Elektro-Lastenräder erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, sowohl im privaten als auch im gewerblichen Bereich. Ob für den Transport von Kindern, Einkäufen oder Waren, diese praktischen Fahrzeuge bieten eine umweltfreundliche und flexible Alternative zum Auto. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über elektrische Dreiräder mit Ladefläche und deren Test, einschließlich verschiedener Modelle, Typen und Funktionen.
Warum ein Elektro-Lastenrad?
Motorisierte Transporter haben klare Vorteile, wie auch Postboten sicher bestätigen werden. Ohne zu schwitzen, kann man mit ihnen auch Steigungen gut erklimmen. Oder eben große Besorgungen machen. Ohne Frage ist jedes E-Bike, das ein Auto ersetzt, ein Gewinn für Umwelt und Gesundheit.
Verschiedene Konzepte von Transporträdern
Im Wesentlichen umfasst der Test drei Transportrad-Konzepte. Typische Long Johns - langer Einspurer mit tiefer Ladefläche oder Box vorne - sind das Radlader von Cargo Bike Monkeys (CBM), das Mini Cargobike von Hagen Bikes aus Estland und das Iumentum 1890. Alle drei sind leicht gebaut und grundsätzlich mit offener Plattform konstruiert. Bei CBM und Hagen Bikes entsteht mit optionalen Elementen ein geschlossener Frachtraum. Um dem Rad einen sicheren, engen Wendekreis zu verschaffen, setzen die beiden deutschen Marken auf eine hochwertige Seilzuglenkung. Ebenfalls ein Long John ist das Babboe Mini.
Ebenfalls per Lenkstange agieren der Filibus von Kemper, das Muli Muskel, das Omnium Mini-Max und das Yoonit Mini Cargo Bike. Durch ihre kompakte oder leichte Bauweise und teils sehr kleinen Räder (vor allem Yoonit) bleiben die Modelle aber sehr umgänglich. Das Kemper, das Omnium und das Yoonit sind Neuinterpretationen des klassischen Bäckerrades: normaler Fahrradhauptrahmen, kleines Vorderrad und darüber eine größere Ladeplattform. Der Kemper Filibus ist bereits vor 30 Jahren angetreten, seine klobigen Ahnen mit Frische zu ersetzen. Heute wirkt das konzeptionell sehr ähnliche Omnium frischer und moderner, was dem Filibus als Vorreiter aber zur Ehre gereicht. Yoonit bietet mit seinem umzudrehenden oder schnell austauschbaren Plattform-Korb ein innovatives Element.
Mulis Modell ist wiederum ein Long John. Aufgrund der kompakten Bauweise aber nicht auf den ersten Blick als solches zu erkennen. Noch dazu, weil sich die Front-Ladebox aus robustem Stahl-Lochblech bei Nicht-Bedarf ganz schlank zusammenklappen lässt. Ein sehr cleveres, ingeniöses Feature, mit dem das Rad sehr raumsparsam ist. Wie bei einigen anderen Modellen lässt sich zudem der Lenker quer stellen. Als einziges Longtail - normale Fahrradfront, verlängertes Heck, meist mit stabiler Sitzbank - ist das Yuba Kombi im Test. Es ist ein kompakterer Vertreter seiner Art und hier mit einer rundum geschützten Sitzbank ausgestattet.
Fahrverhalten und Stabilität
Insgesamt lässt sich aber feststellen, dass alle Räder gut und sehr stabil zu fahren sind, trotz der allgemein eher kleinen Räder an der Front. Das gilt sogar für die kompakten, doppelt klein bereiften Transporter von Muli und Yoonit. Bei Leerfahrten sind bis auf das Hagen Bike mit sehr nervösem Frontrad alle Testräder souverän unterwegs. Auffälligere Unterschiede ergeben sich mit Beladung. Auch wenn rechnerisch bis zu 80 kg zusätzlich zu Rad und Fahrer verfrachtet werden können. In den meisten Fällen ist real das fahrbare Limit niedriger. Sei es auch nur wegen der eigenen Muskelkraft.
Als sehr stabil und beinahe Last-neutral erweisen sich das Iumentum, das CBM, das Muli und das Yoonit. Alle vier profitieren von sehr hochwertiger, stabiler Bauweise. Dazu kommt bei Muli, Iumentum und CBM ein tiefer, günstiger Schwerpunkt. Das Yoonit bleibt auch wegen des einzigartigen Lenkungsdämpfers immer fahrstabil. Tief kann die Last auch im Babboe liegen. Der offene Hauptrahmen und das deutlich niedrigere Preisniveau resultieren aber in einer höheren, spürbaren Lastsensibilität. Dann hilft es, den Transportschwerpunkt näher an den Lenker zu bringen, sogar auf dem Kindersitz. Der beladen tiefe Schwerpunkt hilft auch dem Hagen Bike.
Genauer packen sollte man seine Güter auch bei Omnium und Kemper. Je näher die Last am Lenker auf der Plattform liegt, desto besser und sicherer lassen sich die Räder fahren. Mit nervöser Front reagiert auch das Yuba, wenn eine größere Masse (auch liegend schon) auf der Sitzbank transportiert wird. Zumal man wegen des kürzeren Hecks leicht die limitierenden 20 kg hinter der Achse erreichen kann. Viel Druck auf den Lenker oder zusätzliches Gewicht im Korb (8 kg im Test) wirken beruhigend.
Vor- und Nachteile von E-Lastenrädern
Doch so ein E-Bike hat auch Nachteile. Der Preis liegt schnell um 2000 Euro über dem eines motorlosen Fahrrades. Dazu kommen laufende Kosten für den Strom, wenn er nicht von der eigenen Solaranlage kommt. Außerdem wiegt so ein Rad gerne 10 kg und, je nach Ausführung, auch weit mehr zusätzlich.
Der Nutzlastwert (NW) eines Lastenfahrrades
Für die jeweilige Transportaufgabe ist der Nutzlastwert eine Grundlage für die Beurteilung der Effizienz von Lastenrädern - auch wenn natürlich noch viele weitere Faktoren eine Rolle spielen. Der Nutzlastwert NW ergibt sich aus dem Verhältnis von max. Systemgewicht zu Eigenmasse des jeweiligen Cargo-Bike’s.
50 Lastenrad-Modelle im Nutzlast-Vergleich
Die folgende Tabelle zeigt eine Auswahl von Lastenrad-Modellen und deren wichtigsten Daten im Überblick:
| Modell | Maximales Systemgewicht (kg) | Eigenmasse (kg) | Nutzlastwert |
|---|---|---|---|
| Ant Heavy Duty Lastenfahrrad | 295 | 70 | 4.21 |
| Babboe Carve-E-Bakfiets | 255 | 55 | 4.64 |
| Christiana Bikes Light Bakfiets | 235 | 37 | 6.35 |
| Urban Arrow Tender | 400 | 100 | 4 |
| Yuba Electric Supermarche Longjohn | 300 | 43 | 6.98 |
| Riese & Müller Load 75 Vario | 200 | 48 | 4.17 |
Typen von E-Lastenrädern
Beim Blick auf die grundlegende Bauart unterscheidet man zwischen einspurigen E-Bike Lastenrädern und mehrspurigen E-Lastenrädern. Einspurige E-Lastenräder, wie etwas das Urban Arrow Family haben zwei Laufräder und man balanciert sie wie ein herkömmliches Fahrrad. Ein Longtail wie das Tern GSD S00 ist nach hinten verlängert, die Last wird hinter dem Fahrer verstaut. Beim Long John findet sie dagegen ihren Platz zwischen dem Fahrer und dem Vorderrad.
Mehrspurige E-Cargobikes können schwerer beladen werden, und sie stehen von selbst, müssen nicht ausbalanciert werden. Dadurch sind sie bei langsamer Fahrt oder beim Anhalten wesentlich stabiler als die zweirädrigen Lastenräder. Im Gegenzug brauchen die Mehrspurer mehr Platz und weisen ein trägeres Fahrverhalten auf. Dynamischer, obwohl ebenfalls Mehrspurer, ist ein E-Lastenrad mit Neigetechnik.
Ausstattung und Zubehör
Die meisten E-Lastenräder sind als Transportmittel für Kinder geeignet, ihre Hersteller bieten Zubehör wie Kindersitze, Gurte, oftmals auch ein Dach oder ein Verdeck an. Wer seinen Hund auf dem E-Bike Lastenrad transportieren will, sollte ein Modell mit einer ausreichend großen Transportkiste wählen.
HNF-NICOLAI CD2 Family Comfort Cargo-Trike mit Neigetechnik
Das HNF-NICOLAI CD2-Elektro-Lastenrad ist etwas ganz Besonderes unter den Cargo-Bikes: kein klassisches Trike, aber auch kein Long-John. Mit der Neigemechanik hat das Bike zwei komplett unterschiedliche Charaktereigenschaften. Damit richtet sich das Cargo-Bike, made in Germany, aber alles andere als nur an Schizophrenie-Erkrankte. Durch die Komplexität spricht es eher erfahrene Cargo-Biker an, die neben Kindern auch noch Gepäck transportieren und gleichzeitig nichts an Fahrspaß einbüßen möchten.
Die große Cargo-Box vorne schafft ein neuartiges Raumkonzept im Cargo-Bike-Segment. Mit genügend Platz für den Kindertransport, einem separaten Staufach davor und einem robusten Gepäckträger am Hinterrad überzeugt das CD2 Cargo-Bike durch vielseitige Beladungsmöglichkeiten. Mit einer Zuladung von fast 200 kg und einem zulässigen Gesamtgewicht von über einer Vierteltonne (280 kg) setzt es einen hohen Maßstab in Sachen Belastbarkeit.
Für den kraftvollen Vortrieb am HNF-NICOLAI CD2 sorgt der Bosch Cargo Line-Motor, der mit beeindruckenden 400 % Tretunterstützung aufwartet - im Vergleich zu den 340 % des normalen Performance Line CX. Befeuert wird der Motor aus einem 750 Wh großen Akku. Die Enviolo Heavy Duty-Nabenschaltung mit Drehgriff auf der rechten Seite sorgt für nicht spürbare Gangwechsel, wobei die Bedienung ohne Drehzahl etwas kraftaufwendig ist.
Die wichtigsten E-Lastenradtypen
Grundsätzlich muss man zwischen einspurigen und mehrspurigen Lastenrädern unterscheiden. Einspurige Lastenräder haben zwei Reifen und müssen wie zum Beispiel ein herkömmliches Trekkingfahrrad oder E-Bike vom Fahrer ausbalanciert werden. Mehrspurige Lastenräder, die auch als Trike-Lastenrad (Dreirad) bezeichnet werden, haben den Vorteil, dass während der Fahrt mehr Stabilität gegeben ist.
Anders als beim Long John wird die Fracht beim Longtail-Lastenrad (manchmal firmiert diese Gattung auch unter der Bezeichnung Multifunktions-E-Bike) hauptsächlich auf dem langgezogenen Gepäckträger transportiert. Noch mal eine Nummer kleiner und handlicher ist das sogenannte E-Kompakt-Lastenrad.
Long John: Der Klassiker unter den E-Lastenrädern
Zu den beliebtesten Modelltypen gehört das sogenannte Long-John-Lastenfahrrad, das häufig mit einer Transportkiste oder -box, manchmal auch nur mit einer Stellfläche zwischen Cockpit und Vorderrad ausgestattet ist. Der Radstand ist dadurch verlängert. Das Fahrverhalten ist sportlicher als beim Trike. Die Balance zu halten erfordert wiederum Übung, ebenso das Ab- und Aufsteigen. Long Johns bieten in der Regel eine sehr hohe Zuladung.
Longtail: Das Multifunktionswerkzeug unter den Cargobikes
Anders als beim Long John wird die Fracht beim Longtail-Lastenrad (manchmal firmiert diese Gattung auch unter der Bezeichnung Multifunktions-E-Bike) hauptsächlich auf dem langgezogenen Gepäckträger transportiert. Der Radstand ist oft kürzer als beim E-Cargobike Long John, und auch das Fahrgefühl ist dem eines herkömmlichen 28-Zoll-Fahrrads ähnlicher. Viele Longtails besitzen zusätzlich einen Frontgepäckträger.
Kompakte E-Lastenräder: Klein, wendig und praktisch
Noch mal eine Nummer kleiner und handlicher ist das sogenannte E-Kompakt-Lastenrad. Anders als beim klassischen E-Kompakt- beziehungsweise E-Faltrad liegt der Fokus der kleinen Raumwunder auf Transport, gepaart mit hoher Alltagstauglichkeit.
Trike: Der mehrspurige Spaßmacher
Mehrspurige Lastenräder, die auch als Trike-Lastenrad (Dreirad) bezeichnet werden, haben den Vorteil, dass während der Fahrt mehr Stabilität gegeben ist. Manche Modelle wie das Chike punkten sogar mit einer ausgefeilten Neigungstechnik, was das Umkippen in Kurven verhindert. Bauartbedingt sind Trikes sperriger und laufen mit erhöhter Spurbreite auf, was spürbare Nachteile im engen Stadtverkehr mit sich bringt.
Worauf man beim Kauf achten sollte
Je schwerer das Fahrrad und je mehr Gewicht transportiert wird, desto anstrengender wird auch das Fahren. Trotz guter Übersetzungen und hochwertiger Komponenten, kann im Cargo-Bereich ein E-Lastenrad sehr viel Sinn ergeben. Wer reiner Anwender und Fahrer ist, der sollte die Wartung einem Fachmann überlassen. Durch die intensiveren Belastungen hervorgerufen, ist der Verschleiß an Bremse und Reifen erhöht. Ein Lastenfahrrad sollte daher regelmäßig kontrolliert und gewartet werden.
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