Lange Distanzen fahren, ohne dabei auf Komfort zu verzichten - genau dafür wurde das Endurance-Rennrad entwickelt. Ein Endurance-Rennrad ist eine spezielle Art von Rennrad, die für lange Strecken und hohen Komfort entwickelt wurde. Doch was genau macht ein Endurance-Rennrad aus? Welche Vorteile bietet es? Und ist es die richtige Wahl für dich?
Was ist ein Endurance-Rennrad?
Bei einem Endurance-Rennrad beziehungsweise Marathon-Bike handelt es sich um den Langstreckenläufer unter den Rennrädern. Es ist im Breitensport mitunter am weitesten verbreitet und wird oftmals auch einfach nur als „Rennrad“ bezeichnet. Wer also nicht gerade ein leichtes Allroad-Bike, ein Gravel- oder Aero-Bike fährt, hat häufig ein Endurance-Rennrad.
„Endurance“ bedeutet Ausdauer. Ursprünglich wurde das Endurance-Bike im Kontext des nordfranzösischen Eintages-Straßenrennens „Paris-Roubaix“ entwickelt. Weite Streckenabschnitte dieses Wettkampf-Klassikers sind gepflastert und lassen sich mit typischen Racebikes nur schwer befahren. Das Endurance-Bike sollte diese Abschnitte für die Fahrer weniger kraftaufreibend und komfortabler machen.
Bis heute haben sich Bikes der Endurance- beziehungsweise Marathon-Klasse diesen Fahrkomfort als Alleinstellungsmerkmal bewahrt. Daher ist auch häufiger von Komfort-Rennrädern die Rede - ein Rad also, das mit einem angenehmen Fahrgefühl und vielseitiger Einsetzbarkeit überzeugt. Auf Endurance-Rennrädern lassen sich weite Strecken zurücklegen, ohne dass es aufgrund von Schmerzen oder Verspannungen zu Leistungseinbußen kommt. Dabei kommen die nachgiebigen Marathon-Bikes mit nassen Straßen ebenso zurecht wie mit Unebenheiten - bei guter Pflege meist über Jahrzehnte.
Warum ein Endurance-Rennrad?
- Komfort durch aufrechte Sitzposition und bessere Dämpfung.
- Weniger Ermüdung dank vibrationsdämpfendem Rahmen und breiteren Reifen.
- Vielseitigkeit - von schnellen Touren bis hin zu langen Radmarathons.
Für wen ist ein Endurance-Rennrad geeignet?
Ein Endurance-Rennrad lohnt sich besonders für dich, wenn:
- Du lange Strecken fährst und eine komfortablere Sitzposition bevorzugst.
- Du Wert auf Vielseitigkeit legst und ein Rennrad suchst, das auch auf schlechten Straßen stabil bleibt.
- Du nicht nur auf Höchstgeschwindigkeit aus bist, sondern auch auf Ausdauerfahrten und Radmarathons.
Das Marathon-Bike ist vor allem für Langstreckenfahrer geeignet, die sich auch gerne einmal von den Begebenheiten auf der Strecke überraschen lassen. Durch sein leichtes Handling ist das Endurance-Rennrad auch die Nummer-eins-Empfehlung für den Einstieg in den Rennrad-Sport.
Folgende Fahrer kommen mit einem Marathon-Rennrad auf ihre Kosten:
- Fahrer, die gerne längere Strecken zurücklegen
- Sportler, deren Trainingsziel eher Ausdauer und weniger Speed ist
- sportive Fahrer, die sich auf lange Radmarathons oder Ultracycling-Events spezialisiert haben
- Rennradfahrer, die auch einmal abseits üblicher Rennradstrecken unterwegs sind und für alle Eventualitäten gewappnet sein möchten
- Freizeitsportler ohne Wettkampf-Ambitionen
- Einsteiger in den Rennradsport
Was zeichnet das Endurance-Rennrad aus?
Marathon- beziehungsweise Endurance-Bikes heben sich durch verschiedene Eigenschaften von anderen Rennrädern ab. Diese Unterschiede erlauben Rennrädern dieser Domäne bemerkenswerten Komfort - selbst über sehr lange Strecken.
Endurance-Rennräder zeichnen sich durch mehrere dieser folgenden technische Besonderheiten aus:
- kürzeres Sitzrohr, längeres Steuerrohr und kürzeres Oberrohr: Das führt zu einer deutlich aufrechteren Sitzposition.
- längerer Radstand: Dieser macht das Endurance-Rennrad im Handling ruhiger, aber auch weniger wendig.
- breiterer Lenker mit einem flacheren Lenkwinkel: Damit ist die Lenkung weniger agil, verzeiht kleine Ungenauigkeiten im Lenken aber auch besser.
- größere Reifenfreiheit: Das erlaubt das Aufziehen breiterer Reifen.
- dickere Reifen: Diese kann man meist mit weniger Reifendruck fahren und das Fahrrad auf diese Weise geländegängiger machen. Reifen von 28 bis 33 Millimetern Dicke sind bei Endurance-Rennrädern Standard.
- flexende Sattelstütze: Hierbei handelt es sich um eine Sattelstütze, die mitfedert und damit zur Vibrations-Dämpfung beiträgt (z. B. Canyon S15-Sattelstütze am Endurace CF SL Disc von Canyon). Anstatt mithilfe der Sattelstütze kann die Nachgiebigkeit und Federung des Endurance-Rads aber auch auf anderem Wege - beispielsweise über weniger pralle Reifen - erreicht werden.
- breiter Übersetzungsbereich: Dieser hält auch leichte Berggänge bereit, mit denen längere Anstiege bewältigbar sind.
- Scheibenbremsen: Diese Technologie mit Disc-Bremsen hat sich bei den Marathon-Rädern verhältnismäßig früh durchgesetzt, insbesondere wegen ihrer Bremskraft - selbst bei Nässe.
- Gewindeeinsätze für Schutzbleche: Mit Schutzblechen ist es möglich, das Bike wetterfest auszustatten.
Vor- und Nachteile des Endurance-Rennrads
Anders als das Race- oder Aero-Rennrad, ist das Endurance-Rennrad sehr komfortabel. Daher lassen sich mühelos große Strecken zurücklegen. Ein eindeutiger Nachteil ist allerdings, dass Endurance-Bikes oft recht schwer und wenig aerodynamisch sind.
Vorteile von Endurance-Bikes
Endurance-Bikes sind dafür konstruiert, auf langen und unebenen Touren Fahrkomfort zu sichern:
- angenehmere Sitzposition: Zum überragenden Fahrkomfort der Marathon-Rennräder trägt zuerst die eher aufrechte, weniger aggressiv-gebeugte Sitzposition bei.
- Nachgiebigkeit: Ebenfalls dem Komfort zuträglich ist die Nachgiebigkeit von Endurance-Rennrädern. Stöße werden dank breiter und weniger praller Reifen besser abgefangen. Auch federnde Sattelstützen ermöglichen eine deutliche Kraftersparnis auf groben Streckenabschnitten und beugen Ermüdung vor.
- stabiles Fahrverhalten: Das Bike ist zu jedem Zeitpunkt einfach zu handeln und kleine Ungenauigkeiten im Lenken werden gut ausgeglichen.
Nachteile von Endurance-Bikes
Alles in allem lädt das Endurance-Bike dazu ein, viele Kilometer zurückzulegen. Gepflasterte oder geschotterte Straßen-Abschnitte stellen dabei - genau wie Regenwetter - keine Hindernisse mehr dar. Nichtsdestotrotz bringen Rennräder aus der Endurance-Palette auch ihre Schwächen mit sich:
- alles andere als ein Leichtgewicht: Sie sind in der Regel schwerer als andere Rennräder - und zwar unabhängig davon, ob die Rahmen aus Aluminium oder Carbon gefertigt sind.
- weniger sportive Handhabung: Das ruhige Handling kann auch als träge empfunden werden - schließlich ist der Lenkwinkel deutlich flacher und der Radstand größer als bei Bikes, die für Wettkämpfe ausgelegt sind.
- keine Top-Geschwindigkeiten abrufbar: Vielen sportlichen Fahrern fehlen bei Endurance-Modellen außerdem die notwendige Steifigkeit und Aerodynamik. Maximal-Geschwindigkeiten lassen sich so nur schwerer erreichen.
Wichtig: Auch beim Marathon-Bike sind immer noch ebenso hochwertige High-Performance-Laufräder, Schaltgruppen und Rahmenmaterialien verbaut wie bei anderen Rennradklassen. Langsam sind Endurance-Bikes daher lange nicht. Vor allem wenn es darum geht, Speed über eine längere Distanz konstant zu erhalten, können sie ihre Stärken ausspielen.
Ob ein Rennradfahrer mit einem Endurance-Rennrad zufrieden ist, hängt demzufolge davon ab, ob er eher kurze oder lange Touren zurücklegen will. Endurance-Bikes machen dann am meisten Spaß, wenn der Fokus auf der Zeit auf dem Rad und nicht auf Top-Speed liegt.
Endurance-Rennrad vs. andere Rennradtypen
Neben Marathon-Rennrädern gibt es auch noch Gravel- und Aero-Bikes. Während Gravelbikes für gemütliches Offroad-Fahren ausgelegt sind, handelt es sich bei Aero-Rennrädern um windschnittige Wettkampf-Flitzer. Das Endurance-Rennrad befindet sich genau dazwischen: Hier trifft die Vielseitigkeit des Gravelbikes auf die sportlichen Merkmale des Aero-Rads.
Aero-Bike und Endurance-Rennrad
Während das Endurance-Bike als Langstreckenläufer unter den Rennrädern bekannt ist, gilt das Aero-Bike als Profi gegen den Luftwiderstand und im Kampf gegen die Uhr. Profi-Radsport-Rennen und kurze Triathlons sind mit dem Aero-Bike kein Problem. Dafür ist diese Fahrrad-Klasse mit ihrer aggressiven Geometrie ausgelegt - namensgebend ist der windschnittige Rahmen des Aero-Bikes.
Speed verdankt das Aero-Rennrad außerdem den hohen Felgen und schlanken Reifen. Somit ist beim Aero-Bike das Hauptziel, den Luftwiderstand auf ein Minimum zu reduzieren, um so auf der Geraden die maximale Geschwindigkeit abrufen zu können. Dabei werden Einbußen in Komfort und Leichtbau in Kauf genommen.
Beim Marathon-Bike geht es darum, den Fahrspaß für den Rennradfahrer über eine möglichst lange Strecke aufrechtzuerhalten - ohne, dass es aufgrund von Ermüdung oder Schmerzen zu Leistungseinbrüchen kommt. Daher sind Endurance-Bikes auf Komfort und Stabilität getrimmt. Kompromisse werden dafür bei Aerodynamik und Speed gemacht - den beiden USPs des Aero-Renners.
So konträr die Bikes sind, so unterschiedlich sind auch die Zielgruppen. Aero-Rennräder richten sich überwiegend an kompetitive Sportler mit Race-Ambitionen. Im Freizeitbereich hingegen sind Endurance-Rennräder besser geeignet - ohne auf Komfort zu verzichten, können Freizeitsportler darauf immer noch bemerkenswerte Geschwindigkeiten abrufen, von denen man im Trekking- oder Mountainbike-Segment nur träumen kann.
Aus Sicht des Breitensports wiegen die Unterschiede der beiden Rennrad-Domänen schließlich nicht mehr so schwer. Was aber entscheidend ist, ist das Handling und der Preis. Beim Endurance bekommt man für einen moderaten Preis ein vielfältiges Gesamtpaket geboten und trifft definitiv eine gute Wahl.
Wissenswert: Das Endurance-Bike gilt als Alleskönner unter den Rennrädern, weil es mit jedem Terrain und Wetter scheinbar mühelos zurechtkommt. Ähnliches gilt für die Rennrad-Klasse der leichten Allrounder: Sie verfügen über weniger Komfort als Marathon-Bikes und orientieren sich daher eher in Richtung von Kurzstrecken-Fahrten. Somit steht Aerodynamik und Speed mehr im Vordergrund - Performance-technisch bleiben sie aber immer noch unter den Möglichkeiten des windschnittigen Aero-Renners.
Gravel- und Endurance-Rennrad
Bei einem Gravelbike handelt es sich um ein Rennrad mit Mountainbike-Genen. Gravel- und Endurance-Rennräder haben viele Ähnlichkeiten: Beide verfügen über eine entspanntere, moderate Sitzposition. Dabei ist der Sattel nur dezent überhöht und die Haltung im Gesamtbild aufrechter. Auch das Lenkverhalten ist jeweils weniger feinfühlig und daher relativ ruhig. Zugunsten von Komfort nehmen beide Rennrad-Typen Abstriche in puncto Steifigkeit in Kauf.
Unterschiede der bequemen Freizeit-Rennräder ergeben sich schließlich aus dem theoretisch angedachten Einsatzgebiet: Während Gravelbikes für Fahrspaß im Gelände mit breiteren Stollenreifen ausgestattet sind, kommt das Endurance mit dem klassischen Slick für Asphalt und Straßen um die Ecke. Auf Wunsch kann auch das Marathon-Bike aber mit dickeren Reifen nachgerüstet werden - ermöglicht durch die etwas größere Reifenfreiheit der Rahmenkonstruktion.
Praxistipp: Wer sich nicht zwischen Straßen und Offroad-Gelände entscheiden will, kommt mit einem Endurance-Bike auf seine Kosten: Die Option des Reifenwechsels macht das Marathon-Rad flexibel einsetzbar.
Worauf sollte man beim Kauf eines Endurance-Rennrads achten?
Der Markt für verschiedene Rennradtypen wird immer größer: Endurance-Bikes sind inzwischen bei fast jedem Hersteller im Sortiment. Preis, Gewicht, Rahmenmaterial und -größe sind neben Bremsen und Reifenfreiheit wichtige Kriterien bei der Wahl des passenden Marathon-Renners.
Entscheidungskriterien für das Endurance-Rennrad
Folgende Eckdaten gilt es beim Kauf eines Endurance-Bikes zu berücksichtigen:
- Preis: Selbstverständlich ist der Preis keine Nebensache. Vor allem Einsteiger möchten für das erste Bike kein Vermögen ausgeben. Gute Endurance-Bikes beginnen meist ab 1500 Euro und sind damit vergleichsweise erschwinglich. Auch ein Blick in den Gebrauchtmarkt lohnt sich: Dank der Langlebigkeit von Endurance-Bikes finden sich auch hier souveräne Modelle für die ersten Rennrad-Touren.
- Gewicht: Neben dem Preis kommt es - wie bei anderen Rennradtypen auch - auf das Gewicht an. Es steht zwar beim Endurance-Rennrad nicht im Fokus, sollte aber 8 Kilogramm nicht merklich überschreiten.
- Bremsen: Wer einen möglichst leichten Renner haben möchte, muss hier abwägen: Oft haben Bremsen einen großen Einfluss auf das Gewicht des Bikes. Im Endurance-Segment werden oftmals Scheibenbremsen verbaut, die jedoch schwerer als klassische Felgenbremsen sind - mit dem Vorteil, dass sie das Rennrad auch bei Nässe sehr zuverlässig zum Stehen bringen.
- Rahmenmaterial: Eine Möglichkeit, um Gewicht einzusparen, ist eine Leichtbauweise des Rahmens mithilfe von Carbon anstatt Aluminium. Carbon-Rahmen sind bei Marathon-Bikes ebenso etabliert wie Alu-Rahmen.
- Rahmengröße: Unter den Einzelkomponenten ist der Rahmen essenziell: Denn entscheidend für den Fahrspaß ist letztlich auch, ob das Rennrad die passende Größe für die optimale Sitzposition und Kraftentwicklung hat. Dabei können Frauen auch auf ein Endurance-Rennrad speziell für Damen zurückgreifen.
- Reifenfreiheit: Schließlich ist noch zu entscheiden, ob Sie das Rad irgendwann einmal für Schotter und Geländepassagen umrüsten möchten oder nicht. Eine Ausstattung mit breiteren Reifen ist auch aus Komfortgründen eine valide Option. Um sich dies offen zu halten, ist auf eine ausreichende Reifenfreiheit an der Gabel und am Hinterbau des Rahmens zu achten.
Wenn Sie Schwierigkeiten haben, die technischen Daten für diese einzelnen Kriterien einzuordnen, zu vergleichen und zu einer Kaufentscheidung zu aggregieren, so rät es sich eine umfassende Kaufberatung in Betracht zu ziehen - egal ob online oder direkt im Radladen. Auch Testfahrten sind wichtig - insbesondre für Einsteiger.
Aktuelle Endurance-Rennrad Tests und Modelle
Die ausführlichen Testberichte der Endurance-Rennräder lesen Sie in der RennRad 8/2024 und RennRad 3/2025.
Im Vorfeld dieses Vergleichstests diskutierten wir von der RennRad intensiv über die von uns gesetzte Preis-Obergrenze von 2500 Euro. In früheren Vergleichstests der „Preis-Leistungs-Klasse“ mussten wir diese Grenze schrittweise erhöhen - von 2000 auf 2500 Euro. In diesem Jahr konnten wir dieses selbst gesetzte Limit noch einmal halten, auch wenn wir von gleich mehreren Herstellern Absagen auf unsere Testanfragen erhielten.
Günstigere Komplettrad-Preise können etwa durch die Materialauswahl - Aluminium statt Carbon - und durch Ausstattungsdetails erreicht werden. Fünf der zehn Test-Modelle basieren auf Aluminium-Rahmen: das Canyon Endurace 7, das Liv Avail AR 1, das Stevens Aspin Disc und das 8bar Kronprinz V3. Ihre Gesamtgewichte: 9,34, 9,26, 9,38, 9,41 und 8,78 Kilogramm. Im Vorjahr betrug die Carbon- vs. Aluminum-Rahmen-Quote innerhalb des RennRad-Tests dieser Preisrange noch sechs zu vier, vor drei Jahren sieben zu drei.
Aluminium-Rahmen sind in der Regel schwerer als Carbon-Modelle. Dass man im Umkehrschluss mit einem Carbon-Modell zwangsläufig Abstriche bei der Ausstattung machen muss, stimmt nach unserem Testfazit nur noch bedingt. Gleich drei Carbon-Räder - das Radon Spire 8.0, das Cube Attain C:62 SLX und das Van Rysel Allroad NCR Apex - sind mit elektronischen Shimano-105- beziehungsweise Sram-Apex-AXS-Gruppen ausgestattet.
Die Ausrichtung dieser drei Modelle ist extrem unterschiedlich: Das Radon ist ein sportives Race-Bike mit einer hohen Agilität. Das Attain ist dagegen ein recht leichtes Endurance-Modell, das vor allem mit seiner Laufruhe und einem hohen Langstreckenkomfort überzeugt. Es steht stellvertretend für einen weiteren Trend innerhalb des Testfelds: jenen hin zu breiteren Reifen.
Nur noch ein Modell - das Storck Aernario.2 Comp - rollt auf 25 Millimeter „schmalen“ Pneus. Das Storck ist auch sonst ein „Exot“ in diesem Testfeld: Es ist das einzige Modell, das mit Felgenbremsen ausgestattet ist. Dafür punktet das Aernario.2 Comp mit seinem sehr agilen Fahrverhalten und dem mit Abstand geringsten Gewicht des Tests.
Fakt ist: Dieses Testfeld ist extrem vielseitig. Es bietet Räder vieler Ausrichtungen - von agil, aero-optimiert und sportiv bis komfortorientiert und geländegängig.
30 Millimeter - diese Zahl hat einen Symbolwert. Sie zeigt: Auf die Größe kommt es an. Oder vielmehr auf die Breite. Denn das Volumen der an einem Rennrad montierten Reifen trägt sehr viel zu dessen „Charakter“ bei, zum Fahrverhalten, zum Handling, zum Komfort. Breitere Reifen bedeuten in der Regel auch: mehr Dämpfung. Hier fand und findet im Rennrad-Markt eine enorme Evolution statt. Einst rollten Rennräder auf 19, dann auf 21, dann auf 23, dann auf 25 Millimeter breiten Pneus. Heute sind in vielen Markt-Kategorien 28er Modelle fast schon der Standard. In diesem Testfeld sind noch an einem einzigen Modell 25-Millimeter-Reifen montiert. An fünf Rädern sind 30-Millimeter-Pneus verbaut. Die breiteste Bereifung weist das Allroad-Modell Rondo Ratt CF2 auf.
Das leichteste Rad dieses Testfelds ist das Van Rysel EDR CF Ultegra Di2. Es wiegt in der Rahmengröße M 7,08 Kilogramm. Im Testverlauf punktete es unter anderem mit einem Top-Beschleunigungsverhalten, Steifigkeit und einer hochwertigen Ausstattung. Sein Preis: 4199 Euro. Es ist ganz klar am racig-sportiven Pol der Ausrichtungs-Range der zwölf Testmodelle angesiedelt. So wie etwa auch das Specialized S-Works Roubaix SL8. Mit seinem Gewicht von 7,28 Kilogramm und seiner sportiven Geometrie überzeugt es mit einer hohen Agilität -gleichzeitig bietet es aber auch extrem viel Komfort. Mitverantwortlich dafür ist die innovative Future-Shock-3.3-Federung.
Dämpfung, Endurance-Geometrie, Robustheit, Agilität, Laufruhe und mehr - darum geht es in der Nische der Endurance-Rennräder. In unserem Test und den daraus entwickelten Bewertungen legten wir jedoch auch Wert auf andere, teils „konträre“ Faktoren wie etwa Leichtgewicht, Handling, Preis-Leistung und mehr.
Das günstigste Rad in diesem Test ist das Rondo Ratt CF 2. Für 3799 Euro bietet es eine mechanische Shimano-GRX-Gruppe, eine maximale Reifenfreiheit von 50 Millimetern und mit seiner „TwinTip-Gabel“ zwei verschiedene Vorderachs-Positionen - und damit die Wahl zwischen zwei Geometrien. Der Hersteller nennt es „das erste Vario-Geometrie-Gravelbike der Welt“. Das Rondo fällt somit etwas aus der eigentlichen Test-Kategorie heraus und nimmt als voll offroad-taugliches Allroad-Rad mit einer 47-Millimeter-Bereifung eine Sonderstellung ein. Für manche Fahrertypen könnte es das eine Rad für alle Fälle sein. Denn: Gerade viele Langdistanz-Fahrer nutzen auch Gravel-Modelle - mit der entsprechenden Rennrad-Bereifung beziehungsweise einem zweiten Satz Laufräder - für längere Straßeneinsätze.
Zu der Kategorie Allroad-Modelle zählt auch das Falkenjagd Aristos GTS mit seinem Titan-Rahmen. Es erwies sich im Testverlauf als laufruhig, komfortorientiert und absolut langstreckentauglich. Seine Ausstattung mit einer mechanischen Campagnolo-Chorus-Gruppe und Shamal-Laufrädern des italienischen Herstellers ist ein Alleinstellungsmerkmal in diesem Testfeld.
An vier der zwölf Testräder sind die Reifen schlauchlos, tubeless, montiert.
In einem weiteren Test beeindruckte das STEVENS Xenith vor allem durch seinen leichten und dennoch steifen Rahmen, sein geringes Gesamtgewicht und seine ausgezeichnete Fahrstabilität. Mithilfe des STEVENS Custom Bikes Konfigurators kann das Xenith individuell nach Kundenwünschen gestaltet werden. Durch die Vielzahl von verfügbaren Komponenten, Bremsen, Laufrädern und Cockpits entsteht mit nur wenigen Klicks ein persönlicher “Dream Build” basierend auf individuellen Anforderungen, Wünschen oder Vorlieben. Das Xenith überzeugt insbesondere in Bezug auf die Rahmensteifigkeit. Im TOUR-Labortest erzielte das Carbon-Kunstwerk Top-Noten in den Kategorien Frontsteifigkeit und Tretlagersteifigkeit. Dies resultiert in einer ausgezeichneten Lenkpräzision bei hohen Geschwindigkeiten, in Abfahrten sowie in einem effizienten Vortrieb im Wiegetritt und beim Zielsprint. Die Sitzposition des Ausdauer-Bikes wird von den TOUR-Testfahrern als “vergleichsweise gestreckt”, aber stets komfortabel beschrieben.
Die Grundgeometrie des Rahmens mit einem abfallenden Oberrohr ist optimal auf ausdauernde Fahrten abgestimmt. Dank des relativ kurzen Sitzrohrs wird die Sattelstütze weit herausgezogen, um Erschütterungen spürbar abzufedern, wie die TOUR-Testredaktion feststellt. In Kombination mit dem leichten DT Swiss ER 1400 Dicut 25-Laufradsatz, einem leichten Deda-Carbonlenker und der aktuellen Generation des Xenith-Rahmens, die durch optimierten Faser- und Harzeinsatz bis zu 15 Prozent Gewichtseinsparung ermöglicht, ergibt sich ein Gesamtgewicht von lediglich 8,2 Kilogramm. Alle getesteten Räder verfügen über die neue mechanische Shimano 105 12fach-Gruppe, die viele Elemente der elektronischen 105 Di2-Gruppe übernimmt und durch ihre herausragende Ergonomie der neu entwickelten Schalt-/Bremshebel, ihr geringes Gewicht und hohe Zuverlässigkeit überzeugt. Da alle Testkandidaten ähnliche Komponentengruppen aufweisen, fällt der Vergleichstest vor allem durch die rahmenspezifischen Attribute aus.
Ein zentrales Werbeversprechen für Marathonräder ist ein hohes Maß an Fahrkomfort, der nicht nur mit breiten Reifen, sondern auch mit federnden Rahmen, Gabeln und Sattelstützen erreicht werden soll. Auf unserem Komfortprüfstand kann vor allem das Canyon Endurace CF SLX 7 Di2 punkten; an das Niveau der Blattfederstütze kommt die Konkurrenz auch mehr als zehn Jahre nach der Einführung nicht heran. Das Gros der Kandidaten federt passabel, Abzüge müssen in dieser Disziplin das Cervélo Caledonia 105 Di2, das Stevens Izoard Pro und das Veto B983 hinnehmen.
Überwiegender Konsens der Hersteller ist, dass die typische Reifenbreite auf der Langstrecke in Zukunft bei 30 bis 32 Millimetern liegt. Bei den meisten Modellen ist sogar noch Luft für 35er eingeplant. Das macht die Räder etwas schwerer, aber auch robuster und komfortabler und erweitert das Einsatzspektrum auch auf ungeteerte Wege.
Ausnahmen sind Cube - die betont sportliche Neuinterpretation des Agree rollt auf 28-Millimeter-Pneus - sowie Storck und Stevens, bei denen die Entwicklung der Rahmen schon einige Jahre zurückliegt. Noch deutlich weiter gehen Giant und Koga. Das Koga Roqa lässt 42 Millimeter breite Stollenreifen zu, das Giant immerhin 38er-Pneus - wird das ausgereizt, können sie es mit Gravelbikes aufnehmen.
Wer eine betont aufrechte Position sucht, sollte sich Canyon, Merida und Rose anschauen. Die komfortabel ausgelegten Modelle überzeugen in der Regel auch mit gutem Geradeauslauf. Sehr sportlich, durchaus vergleichbar mit Wettkampfrennern, sitzt es sich auf Cube, Storck und Veto. Sie lenken sich tendenziell auch etwas nervöser.
Cube und Storck kommen mit einteiligen Cockpits aus Carbon, die an Top-Rennmaschinen erinnern, aber extrem teuer im Austausch sind. Für viele Interessenten sinnvoller dürften Befestigungsösen für Taschen oder feste Schutzbleche sein. Über Letzteres verfügt immerhin die Hälfte der Testräder.
Endurance-Rennrad-Hersteller
Fast alle Marken bieten Langstrecken-Rennräder an - sei es Canyon, BMC oder Cannondale. Räder der Endurance-Domäne sind dabei meist an einem markanten Namen erkennbar: Während die Marathon-Bikes bei BMC unter der Bezeichnung „Roadmachine“ laufen, führt Cannondale die Räder unter dem Namen „Synapse“ und Canyon unter „Endurace“. Aber auch Radhersteller wie Cube (Agree), Rose (Reveal), Giant (Defy) oder Scott (Addict) haben Endurance-Modelle im Programm.
Im Einsteiger-Segment sind die Preise der Endurance-Bikes von BMC, Canyon und Cannondale vergleichbar. Daher kommt es hier eher auf die technischen Alleinstellungsmerkmale an.
Lange mussten sich Rennradfahrer entscheiden: Entweder Speed oder Komfort. Entspannt und leichtfüßig lässt sich auf einem Endurance-Bike ein Bergpass erklimmen. Genauso gut sind Abkürzungen über Feldwege oder Kopfsteinpflasterpassagen mit dem Komfort-Rennrad befahrbar - sogar bei Regenwetter.
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