Die Welt der Rennräder ist vielfältig und die Entscheidung für das richtige Modell kann eine Herausforderung darstellen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Vergleich von Rennrad-Testsiegern, wobei Aspekte wie Leichtbau, Aerodynamik und Komfort im Vordergrund stehen. Ziel ist es, Lesern eine fundierte Entscheidungsgrundlage für ihre nächste Rennrad-Anschaffung zu bieten.
Inflation und Preis-Leistungs-Klasse
Im Vorfeld dieses Vergleichstests wurde intensiv über die Preis-Obergrenze von 2500 Euro diskutiert. In früheren Tests der „Preis-Leistungs-Klasse“ musste diese Grenze schrittweise erhöht werden. In diesem Jahr konnte dieses Limit gehalten werden, auch wenn es Absagen von Herstellern gab. Günstigere Komplettrad-Preise können durch die Materialauswahl - Aluminium statt Carbon - und durch Ausstattungsdetails erreicht werden.
Fünf der zehn Test-Modelle basieren auf Aluminium-Rahmen: das Canyon Endurace 7, das Liv Avail AR 1, das Stevens Aspin Disc und das 8bar Kronprinz V3. Ihre Gesamtgewichte betragen 9,34, 9,26, 9,38, 9,41 und 8,78 Kilogramm. Aluminium-Rahmen sind in der Regel schwerer als Carbon-Modelle.
Dass man im Umkehrschluss mit einem Carbon-Modell zwangsläufig Abstriche bei der Ausstattung machen muss, stimmt nach diesem Testfazit nur noch bedingt. Gleich drei Carbon-Räder - das Radon Spire 8.0, das Cube Attain C:62 SLX und das Van Rysel Allroad NCR Apex - sind mit elektronischen Shimano-105- beziehungsweise Sram-Apex-AXS-Gruppen ausgestattet.
Die Ausrichtung dieser drei Modelle ist extrem unterschiedlich: Das Radon ist ein sportives Race-Bike mit einer hohen Agilität. Das Attain ist dagegen ein recht leichtes Endurance-Modell, das vor allem mit seiner Laufruhe und einem hohen Langstreckenkomfort überzeugt. Es steht stellvertretend für einen weiteren Trend innerhalb des Testfelds: jenen hin zu breiteren Reifen. Nur noch ein Modell - das Storck Aernario.2 Comp - rollt auf 25 Millimeter „schmalen“ Pneus. Das Storck ist auch sonst ein „Exot“ in diesem Testfeld: Es ist das einzige Modell, das mit Felgenbremsen ausgestattet ist. Dafür punktet das Aernario.2 Comp mit seinem sehr agilen Fahrverhalten und dem mit Abstand geringsten Gewicht des Tests.
Fakt ist: Dieses Testfeld ist extrem vielseitig. Es bietet Räder vieler Ausrichtungen - von agil, aero-optimiert und sportiv bis komfortorientiert und geländegängig.
Renaissance des Leichtbaus
Rennräder wurden in den vergangenen Jahren eher schwerer als leichter, da Scheibenbremsen oder aerodynamisch optimierte Rahmen-Sets auf die Waage drücken. Allerdings läuteten vier Neuheiten eine Renaissance des Leichtbaus ein, die auch in fahrfertigem Zustand das Gewichtslimit des Radsport-Weltverbands unterbieten. Zwei Modelle bleiben sogar unter der Sechs-Kilo-Marke.
Ein zentraler Grund für das Comeback des Leichtbaus sind neue Fertigungstechnologien bei Rahmen und Gabel. Die Kletterkünstler profitieren zudem von spektakulären Laufrädern. Neben den Felgen sind teilweise auch Speichen und Nabenflansche aus Kohlefaser gefertigt. Selbst Kleinteile wie Spacer oder Sattelstützenklemmungen unterliegen inzwischen dem Diktat des Leichtbaus.
Zudem verzichten viele Fahrradbauer auf eine dicke Lackschicht und setzen nur auf eine dünne Schicht aus Klarlack. Eine Weltneuheit offenbart zudem riesiges Potenzial: Schwalbe hat einen neuen Reifen in den Startlöchern, der im Vergleich zu einem konventionellen Pneu mehr als 100 Gramm einsparen soll. Als erster Hersteller hat Scott die Gummis am neuen Addict RC Ultimate montiert.
Die zehn leichtesten Disc-Rennräder im Test
Die folgende Tabelle zeigt die zehn leichtesten Disc-Rennräder im Test, wobei das jeweils leichteste Modell berücksichtigt wurde. Ein Pedalsatz mit 225 Gramm wurde bereits eingerechnet, sodass alle Kandidaten unter dem UCI-Gewichtslimit bleiben:
| Rang | Modell | Gewicht Komplettrad (Gramm) |
|---|---|---|
| 1 | Schmolke Leggerissima TLO | 5400 |
| 2 | Scott Addict RC Ultimate | 5880 |
| 3 | Specialized S-Works Aethos | 6120 |
| 4 | Benotti Fuoco Carbon Ultra | 6127 |
| 5 | Factor O2 VAM | 6520 |
| 6 | Giant TCR Advanced SL | 6520 |
| 7 | Wilier Zero SLR | 6530 |
| 8 | Specialized S-Works Tarmac SL8 | 6550 |
| 9 | Storck Aernario.3 Platinum Disc | 6560 |
Detaillierte Betrachtung ausgewählter Modelle
Im Folgenden werden einige der leichtesten Rennräder detaillierter betrachtet:
1. Schmolke Leggerissima TLO
- Gewicht Komplettrad: 5400 Gramm
- Gewicht Rahmen: 786 Gramm
- Gewicht Gabel: 341 Gramm
- Laufradgewichte: 834/1139 Gramm (v./h.)
- Preis: 16500 Euro
Das Leggerissma TLO profitiert maßgeblich von hochexklusiven Anbauteilen aus Kohlefaser. Rahmen und Gabel werden in Kooperation mit einem südkoreanischen Hersteller produziert.
2. Scott Addict RC Ultimate
- Gewicht Komplettrad: 5880 Gramm
- Gewicht Rahmen: 705 Gramm
- Gewicht Gabel: 310 Gramm
- Laufradgewichte: unbekannt
- Preis: 12999 Euro
Beeindruckend ist vor allem der neue Ultraleicht-Reifen von Schwalbe: Der Aerothan Race, bislang noch nicht offiziell vorgestellt, dürfte mehr als 100 Gramm gegenüber einem konventionellen Pneu sparen.
3. Specialized S-Works Aethos
- Gewicht Komplettrad: 6120 Gramm
- Gewicht Rahmen: 618 Gramm
- Gewicht Gabel: 290 Gramm
- Laufradgewichte: 1021/1360 Gramm
- Preis: nicht mehr erhältlich
Lediglich 618 Gramm wog einst der Rahmen der exklusiven S-Works-Variante. Eine dünne Schicht Klarlack und minimalistische Decals trugen zum Rekord bei, schließlich war bislang kein Rahmen im Test leichter. Die Gabel setzte mit 290 Gramm ebenfalls Maßstäbe.
4. Benotti Fuoco Carbon Ultra
- Gewicht Komplettrad: 6127 Gramm
- Gewicht Rahmen: 787 Gramm
- Gewicht Gabel: 371 Gramm
- Laufradgewichte: 920/1232 Gramm (v./h.)
- Preis: 10999 Euro
Zum 20-jährigen Firmenjubiläum entwickelte Bernd Nolte, Inhaber der Fahrradmarke Benotti, eine auf 100 Stück limitierte Version des Fuoco Carbon. Rahmen-Set oder Anbauteile brechen zwar keine Rekorde, das Gesamtpaket ist aber mehr als beachtlich.
5. Factor O2 VAM
- Gewicht Komplettrad: 6520 Gramm
- Gewicht Rahmen: 847 Gramm
- Gewicht Gabel: 412 Gramm
- Laufradgewichte: 984/1324 Gramm (v./h.)
- Preis: 13922 Euro
Auch das Bergrad des britisch-taiwanesischen Herstellers unterbietet das UCI-Gewichtslimit, allerdings auf Kosten des maximal zulässigen Fahrergewichts: Factor gibt den Renner für maximal 90 Kilogramm schwerer Fahrer frei.
6. Giant TCR Advanced SL
- Gewicht Komplettrad: 6520 Gramm
- Gewicht Rahmen: 758 Gramm
- Gewicht Gabel: 386 Gramm
- Laufradgewichte: 1019/1387 Gramm (v./h.)
- Preis: 12299 Euro
Die aktuelle Version ist zwar nur 20 Gramm leichter als der Vorgänger, dafür trugen die Taiwaner der Aero-Entwicklung Rechnung.
7. Wilier Zero SLR
- Gewicht Komplettrad: 6530 Gramm
- Gewicht Rahmen: 922 Gramm
- Gewicht Gabel: 387 Gramm
- Laufradgewichte: 1085/1397 Gramm (v./h.)
- Preis: nicht mehr erhältlich
Wilier antwortete damals mit dem Zero SLR und einem Trick. Das Testrad war mit Laufrädern ausgestattet, die für Schlauchreifen ausgelegt waren. Gegenüber vergleichbaren Clincher-Laufrädern holten die Italiener einst rund 400 Gramm heraus.
8. Specialized S-Works Tarmac SL8
- Gewicht Komplettrad: 6550 Gramm
- Gewicht Rahmen: 723 Gramm
- Gewicht Gabel: 383 Gramm
- Laufradgewichte: 1136/1438 Gramm (v./h.)
- Preis: nur als Rahmen-Set; 5500 Euro
Beim S-Works Tarmac SL8 beeindruckt das geringe Rahmengewicht, trotz Aero-Optimierung wird es nur von vier Konkurrenten unterboten.
9. Storck Aernario.3 Platinum Disc
- Gewicht Komplettrad: 6560 Gramm
- Gewicht Rahmen: 806 Gramm
- Gewicht Gabel: 391 Gramm
- Laufradgewichte: 1078/1460 Gramm (v./h.)
- Preis: 9599 Euro
Mit dem Aernario.3 schafft Storck knapp den Sprung in die Leichtbau-Spitzenklasse. Mit 9599 Euro bleibt das Aernario.3 als einziges Rad in dieser Bestenliste unter der 10000-Euro-Marke.
Marathonräder im Fokus
Sogenannte Endurance- oder Marathonräder werden mit dem Ziel gebaut, auch auf extrem langen Touren zuverlässig und bequem zu sein. Was für die Langstrecke bequem ist, kommt auch Genussfahrern und Einsteigern entgegen. Deshalb gelten Endurance-Bikes als ideale Vehikel, um die Faszination des Radsports auch für weniger trainierte Hobbysportler erfahrbar zu machen. Für einen unkomplizierten und verhältnismäßig preiswerten Einstieg in den Straßen-Radsport sind Endurance-Rennräder die erste Wahl.
Was zeichnet Marathonräder aus?
Eine bequemere Sitzposition, etwas breitere Reifen, kleinere Übersetzungen und weniger komplizierte Technik sind die wesentlichen Unterschiede zu den Rennmaschinen von Radprofis. Diese Details machten die Gattung ab Anfang der 2000er-Jahre zunehmend populär.
Viele Hersteller bieten deshalb kaum noch günstige Straßenrennräder an, konzentrieren ihr Angebot auf die vielseitig nutzbaren Gravelbikes. Aus dem Profiradsport kommt mittlerweile auch kein Rückenwind mehr für die Gattung.
Blick auf die Mitte
In mittleren Preislagen sind die “vernünftigen” Straßenrenner immer noch beliebt. An einer Neuorientierung der Endurance-Kategorie arbeiten die Hersteller daher mit unvermindertem Ehrgeiz. Wie die ganz preiswerten sind allerdings auch nobel ausgestattete Varianten selten geworden, dafür ist das Angebot zwischen 3000 und 5000 Euro umso größer.
Eingeladen wurden Räder, die um die 4000 Euro kosten, was dem Plan der allermeisten Leser entspricht, die demnächst in ein Rad mit elektronischer Schaltung investieren wollen. In dieser Preisklasse trifft man die günstigsten Elektro-Ensembles von Shimano (105 Di2) und Sram (Rival AXS) an, in seltenen Fällen auch ein höherwertiges Pendant.
Schon auf den ersten Blick wird deutlich, wie unterschiedlich attraktiv die Angebote in dieser Preisklasse ausfallen. Preis und Ausstattungsniveau korrelieren offenbar kaum, dadurch auch nicht das Gewicht der Räder. Wieder sticht Cube hervor, denn mit der Sram Force und leichten Carbonfelgen ist das Cube Agree C:62 SLX weit über Durchschnitt bestückt und mit weniger als 7,5 Kilo das mit Abstand leichteste Rad im Test.
Wer mit der untypisch sportlichen Ausrichtung des Cube klarkommt - dazu später mehr -, muss hier eigentlich zuschlagen. Attraktiv sind auch das Veto B983 als einziges Ultegra-Rad im Test sowie das Rose Reveal aufgrund des günstigen Preises.
Ein zentrales Werbeversprechen für Marathonräder ist ein hohes Maß an Fahrkomfort, der nicht nur mit breiten Reifen, sondern auch mit federnden Rahmen, Gabeln und Sattelstützen erreicht werden soll.
Auf unserem Komfortprüfstand kann vor allem das Canyon Endurace CF SLX 7 Di2 punkten; an das Niveau der Blattfederstütze kommt die Konkurrenz auch mehr als zehn Jahre nach der Einführung nicht heran. Das Gros der Kandidaten federt passabel, Abzüge müssen in dieser Disziplin das Cervélo Caledonia 105 Di2, das Stevens Izoard Pro und das Veto B983 hinnehmen.
Neue Trends bei Marathonrädern
An einem Testfeld mit solch prominenten Marken lassen sich natürlich auch neue Trends ablesen. Einer macht auch vor dieser Gattung nicht halt, nämlich der zu immer breiteren Reifen. Überwiegender Konsens der Hersteller ist, dass die typische Reifenbreite auf der Langstrecke in Zukunft bei 30 bis 32 Millimetern liegt.
Da 28 Millimeter breite Pneus inzwischen an Wettkampfrädern Standard sind, setzen sich die Marathonräder damit wieder ein Stück ab und drängen in die kleine Nische sogenannter Allroadbikes. Ausnahmen sind Cube - die betont sportliche Neuinterpretation des Agree rollt auf 28-Millimeter-Pneus - sowie Storck und Stevens, bei denen die Entwicklung der Rahmen schon einige Jahre zurückliegt.
Noch deutlich weiter gehen Giant und Koga. Das Koga Roqa lässt 42 Millimeter breite Stollenreifen zu, das Giant immerhin 38er-Pneus - wird das ausgereizt, können sie es mit Gravelbikes aufnehmen.
Bei den Geometrien setzen die meisten Hersteller auf Bewährtes; die Sitzposition auf einem typischen Marathonrennrad ist durchaus sportlich, aber gegenüber klassischen Race-Geometrien deutlich entschärft. Wer eine betont aufrechte Position sucht, sollte sich Canyon, Merida und Rose anschauen.
Mehr Vielfalt und spannende Experimente
Die komfortabel ausgelegten Modelle überzeugen in der Regel auch mit gutem Geradeauslauf. Sehr sportlich, durchaus vergleichbar mit Wettkampfrennern, sitzt es sich auf Cube, Storck und Veto. Sie lenken sich tendenziell auch etwas nervöser.
Die Integration von Bauteilen, wie sie bei Wettkampfrädern in den vergangenen Jahren die Entwicklung bestimmte, nimmt auch in dieser Kategorie zu, selbst wenn das dem einfachen Handling nicht immer zuträglich ist. Mit Ausnahme von Cervélo und Storck verlaufen die Leitungen in oder an Lenker und Vorbau entlang ins Steuerrohr. Das schaut modern aus, verursacht meist aber Probleme bei der Positionsanpassung.
Cube und Storck kommen mit einteiligen Cockpits aus Carbon, die an Top-Rennmaschinen erinnern, aber extrem teuer im Austausch sind. Für viele Interessenten sinnvoller dürften Befestigungsösen für Taschen oder feste Schutzbleche sein. Über Letzteres verfügt immerhin die Hälfte der Testräder.
Dass sich eine einst fest etablierte Radkategorie in gewisser Weise neu erfinden muss, hat auch gute Seiten: Mehr Vielfalt und spannende Experimente bereichern das Genre. So dürfte sich für fast jeden Anspruch ein passendes Konzept finden - über kurz oder lang.
Race-Rennräder im Vergleich
Die Formel-1-Boliden unter den Rennrädern eint der Anspruch, möglichst schnell von A nach B zu kommen. In den vergangenen Jahren antworteten die Hersteller darauf mit schnellen Spezialisten, die klar dem Aerodynamik-Diktat unterlagen und dabei das eine oder andere Gramm zu viel bewusst in Kauf nahmen.
In jüngerer Vergangenheit vollzieht die Branche allerdings einen Kurswechsel. Die Erfolgsformel “Aero ist Trumpf” besteht zwar weiter, die Prioritäten sind aber nicht mehr so klar verteilt und das Gewicht rückt wieder mehr in den Fokus.
Aktuelle Race-Rennräder
Neue Wettkampfräder werden zwar weiterhin konsequent auf gute Aerodynamik hin entwickelt. Dank neuer Fertigungstechnologien und exklusiver Carbonqualitäten stellen die Hersteller inzwischen aber auch deutlich leichtere Renner auf die Reifen - im Testfeld bleiben sieben Modelle unter sieben Kilogramm.
Die Top-Allrounder, zugeschnitten auf die besten Profis der Welt, sind dadurch auf vielen Streckenprofilen schnell und machen den Wechsel zwischen einem leichten Bergrad und einer windschnittigen Speed-Waffe obsolet.
Ein Paradebeispiel für die gelungene Symbiose aus Gewicht und Aerodynamik ist das Scott. Mit 6940 Gramm erzielt das Foil RC Ultimate beim Gewicht “nur” einen Mittelfeldplatz, fährt den meisten Konkurrenten aber dank erstklassiger Aerodynamik von 203 Watt bei 45 km/h davon. Nur das Storck ist noch schneller.
Mit 198 Watt bei Renntempo stellt das Aerfast.5 Pro sogar einen neuen Bestwert im Test auf. Die Zuspitzung erkauft sich der neue Rekordhalter allerdings mit dem höchsten Gesamtgewicht im Testfeld, wodurch das Storck bei hochprozentigen Anstiegen Zeit einbüßt.
Wie diffizil die Entwicklung eines Alleskönner-Rennrades ist, zeigt mit dem Trek ein äußerst prominenter Vertreter. Galt das Madone SLR bislang als Experte für Highspeed, verabschiedete sich der US-Hersteller mit der achten Generation von diesem Ansatz und stellt einen Allrounder vor.
Die starke Aerodynamik blieb dabei auf der Strecke, mit 216 Watt kann das Profirad von Lidl-Trek nicht mehr mit den schnellsten Maschinen mithalten. Auch auf der Waage wird das einstige Vorzeigemodell von der Konkurrenz um Canyon, Giant, Scott oder Specialized abgehängt. Großen Anteil daran haben die vergleichsweise schweren Laufräder der Eigenmarke Bontrager.
Speziell die Race-Allrounder von Factor oder Scott zeigen, dass es auch anders geht. Obwohl die Rahmen-Sets beider Räder wegen der klaren Fokussierung auf die Aerodynamik relativ schwer sind, senken leichte und schnelle Laufräder mit Felgen und Speichen aus Carbon das Gewicht.
Neue Bestmarke in der Aerodynamik
Die Rangliste zeigt, dass die Rad-Kategorien technisch näher zusammenrücken. Cube und Giant etwa sind einst explizit als Aero-Rennräder angetreten, hingegen Cannondale und Van Rysel als Vertreter der Leichtbauzunft. Inzwischen präsentiert sich das Ranking im eng gestaffelten Mittelfeld bunt gemischt: Die Leichten werden schneller, die Schnellen leichter.
Giant setzt neue Benchmark
Bei der Rahmensteifigkeit als drittem, entscheidendem Qualitätskriterium haben die Hersteller ihre Hausaufgaben größtenteils gemacht. Erwähnenswert ist vor allem das Giant, das bei System- und Tretlagersteifigkeit neue Maßstäbe setzt und sich wie aus einem Guss fahren lässt.
Auch das Specialized verdient sich Bestnoten und erweist sich als extrem fahrstabil und antrittsstark. Gleichzeitig offenbart das Testfeld, dass es eines hohen technischen und finanziellen Aufwands bedarf, um Carbonrohre bzw. -rahmen nicht nur leicht und aerodynamisch, sondern auch verwindungssteif zu konstruieren.
Am meisten fällt das Factor gegenüber der High-End-Konkurrenz ab. Ausgezehrt Profi-Fahrer wie Hugo Houle (Israel Premier-Tech), dessen Ostro VAM uns als Testrad diente, können damit umgehen.
Komfort bei Race-Rennrädern
Auf viel Federkomfort hingegen legen nicht alle Hersteller wert, die Renngeräte sind tendenziell eher straff abgestimmt. Es gibt aber Ausnahmen. Scott und Cannondale beispielsweise gelingt ein guter Kompromiss, indem nachgiebige Carbonstützen im Rahmen stecken, die verhältnismäßig viel Federweg bieten.
Viele Marken kompensieren die Systemhärte zudem mit breiteren Reifen. 28 Millimeter sind Standard, auf modernen Carbonfelgen dehnen sich die Pneus meist noch etwas weiter aus. Mit bis zu 32 Millimeter breiten Gummis lassen sich die Boliden für ruppiges Terrain wappnen.
Neben den hochwertigen Tubeless-Reifen zeichnen sich alle Kandidaten außerdem durch beste Antriebskomponenten von Shimano oder SRAM aus. Sowohl Dura-Ace Di2 als auch Red AXS sind über alle Zweifel erhaben und rennmäßig übersetzt.
Ungewöhnlich ist die Getriebewahl am Pinarello, dessen Kompaktkurbel mit dem eigentlichen Renncharakter des Dogma F fremdelt. Merkwürdig finden wir, dass einige Hersteller angesichts der mitunter fantastischen Preise auf einen Leistungsmesser verzichten.
Die Top-Räder im Überblick
Die fabelhaften Noten zeigen es: Alle Kandidaten haben sich ihren Platz unter den Top-Allroundern für die kommende Saison verdient. Angesichts dessen mögen die Kritikpunkte bei einigen Modellen kleinlich wirken. In der Beletage des Radsports ist die Luft aber so dünn, dass es beim Material oft auf Nuancen ankommt.
Folgerichtig setzen sich mit Canyon, Scott und Specialized drei Räder an die Spitze, die kaum Ansatz zur Kritik bieten und die konträren Eigenschaften Aerodynamik und Gewicht bestmöglich vereinen: echte Allrounder mit breitem Einsatzspektrum.
Leichte Bergräder gehören dadurch nicht zwangsläufig zum alten Eisen, viele Marken haben sie noch im Angebot. Unserer Einschätzung nach werden künftig aber weitere Hersteller nur noch eine Race-Plattform unterhalten, allein schon aus Kostengründen.
Wer baut die leichteste Basis?
Ein leicht konstruiertes Rahmen-Set ist nicht zwingend ein Garant für ein sehr leichtes Rad, denn heute sind Lenker und Sattelstütze meistens untrennbar mit einem Modell verbunden. Das Diagramm zeigt die Gewichte der Kompletträder und, zur besseren Orientierung danach sortiert, das Chassis ohne die Laufräder.
Die Gewichtsunterschiede der Schaltgruppen sind vernachlässigbar klein, vergleichsweise viel Potenzial steckt aber in den Laufrädern. Auffällig sind Scott und Factor, die mit sehr leichten Laufrädern trotz relativ schwerer Rahmen-Sets ein niedriges Komplettradgewicht erzielen. Rose und Trek verschenken hier eine bessere Teilnote.
Leicht, aerodynamisch, steif, dämpfend, komfortabel - ein Rennrad, auf das all diese Eigenschaften auf einem hohen Niveau zutreffen, existiert nicht. Diese Eigenschaften und Ausrichtungen laufen sich teils entgegen. Aero-Rohrformen und eine entsprechende Ausstattung mit Hochprofil-Laufrädern gehen - als Beispiel - meist zulasten des Gewichts.
Die eine „eierlegende Wollmilchsau“ gibt es nicht. Oder anders gesagt: Man kann nicht alles haben. Auch deshalb differenziert sich der Rennradmarkt immer weiter aus.
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