Funktionsweise elektronischer Fahrradschaltungen von Shimano

Shimano stößt mit dem neuen Q’Auto-System in bisher unerschlossenes Terrain vor. Der japanische Komponentenhersteller präsentiert eine automatische Di2-Schaltung, die speziell für nicht-motorisierte Alltagsräder konzipiert wurde. Damit richtet sich das System gezielt an Gravel-, Urban-, Trekkingbiker, die von den Vorteilen einer elektronischen Schaltung profitieren möchten, ohne sich um das regelmäßige Aufladen eines Akkus kümmern zu müssen.

Das Herzstück des Q’Auto-Systems

Das Herzstück des Systems bildet die neu entwickelte Shimano Cues FH-U6060 Freehub Hinterradnabe. Sie vereint die Funktionen einer klassischen Freilaufnabe mit einem integrierten Dynamo sowie Sensoren für Geschwindigkeit, Trittfrequenz und Neigungswinkel.

Diese Daten nutzt die Steuereinheit, um in jeder Fahrsituation den optimalen Gang zu wählen. Durch die Energieerzeugung direkt in der Nabe entfällt die Notwendigkeit eines externen Akkus, was das System besonders wartungsarm und alltagstauglich macht.

Adaptive Selbstlernfunktion

Eine weitere Besonderheit von Q’Auto ist die integrierte Selbstlernfunktion. Das System analysiert kontinuierlich das Fahrverhalten und passt die Schaltvorgänge an die individuellen Vorlieben des Fahrers an. Wird ein automatischer Schaltvorgang beispielsweise manuell überstimmt, merkt sich Q’Auto diese Präferenz für zukünftige vergleichbare Situationen. So soll sich das System an jeden Fahrstil anpassen können. Je mehr das Fahrrad genutzt wird, desto präziser wird laut Shimano die Abstimmung auf die persönlichen Anforderungen.

Trotz der automatischen Funktion behält der Fahrer stets die volle Kontrolle. Über den kabellosen SW-EN605-R Schalter lässt sich jederzeit manuell in die Gangwahl eingreifen. Diese Interaktionen fließen wiederum in den Lernprozess des Systems ein. So verspricht Shimano, dass jeder Nutzer mit der Zeit ein auf seine Bedürfnisse zugeschnittenes Schalterlebnis erhält.

Kompatibilität und Komponenten

Q’Auto wurde mit Blick auf eine breite Kompatibilität entwickelt. Das System lässt sich mit Linkglide 1x10- oder 1x11-fach Kassetten kombinieren. Das speziell entwickelte RD-U8050-SGS/GS Schaltwerk ist zudem mit der kompletten Palette an kabellosen Shimano Di2 Schaltern und Schalt-/Bremshebeln für Flat- und Rennlenker kompatibel. Dies ermöglicht eine flexible Integration in verschiedene Fahrradtypen und Cockpit-Konfigurationen.

Die Shimano Cues FH-U6060 Freehub Hinterradnabe ist in Versionen mit 28, 32 und 36 Speichenlöchern erhältlich und nutzt den 142 x 12 mm E-Thru-Standard. Ein integrierter Li-Ionen-Kondensator speichert genügend Energie, um das System auch bei längeren Standzeiten betriebsbereit zu halten. Shimano gibt an, dass die gespeicherte Energie für mehr als ein Jahr ausreiche.

Einsatzbereich und Zielgruppe

Mit Q’Auto zielt Shimano besonders auf Alltagsradler und Pendler ab, die von den Vorteilen einer elektronischen Schaltung profitieren möchten, ohne sich immerzu um das rechtzeitige Laden von Akkus kümmern zu müssen.

Mit dem System will Shimano unabhängig von Erfahrung oder Fahrkönnen noch mehr Menschen zum Radfahren motivieren, indem es eine stets optimale Gangwahl anbietet. Gerade im urbanen Umfeld mit häufigen Anfahrvorgängen und wechselnden Geschwindigkeiten könnte die automatische Schaltung ihre Stärken ausspielen.

Auch für Trekkingräder und Gravelbikes sieht Shimano Potenzial. Hier könnte Q’Auto besonders auf längeren Touren oder bei variablem Gelände seine Vorteile ausspielen, indem es den Fahrer entlastet und eine effiziente Kraftübertragung sicherstellt.

Vorteile elektronischer Schaltungen gegenüber mechanischen Schaltgruppen

Der offensichtliche Vorteil elektronischer Schaltungen: Du musst Dich nicht mehr um Bowdenzügen kümmern. Vieles wird dadurch einfacher. Das betrifft Montage, Einstellung, Wartung und Verschleiß. Kabel oder Funkverbindungen müssen weder nachgestellt noch regelmäßig ausgetauscht werden. Einmal eingerichtet, liefern sie Dir konstante Schaltpräzision.

Zum Schalten drückst Du Knöpfe: Sie haben keine langen Hebelwege, erfordern keine großen Bedienkräfte und ihre Mechanik verschleißt nicht durch Schmutz. Motoren in Schaltwerk und Umwerfer übernehmen die Hauptarbeit - jedes Mal gleich schnell und stark. Optionale Erweiterungen erlauben Dir das Schalten auch von anderen Griffpositionen aus - etwa am Oberlenker oder Lenkeraufsatz Deines Rennrads.

Natürlich bieten elektronische Schaltsysteme auch Konnektivität. Sie können mit Deinem Trainingscomputer oder mit Apps auf Deinem Smartphone kommunizieren. Der Mehrwert reicht von einer vereinfachten Konfiguration der Tasten über Informationen in Echtzeit bis hin zu detaillierter Auswertung gesammelter Daten. Die verbundenen Endgeräte helfen Dir auch, den Ladezustand der Akkus im Blick zu haben und rechtzeitig ans Aufladen zu denken - denn ohne Energie bewegen sich die Stellmotoren in Schaltwerk und Umwerfer nicht.

Reine Funkschaltungen sind äußerst einfach zu montieren und erlauben ein besonders aufgeräumtes Bike. Dein Rahmen benötigt dafür keinerlei Kabelführungen. Du schraubst Schaltwerk und gegebenenfalls Umwerfer an den Rahmen, die Schalthebel an den Lenker und kannst die Funkverbindung aufbauen.

Ein Semi-Wireless-System arbeitet mit einer Funkverbindung zwischen Bremsschalthebeln und Schaltwerk sowie einer Kabelverbindung zwischen Schaltwerk, Umwerfer und dem zentralen Akku. Das Schaltwerk dient dabei als Gehirn der Gruppe. Es empfängt und verarbeitet die Schaltsignale und gibt sie via Kabel an den Umwerfer weiter.

Die Montage eines Semi-Wireless-Systems ist etwas aufwendiger als die des Wireless-Systems, aber deutlich einfacher als mit innenverlegten Bowdenzügen. Die E-Kabel sind dünner und flexibler und da sie, anders als Bowdenzüge, nicht regelmäßig getauscht werden müssen, ist das Verlegen normalerweise eine einmalige Angelegenheit.

Vereinfachte Schaltlogik mit oder ohne Umwerfer

Bei Gruppen mit mehreren Kettenblättern kann der elektronisch gesteuerte Umwerfer die Kettenlinie berücksichtigen - also die momentane Position der Kette auf der Kassette. Liegt Deine Kette zum Beispiel auf einem großen Ritzel, muss der Käfig nicht so weit bewegt werden, um vom großen aufs kleine Kettenblatt zu schalten, wie wenn sie weiter rechts auf einem kleinen Ritzel der Kassette liegen würde. Überschalten wird so effektiv vermieden.

Auch kannst Du (wenn Du möchtest) der intelligenten Elektronik die Entscheidung überlassen, wann das vordere Kettenblatt beim Schalten gewechselt wird. Du schaltest dann nur noch hoch oder runter, ohne darüber nachzudenken, ob Umwerfer oder Schaltwerk oder beide an der Reihe sind.

Beim manuellen Wechsel des Kettenblattes kann das Schaltwerk automatisch ein paar Ritzel entgegenschalten, damit der Übersetzungssprung nicht so groß ausfällt. Wenn Du lieber selbst entscheidest, kannst Du aber auch komplett manuell schalten.

Auch wenn Du sogenannte Einfach-Antriebe mit einem Kettenblatt fährst, profitierst Du von der verbesserten Schaltlogik der Elektronik, die ein Überschalten auf dem Ritzelpaket effektiv verhindert oder bei Bedarf in der Lage ist, mehrere Gänge zu überspringen.

Elektronisch gesteuerte Umwerfer berücksichtigen die Kettenlinie, sodass Deine Kette immer reibungslos läuft.

Shimano Di2: Alle Gruppen im Überblick

Shimanos elektronisches Schaltsystem ist länger am Markt als alle anderen und unter anderem bekannt für seine hohen Schaltgeschwindigkeiten. Die Abkürzung Di2 steht für „Digital Integrated Intelligence“.

Waren die Di2-Gruppen zunächst semi-wireless, hat Shimano im Sommer 2025 auch neue Schaltgruppen eingeführt, die komplett ohne Kabel auskommen.

Je nach Fahrradtyp stehen Dir folgende Gruppen zur Auswahl:

Radtyp Gruppe Schaltstufen Übertragung Mount-Type Erscheinung
MTB XTR Di2 M9200
XT Di2 M8200
Deore Di2 M6200
1 x 12 wireless Konventionell (Schaltauge, UDH) 2025
E-MTB XTR Di2 M9200
XT Di2 M8200
Deore Di2 M6200
1 x 12 wireless Konventionell (Schaltauge, UDH) 2025
Rennrad Dura Ace Di2 R9200
Ultegra Di2 R8100
105 Di2 R7100
2 x 12 semi-wireless Konventionell (Schaltauge, UDH) 2021
2021
2022
Gravel GRX Di2 RX827
GRX Di2 RX825
1 x 12
2 x 12
wireless
semi-wireless
Konventionell (Schaltauge, UDH) 2025
2024

Die CUES Di2 mit ihrer automatischen Schaltfunktion wurde für urbane E-Bikes entwickelt, aber auch schon an anderen E-Bike-Kategorie verbaut. Zusammen mit Shimanos 2025 vorgestelltem Q'AUTO-System bringt die CUES Di2 automatisches Schalten nun auch an nicht-motorisierte Urban- und Gravelbikes. Durch einen Dynamo in der Hinterradnabe wird das System mit dem notwendigen Strom versorgt - Du brauchst also nicht mal mehr einen Akku.

Shimano Di2: Ergonomie

Die Belegung der Schalter ist in der Standardkonfiguration an mechanische Schalthebel angelehnt: Du hast zwei Taster, einen zum Hoch- und einen zum Runterschalten.

Beim Mountainbike sind die beiden Taster, wie gewöhnlich, unter dem Lenker montiert. Beim Rennrad befinden sich die beiden Schalter direkt hinter dem Bremshebel. Das gemeinsame Bewegen von Schalt- und Bremshebel entfällt - Kraft gespart!

Über die E-Tube-Project-App kann jeder Knopf - eventuell nachgerüstete Zusatzschalter und die bereits vorhandenen - nach Deinen Wünschen konfiguriert werden. Zudem lassen sich über die App die Schaltgeschwindigkeit, die Anzahl der Schaltvorgänge bei gedrückt gehaltener Schalttaste und die Umwerfer-Schaltmodi konfigurieren.

Shimano bietet bei Di2 mit „Synchronized“, „Semi-Synchro“ und „Manuell“ drei verschiedene Schalt-Modi.

Das bedeutet, dass Du nicht nur ein kabelfreies Cockpit wie bei den Semi-Wireless-Di2-Systemen hast, sondern komplett kabellos unterwegs bist. Der Akku sitzt hier im Schaltwerk.

Am Schaltwerk findest Du eine Status-LED für den Ladestand und den aktuellen Schaltmodus, den Einstellknopf für die Auswahl der Schaltmodi und beim Semi-Wirelss System den Ladeanschluss des Akkus.

Über das Schaltwerk erfolgt auch die Kommunikation mit der E-Tube-Project-App und das Pairing mit externen Geräten, wie zum Beispiel einem Trainingscomputer.

Die Shimano XT Di2 Schaltung

Die neue Shimano Di2-Gruppen XT und Cues funktionieren ausschließlich mit der neuesten Generation der Shimano Motoren EP801 und dem EP6, die Shimano kurz vor der Eurobike 2022 vorgestellt hat. Die größte Neuerung bei dieser Generation neben der höheren Spitzenleistung beim EP801 ist die neue Elektronik mit CAN-Port. Der bisherige EP8-Antrieb funktioniert daher nicht mit der neuen XT Di2.

Grundvoraussetzung für die neuen Funktionen ist die Kommunikation zwischen Schaltung und Motor.

Die Di2 ist auf die neueste Technik angewiesen.

Mit den Ketten und Kassetten mit Linkglide-Technologie bringt Shimano robuste Komponenten, die explizit auf die höheren Belastungen an E-Bikes ausgelegt sind. Das bekannte Pendant dazu ist die sportlicher ausgelegte Hyperglide-Technologie. Statt zwölf (Hyperglide) bietet Linkglide nur noch elf Gänge. Die 11-fach-Kassette setzt auf dickere Ritzel und eine Abstufung von 11 bis 50 Zähnen (statt 10 bis 51 bei den bekannten 12fach-Hyperglide-Kassetten).

Die robustere Konstruktion soll die Haltbarkeit drastisch erhöhen. Außerdem wurden die Schalthilfen der Ritzel so angepasst, dass die Gangwechsel schonender, aber dafür nicht mehr so zackig vonstatten gehen. Das soll die Kräfte auf Kette und Kassette deutlich reduzieren und ist vermutlich auch der Grund, warum Autoshift nur mit diesen Parts kombiniert werden kann.

Grundsätzlich können E-Biker und Hersteller also künftig zwischen der haltbaren 11-fach-Linkglide und der bekannten, schnelleren Hyperglide mit zwölf Gängen wählen.

Die Wahl von Kette und Kassette ist bei der elektronischen Di2 Schaltung übrigens entscheidend. Denn nur mit der robusten Linkglide funktioniert auch die Autoshift-Funktion beim Pedalieren unter Last. Mit XT Di2 und Hyperglide ist lediglich die Freeshift-Funktion (Schalten im Rollen ohne Last) freigegeben.

Die Automatik-Funktionen funktionieren nur mit den robusten Linkglide-Komponenten. Am E-MTB sind die wegen der besseren Haltbarkeit ohnehin eine gute Idee.

Di2 Schaltung mit Free-Shift: Schalten ohne Treten

Mit Free-Shift reicht ein Druck auf den Di2-Hebel, und der Motor lässt den Antriebsstrang auch ohne Pedalumdrehung rotieren. Solange das Bike rollt, ermöglicht das Gangwechsel, ohne zu treten. In der Praxis funktioniert Free-Shift einwandfrei, wenn auch die Schaltvorgänge etwas länger dauern als aus dem Pedalbetrieb gewohnt.

Allerdings: Free-Shift hat seine logischen Grenzen. Die Kassette kann sich nur so schnell drehen wie das Laufrad. Bei sehr langsamem Rollen benötigen die Gangwechsel also deutlich länger. Blockiert das Hinterrad beim Bremsen, schaltet das Shimano Di2 System nicht. Im Stillstand ist Schalten ebenfalls nicht möglich.

Auto-Shift: Ghost-Shifting 2.0

Der Automatikmodus ist die revolutionärste Neuerung der elektronischen Shimano Di2 Schaltung. Damit man sich mit dem System wohlfühlt, ist eine Einstellung mit der App aber nahezu unumgänglich. Im ersten Schritt muss die gewünschte Trittfrequenz ausgewählt werden, an der sich die gesamte Regelung orientiert.

In Shimanos E-Tube-App können zwei Automatik-Modi vorprogrammiert werden. So kann man beispielsweise im Modus 1 mit lässiger Trittfrequenz zum Traileinstieg oder zur Arbeit pendeln und im Modus 2 mit deutlich sportlicherem Tritt in einen langen Anstieg oder in einen steilen Trail gehen. Durch den zusätzlichen Knopf am Schalthebel kann man auch während der Fahrt durch die zwei Automatik-Modi wechseln oder gleich ganz manuell die Kontrolle übernehmen.

In der Praxis fühlt sich Auto-Shift nur zuerst ungewohnt an. Die Gangwechsel laufen unvorbereitet ab, nicht immer passt die Trittfrequenz exakt zu den eigenen Vorstellungen. Doch lässt man sich auf die Automatik ein, erledigt sie auch im Gelände die Schaltvorgänge erstaunlich zuverlässig.

Die Shimano 105 Di2 im Überblick

Mit der Neuvorstellung der Rennradschaltungen Dura-Ace und Ultegra im Sommer 2021 befeuerte Shimano auch Spekulationen: Denn die beiden Top-Komponentengruppen des Marktführers, die das zukünftige Design und die Funktion des Rennrades prägen wie kaum ein anderes Produkt, schalten seither ausschließlich elektronisch mit der Energie eines Akkus.

Zumindest fürs Rennrad lässt sich diese Frage spätestens mit der neuen Shimano 105 Di2-Gruppe, die im Juli 2022 präsentiert wurde, wohl mit “Ja” beantworten. Denn auch die günstigere Gruppe des japanischen Komponentenriesen setzt beim Gangwechsel auf Schalter und Stellmotoren statt Hebel und Handkraft.

Die Preisentwicklung dagegen dürfte vielen potenziellen Kunden Bauchschmerzen bereiten, denn die elektronischen Schaltungen sind deutlich teurer als die mechanischen. Gerade von der 105, seit 40 Jahren Shimanos attraktives Angebot an preisbewusste Rennradenthusiasten, hatten sich viele eine unkomplizierte und günstige Alternative zur Hightech-Technik erhofft.

Andererseits kann die eigentliche Intention von Shimano, nämlich die fortschrittliche Shimano Di2-Technologie auch für weniger solvente Zielgruppen erschwinglich zu machen, durchaus ein Erfolgsmodell werden. So bietet die Shimano 105 Di2 die wichtigsten Schlüsseltechnologien der Profi-Gruppen: zwölf Ritzel am Hinterrad, elektrisches Schalten, Einstellung und weitere Funktionen per Smartphone-App und eine Signalübertragung via Funk.

Im Vergleich hat die Shimano 105 Di2 in den meisten Disziplinen die Nase vorn. Die Shimano 105 Di2 liefert überzeugende Funktion und nahezu perfekte Ergonomie.

Erstmals dürften die Hebel zu allen Händen passen. Weil zwischen Bremshebel und Lenkerbogen mehr Luft ist, umgreifen auch große Hände die Griffkörper bequem in Bremsgriffhaltung; gleichzeitig sind die Hebel angenehm schlank und erlauben selbst Fahrerinnen und Fahrern mit kurzen Fingern guten Halt. Die Griffmulden sind lang und bequem, die Höcker bieten eine vollwertige Griffposition weiter vorn.

Eine Neuerung im Innenleben sind die zwei Knopfzellen-Batterien, die in jedem Griffhöcker sitzen und den Funksender versorgen - Dura-Ace und Ultegra verfügen nur über eine Batterie pro Hebel. Das steigert die Lebensdauer noch einmal erheblich; schon für die Ultegra verspricht Shimano bis zu zwei Jahre.

Der Unterschied zur Shimano Ultegra Di2 ist erstaunlich gering. Weniger als 200 Gramm liegen zwischen unseren Testgruppen, das ist weniger Abstand als bei bisherigen Generationen. Zum Vergleich: Die Dura-Ace ist gut 300 Gramm leichter als die Ultegra.

Die Kette ist bereits von der MTB-Gruppe Deore bekannt, sie ist günstig und solide. Ein Unterschied im Schaltverhalten ist kaum spürbar. Das Schaltverhalten ist Di2-typisch selbst unter Last eine Wucht. Kettenklemmer, Schleifen oder Rasseln lassen sich selbst mit wildesten Manövern nicht provozieren. Auch über die Ritzel am Hinterrad läuft die Kette gewohnt geschmeidig.

Allerdings verfügt die von der MTB-Gruppe Deore bekannte Kette, die Shimano der 105 beilegt, nicht über die sogenannte “Hyperglide+”-Technologie, die die Schaltvorgänge bei Dura-Ace und Ultegra noch einmal schneller und effizienter machen soll. Dass die Schaltvorgänge dadurch ein klein wenig lauter und langsamer ablaufen, kann man im direkten Vergleich wahrnehmen, wenn man darauf achtet; störend ist das allerdings nicht.

Shimano bietet erstmals auch Carbonlaufräder mit Aero-Felgen auf 105-Level an. Sie sind moderne 21 Millimeter breit und für Tubeless-Reifen geeignet, sie können auch mit älteren Elffach-Schaltungen kombiniert werden. Zwei Felgenhöhen stehen zur Wahl, die flachere 32-Millimeter-Variante soll rund 1500 Gramm pro Satz wiegen, die 46 Millimeter hohen Allrounder gut 100 Gramm mehr.

Elektronische vs. Mechanische Schaltungen

Bei Mountainbikes und Trekkingrädern nach wie vor weit verbreitet - bei Rennrädern hingegen fast nur noch im Einstiegsbereich zu finden - ist die mechanische Schaltung. Betätigst du den Schalthebel, wird der Schaltzug um eine definierte Strecke verkürzt oder verlängert.

Hier übernehmen elektrische Impulse die Arbeit der Bowdenzüge. Das Schaltsignal wird heute sowohl bei SRAM als auch bei Shimano kabellos per Funk übertragen. Lediglich ein Kabel bleibt bei Shimano-Systemen verbaut: Es führt vom Schaltwerk durch die Kettenstrebe zum Umwerfer und versorgt beide Komponenten vom zentralen Akku aus. Gleichzeitig dient es auch zum Laden des gesamten Systems.

Die Energie liefern integrierte Akkus - je nach System einer pro Schaltwerk oder ein zentraler Akku für das gesamte System.

Mechanische Schaltungen haben nach wie vor ihre Stärken: Sie sind unkompliziert, leicht und im Vergleich zu elektronischen Systemen meist günstiger. Ein großer Pluspunkt ist das Gewicht: Ohne Akku, Motor oder zusätzliche Kabel ist eine mechanische Schaltung in der Regel leichter als ein elektronisches System. Auch preislich liegt die mechanische Variante meist deutlich unterhalb elektronischer Lösungen - sowohl bei der Anschaffung als auch bei Ersatzteilen und Reparaturen. Dank des einfachen, gut verständlichen Aufbaus können Defekte schnell behoben werden, oft sogar unterwegs.

Schaltvorgänge sind bei mechanischen Systemen meist etwas schwergängiger und weniger präzise als bei elektronischen Varianten. Zudem verschleißen Schaltzüge mit der Zeit, was regelmäßige Wartung erfordert.

Vorteile und Nachteile einer elektronischen Schaltung

Ein großer Pluspunkt ist der hohe Schaltkomfort. Schon ein leichtes Antippen reicht, um den Gang zu wechseln - ganz ohne Kraftaufwand. Das ist besonders angenehm bei langen Touren, Anstiegen oder wenn die Hände ermüdet sind.

In Sachen Präzision sind elektronische Systeme klar im Vorteil. Ein Stellmotor sorgt dafür, dass die Kette oder das Getriebe immer exakt in Position läuft - Nachjustieren ist nicht nötig. Selbst unter hoher Last, etwa beim Bergauffahren oder Sprinten, bleiben die Schaltvorgänge sauber und schnell.

Auch die Optik profitiert: Sichtbare Schaltzüge entfallen, Kabel verlaufen intern oder entfallen komplett bei kabellosen Systemen wie SRAM AXS.

Elektronische Systeme sind in der Anschaffung teurer als mechanische Varianten und meist auch etwas schwerer. Sie sind zudem vom Akku abhängig - dieser muss regelmäßig geladen werden.

Servomotor statt Bowdenzug

Die Sram Transmission ist derzeit das Nonplusultra unter den elektronischen Schaltungen. Bei elektronischen Schaltungen übernimmt diesen Job ein präziser Servomotor, der sich direkt im Schaltwerk beziehungsweise im Umwerfer befindet. Die Mini-Motoren erhalten ihre Schaltbefehle via Kabel oder besser noch via Funk vom Schalthebel am Lenker. Dadurch sind alle Gangwechsel stets identisch, präzise und schnell. Die Servos werden von kleinen Akkus mit Energie versorgt, die sich je nach Hersteller an unterschiedlichen Stellen des Bikes befinden.

Shimano Di2

Der Komponenten-Marktführer stellte seine erste elektronische Schaltgruppe fürs Rennrad im Jahr 2010 vor: Die Dura Ace Di2. Die Ultegra Di2 Gruppe folgte einige Jahre später. Bis zur Generation 2022 wurden die Schaltbefehle bei beiden Gruppen via im Rahmen verlegter Kabel übertragen. Mit Präsentation der elektronischen 105 Di2 Gruppe im Jahr 2022 hielt bei Shimano die Drahtlos-Technik Einzug. Während die preiswerte „Volksgruppe“ 105 Di2 ausschließlich per Funk schaltet, hat man bei den aktuellen Gruppen Ultegra Di2 und Dura Ace Di2 die Wahl zwischen Kabel und Wireless-Technik.

Aktuell gibt es eine Shimano XT Di2 MTB-Gruppe und die zuletzt präsentierten CUES Di2 Komponenten für Trekking- und Citybikes. Im Gegensatz zu den elektronischen Rennrad-Schaltungen sind diese Di2 Gruppen jedoch ausschließlich an E-Bikes zu finden. Und auch nur, wenn die E-Bikes ab Werk mit den Di2-Komponenten ausgestattet sind.

Weitere Besonderheiten: Bei den Schaltungen stehen die beiden neuen Modi Auto-Shift und Free-Shift zur Wahl. Auto-Shift kann die Schaltvorgänge vollautomatisch übernehmen. Mit Free-Shift lassen sich die Gänge im Leerlauf wechseln, also ohne zu treten.

Bedienung und Energieversorgung

Am Rennrad kommen die optisch bekannten Schalt-/Bremshebel zum Einsatz. Anders als bei den mechanischen Schaltungen ist der Bremshebel aber nicht schwenkbar. Dafür liegen hinter dem Bremshebel zwei leichtgängige Taster, mit denen die Schaltvorgänge ausgelöst werden. Optional erhältlich sind Satelliten-Schalter, die am Oberlenker, den Lenkerenden oder vorne an Zeitfahrlenkern montiert werden können.

Bei den Di2 Mountainbike Gruppen sitzt der (Doppel-)Taster an der üblichen Position unter dem rechten Lenkergriff und wird mit dem Daumen bedient.

Der zum Schalten benötigte Strom kommt von einem zentralen Akku, der meist im unteren Teil des Rahmens oder in der Sattelstütze sitzt. Die zentrale Ladebuchse befindet sich am Schaltwerk. Die Schalt-Bremshebel sind mit Knopfzellen-Batterien ausgestattet. Bei einer Reichweite von rund 2000 Kilometern und entsprechend vielen Gangwechseln, muss man kaum Angst haben, dass die Energie unerwartet ausgeht. Und das Aufladen ist in anderthalb Stunden erledigt.

Individualisierung

Mithilfe von Bluetooth und der Verbindung zum Smartphone (E-Tube App) lassen sich die Schaltgruppen in vielen Funktionen individualisieren. Des weiteren wird die Feinjustierung von Schaltwerk und Umwerfer via App erledigt.

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