dem Jahr 2015 zeigte außerdem einen weiteren positiven Effekt der elektrisch unterstützten Räder. Die Auswertung der Daten ergab, dass die Probanden mit Elektrobike-Zugang signifikant öfter und auch länger unterwegs waren. Der Studie nach war die durchschnittliche Anzahl an täglichen Fahrten mit dem E-Bike höher (1,4) als die Fahrten mit dem normalen Rad (0,9). Auch die durchschnittlich zurückgelegte Distanz betrug bei den E-Bike-Fahrern mit 10,3 Km deutlich mehr als die Fahrten mit dem unmotorisierten Pendant (4,8 Km).

Trainingseffekt auch für trainierte Fahrer

Wenn es um den Trainingseffekt von Elektrobikes geht, könnte man sich vorstellen, dass dieser lediglich für nicht ganz so fitte Hobbysportler relevant ist. Doch auch der Mountainbike-Marathon-Profi Tim Böhme vom Team Bulls, der zudem als Fitness-Experte für das Radlabor Frankfurt aktiv ist, sitzt immer wieder gerne auf dem E-Bike.

Auch sonst sei der Trainingseffekt beim E-Bike fahren nicht zu unterschätzen - nicht nur für Hobbysportler. "Grundsätzlich ist es gleich anstrengend", vergleicht Böhme die beiden Rad-Typen. "Man ist auf dem E-Bike nur schneller unterwegs." Zwar verleitet die Motorunterstützung laut Böhme dazu, sich weniger anzustrengen und mit weniger Aufwand das gleiche Tempo wie sonst zu fahren, "aber es macht doch viel mehr Spaß, mit 18 km/h bergauf zu fahren als mit 10 km/h oder weniger. Das spornt sogar an, noch eher an die Belastungsgrenze zu gehen."

Für sich selbst als MTB-Marathon-Fahrer könne er sich zudem durchaus einen positiven Effekt für die Rennvorbereitung vorstellen. "Downhill-Fahrer fahren ihren Kurs vor dem Rennen mit Motocross-Bikes ab, um die hohen Geschwindigkeiten zu trainieren", weiß der Fitness-Experte. "Als Marathon-Fahrer könnte man mit einem E-Bike die Strecke mit Trainingsanstrengung abfahren und durch die Unterstützung dennoch Renngeschwindigkeit fahren - und die richtige Linienwahl trainieren."

Von Vorurteilen gegenüber den elektrisch unterstützten Rädern hält Böhme nichts. "Mit dem E-Bike ist es im Prinzip wie mit dem Handicap im Golf, nur gesellschaftlich nicht so toleriert", so der Mountainbike-Profi. "Das muss jeder selbst mal probieren." Beim Golf bietet das Handicap schwächeren Spielern die Möglichkeit, mit stärkeren zusammenzuspielen.

Für Fahrten in Gruppen mit Sportlern auf unterschiedlichem Leistungsstand könnte das E-Bike genauso Abhilfe schaffen, spinnt Böhme den Gedanken weiter. "So könnte man ohne Probleme zusammenfahren und dennoch kann jeder seinen eigenen Möglichkeiten entsprechend fahren. Ich könnte mir auch vorstellen, dass das für Pärchen eine interessante Sache wäre." Nur, dass eben beim E-Bike der Profi nicht wie beim Golf ein Handicap bekommt, sondern der Hobbyfahrer einen unterstützenden Elektromotor.

Die Nachteile des E-Bikes

Besitzer eines E-Bikes lieben die Vorteile ihres Elektromotors, andere spotten über Gewicht und Unhandlichkeit. Recht haben beide Seiten: Vieles spricht für den Kauf eines E-Bikes, aber es gibt auch Argumente für ein klassisches Fahrrad.

Denn günstig ist ein gutes E-Bike nicht. Für ein gutes Modell investiert man mindestens 2.000 Euro. Sonst fährt nicht der Spaß mit, sondern das Risiko. Hinzu kommt, dass E-Bikes mehr Pflege benötigen und Reparaturen teurer werden können. Ein Gebrauchtkauf ist nicht unbedingt eine Alternative: Der Akku hält etwa 500-1.000 Ladezyklen, verliert dann an Leistungsfähigkeit. Ein neuer Akku kostet einige hundert Euro und macht das vermeintliche Schnäppchen schnell zum teuren Kauf.

Auf Radtouren sind immer wieder Hindernisse wie Treppen oder sandige Waldstellen zu überwinden, an denen das Fahrrad am besten geschultert wird. Das kann bei einem bis zu 28 kg schweren E-Bike schnell sehr unangenehm werden. Viele E-Bikes haben eine ganz andere Rahmengeometrie als normale Fahrräder. Dadurch lassen sie sich oft nur unbequem tragen.

Ist der Akku aber leer, und das ist im Schnitt nach 70 Kilometern der Fall, wird ohne Unterstützung gestrampelt. Denn eine komplette Ladung dauert schon mal vier Stunden. Dann muss die volle Last des Rades allein mit den Waden bewegt werden. Der Technik des Fahrrads schadet das aber nicht.

Wenn man gerne zum Shoppen radelt und das Fahrrad in der Innenstadt abstellt, ist ein teures E-Bike keine gute Wahl. Zumindest in Großstädten kann es einfach nicht sicher genug angeschlossen werden. Professionelle Banden stehlen Fahrräder selbst vor den Augen von Passanten - und bevorzugen natürlich wertvolle Modelle.

Das E-Bike im Innenhof abstellen? Im Gemeinschaftsfahrradkeller oder gar auf der Straße anschließen? Keine gute Idee. Denn dann ist es garantiert bald gestohlen - das kann auch das beste Fahrradschloss nicht verhindern. Das wertvolle E-Bike benötigt einen sicheren Raum - und sei es die eigene Wohnung. Dann aber ist ein Aufzug nötig, um das schwere und sperrige Bike zu transportieren.

Denn auch E-Bikes werden zwar immer leichter, einige Modelle sind kaum schwerer als ein normales Fahrrad. Allerdings kosten sie ein Vermögen. Die meisten Modelle wiegen mindestens 20 kg, viele sind noch schwerer. Das lässt sich kaum vermeiden, weil Akku und Motor zum normalen Gewicht hinzukommen. Außerdem müssen gerade die schnelleren E-Bikes, deren Motor den Fahrer bis Tempo 45 unterstützt, stabiler gebaut sein als andere Fahrräder.

Immer mehr E-Biker sind in schwere Unfälle verwickelt. In diese Unfälle geraten extrem viele Senioren. Denn durch die Unterstützung des Elektromotors fahren sie viel schneller, als es ihre Fähigkeiten eigentlich erlauben. Das führt schnell zu Kontrollverlust und Stürzen.

Auch das E-Bike kann mit auf Reisen gehen - aber dann ist der Transport gut zu planen. Im Flugzeug lässt es sich nicht mitnehmen. Denn die meisten Fluglinien nehmen keine Akkus an Bord, da sie als Gefahrgut eingestuft werden. Bahnreisende bedenken am besten das Gewicht und die Sperrigkeit des E-Bikes, insbesondere an Treppen im Bahnhof. Am Auto sind Dachgepäckträger alles andere als ratsam. Wegen des Gewichts lassen sich E-Bikes kaum aufs Autodach hieven. Heckträger wiederum müssen auf das hohe Gewicht, den oftmals stärkeren Rahmen und auch auf die häufig größere Länge von E-Bikes ausgerichtet sein. Der vorhandene Träger für normale Fahrräder ist dieser Aufgabe oftmals nicht gewachsen.

Kinder unter 14 Jahren gehören nicht auf ein E-Bike, da sie die höheren Geschwindigkeiten noch nicht einschätzen können und eventuell die Kontrolle über das Fahrrad verlieren.

E-Bike Typen

Jedes Fahrrad mit Elektromotor wird als E-Bike bezeichnet. Und dann unterscheidet man: Kann der Motor das Fahrrad allein antreiben? Oder unterstützt er nur die Trittbewegung des Fahrers? In diesem Fall wird auch vom Pedelec gesprochen. Das Kürzel steht für "Pedal Electric Cycle".

Eine weitere Sonderform wiederum ist das S-Pedelec. Hier unterstützt der Motor den Fahrer bis zu Tempo 45. Vorgeschrieben sind deshalb ein Versicherungskennzeichen und ein Helm. Das S-Pedelec gehört außerdem nicht auf den Radweg, sondern auf die Straße. Auch auf Waldwegen und in Fußgängerzonen, die für Fahrräder freigegeben sind, hat es nichts zu suchen.

Die verschiedenen E-Bike Typen im Überblick:

  • Pedelec: Motorunterstützung bis 25 km/h, rechtlich dem Fahrrad gleichgestellt.
  • S-Pedelec: Motorunterstützung bis 45 km/h, rechtlich ein Kleinkraftrad, Kennzeichen- und Helmpflicht.
  • E-Bike ohne Strampeln: Elektroantrieb ohne Pedalunterstützung, Fahrer muss nicht treten.

E-Bike Kaufberatung

Bevor man sich für den Kauf eines E-Bikes entscheidet, sollte man einigen Punkten näher auf den Grund gehen. Da wäre beispielsweise die Distanz. Wer täglich nicht mehr als 20 oder 30 Kilometer fährt und unterwegs sogar noch eine Steckdose in greifbarer Nähe hat, der kann getrost beispielsweise auf der Arbeit den Akku des E-Bikes wieder aufladen. Wer jedoch 50 Kilometer oder mehr fahren muss und zwischendurch keine Möglichkeit zum Akkuladen hat, der sollte sich wahlweise für einen leistungsstärkeren Akku entscheiden oder stets einen Zweit-Akku im Gepäck haben.

Bei einem E-Bike gibt es drei verschiedene Antriebsarten: Frontmotor, Heckmotor und Mittelmotor. Alle drei Antriebsarten haben sowohl ihre Vorteile, als auch Nachteile. Hier sollte man auf die Verwendung eines modernen Lithium-Ionen-Akkus achten. Von Blei- oder Nickel-Akkus ist hingegen abzuraten, da diese inzwischen veraltet sind.

E-Bike Wartung

Sowohl Motor als auch Akku sind wasserbeständig, es spricht also nichts gegen das Fahren bei nasser Witterung. Entferne den gröbsten Dreck mit einem Wasserstrahl (niemals einen Hochdruckreiniger wie in der Autowaschanlage verwenden). Entferne den restlichen Schmutz mit einer weichen Bürste und mithilfe eines Fahrradreinigers (Spezialprodukt für Fahrräder, keines für Autos oder Motorräder verwenden). Spritze danach das Rad mit Wasser ab, um die Reinigungsflüssigkeit abzuwaschen (niemals einen Hochdruckreiniger wie in der Autowaschanlage verwenden).

Welche Wartungsarbeiten sind an meinem E-Bike erforderlich und wie oft fallen Sie an? Der Wartungsaufwand ist eher minimal und einfach. Was du selbst tun kannst: putzen, Kette ölen, sauber und trocken wischen, Abnutzung der Bremsklötze prüfen.

Vor- und Nachteile im Überblick

Um eine fundierte Entscheidung treffen zu können, ob ein E-Bike oder ein normales Fahrrad besser geeignet ist, hier eine tabellarische Übersicht der wichtigsten Vor- und Nachteile:

E-Bike Normales Fahrrad
Vorteile:
  • Unterstützung bei Steigungen und Gegenwind
  • Höhere Reichweite
  • Weniger Anstrengung
  • Geeignet für Personen mit eingeschränkter Fitness
Vorteile:
  • Geringere Anschaffungskosten
  • Geringeres Gewicht
  • Weniger Wartungsaufwand
  • Direkteres Fahrgefühl
Nachteile:
  • Höhere Anschaffungskosten
  • Höheres Gewicht
  • Längere Ladezeiten
  • Höherer Wartungsaufwand
Nachteile:
  • Höhere Anstrengung bei Steigungen und Gegenwind
  • Geringere Reichweite
  • Weniger geeignet für Personen mit eingeschränkter Fitness

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