Eigenes Motorrad bauen: Eine detaillierte Anleitung

Der Umbau von Motorrädern zu Custombikes erfreut sich wachsender Beliebtheit. Vom Bobber über Flattracker und Scrambler bis zum Café Racer ist vieles erlaubt, aber natürlich nicht alles. Es gibt eine Fülle von Hinweisen, Tipps und Hard Facts, die den sicheren und erfolgreichen Umbau unterstützen sollen.

Grundlagen und Planung

Gute Planung ist der halbe Erfolg. Es ist wichtig, sich vorher genau klarzumachen, was das Ziel des Umbaus ist, was genau verändert werden soll, aber auch wie hoch das Budget ist und wie weit die eigenen Fähigkeiten reichen. Wer beim letzten Punkt unsicher ist, sollte sich von einem Fachbetrieb unterstützen lassen. Ebenso wichtig: Entsprechen die geplanten Umbau- bzw.

Der Rahmen: Das Herzstück des Motorrads

Der Rahmen wird wohl mit am schwierigsten. Neben der korrekten Konstruktion muss er jede Menge Tests überstehen. Wenn man Erfahrungsberichten glauben mag, kostet das zwischen 8000€ - 10000€. Dazu kommt, du brauchst mindestens 2 baugleiche Rahmen, einer muss für den Test zerstört werden.

Nächstes Problem ist die Fahrzeugidentifikationsnummer, ohne die du dein Fahrzeug nicht legal auf der Straße bewegen kannst. Beim TÜV schwer zu bekommen, weil dein Fahrzeug dann quasi eine Kleinserie ist. Also vom Aufwand her, als würdest du ein komplett neues Motorrad für den Markt bauen. Es gibt durchaus Motorradrahmen, einzelne Motoren etc. pp zu kaufen, auch mit TÜV.

Am besten vor Baujahr 90 der AU wegen. Dann kannst du deine Wunschteile montieren mit ABE oder Teilegutachten versteht sich. Vorteil bei dem Alten Rahmen, du kannst auch deinen Wuschmotor verwenden.

Technische Aspekte und Herausforderungen

Abgasanlage wirst du selber schweißen müssen, natürlich mit Lautstärkenmessung beim TÜV.

Ihr habt einige Male den Begriff Festigkeitsnachweis verwendet... habe diesen gegoogelt und leider nichts wirklich Brauchbares gefunden. Beruflich mach ich u.a. Strukturanalysen (oft als Festigkeitsberechnungen bezeichnet, d.h. eigentlich habe ich genau das Werkzeug, sprich die Software, um solche Dinge zu tun. Nur fehlen mir die Anforderungen für ein solches Unterfangen. Man spricht hier von sog. Randbedingungen, den äußeren Lasten und Lagerungen..

Für einen selbstgebauten Rahmen brauchst du ne Statik und einen für solche Arbeiten geprüften Schweißer. Kostenmäßig bin ich mir auch im klaren, daß die Sache 4 stellig werden wird. Ich dachte halt es gäbe hier im Forum Leute, die schon konkret so was gemacht haben. Falls ja (ich mein grad den Part mit der Berechnung) bitte Meldung.

Die Zulassung: Ein komplexer Prozess

Wenn du mit deinem Eigenbau auf die Straße möchtest, musst du eine Einzelbetriebserlaubnis haben. Dazu musst du dich an eine absurde Anzahl an Bestimmungen halten. Du darfst dir ein Motorrad oder auch ein Auto selber bauen. Es muß nur vom TÜV abgenommen werden.

Hast du ernsthaft vor, so ein Projekt zu planen, solltest du von Anfang an den TÜV-Prüfingenieur mit ins Boot holen.

Also, wenn Du unbedingt umbauen willst, würde ich den vorhandenen Rahmen behutsam modifizieren, aber die Rahmen-Nr. bewahren...so ganz legal ist das glaube ich immer noch nicht, aber zumindest muss man dann schon sehr spitzfindig sein, um Dir einen STRICK daraus zu drehen. Fazit: Es ist möglich, ich würde es tun, aber nur aus Not, nicht aus Jux und Dollerei...

Winterprojekt DIY-Custombike: Ein Beispiel

Ein schnödes Brot- und Butter-Motorrad mit überschaubarem Budget, vor allem aber in Eigenregie schöner machen. In sieben Folgen begleiten wir unseren Autor auf dem Weg zum eigenen Custombike.

  • Der Weg zum eigenen Custombike: Idee, Inspiration, Planung
  • Demontage, Bestandsaufnahme, Arbeiten an Motor, Rahmen, Kühler
  • Heckbereich, Kardan, Überholung der Auspuffanlage
  • Telegabel, Lenkkopflager überarbeiten, Elektrik überholen, Lenkermontage
  • Montage der Halbschale, Anpassen Scheinwerfer, Blinker und Spiegel
  • Montage der neuen Bremsanlage, Polierarbeiten, Schutzblech Vorderrad
  • Sitzbank-und Cockpit-Umbau, Lackierarbeiten, TÜV-Abnahme, Wertgutachten

Das Basis-Motorrad: Honda NTV 650

Die Honda NTV 650, in Insiderkreisen liebevoll-ironisch auch "Ente" genannt, ist bekannt als typisches Brot- und Butter-Motorrad und wird vor allem wegen ihrer Zuverlässigkeit und ihren Alltagsqualitäten geschätzt. Sie bietet Solidität und Kardan-Antrieb, dazu ist sie sehr wartungsfreundlich und legendär zuverlässig. Ein Allrounder im besten Sinne, den aber selbst die eingefleischtesten Liebhaber nicht als Schönheit bezeichnen würden, also eher Typ hässliches Entlein. Im Gegensatz z. B. zu den im Moment überall zu sehenden BMW-Zweiventil-Boxern ist die NTV daher ein eher atypisches Modell für Umbauten. Umso reizvoller war für mich genau diese Idee.

Die Projektidee

Von Anfang an war klar, dass die Maschine vor allem schlanker, klassischer und ansehnlicher werden sollte, inspiriert vom Stil der 70er-Jahre und in begrenztem Maße auch von der aktuellen Café-Racer-Welle. Bewusst setzte ich aber auch auf die Verwendung moderner Komponenten wie LED-Blinker und Klarglas-Scheinwerfer. Angedacht war eine moderat sportliche Sitzposition ohne Abstriche in Sachen Funktionalität. Das Motorrad sollte nach wie vor eine "Fahrmaschine" bleiben, auch für den Zweipersonenbetrieb geeignet.

Technische Daten der Honda NTV 650

Hier sind die technischen Daten der Honda NTV 650 im Überblick:

Merkmal Wert
Motor Flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder V-Motor
Hubraum 647 cm³
Leistung 39 kW (53 PS) bei 7.500/min
Drehmoment 53 Nm bei 6.500/min
Getriebe Fünfganggetriebe
Antrieb Kardanantrieb
Tankinhalt 19 Liter
Verbrauch 6 Liter/100 km (Landstraße)
Gewicht 212 kg
Beschleunigung 0-100 km/h 4,6 sek
Höchstgeschwindigkeit 176 km/h

Die NTV bietet im Grunde recht ordentliche Voraussetzungen für einen Umbau, denn der durchaus gut aussehende V2-Motor, die wirklich schön gemachte Kardan-Einarmschwinge und der moderne Brückenrahmen setzen klare Akzente.

Zeitplanung und Werkstatt

Vor allem aber soll dieser Hobby-Umbau zeigen, was auch für Schrauber, die keine Profis sind, mit begrenztem Einsatz von Werkzeug und Ressourcen mit etwas Platz in der heimischen Garage machbar ist. Wichtig, damit so ein Youngtimer-Projekt nicht nur erfolgreich ist, sondern auch Spaß macht, sind je nach Umbauziel passende/ausreichende Schrauberkenntnisse und eine gute Werkzeugausstattung sowie ein nicht zu knapper Zeitplan. Ich würde daher die optimistischste Zeitannahme mit dem Faktor drei multiplizieren - dann sollte es halbwegs passen.

Bei größeren Umbauten ist vor allem die frühzeitige Einbeziehung von TÜV/Dekra sinnvoll. Hier sollte man sich unbedingt an einen der dortigen Motorradexperten wenden, die solche Projekte in der Regel sogar gerne begleiten. Bei besonderen Umbauten (z. B. an der Bremsanlage oder beim Auspuff) kommt es gegebenenfalls auch auf die Unterstützung der Teilehersteller an.

DEKRA-Empfehlungen

Wer plant, ein Motorrad umzubauen, dem sei geraten, diese Pläne vorab mit einem DEKRA Prüfer zu besprechen. Er kann nicht nur Fragen zur Zulässigkeit von Maßnahmen beantworten, sondern auch viele gute Tipps und Hinweise aus der Praxis geben. Mit dem Rat vom Prüfingenieur ist man einfach auf der sicheren Seite, spart sich unter Umständen manche spätere Enttäuschung sowie Zeit und Geld.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0