Wer mit dem eigenen Motorrad in den USA oder Kanada eine längere Tour plant, steht vor der Frage: Mieten oder transportieren? Die Mitnahme des eigenen Motorrads in die USA und/oder nach Kanada lohnt sich in den meisten Fällen nur dann, wenn man mindestens drei Monate bleiben will. Dieser Artikel gibt Ihnen einen Überblick über die Kosten, Formalitäten und Alternativen, die mit dem Transport Ihres Motorrads in die USA verbunden sind.
Verschiffung Ihres Motorrads in die USA
Setzen Sie sich unbedingt rechtzeitig mit einer Fahrzeugspedition in Verbindung. Entsprechende Kontakte finden Sie beispielsweise über das Internet. Da die Kosten für die Verschiffung erheblich differieren, empfiehlt es sich, mehrere Angebote einzuholen. Erkundigen Sie sich immer nach dem Preis inklusive aller Hafen-, Stand- und sonstiger Nebenkosten, da diese einen erheblichen Teil der gesamten Verschiffungskosten ausmachen.
Vergessen Sie auch nicht den Abschluss einer Transport-Versicherung, welche in der Regel über den Spediteur erhältlich ist. Außerdem sollten Sie einkalkulieren, dass Ihr Fahrzeug an die Ostküste zehn bis 14 Tage und an die Westküste ca. vier Wochen unterwegs sein wird.
Die Erledigung der aufwendigen Einreise- bzw. Zollformalitäten überlassen Sie am besten dem Spediteur. In den USA ist neben den Zollpapieren (HS-7 Declaration Form) auch eine zusätzliche Genehmigung für die vorübergehende zollfreie Einfuhr des Fahrzeugs durch die United States Environmental Protection Agency (EPA) notwendig. Deshalb sollten Sie alle Details der Verschiffung und zur temporären Einfuhr des Fahrzeuges unbedingt mit dem Spediteur abklären.
Zur Abwicklung der Formalitäten im Hafen müssen in der Regel folgende Dokumente vorgelegt werden:
- gültiger deutscher Reisepass
- Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein)
- evtl. Internationaler Fahrzeugschein
- die Frachtpapiere
Zulassung und Versicherung
Die reguläre deutsche Zulassung muss bestehen bleiben. Temporäre Kennzeichen sind in keinem Fall ratsam, weil sie bei der Einreise zu großen Problemen führen können. Zusätzlich zur deutschen Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein) sollte der Internationale Zulassungsschein mitgeführt werden, der vom Straßenverkehrsamt (Kfz-Zulassungsstelle) in Deutschland ausgestellt werden kann. Generell sind die Grenzformalitäten unkomplizierter, wenn das Fahrzeug auf den Reisenden selbst zugelassen ist.
Falls der Fahrzeughalter nicht an der Reise teilnimmt, sollte er dem oder den Reisenden eine sog. Benutzervollmacht aushändigen. Für ADAC Mitglieder wird die Vollmacht in jeder ADAC Geschäftsstelle ausgestellt und bestätigt.
Die Versicherung für Ihr Fahrzeug darf nicht gekündigt werden, da sonst auch die Zulassung enden würde. Sie kann aber unter Umständen ruhend weitergeführt werden. Fragen Sie bei Ihrem deutschen Kfz-Versicherer nach, ob Ihr Versicherungsvertrag bestehen bleiben kann, ohne dass Sie für die Zeit außerhalb Europas Versicherungsprämie zahlen müssen. Bitte beachten Sie, dass derartige Regelungen meist nur für langjährige Kunden und nur auf Kulanz der Versicherungsgesellschaft gewährt werden.
Im Regelfall kann die Prämienerstattung erst nach der Reise gegen Vorlage der entsprechenden Reisebestätigungen erfolgen.
Die deutsche Kfz-Versicherung ist in Nordamerika nicht gültig! Es muss also in jedem Fall eine Kfz-Haftpflichtversicherung (third party liability) bei einem amerikanischen Versicherungsunternehmen vor Ort abgeschlossen werden. Alle Personen, die das mitgebrachte Fahrzeug voraussichtlich fahren werden, müssen in der Versicherungspolice benannt sein.
Für die Höhe der Prämie ist das Alter des jüngsten Fahrers maßgebend. Fahrer unter 25 Jahren bekommen entweder gar keine Versicherung oder nur gegen Zahlung eines hohen Prämienaufschlages. Fahrer über 65 sollten ein Gesundheitsattest vorlegen können.
Die Mindestdeckungssummen sind sehr niedrig, es empfiehlt sich daher zusätzlich eine Aufstockung (additional liability) abzuschließen. Auch Teil- und Vollkaskodeckung (comprehensive insurance) ist möglich, aber sehr teuer.
Aufenthaltsdauer und Zollbestimmungen
Reisende ohne dauerhaften Wohnsitz in den USA dürfen ihr Fahrzeug vorübergehend für maximal ein Jahr zoll- und steuerfrei einführen. Technische Änderungen am Fahrzeug sind für einen befristeten Aufenthalt bis zu einem Jahr im Regelfall nicht erforderlich.
Die US-Zollbehörde stellt für die vorübergehende zollfreie Einfuhr ein „Temporary Import Permit“ aus, mit dem man sich unwiderruflich zur Wiederausfuhr des Fahrzeuges verpflichtet. Ein vorübergehend zollfrei eingeführtes Fahrzeug darf nicht in den USA verkauft oder anderweitig zurückgelassen werden. Auch bei einem Totalschaden muss das nächste Zollamt informiert werden, damit bei der Ausreise die entsprechenden Papiere über den erledigten Zollvorgang vorgelegt werden können.
Bedenken Sie, dass Sie die USA nicht ohne Ihr Fahrzeug verlassen dürfen! Nur in nachweisbaren Notfällen erteilt der US-Zoll eine Ausnahmegenehmigung zur Ausreise ohne Fahrzeug oder zur Verlängerung der maximalen Aufenthaltsdauer.
Alternativen zum Seetransport: Luftfracht
Spielen die Kosten keine Rolle, kann ein Motorrad per Flugzeug an jeden Ort der Welt versendet werden. Eine Verschiffung ist zwar deutlich langsamer, aber eben auch deutlich günstiger als der Import per Flugzeug.
Für den Weg vom Händler zum Verschiffungshafen benötigen Sie die Entsprechung eines Überführungskennzeichens. In den USA ist das der one day permit. Am besten bitten Sie für die Erteilung den Händler um Unterstützung.
Ist Ihre Maschine in Deutschland angekommen, muss sie erst einmal durch den Zoll. Sie müssen die Zollgebühren sowie die Einfuhrumsatzsteuer zahlen. Der Zoll stellt Ihnen eine Zollunbedenklichkeitsbescheinigung aus, die Sie für die Zulassung benötigen. Für den Weg zur Prüfstelle bzw. zur Zulassungsstelle brauchen Sie nun normalerweise ein Kurzzeitkennzeichen.
Die Kosten orientieren sich an der Größe der Transportkiste und betragen per Luftfracht für eine übliche Reiseenduro ab diversen Flughäfen in Deutschland bis zu den üblichen Zielflughäfen ca. € 2.000,00 zuzüglich der Flughafengebühren bei Abholung in Höhe von ca. US$ 150,00. Der Rücktransport per Flug wird mit ca. € 4.000,00 berechnet.
Vor- und Nachteile von Luftfracht
- Vorteile: Schneller Transport (ca. 5 Tage), Abwicklung an fast jedem Flughafen möglich.
- Nachteile: Hohe Kosten, möglicherweise Demontage des Motorrads erforderlich, spezielle Anforderungen an die Verpackung.
Wer sich die Mühe macht, das Motorrad teilweise zu zerlegen (Vorderrad und Lenker demontieren) und es mit einer entsprechend kleinen, selbst gezimmerten Palette oder Kiste aufgibt, kann aufgrund des geringeren Volumens Geld sparen.
Kostenübersicht Motorradtransport in die USA
Die Kosten für den Transport eines Motorrads in die USA können stark variieren. Hier eine Übersicht der wichtigsten Kostenfaktoren:
| Kostenfaktor | Geschätzte Kosten |
|---|---|
| Seefracht (Transportkiste) | 75-90 € pro Kubikmeter |
| Hafenkosten | ca. 90 € |
| Ausschiffungskosten | Variabel |
| Zollgebühren und Steuern | Variabel |
| Luftfracht | ca. 2.000 € (Hinweg), ca. 4.000 € (Rückweg) |
| Transportversicherung | 0,95% vom Fahrzeugwert (min. 160 €) |
Wichtige Tipps für den Motorradtransport
- Frühzeitig Angebote von verschiedenen Speditionen einholen.
- Alle Kosten (Hafen-, Standgebühren, etc.) im Angebot berücksichtigen lassen.
- Transportversicherung abschließen.
- Zollformalitäten mit dem Spediteur abklären.
- Gültige Fahrzeugpapiere und Reisepass bereithalten.
- Sich über die notwendigen Versicherungen informieren.
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