Enduro Reifen MTB Test: Der ultimative Leitfaden

Ein Mountainbike-Reifen ist ein einziger Kompromiss. Hoher Pannenschutz oder geringes Gewicht? Massig Grip und Traktion oder gute Haltbarkeit und leichter Rollwiderstand? All diese Eigenschaften lassen sich mit modernster Technik zwar optimieren - doch von dem einen Fahrradreifen, der alles perfekt kann, müssen wir Biker wohl ewig träumen. Also: Prioritäten setzen.

Die Qual der Wahl: Allround- oder Enduro-Kombi?

Laut unserer aktuellen Leserumfrage decken die drei Marken Continental, Maxxis und Schwalbe 70 Prozent der 2022 gekauften Reifen ab. Alle anderen Fabrikate landen bei niedrigen einstelligen Prozentwerten.

Um herauszufinden, wie stark sich die unterschiedlichen Karkassen, Seitenwandkonstruktionen und Gummimischungen voneinander unterscheiden - und ob man die Unterschiede in der Praxis wirklich spürt - haben wir von diesen drei Herstellern jeweils zwei Reifen-Kombis zum Test gebeten: eine Allround-Kombi und eine Extrem-Kombi. Der Clou: Profil und Reifendimension sind jeweils identisch. Die Unterschiede liegen ausschließlich im Reifenaufbau und der Gummimischung.

Von jeder Marke haben wir dabei die gängigsten und vielseitigsten Profile für abfahrtslastiges Biken ausgewählt: Von Maxxis die beiden Klassiker Assegai und Minion DHR II; von Schwalbe den Magic Mary und Big Betty; und vom deutschen Gummi-Riesen Continental aus der neuen Gravity-Serie die Allround-Kombi aus Kryptotal Fr (Front) und Re (Rear).

Die Unterschiede im Überblick

Augenscheinlichster Unterschied in den markeninternen Duellen: das Gewicht. Die jeweils leichten Fahrradreifen wiegen als 29er gut 1000 Gramm, die schweren Pneus landen bei rund 1300 Gramm. Auch spannend: 60 Prozent mehr Durchschlagschutz, 69 Prozent höherer Rollwiderstand, 23 Prozent schwerer.

Die drei Extrem-Kombis im Test verhalten sich gänzlich anders als ihre drei leichteren Pendants. Die Unterschiede zwischen den Marken und somit auch zwischen den Profilen fallen im Labor deutlich geringer aus. Aber was sagt der Praxistest? Sind die Unterschiede auch beim Fahren spürbar?

Bei Enduro-Reifen stehen Grip und Pannenschutz an erster Stelle. Wer lange Touren selbst erkurbelt, sollte aber zumindest am Hinterrad auf einen akzeptablen Rollwiderstand achten.

Praxistest: Gewicht, Grip und Fahrgefühl

Beim direkten Vergleich zwischen leicht und schwer fällt im normalen Fahrbetrieb am deutlichsten der Gewichtsunterschied auf. Knapp 300 Gramm mehr rotierende Masse pro Laufrad machen die Fahrt spürbar träger. Lenkbewegungen bei langsamer Fahrt oder spielerische Fahrmanöver, wie Sprungeinlagen, werden deutlich zäher.

Doch auch im Positiven tut sich etwas. Bei schneller Fahrt auf ruppigem Untergrund liegen die Bikes mit den dicken Pneus satter. Und auch der höhere Grip durch die weichen Gummis fällt im direkten Vergleich merklich auf. Und das selbst bei identischem Luftdruck. Lässt man etwas Luft aus den Reifen, was die dickeren Karkassen locker zulassen und zum Teil sogar erfordern, steigen Grip und Traktion noch weiter.

So liegen die subjektive Fahrsicherheit und der Kurvenhalt bei allen drei Extrem-Kombis spürbar über der griffigsten Allround-Kombi (Maxxis). Bei langsamer Fahrt haben die dicken Karkassen aber noch einen Nachteil. Die steife Konstruktion schmälert den Fahrkomfort, da sich der Reifen weniger an Unebenheiten anschmiegt. Gerade in technischen Uphills kann das ein Nachteil sein. Am deutlichsten war dieser Effekt bei den supersteifen Contis mit DH-Karkasse zu spüren. Maxxis schafft es hingegen, auch der schweren Kombi viel Komfort einzuhauchen.

Die leichten Varianten eignen sich für den Allround-Einsatz auf anspruchsvollen Touren und Trails.

Einzelbetrachtung: Der Goodyear Newton MTF

Der Newton MTF ist der neueste Reifen von Goodyear, der speziell für Spitzenleistung und verbesserten Grip an der Front entwickelt wurde. Goodyear legt mit dem Newton MTF eine solide Erstaufführung auf’s Parkett. Man hat sich hierbei die Motocross-Gene zunutze gemacht und eben auch jenes Wissen bei der Konzeption und Produktion.

Das Profil der Newton MTF Reihe ist bei jeder Variante, also für Trail, Enduro oder Downhill gleich. Das Profil wurde zur Kontrolle und auf geraden Strecken und starkem Bremsen optimiert. Laut eigener Aussage von Goodyear sind die Profilstollen so angeordnet, dass sie sich leicht von Dreck und Schlamm reinigen bzw.

Der Goodyear Newton wird aufgeteilt in eine spezifische Hinterrad und Vorderrad Variante. Dazu hat man die Wahl zwischen Trail, Enduro und Downhill. Jedoch unterscheiden sich die Varianten in der Karkasse und Gummimischung.

Dieses Modell ist mit einer dreifach verdichteten 40, 42 und 60a-Gummimischung und einer doppellagigen 120-tpi-Karkasse ausgestattet, die mit einem Butyl-Seitenwandschutz verstärkt ist.

Der Newton MTF in der 29er Variante mit Enduro Casing bringt stolze 1.357g auf die Waage.

Vertraut man auf das Marketing-Sprech von Goodyear, dann deckt das Profillayout des Newton ein breites Band im Mountainbike Sport ab. Nach einem, verletzungsbedingt sehr kurzem, Gastspiel mit dem Newton MTF in Sölden gaben wir ihm beim nächsten Bike Trip nach Verbier die Möglichkeit sich zu beweisen. Dank der steifen Seitenwände des MTF war die Montage ein Kinderspiel.

Aufgrund der steifen Seitenwand hatte ich vermutet, dass man den Goodyear mit weniger Druck fahren sollte. Nach meinen Erfahrungen mit Michelin setzte ich optimistische 1.7bar. Denn schon ein paar PSI können zwischen einem Auftritt in der Fail oder Win Compilation entscheiden. Das liegt zum einen an der Dämpfung und Durchschlägen zum anderen am Grip.

Man muss die Goodyear Newton mit recht wenig Druck fahren. Und wenn ich „wenig“ sage, meine ich „gefühlt NICHTS“. Bei zu viel Druck knicken zudem die Schulterstollen auf hartem Untergrund weg. In feuchten Bedingungen findet der Goodyear Newton MTF schnell seinen Grip. Auch auf lockerem loamy Boden punktet der Reifen.

Goodyear möchte mit dem Newton den Enduro Fahrer abholen. Immerhin ist der Goodyear Newton eben auch für jenes Segment konzipiert. Vor allem muss man aber sagen dass der Goodyear besonders durch die stabilen Seitenwände punkten kann.

Für den Race und Hometrailbtrieb ist der Reifen aufgrund seines Gewichts nicht wirklich tauglich. Gerade wenn man bedenkt dass auf die angegebenen 1280g noch einmal 70g on Top kamen. Vielleicht macht da eine Mischung aus der Trail und Enduro Karkasse mehr Sinn.

Weitere Reifenmodelle im Überblick

Neben dem Goodyear Newton MTF gibt es eine Vielzahl weiterer Reifenmodelle, die für den Enduro-Einsatz in Frage kommen. Hier eine kleine Auswahl:

  • Schwalbe Magic Mary: Der Allrounder für nahezu alle Strecken und Bedingungen.
  • Schwalbe Big Betty: Eine Downhill- und Enduro-Allrounderin für trockene bis feuchtnasse Böden.
  • Maxxis Assegai: Ein Klassiker für maximalen Grip und Kontrolle.
  • Maxxis Minion DHR II: Ein vielseitiger Reifen für Vorder- und Hinterrad.
  • Continental Kryptotal: Die neue Gravity-Serie von Continental mit verschiedenen Karkassen und Gummimischungen.

Reifenkombinationen für verschiedene Fahrstile

Je nach Fahrstil und Einsatzgebiet empfiehlt es sich, verschiedene Reifenkombinationen zu wählen. Hier einige Beispiele:

  • Allround-Kombi: Continental Kryptotal Fr Trail/Re Trail, Maxxis Assegai EXO+ / Minion DHR II EXO+, Schwalbe Magic Mary Superground / Big Betty Supertrail
  • Extrem-Kombi: Continental Kryptotal Fr/Re DH, Maxxis Assegai DD / Minion DHR II DH, Schwalbe Magic Mary / Big Betty SuperG

Tabelle: Übersicht der getesteten Reifenkombis

ReifenkombiVorteileNachteile
Allround-KombiGeringes Gewicht, gute LaufeigenschaftenSchwacher Pannenschutz
Extrem-KombiMaximaler Grip, hoher PannenschutzHohes Gewicht, träges Handling

Karkassen im Detail

Die Karkasse bildet das Rückgrat des Reifens und beeinflusst maßgeblich seine Eigenschaften. Hier ein Überblick über die verschiedenen Karkassen von Continental, Maxxis und Schwalbe:

  • Continental Kryptotal Re: Trail, Enduro und DH-Karkassen mit unterschiedlichen Gummimischungen.
  • Maxxis Minion DHR II: EXO, EXO+, Doubledown und DH-Karkassen mit verschiedenen Gummimischungen.
  • Schwalbe Magic Mary: Superground, Supertrail, Supergravity und Superdownhill-Karkassen mit verschiedenen Gummimischungen.

So testet BIKE MTB-Reifen

Um die harten Fakten unter vergleichbaren Bedingungen abzuklopfen, haben wir alle Fahrradreifen im Testlabor von Reifenhersteller Schwalbe getestet. Alle Tests wurden bei einem Reifendruck von 1,7 bar auf einheitlichen Felgen durchgeführt. Beim Durchschlagtest saust ein 19 Kilo schweres Fallbeil auf den Reifen. Dabei wird die Fallhöhe so lange erhöht, bis dem Schlauch die Luft ausgeht. Je höher die Fallhöhe, desto besser der Durchschlagschutz.

Um einen Durchstich oder ein Aufschlitzen des Reifens zu simulieren, dringt ein Metalldorn durch den Reifen. Einmal auf der Lauffläche und einmal an der Seitenwand. Dabei wird die maximale Kraft gemessen, bis die Karkasse durchstoßen ist.

Der Rollwiderstand wird auf einem Trommelprüfstand bei 20 km/h und einer Last von 50 Kilo ermittelt. Dieses Prozedere bildet den Rollwiderstand auf Asphalt und sehr harten Untergründen ab.

Reifen im Praxistest

Für unseren Praxistest standen uns drei baugleiche All Mountain Bikes zur Verfügung. Mit identischem Setup konnten wir schnell und unkomompliziert zwischen den Reifenpaarungen wechseln und die Gummis im direkten Vergleich gegeneinander testen. Drei zusätzliche 29er-Laufradsätze ermöglichten es uns, alle Reifenpaare back to back und im ständigen Wechsel in definierten Geländesituationen zu fahren. So konnten wir die Unterschiede detailliert herausfiltern.

Vom Kurven-Grip auf harten und losen Böden, über die Traktion in steilen Anstiegen oder auf Wurzeln und das Bremsvermögen im Downhill haben insgesamt vier Tester die relevanten Fähigkeiten einer Reifen-Kombi überprüft.

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