Am Markt findet man mittlerweile zahlreiche Umbausätze / Nachrüstsätze, um sein Rad zum E-Bike beziehungsweise zum Pedelec nachzurüsten. Besonders Menschen, die bereits ein hochwertiges Bio-Bike besitzen, denken über eine Umrüstung zum E-Bike nach. Das Upgrade eines bestehenden Fahrrads zu einem E-Bike kann eine kostengünstige Variante sein, um die Vorteile eines elektrischen Antriebs zu genießen.
Verschiedene Antriebsarten und Hersteller
Das reicht von Hinterrad- über Vorderrad-Motoren bis hin zu waschechten Mittelmotoren, die am Tretlager angebracht werden. Damit du die Übersicht nicht verlierst, stellen wir dir hier die gängigsten Hersteller mit Umbausätzen / Nachrüstsätzen vor.
Mittelmotoren
Diese Antriebsform ist am geläufigsten und wird unter oder auf dem Tretlager angebracht. Die Gewichtsverteilung ist ebenfalls unproblematisch und beeinträchtigt das Fahrgefühl kaum.
- Pendix: Beim Pendix System handelt es sich um einen Mittelmotor, der mittels eines speziellen Tretlagers samt Drehmomentabstützung befestigt wird. Der 250 Watt starke Motor sitzt am linken Kurbelarm, während am rechten Arm ganz normal mehrere Kettenblätter montiert werden können. Mit dem Pendix Umbausatz wird dein Fahrrad wahlweise zum Pedelec oder S-Pedelec.
- Bafang BBS-01B: Er ist gut verarbeitet und mit 250 Watt Leistung in Deutschland legal. Laut diverser Foreneinträge kommt der Motor auf 80 Nm; das verschafft dem Nutzer eine entspannte Fahrt bei Hügeln und kleineren Bergen.
Nabenmotoren
Es gibt Nabenmotoren für das Hinterrad und das Vorderrad.
Hinterradmotoren
Der Motor befindet sich am Hinterrad und ist vor allem beim Antritt sehr effektiv. Die Gewichtsverteilung liegt größtenteils auf dem Hinterrad.
- Senglar: Senglar ist Experte für kräftige Nabenmotoren, die bereits fertig eingespeicht samt Akku, Kabelsätzen und Montagezubehör gekauft werden können.
- Go Swiss: Freunde von Heckmotoren werden bei Go Swiss fündig. Die Schweizer Tüftler bieten nämlich feinste Ingenieurskunst, die bis zu 500 Watt Unterstützung bietet.
- Bafang: Bafang ist ein chinesischer Hersteller, der zahlreiche Heck- und Frontmotoren anbietet, die sich als nachträglichen Umbausatz eignen.
- Bikight SW900: Den Heckmotor Bikight SW900 (Testbericht) mit 1000 Watt gibt es bei Banggood regulär für 300 Euro.
Vorderradmotoren
Hier sitzt der Motor entweder direkt im Vorderrad oder wird an der Felge bzw. Bereifung des Rades befestigt.
- Ansmann: Man hat hier die Wahl zwischen zwei verschiedenen Heckmotoren und einem Frontmotor-Modell.
- Electron Wheel: Hier kauft man nämlich ein komplett vormontiertes Vorderrad, das nur noch in die Gabel eingehängt werden muss, bevor es losgehen kann.
Reibrollenantrieb
Bei einem Reibrollenantrieb sitzt eine kleine Rolle an dem Hinterrad oder Vorderrad auf. Der Motor des Reibrollenantriebs beschleunigt durch Reibung das Rad und dient so als Antriebshilfe.
Tipp: Da der Antrieb Am Reifen liegt und durch Reibung die Geschwindigkeit erzeugt, ist der Verschleiß des Fahrradreifens tendenziell höher.
Weitere Antriebssysteme
- Vivax: Der Vivax Assist ist mit 1,8kg Gewicht der vermeintlich leichteste E-Antrieb am Markt - wohlgemerkt inklusive Akku.
- Binova: Bei Binova setzt man in Sachen Motor auf eine permanent erregte Synchronmaschine.
- Add-e: Der leistungsstarke Motor (250 oder 600 Watt) wird nämlich einfach an der Gepäckträgeraufnahme oder am Tretlager montiert und passt somit an eine Vielzahl von Rädern.
Vor- und Nachteile der Umrüstung
Im Zuge des Trends zu mehr E-Mobilität wird das Fahrrad zum E Bike umbauen über einen Umbausatz beliebter.
- Vorteile:
- Nachhaltiger: Du brauchst kein neues E Bike kaufen und dein altes Fahrrad verschrotten, um ein E Bike zu fahren.
- An geliebtem Fahrrad festhalten: Wer leidenschaftlich Fahrrad fährt, baut eine Verbindung mit seinem Fahrrad auf.
- Nachteile:
- Nicht immer einfach zu montieren: Einen Umbausatz zu montieren, ist nicht immer einfach. Du brauchst häufig spezielles Werkzeug und Fahrradkenntnisse.
- Kaum teurer als Neukauf: E Bikes werden immer günstiger. Ein Neukauf kann unter Umständen günstiger sein als ein Umbau.
Rechtliche Aspekte
In unserem Test benutze ich beide Worte als Synonyme, jedoch bezeichnen beide Begriffe etwas anderes. Auch rechtlich gesehen macht es einen Unterschied, ob du mit einem Pedelec oder einem echten E Bike fährst.
Pedelec
Definition: Bei einem Pedelec unterstützt der Motor erst, wenn du in die Pedale trittst. Eine Anfahrhilfe bis 6 km/h ist erlaubt. Der Motor darf bis maximal 250 Watt Leistung besitzen, was einer maximalen Geschwindigkeit von 25 km/h entspricht.
Rechtliche Bedingungen: Für ein Pedelec ist keine Versicherungsplakette, keine Zulassung und auch kein Führerschein notwendig. Darüber hinaus kann jede Person mit einem Pedelec Umbausatz sein Fahrrad umrüsten. Nur Pedelecs können ohne Anmeldung und Versicherung wie ganz normale Fahrräder auf Radwegen benutzt werden. Die Umbausätze in unserem Test sind zum großen Teil laut Definition Pedelec Umbausätze.
S-Pedelec
Definition: In unserem E Bike Umbausatz Vergleich haben wir auch Pedelecs, die bis zu 45 km/h erreichen können und deutlich mehr Leistung aufweisen. Schaltet der Motor erst bei einer Geschwindigkeit von 45 km/h ab, zählt das S-Pedelec als Kleinkraftrad.
Rechtliche Bedingungen: Um ein S-Pedelec bis 45 km/h fahren zu dürfen, brauchst du eine Betriebserlaubnis oder eine Einzelzulassung des Herstellers vom Kraftfahrtbundesamt. Außerdem werden eine Versicherungsplakette mit passender Versicherung und ein Führerschein der Klasse AM benötigt. Somit ist ein Mindestalter von 16 Jahren notwendig, um das S-Pedelec zu fahren. Laut aktuellen Vorschriften besteht eine Helmpflicht.
E-Bike
Definition: Das klassische E Bike besitzt einen Motor, den du jederzeit auch ohne in die Pedale zu treten, aktivieren kannst. Mit einem Schaltknopf oder einem Drehgriff wird die Geschwindigkeit bestimmt. Je nach maximaler Geschwindigkeit ergeben sich unterschiedliche rechtliche Voraussetzungen, die du beachten musst.
Wichtige Kriterien bei der Auswahl eines Nachrüstsatzes
Nicht jeder Umbausatz ist gut. Montage/Kompatibilität: Wie einfach ist der Einbau? Wo sitzt der Motor und wie ist der Akku befestigt?
- Art des Motors: Wie effizient ist der Motor und wo ist er verbaut? Der Motor entscheidet letztendlich über das Fahrgefühl.
- Leistung: Wie viel Watt hat der Motor?
- Akku: Der Akku legt die Voraussetzung für die Weitergabe an den Motor. Auch hier gibt es viele verschiedene Ausführungen und Halterungen, wo sich der Akku befinden kann (Trinkflaschenhalterung, Gepäckträger, Mittelstrebe,…). Danach sollte die Kapazität des Akkus näher betrachtet werden. Insgesamt sorgt ein stärkerer Akku für mehr Reichweite.
- Preis: Das E Bike nachrüsten sollte nicht zu teuer werden. Hochpreisige Produkte müssen nicht immer effizienter, schneller oder einfacher zu montieren sein.
Sicherheits- und Wartungshinweise
Durch einen Pedelec oder E Bike Nachrüstsatz ändert sich nicht nur das Fahrgefühl und Gewicht des Fahrrads, sondern auch der Wert sowie mögliche Maximalgeschwindigkeiten.
- Fahrradhelm: Höhere Geschwindigkeiten bedeuten ein höheres Risiko, bei einem Unfall verletzt zu werden. Der Fahrradhelm ist damit umso wichtiger.
- Versicherungen: Ein Umbausatz wertet dein Fahrrad auf und erhöht den Wert.
- Wartung Fahrrad & Anbauteile: Motor, Akku, Sensoren, Fahrradcomputer, E Bike Sattel und andere Bauteile können zu einem erheblichen Risiko werden, wenn sie nicht mehr rund laufen.
- StVO beachten: Du kannst alles richtig machen und doch im Straßenverkehr andere behindern, wenn du die Straßenverkehrsordnung nicht einhältst.
Einige empfohlene Nachrüst-Kits
Hier ist eine Übersicht über einige der getesteten und empfohlenen Nachrüst-Kits:
| Produkt | Motor | Leistung | Akku | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Bafang BBS-01B | Mittelmotor | 250 Watt | Haniwinner H194 (separat erhältlich) | Legal in Deutschland, Farb-LCD-Bordcomputer |
| Pendix Edrive 300 | Mittelmotor | 250 Watt | 330 Wh | Geräuschlos, minimalistisches Design |
| Bikight SW900 | Heckmotor | 1000 Watt (getestet, illegal), 250 Watt (ausverkauft) | Haniwinner HA194 (separat erhältlich) | Günstig |
| Bafang MM G340 | Mittelmotor | 750 Watt | - | Sehr stark, aber illegal in Deutschland |
| iMortor 2.0 | Vorderrad | - | Integriert | Geringe Reichweite, App-abhängig |
Die Montage des Swytch GO E-Bike-Nachrüstsatzes
Vom Fahrrad zum Pedelec: Swytch aus Großbritannien bietet einen Nachrüstsatz an, mit dem sich ein normales Fahrrad zum E-Bike umbauen lässt. Ich habe das System Swytch GO für dich getestet. Im ersten Teil dieser Testserie werfen ich einen genauen Blick auf die Montage des Swytch GO Sets.
Der Umbausatz kommt in einem großen Karton - kein Wunder, denn er enthält das komplett eingespeichte Vorderrad inklusive Motor. Akku, Netzteil, Display und Montagematerial sind geschickt im Karton verteilt.
Der erste Schritt ist der Ausbau des Vorderrads. Dank Schnellspannachse ist das kein Problem. Danach setze ich probeweise das Laufrad von Swytch ein. Dabei fällt das höhere Gewicht auf - kein Wunder, denn der Nabenmotor sitzt hier vorne. Das ist gut, denn es muss unbedingt verhindert werden, dass sich die Achse durch das Drehmoment des Antriebs beim Fahren im Ausfallende verdreht.
Da Swytch beim Kit keine Scheibenbremse mitliefert, muss das Laufrad zunächst wieder herausgenommen werden, um die Bremsscheibe vom alten Laufrad auf das neue zu schrauben. Auch Schlauch und Mantel wechseln von alt zu neu.
Zunächst bringe ich den Akku an, den ich über Nacht geladen habe. Der Akku kann mittels dreier breiter Klettverschlüsse an unterschiedlichen Stellen am Fahrrad befestigt werden. Ich entscheide mich für das Rahmendreieck zwischen Oberrohr und Sattelrohr.
Danach schraube ich das kompakte Bediendisplay an das linke Lenkerende und verbinde das Kabel mit dem Kabelbaum, der vom Akku herkommt. Im nächsten Schritt führe ich ein Kabel aus dem Kabelbaum am linken Gabelholm nach unten und verbinde es mit dem Motor.
Zuletzt montiere ich den Kadenzsensor. Wie bei den meisten Umbausätzen mit Vorderrad- oder Hinterradnabemotoren, setzt Swytch auf diese Art der Steuerung. Ein Sensor misst mit Hilfe einer Magnetscheibe am Tretlager, ob sich die Pedale bewegen und aktiviert dann die E-Unterstützung. Diese Art der Steuerung eines E-Bike Motors ist, solange bei 25km/h die Unterstützung eingestellt wird, legal.
Der Sensor wird ans Unterrohr geklebt und mit Kabelbindern gesichert. Früher musste zur Montage der Magnetscheibe der Pedalarm demontiert werden, mittlerweile setzen die Anbieter auf einen teilbare Scheibe. Swytch löst das noch cleverer: An einem der beiden Teile ist ein langer Arm aus Kunststoff befestigt, der über zwei fixierbare Gelenke an die Form des Pedalarms angepasst werden kann. Der Abstand von Sensor zur Magnetscheibe kann mit einer kleinen, fixierbaren Achse angepasst werden. Das ist wichtig, denn der Abstand zur Scheibe darf nicht zu groß sein, damit die Sensorik zuverlässig funktioniert.
Als letzten Schritt verbinde ich den Sensor mit dem Kabelbaum - die Montage ist damit grundsätzlich abgeschlossen.
Obwohl die Achse des Vorderrads noch nicht fest verschraubt ist, ist ein erster Funktionstest möglich. Ich schalte das System am Akku ein, aktiviere das Display und schalte die Unterstützungsstufe 1 (von 5) ein. Ein längerer Druck auf die Taste mit dem Pfeil nach oben am Display aktiviert die Schiebeunterstützung. Das Vorderrad setzt sich in Bewegung und bei Erreichen von 6 km/h endet das Summen.
Für die Abschlussarbeiten lasse ich mir Zeit. Die Kabel des SWYTCH-Systems sind lang, um an verschiedene Fahrradtypen montiert werden zu können. Daher muss ich ein bisschen experimentieren, bis ich die Kabel gut befestigt habe.
Die Montage des Swytch GO ist mit etwas handwerklichem Geschick kein Problem. Spezialwerkzeug und Elektronikwissen sind dank der kodierten Stecker nicht notwendig. Am längsten dauert die saubere Verlegung und Befestigung der Kabel. Insgesamt habe ich gemütliche 90 Minuten für den Umbau benötigt. Alle wesentlichen Teile sind im Lieferumfang enthalten.
Insgesamt ist der Umbau einfacher und unkomplizierter als meine früheren Umbauprojekte.
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