Einschlafende Hände beim Radfahren: Ursachen und Lösungen

Viele Freizeitradfahrer kennen das Problem: Bei längeren Touren werden die Finger taub, die Hände schlafen ein. Das kann sehr unangenehm sein und das Fahrvergnügen erheblich beeinträchtigen. Aber was sind die Ursachen für dieses Phänomen, und was kann man dagegen tun?

Ursachen für Taubheitsgefühle in den Händen

Der Hauptgrund für einschlafende Hände beim Radfahren liegt in gereizten Nerven. Die Hände stützen einen Großteil des Oberkörpergewichts auf dem Lenker, wobei der Druck auf eine kleine Fläche am Griff verteilt wird. Diese punktuelle Druckbelastung kann zu Reizungen der Nerven führen.

Anders als die Beine sind die Hände bei der Fahrt kaum in Bewegung. Ein suboptimaler Griff, kombiniert mit einer falschen Griffhaltung, kann zu einer falschen Sitzhaltung auf dem Rad führen, was sich negativ auf das Gesamtgefühl auswirkt. Nicht nur die Nerven in den Händen werden gereizt, sondern es können auch Nackenverspannungen und Rückenschmerzen auftreten.

Karpaltunnelsyndrom

Die Schmerzen werden meist durch ein zu starkes Abknicken des Handgelenks hervorgerufen, was Nerven, Sehnen und Blutgefäße komprimiert. Die Folge ist ein verengter Karpaltunnel und ein beschädigter Mediannerv, was auch als Karpaltunnelsyndrom bezeichnet wird. Laut den Experten der Aktion Gesunder Rücken müssen sich in Deutschland jährlich rund 300.000 Menschen deshalb einer Operation unterziehen.

Lösungsansätze und Vorbeugung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um einschlafenden Händen beim Radfahren vorzubeugen oder die Beschwerden zu lindern:

Ergonomische Griffe

„Eine Lösung ist der Tausch des herkömmlichen Griffs gegen einen sogenannten Flügelgriff. Dadurch wird die Auflagefläche der Hand vergrößert und der Druck besser verteilt“, weiß Lothar Schiffner von Ergon, einem Hersteller für ergonomische Fahrradkomponenten. Ein korrekt eingestellter Flügelgriff kann das Handgelenk in der ergonomisch optimalen Position halten, ohne dass es abknickt.

Lenkereinstellung

Ein Knick im Handgelenk wird meist durch einen zu geraden Lenker hervorgerufen. „Die Lösung ist ein Lenker mit einer Biegung nach hinten. Das Handgelenk wird weniger überstreckt und der Karpaltunnel entlastet. Die Versorgung der Hand wird wieder verbessert“, erklärt Stephanie Römer vom Fahrradhersteller Tout Terrain. Als hilfreich haben sich auch Barends, also Lenkerverlängerungen, erwiesen.

Griffposition und Einstellung

„Die Griffe sollte man so einstellen, dass das Handgelenk nicht am Lenker abknickt, sondern in einer geraden Linie vom Handrücken zum Unterarm übergeht. Zudem sollten die Brems- und Schalthebel vom Griff aus leicht erreichbar sein“, rät Schiffner. Bei der Einstellung hilft der Fachhändler oder eine spezielle Fitting-Box.

Moderne Griffe werden auf den Lenker geschraubt und nicht mehr mühsam aufgestopft, was die Justage erleichtert. Bei eigenen Schraubaktionen muss man allerdings immer die Drehmomentangaben der Hersteller beachten, damit der Griff nicht zu stark oder zu locker angeschraubt wird.

Fahrradhandschuhe

„Gut gepolsterte Handschuhe sind für viele Radfahrer angenehm. Dank der verwendeten Schaumstoff- oder Gel-Polster werden die empfindlichen Bereiche auf der Handinnenseite zusätzlich gestützt und an die Ergonomie der Griffe angepasst“, erklärt Anna Rechtern vom Outdoor-Spezialisten Vaude. Wer eine sichere Lenkerkontrolle bevorzugt, wählt eher eine dünne Innenhandpolsterung. „Das ist vor allem für sportive Fahrer im MTB- und Rennradbereich zu empfehlen“, so Rechtern.

Weitere Tipps

  • Achten Sie darauf, dass Ihre Ellenbogen beim Radfahren leicht gebeugt sind.
  • Nehmen Sie bei ersten Anzeichen von Beschwerden die Hand vom Lenker, schütteln Sie sie aus und lassen Sie sie hängen.
  • Überprüfen Sie Ihre Sitzhaltung beim Fahrradhändler, um Fehlhaltungen zu korrigieren.
  • Wechseln Sie häufig die Halteposition während der Radtour.

Die Bedeutung der richtigen Handhaltung

Allgemein sollten Ihre Hände und Unterarme in einer geraden Linie verlaufen. Vermeiden Sie ein Abknicken im Handgelenk. Ergonomische Griffe können helfen, die richtige Körperhaltung dauerhaft einzunehmen. Sie sind innen leicht gewölbt sowie unterfüttert und gewährleisten somit die Verteilung des Körpergewichts auf die gesamte Handinnenfläche.

Fazit

Taube Finger beim Radfahren müssen Sie nicht einfach hinnehmen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, das Problem zu beseitigen. Oft ist es nicht notwendig, ein komplett neues Fahrrad zu kaufen. Bereits ein paar ergonomische und hochwertige Fahrradhandschuhe können Linderung verschaffen. Auch die neue Einstellung des Lenkers durch geschultes Fachpersonal oder der Austausch des Lenkers kann helfen. Zudem lohnt es sich zu überdenken, ob Sie beim Fahrradfahren auf eine stark gebeugte Haltung verzichten können, da diese eine zusätzliche Anfälligkeit für die genannten Beschwerden darstellt.

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