E-Mountainbike im Vergleich: Test und Kauftipps

Dieser Artikel vergleicht verschiedene vollgefederte E-Mountainbikes bis 6000 Euro und gibt Kauftipps für die Wahl des richtigen E-Bikes. Hierbei werden Aspekte wie Preis, Leistung, Reichweite und Fahreigenschaften berücksichtigt.

Im Test: 8 vollgefederte E-Bikes bis 6000 Euro

Unser großer Vergleichstest packt 8 spannende Kandidaten um den Titel des besten E-Bike-Allrounders zusammen. Wer ein E-MTB für den Geländeeinsatz auf Tour und Trails sucht, bekommt hier ein solides Paket - und eine riesige Auswahl. Topseller. Dieser Name hat sich bei uns in der Redaktion für E-Mountainbikes der Preisklasse zwischen 5000 und 6000 Euro eingebürgert. Warum? Weil hier die meisten Bikes über den Ladentisch gehen. Und weil es in diesem Preisbereich auch das stimmigste Paket aus Preis und Leistung gibt.

Satte Rabatte für aktuelle E-Mountainbikes

In der aktuellen Marktsituation sind Preisangaben relativ. Die UVPs werden munter hoch und runter justiert. Und welches Preisschild beim Händler am Bike hängt, steht ohnehin noch mal auf einem ganz anderen Blatt. Schwierig, in dieser Situation ein homogenes Testfeld aufzustellen.

Mit Marin und Centurion schaffen es zwei Räder in unseren Vergleich, die wir vor einigen Monaten noch mit dem Vermerk „zu teuer!“ hätten abweisen müssen. Doch die Hersteller haben die offiziellen Preise dauerhaft gesenkt. Mit dem Resultat, dass die Ausstattung dieser beiden Alu-Bikes heraussticht. Für offiziell 4499 Euro gab´s das noch nie! Das Centurion No Pogo F3000i steht mit Rockshox Ultimate-Fahrwerk, elktronischer Di2-Schaltung von Shimano mit Automatikfunktion und kräftigen XT-Stoppern am Traileinstieg.

Fakt ist: Derzeit wechselt kaum ein Bike für den angegebenen UVP den Besitzer. Die zusätzlichen Rabatte beim Händler dürften in diesem Fall etwas dezenter ausfallen. Es lohnt sich also, die aktuellen Straßenpreise gründlich zu vergleichen. Die Versender Canyon und Rose präsentieren ihre All Mountains zu Redaktionsschluss zum Beispiel drastisch reduziert in ihren Webshops. Das Root Miller Plus 3 für 4999 statt 5999, beim Canyon Spectral:On CF8 liegt der Rabatt sogar noch höher: 4799 statt 5999 Euro.

Federwegsseitig liegen die Bikes zwischen 140 und 160 Millimetern. Doch der Einsatzbereich lässt sich nicht allein am Hub festmachen. Interessanterweise gehört das Marin Riftzone mit seinem 140er-Fahrwerk zu den abfahrtsstärksten Bikes, während die 150er von Cannondale Moterra und Rose Root Miller eher auf Touren ausgelegt sind. Sogar das Trek Rail 7 mit 160er-Gabel ist mehr Allrounder als Mini-Enduro.

Die Batterien der Testbikes - ist weniger mehr?

Ebenfalls auffällig: Die Batterien sind im Durchschnitt kleiner als in den Tests aus den letzten Jahren. Zwei Shimano-Bikes kommen mit dem leichten, aber wenig reichweitenstarken 630er-Akku der Japaner. Und gleich drei Bikes mit Bosch-Antrieb verbauen nur den 625er-Powertube.Einen Trend am Markt kann man daraus allerdings nicht ableiten. In vielen Fällen ist die kleinere Batterie eher dem Preis oder der Bauart geschuldet.

Bei Trek und Rose ist in den getesteten Modellen hingegen bei 625 Wh Schluss. Bei Flyer steckt im Einstiegsmodell nur der Powertube 625 - doch es passt auch die 750er-Batterie ins Bike. Schade, dass die Bikes trotz kleiner Batterien nicht wirklich leichter ausfallen. Unter 24 Kilo schaffen es nur Canyon und Rose. Immerhin: Das Rose erreicht mit 22,8 Kilo einen echten Top-Wert, für den man sonst viel tiefer in die Tasche greifen muss. Und das Gros der Gruppe bleibt zumindest unter 25 Kilo.

Für unsere Tests vermessen wir alle Bikes im hauseigenen EMTB-Labor, anstatt uns auf Herstellerangaben zu verlassen. Die Geometrie wird mit einem einheitlichen Messverfahren laserbasiert ermittelt.

Gewichte im Vergleich

Über 1,5 Kilo leichter als der Schnitt ist das Rose Root Miller, das ist eine Ansage! Auch das Canyon Spectral:On kann sich noch etwas von der Masse absetzen. Das Mittelfeld liegt dicht beisammen. Die beiden Bikes mit dem schweren 750er-Bosch-Akku (und bester Reichweite!) landen am Ende des Gewichtsrankings. Auffällig: die schweren Laufräder am Marin. Selbst ohne die Cushcore-Pannenschutz-Einlage wären sie am schwersten. Das Trek machen die leichten Laufräder zum leichtesten Alu-Bike.

Das sagen die Tester

Bosch oder Shimano? Eine Glaubensfrage. Die Motoren haben ein ganz unterschiedliches Fahrgefühl. Eindeutig ist jedoch: In anspruchsvollen Uphills ist der Bosch CX deutlich besser. Dem Shimano EP801 geht bei hoher Trittfrequenz zu früh die Kraft aus, das lässt ihn etwas träge wirken, und Beschleunigen fällt dann schwer.

Marin stellt mit dem Rift Zone E2 eine echte Überraschung im Testfeld. Die Karre hat wirklich Charakter: wenig Federweg und dennoch voll auf Abfahrt getrimmt. Das macht das Bike zum spaßigen Flitzer für die Hometrails. Wer gerne aktiv und aggressiv durchs Gelände schießt, wird damit seine Freude haben. Echt gelungen!

Das meiste Potenzial für sportlichen Geländeeinsatz steckt im Flyer. Mit super progressiver Geometrie und gelungener Kinematik ist das neue Uproc:X ein echter Geländekönner. Die günstige Ausstattung des Einstiegsmodells beschneidet die Fähigkeiten aber etwas. Hier lauert Tuningpotenzial.

Die Reichhöhe - so lange hält der E-Bike-Akku

Wie weit komme ich mit meinem E-Bike? Diese Frage können wir trotz unseres aufwendigen Reichweitentests natürlich nicht pauschal beantworten. Doch unser Prozedere gibt einen idealen Vergleich der getesteten Bikes und ihrer Antriebe. Bei unserem standardisierten Feldtest spulen wir einen Asphaltanstieg mit durchschnittlich 12,2 Prozent Steigung so oft ab, bis die Batterien leer sind. Ein Anstieg hat 412 Höhenmeter. Die Leistung des Fahrers halten wir konstant und zeichnen die Werte mit Garmin Rally XC Powermeter-Pedalen auf. Der Fahrer tritt 150 Watt bei einer Trittfrequenz von 80 Umdrehungen pro Minute. Auch das Gewicht des Fahrers inkl. Ausrüstung liegt bei jeder Fahrt konstant bei 90 Kilo. Kurz: Gleiche Test-Bedingungen für alle Bikes. Gefahren wird in der höchsten Unterstützungsstufe.

Deutlich an der Spitze des Reichweiten-Rankings stehen Cube und Cannondale - die beiden Bikes mit dickem 750er-Bosch-Akku und CX-Motor erkurbeln im Feldtest mit Abstand die meisten Höhenmeter. Auch die kleiner bestückten Bosch-Bikes mit 625er-Batterie schneiden überdurchschnittlich gut ab. Sie liegen grob auf einem Level mit dem nominell üppiger ausgestatteten Canyon Spectral:On (720 Wh).

Die beiden Bikes mit dem 630er-Shimano-Akku fallen im Ranking ab. Die geringe Ladearbeit lässt vermuten: Der 630er Shimano Akku liefert einfach weniger Wattstunden als angegeben. Zugutehalten muss man den Shimano-Bikes die hohe gefahrene Geschwindigkeit. Das zeigt den enormen Unterstützungsgrad, den der EP801 bereits bei geringem Fahrerinput liefert. Boschs CX arbeitet progressiver und geht bei unseren 150 Watt Tretleistung im Feldtest zurückhaltender und damit auch sparsamer zu Werke. Für die maximale Leistung muss man beim CX kräftiger Treten.

Die Motoren im Vergleich

  • Bosch Performance Line CX Smartsystem: Der beliebteste E-MTB-Motor besticht mit Zuverlässigkeit, top Modulation und spritziger Beschleunigung. Damit ist der Bosch CX im schwierigen Uphill unschlagbar. Dazu top Reichweite. Leider sind die Batterien sehr schwer. Bergab klappert der Motor beim Rollen über Hindernisse.
  • Bosch Performance Line CX Gen4: Im Rose steckt noch die ältere Generation des CX ohne Smartsystem. Die Komponenten sind nicht untereinander kompatibel, und es gibt keine App für diesen Antrieb. Außerdem ist bei 625 Wh Schluss. Power und Modulation sind aber auch hier top.
  • Shimano EP801: Der Shimano EP801 ist ein leichter und kompakter Power-Motor. Bei geringem Fahrerinput schiebt er bereits extrem stark und bietet hier mehr Support als Boschs CX. Schwachpunkt: Bei hoher Trittfrequenz geht zu früh die Kraft aus. Auch der EP801 klappert bergab deutlich.

Tops und Flops - Kauftipps bei der E-Bike-Wahl

Oft sind es Kleinigkeiten, die über Fahrspaß oder Frust mit dem neuen Bike entscheiden. Im Test sind uns viele Details aufgefallen. Positiv wie negativ. Hier gibt es die wichtigsten Tipps, worauf ihr beim Kauf achten solltet.

Ergebnisse im Überblick: Das sind die besten E-MTBs im Test

  • Ranking bergab:
    • Canyon Spectral:On CF8
    • Marin Rift Zone E2
    • Flyer Uproc X 2.10
  • Ranking bergauf:
    • Flyer Uproc X 2.10
    • Cannondale Moterra 3
    • Centurion No Pogo F3000i
  • Ranking Tour:
    • Cube Stereo Hybrid 140 TM
    • Cannondale Moterra 3
    • Trek Rail 7

Tipp Allround - Canyon Spectral:On CF8

Gemütliche Tour oder wilder Trail-Ritt? Das Spectral:On CF 8 gehört in beiden Disziplinen zu den absoluten Favoriten. Wertiger Rahmen, geringes Gewicht und Option auf einen Riesen-Akku sind weitere Pluspunkte. Schwäche? Extreme Uphills.

Tipp Trail - Marin Rift Zone E2

Ein Bike mit Charakter! Das Marin Rift Zone E2 hat alle Tester mit seinem gelungenen Handling, massiver Traktion und Abfahrtsstärke überzeugt - trotz geringem Federweg. Fahrspaß wird hier groß geschrieben. Top Ausstattung zum fairen Preis.

Tipp Testsieger - Cube Stereo Hybrid 140 TM

Versierte Trail-Experten könnten die Nase rümpfen - doch für alle anderen schnürt Cube ein unverschämt komfortables Paket. Unkompliziertes Handling, Mega-Reichweite, starke Ausstattung: souveräner Allrounder mit Geländekompetenz zum fairen Preis. Das ist der Testsieg im großen EMTB Vergleichstest.

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