Das Fahrrad ist heute ein beliebtes Fortbewegungsmittel, Sportgerät und Hobby. Doch wie hat alles angefangen? Begeben wir uns auf eine Reise durch die Geschichte des Fahrrads, von seinen bescheidenen Anfängen bis zu den modernen Innovationen, die wir heute kennen.
Die Anfänge: Karl Drais und die Laufmaschine
Den Anstoß zur Entwicklung des modernen Fahrrads gab 1817 der großherzoglich-badische Karl Freiherr von Drais. Er hatte die Vision eines zweirädrigen, einspurigen Gefährts, auf dem der Fahrer sitzt und sich mit den Beinen abstößt. Das erste bekannte Zweirad hat Karl Drais im Jahre 1817 erfunden. Draisine wird es auch genannt.
1817 gab es eine Hungersnot in Deutschland, bei der auch viele Pferde starben. Weil Pferde damals das wichtigste Transportmittel waren - als Reittier und Zugtier vor Kutschen und Wagen - wollte Karl Drais ein Gefährt erfinden, mit dem sich der Mensch ohne Pferde schnell vorwärts bewegen kann. Die Idee der Laufmaschine war geboren, die dem Fußgänger und sogar der Postkutsche in Punkto Geschwindigkeit deutlich überlegen war. Die Draisine war vollständig aus Holz gebaut - Reifen, Lenker und Gestell. Pedale und eine Kette hatte es damals noch nicht. Um vorwärts zu rollen, musste man sich mit den Füßen vom Boden abstoßen. Deshalb bezeichnet man das erste Fahrrad auch als "Laufrad".
Der Fahrer sitzt auf einem gepolsterten Holzbalken, dem Teil des Rahmens, an dem die beiden Räder befestigt sind. Das Vorderrad ist lenkbar. Die Laufmaschine hat sogar eine einfache Bremse.
Drais ließ sich seine aus Holz gefertigte Erfindung 1818 gesetzlich schützen und verkaufte gegen eine Gebühr die Baupläne sowie die damit erworbene Lizenzplakette mit dem Wappen der Familie Drais - das Äquivalent zum heutigen Markenemblem der Autohersteller auf Motorhauben. Das Patent bezog sich jedoch nur auf das Großherzogtum Baden und die Laufmaschinen waren teuer, weshalb es zu vielen lizenzfreien Nachbauten kam. Rückblickend betrachtet erfreute sich die Draisine nur kurzer Beliebtheit, und dieser vorzugsweise im Kreise des wohlhabenden Bürgertums und des Adels. Recht schnell wurden Fahrverbote für Laufmaschinen verabschiedet, die als „Vélocipède“ oder „Hobby Horse“ nur noch in Frankreich und insbesondere England von „Dandys“ gefahren wurden.
Das Velociped: Der nächste Schritt
Der französische Mechaniker Ernest Mechaux hat die Draisine dann in ein Velociped umgewandelt. Der Franzose Ernest Michaux (andere Quellen nennen Pierre Lallement) führt angeblich den Tretkurbelantrieb ein, das heißt die Pedale drehen sich mit dem Vorderrad. Das Velociped fuhr mit Kurbel und Tretpedal, ähnlich wie unsere Fahrräder heute.
Es folgte eine recht lange Pause in der Geschichte der Fahrradentwicklung, ehe 1867 auf der Pariser Weltausstellung das sogenannte „Vélocipède“ des französischen Kutschenbauers Pierre Michaux (1813 - 1883) und dessen Sohn Ernest (1842 - 1882) vorgestellt wurde. Ihre Konstruktion verfügte über eine am Vorderrad angebrachte Tretkurbel. Wer diese tatsächlich erstmals an einem Vorderrad anbrachte, wird kontrovers diskutiert. Auf der Weltausstellung wurde das Fahrzeug ein Verkaufserfolg. Um eine höhere Geschwindigkeit zu erzielen, ist das Vorderrad etwas größer als das Hinterrad. Das sogenannte Tretkurbelveloziped hat einen Metallrahmen, gefederte Sattelträger, Bremsen und Speichenräder mit Vollgummibereifung.
Das Hochrad: Ein gewagtes Design
1871 baute der Engländer James Starley das Velociped in ein Hochrad um. Noch mehr Tempo erreicht das Hochrad des gebürtigen Elsässers Eugène Meyer in Paris. Der Rahmen ist aus Stahl, ebenso Felgen und Speichen. Die Bereifung ist aus Vollgummi. Das Vorderrad ist etwa dreimal so groß wie das Hinterrad. In der Folgezeit wird der Radumfang des Vorderrades immer weiter vergrößert.
Es hatte ein sehr großes Vorderrad und ein kleines Hinterrad. Es war aus Stahl und hatte Gummireifen. Als Hochradfahrer thronte man anderthalb Meter über dem Boden. Die Fahrt war nicht ganz ungefährlich: Viele Hochradfahrer stürzten und verletzten sich manchmal tödlich.
1868 erhielt Eugène Meyer (unbek.) ein Patent für Speichen, die an der Stahlfelge befestigt und in der Radnabe gespannt wurden. Dies ermöglichte noch größere Vorderräder und ein geringeres Gewicht. Das Hinterrad wurde dabei zugunsten der Lenkbarkeit immer kleiner. So entstand um 1870 schließlich das unter dem Namen „Ariel“ bekannte Hochrad der beiden Briten James Starley (1831 - 1881) und William Hillman (1848 - 1921). Die Fahrradproduktion hatte sich in der Zwischenzeit aufgrund der Konsequenzen des Dt./Frz. Dank der sich entwickelnden Herstellungstechnik wurden nun Tangentialspeichen und Vollgummireifen verbaut, die zusammen mit dem größeren Raddurchmesser ein schnelleres Fortbewegen ermöglichten. Der fast genau über der Achse liegende Schwerpunkt führte aber zu schweren Stürzen und verlangte dem Fahrer ein hohes Maß an Geschick und Mut ab. Dies änderte aber nichts daran, dass das Hochrad europaweit populär wurde.
Das Sicherheitsrad: Ein sicherer Fortschritt
Zwischen 1878 und 1888 gab es noch einige wichtige Erfindungen: zum Beispiel der Kettenantrieb des Hinterrades. Thomas Shergold baut das erste Sicherheitsfahrrad. Das Besondere an der Konstruktion: Das Hinterrad wird über eine Kette angetrieben. Dadurch kann auf das überdimensionale gefahrenträchtige Vorderrad verzichtet werden. John Kemp Starleys "Rover" wird zum Prototyp des modernen Fahrrads.
Nun fuhr es sich deutlich sicherer, weil jetzt Antrieb und Lenkung voneinander getrennt waren. Die Form des Stahlrahmens, die sinnvolle Anordnung der Bedienungselemente, die gleich großen Räder - all das hat sich bis heute im Wesentlichen erhalten. Auch die Einführung des trapezförmigen Fahrradrahmens aus Stahlrohr, der so genannte "Diamantrahmen", sorgte für mehr Stabilität. 1890 wurde der heute noch gültige Diamantrahmen eingeführt, der durch wenig Materialeinsatz und Gewicht größere Stabilität bietet. Spezielle Rahmenformen für Frauen wurden ebenfalls entwickelt.
Technische Detailverbesserungen sollten das Unfallpotential senken: Dank Kettenantrieb und Hebelübersetzung verlagerte sich der Schwerpunkt nun wieder etwas weiter nach hinten und die Sitzhöhe wurde gesenkt. Über Zwischenstufen führten weitere technische Neuerungen zum Sicherheitsniederrad in der bis heute gültigen Fahrradform: Zwei gleich große Räder, Kettenübersetzung und die von John Dunlop entwickelten Luftreifen. Mehr Stabilität kam durch die nahtlosen „Mannesmann“-Rohre.
Der Luftreifen: Komfort und Geschwindigkeit
Mit der Erfindung des Luftreifens durch John Boyd Dunlop wurde das Radeln noch leichter. John Kemp Starley gilt gemeinhin als der Erfinder des modernen Fahrrads, der damit als erster kommerziell erfolgreich war. Sein Onkel, James Starley, hatte in den 1870er Jahren das Hochrad entwickelt.
Der irische Tierarzt John Boyd Dunlop erfindet den Luftreifen neu. Schon 1845 hatte der Engländer Robert William Thomson das Patent auf einen luftgefüllten Reifen erhalten. Doch die noch wenig ausgereifte Erfindung war in Vergessenheit geraten. Manchmal wiederholt sich die Geschichte zwar nicht - aber sie reimt sich ein wenig.
Der Siegeszug des Fahrrads
Der Siegeszug des Fahrrads war nicht mehr aufzuhalten: Arbeiter fuhren mit dem Rad zur Arbeit, Fahrrad fahren wurde modern und eine beliebte Sportart. Auf die Freilaufnabe im Jahr 1900 folgten schaltbare Getriebenaben für ein noch komfortableres Radfahren. Die Entwicklung der noch heute gültigen Grundform des Fahrrades war damit abgeschlossen.
Im späten 19. Jahrhundert erwies es sich der Drahtesel als bahnbrechende neue Technologie, deren Auswirkungen vergleichbar mit dem Siegeszug des Smartphones sind. Fast jeder konnte das Radfahren erlernen, und fast jeder tat es.
Das Fahrrad als Symbol der Emanzipation
In den 1890er Jahren wurde das Fahrrad zum Symbol der Neuen Frau, die unabhängig und fortschrittlich war und politische Teilhabe forderte. Besonders Frauen waren begeistert und legten ihre schwerfälligen viktorianischen Röcke ab. Stattdessen trugen sie Pluderhosen (ein Skandal!) und „vernünftige“ Kleidung und eroberten in Scharen die Straße. „Ich glaube, das Radfahren hat mehr zur Emanzipation der Frau beigetragen als alles andere auf der Welt“, sagte Susan B. Anthony 1896 in einem Interview mit der New Yorker Sunday World.
Das Fahrrad heute: E-Bikes und mehr
E-Bikes? Lastenräder? Rennräder? Heute nehmen wir sie als selbstverständliche, klimafreundliche Alternative zum Auto - als Hobby oder Sportgerät. Doch das, was wir heute unter dem Fahrrad verstehen, gibt es noch gar nicht so lange.
Nach Ende des zweiten Weltkrieges änderte sich die Situation: Das Auto wurde beliebt. Bis Ende der 1980er Jahre war das Auto das Fortbewegungsmittel schlechthin. Umwelt schützen, Sport machen, sich selbst fit halten - das Fahrrad ist zurück. Ab den 1990er Jahren setzte ein Umdenken ein. Anfangs waren Fahrradfahrer*innen noch skeptisch: Sie nannten das E-Bike oder Pedelec „Rentnerkutsche“. Das ist Schnee von gestern - inzwischen steigt der Umsatz der E-Bikes stetig. 2018 verkauften Fahrradhändler*innen mehr als 900.000 E-Bikes in Deutschland.
Die Nachfrage nach Fahrrädern steigt aktuell und etliche Länder bereiten sich darauf vor, Milliarden für die Neugestaltung ihrer Städte auszugeben - mit einem neuen Schwerpunkt auf Radfahrer und Fußgänger.
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