Fahrrad fahren lernen: Tipps für 9-Jährige

Möchten Sie jemandem helfen, das Radfahren zu lernen? Falls Sie keinen passenden Kurs in einer Radfahrschule in Ihrer Nähe finden: Mithilfe der folgenden Tipps können Sie einen absoluten Radfahr-Neuling dabei unterstützen, das Radfahren zu erlernen. Lesen Sie sich bitte alle Tipps durch und probieren Sie die beschriebenen Aufgaben und Übungen am besten erst mal selbst aus, bevor Sie Ihren individuellen „Radfahrkurs“ starten. Diese Tipps sollen eine „Erste Hilfe” sein. Sie ersetzen keinen professionellen Radfahrkurs.

Das Radfahren lernen ist ein komplizierter Prozess. Gerade wenn man es als Erwachsener lernt, kann es ein langer Weg sein. Hier einem professionellen Trainer mit zahlreichen Hinweisen und Übungen zu vertrauen, das richtige Material zum richtigen Zeitpunkt in den unterschiedlichen Lernschritten zur Verfügung zu haben, gewährleisten ADFC-Radfahrschulen. Deshalb ist auch ein weiter Weg in eine andere Stadt zu einer ADFC-Radfahrschule eine gute Lösung.

Vorbereitung und Grundlagen

1. Nehmen Sie den Radfahr-Beginner ernst

Glauben Sie dem Radfahrneuling, dass er/sie tatsächlich nicht Radfahren kann. Beglückwünschen Sie sie/ihn zu ihrem/seinem Entschluss, Radfahren lernen zu wollen. Sagen Sie: "Tolle Idee. Ich helfe Dir." Sagen Sie nie: "Radfahren kann doch jedes Kind" oder "Radfahren verlernt man nicht".

2. Suchen Sie ein passendes Rad und schrauben Sie die Pedale ab

Gut geeignet zum Radfahren lernen ist ein Rad mit einem tiefen Durchstieg. Wenn Sie die Wahl haben zwischen einem Rad mit Rücktrittbremse und einem ohne, nehmen Sie das Rad ohne Rücktrittbremse. Wenn Sie die Wahl zwischen verschieden großen Rädern haben, versuchen Sie es zuerst mit dem kleineren Rad.

Suchen Sie Werkzeug, um die Pedale abschrauben und die Sattelhöhe verstellen zu können. Denken Sie auch an eine Luftpumpe.

Stellen Sie den Sattel so tief wie möglich. Wenn der Sattel dann auf dem Gepäckträger klemmt, montieren Sie den Gepäckträger ab, damit Sie den Sattel noch tiefer stellen können.

Schrauben Sie beide Pedale ab. (Linkes Pedal zum Lösen nach rechts abschrauben. Beim rechten Pedal nach links schrauben.)

Wenn das Rad eine Gangschaltung hat, stellen Sie einen mittel-leichten Gang ein.

Bringen Sie auch Ihr eigenes Rad mit, damit Sie auch mal etwas vorführen können.

3. Achten Sie auf die richtige Bekleidung

Fürs Radfahren lernen braucht man keine besondere Bekleidung. Aber ein paar Dinge sollte man trotzdem beachten.

  • Schuhe: Die Schuhe sollten fest am Fuß sitzen und eine möglichst rutschfeste Sohle haben. Sneaker oder Turnschuhe sind gut geeignet. Die Schnürsenkel-Schleife am besten in den Schuh stecken, damit sie sich nicht am Rad verhaken kann. Sandalen und Flip-Flops sind nicht so gut geeignet.
  • Hose: Bequeme Jeans, Leggings oder Jogginghosen sind gut geeinet. Wenn die Hosenbeine sehr weit sind oder am Saum Aufschläge haben, müssen sie sorgfältig zusammengesteckt werden. Das geht gut mit speziellen Hosenklammern oder -Bändern. Oder Sie falten das Hosenbein außen am Knöchel zusammen und stecken es mit einer Wäscheklammer fest. Eine (gepolsterte) Radhose ist natürlich komfortabler als eine Jeans. Man kann so eine Radhose auch unter einer normalen Hose tragen.
  • Handschuhe: Engsitzende (Leder-)Handschuhe (z.B. Montage-Handschuhe aus dem Baumarkt) sind praktisch. Damit kann man sicher den Fahrradlenker greifen. Ideal sind Radfahrhandschuhe (mit oder ohne Finger, mit gepolsterter Handinnenfläche). Achten Sie darauf, dass die Radfahrhandschuhe richtig herum angezogen werden: Die gepolsterte Fläche sitzt innen auf der Handfläche. Der Klettverschluss sitzt oben auf dem Handgelenk/dem Handrücken.

4. Suchen Sie einen geeigneten Platz

Die Fläche muss frei von (Auto-)Verkehr sein. Der Platz/die Fläche kann asphaltiert sein oder einen anderen gut befahrbaren Belag haben. Ideal ist es, wenn der Platz nicht von außen einsehbar ist. Bitte fragen Sie im Zweifel nach, ob Sie den Platz benutzen dürfen. Auch in einem Park kann man (an einem Werktag) gut Radfahren lernen. Am Wochenende ist es im Park oft zu voll.

5. Nehmen Sie sich Zeit und nicht zuviel vor

Pausen sind wichtig beim Radfahren lernen auf einem Übungsplatz. Bis ein absoluter Radfahr-Neuling die erste Runde mit dem Rad dreht, wird es mehrere Stunden oder mehrere Tage dauern.

Machen Sie es nicht so: Sie haben vielleicht schon von folgender Methode gehört: Der Fahrradneuling setzt sich aufs Rad, ein Helfer hält das Rad am Gepäckträger fest und ruft: "Jetzt einfach treten! Keine Angst, ich halte Dich!" Oft endet dieser Versuch so: Der Fahrradneuling kriegt das mit dem Anfahren und Treten auch beim zehnten Versuch nicht hin. Dann schlägt auch noch das Pedal an die Wade und er/sie hat die Nase voll vom Radfahren, bevor er/sie das erste Mal gerollt ist.

Radfahren lernen ist keine Mutprobe. Und "Beibringen" geht auch nicht. Fahranfänger*innen müssen selbst in kleinen Schritten lernen und neue Bewegungen ausprobieren.

6. Stellen Sie sich ein Kind auf einem Roller oder einem Laufrad vor

Bei Ihrem individuellen "Radfahrkurs" können Sie sich daran orientieren, wie Sie selbst das Radfahren gelernt haben.

Aber: Halt! Stop! Bevor Sie gleich losstürzen, überlegen Sie mal, was Sie alles gelernt haben, bevor Sie Ihr erstes großes Rad bekommen haben. Vielleicht war das so: Ihr erstes "Fahrzeug", eine bunte Ente auf Rollen, haben Sie durch die ganze Wohnung geschoben. Sie haben mit dem Bobbycar Geschwindigkeit erlebt. Sie sind auf Baumstämmen balanciert. Sie waren mit einem Laufrad unterwegs. Sie sind mit dem Roller durch die Gegend geflitzt. Danach haben Sie vielleicht mit einem kleinen Spielfahrrad, bei dem Sie noch mit beiden Beinen "Plattfuß" den Boden erreichen konnten, erste Radfahr-Erfahrungen gesammelt. Und als Sie später das erste richtige Fahrrad bekommen haben, hatten sie schon so viel gelernt, dass Sie mit diesem großen Rad in kurzer Zeit sicher fahren konnten.

Ihr individueller "Radfahrkurs" könnte so ähnlich ablaufen. Wichtig sind: Kleine Schritte und ein individuelles Lerntempo.

Übungen und Techniken

7. Das Rad in Ruhe kennenlernen

Lassen Sie dem/der Anfänger*in Zeit, das Rad in Ruhe kennenzulernen. Seitenständer, Handbremse - alles ist neu. Zeigen Sie zuerst, wie man den Seitenständer aus- und einklappt!

Nun soll das Rad geschoben werden. Denken Sie sich Schiebe-Varianten aus:

  • Rad nur am Sattel anfassen.
  • "Parcours": Auf einem gezeichneten Parcours schieben.
  • Lassen Sie den/die Anfänger*in auch mal Ihr Rad schieben und dessen Bremsen testen!

Machen Sie zwischendurch ein paar Gleichgewichtsübungen. Stellen Sie sich z.B. mit einem Fuß seitlich auf einen Bordstein und schwingen mit dem anderen Fuß vor und zurück.

Eine kleine Pause kann jetzt nicht schaden!

8. Probieren Sie das Radfahren zuerst ohne Pedale

Nach dem ersten Kennenlernen des Rades kann es losgehen mit dem Lauf-Radeln bzw. Geh-Radeln. Dazu können Sie ein Fahrrad ohne Pedale und mit ganz niedrig gestelltem Sattel wie ein Laufrad benutzen.

Zu Beginn kann auf dem Sattel sitzend losgelegt und ausprobiert werden, wie sich die Geschwindkeit steigern lässt. Es kann z. B. folgendes ausprobiert werden:

  • Nur mit dem linken / nur mit dem rechten Fuß abstoßen
  • Mit beiden Füßen zugleich abstoßen
  • Unterschiedliche Sattelhöhen ausprobieren

Spätestens jetzt ist die erste längere Pause fällig!

9. Üben Sie das Bremsen vor dem Fahren

Wer geübt hat, wie er ein Rad sicher zum Stehen bringt, hat weniger Angst vor dem Radfahren.

Mögliche Aufgaben zum Bremsen:

  • Vorderradbremse / Hinterradbremse / Beide Bremsen festhalten und versuchen, das Rad zu schieben
  • Nur Vorderradbremse / Nur Hinterradbremse / Beide Bremsen benutzen
  • Dosiert bremsen / Kräftig bremsen

10. Probieren Sie mal Rollern

Rollerfahren ist eine gute Vorübung fürs Radfahren. Wenn Sie einen Roller in Erwachsenengröße zur Verfügung haben, können Sie ihn jetzt zum Einsatz bringen. Aber auch ohne Roller kann man rollern! Schrauben einfach nur ein Pedal wieder ans Rad und fordern Sie den/die Anfänger*in auf, das Rad wie einen Roller zu benutzen. Er sollte sich dabei möglichst nicht auf den Sattel setzen.

Mögliche Aufgaben zu Rollern:

  • Rollern und Bremsen.
  • Auf kurvigem Parcours rollern.
  • Rechtsrum / linksrum.
  • Bei einem richtigen Roller kann man auch mal beide Füße auf den Roller setzen.

Rollern, vor allem Rollern auf einem Fahrrad, ist sehr anstrengend. Deshalb ist jetzt Zeit für eine Pause und Sie haben Zeit, das eine Pedal wieder ab- und dafür das andere anzuschrauben, damit auch mal mit dem anderen Bein geübt werden kann.

11. Tritt für Tritt zum Radfahren

Wenn der/die Fahranfänger*in sich mit dem Rad vertraut gemacht hat, wenn er/sie sicher laufradeln, rollern und bremsen kann, fehlt nur noch ein letzter Schritt vor dem eigentlichen Radfahren: Das Anfahren. Auch hier sollte man es wieder langsam angehen lassen: Schritt für Schritt bzw. Tritt für Tritt.

Zunächst ist es wichtig, dass der Fuß das Pedal findet und es in die richtige Anfahrposition bringen kann.

Für Räder ohne Rücktrittbremse: Pedal mit dem Fuß in die Runde bewegen: Sich über das Rad stellen, Bremsen festhalten, Füße mindestens schulterbreit auseinander. Wenn das rechte Pedal angeschraubt ist: Rad leicht nach links neigen, mit dem rechten Fuß das rechte Pedal rückwärts bewegen, immer in die Runde.

Für Räder mit Rücktrittbremse: Wenn das linke Pedal angeschraubt ist: Sich links neben das Rad stellen. Rad mit der linken Hand am Lenker halten, mit rechten Hand unter der Sattel greifen und das Hinterrad anheben. Mit dem rechten Fuß das linke Pedal vorwärts drehen.

Die richtige Anfahrposition ist gefunden wenn das Pedal fast oben steht (von links gesehen auf 11 Uhr)

Wenn das geklärt ist, kann es losgehen:

  • Im Sattel sitzend anfahren: Zum Anfahren den Fuß auf das oben stehende Pedal stellen. Während man sich mit dem Standbein vom Boden abstößt, tritt der Fuß das oben stehende Pedal runter und beschleunigt das Rad.
  • Erneut anfahren: Das Pedal wieder in Anfahrposition stellen und wieder anfahren.
  • Zwischendurch das eine Pedal ab- und das andere anschrauben. Wenn Anfahren und Bremsen gut klappen: Beide Pedale anschrauben!

Viele Anfänger*innen können jetzt "spontan" radfahren und die nächste halbe Stunde werden Sie sie nicht mehr vom Rad runter bekommen. Lassen Sie sie/ihn das Glück genießen und freuen Sie sich mit!

Später können Sie dann mit ihm dann weitere Übungen machen. Denn auch wenn das Fahren jetzt gut klappt: Bis zum sicheren Fahren im Verkehr braucht es noch mehr Übung.

Zusätzliche Überlegungen

Der ADAC empfiehlt, Kindern immer die Möglichkeit zu geben, ohne Stützräder zu üben. Zudem bieten die Fahrhilfen gerade am Anfang eher eine trügerische Sicherheit. Auch die Gefahr von Stürzen ist hoch: Es gibt "Stolperfallen" wie Bordsteinkanten, bei denen ein Stützrad in der Luft hängen und das Fahrrad so nicht mehr stützen kann. Oder weichere Oberflächen wie Rasen, in die Stützräder einsinken können. Die kleinen Radler können so unkontrolliert rückwärts rollen oder sogar durch die Stützräder gefährdet werden.

Es ist wichtig, dass das Kind motiviert ist und Spaß hat. Der Spaß sollte an erster Stelle stehen. In der Regel lernen Kinder, die viel mit dem Laufrad unterwegs sind, auch früher und schneller das Radfahren, da sie bereits die notwendige Balance haben und nur noch das Treten sowie das Auf- und Absteigen üben müssen.

Ein Fahrradhelm ist ein absolutes Muss! Für eine gute und sichere Motorik sind folgende Einstellungen wesentlich: die richtige Sattelhöhe, die passende Lenkerhöhe und die sichere Pedalstellung. Halten Sie den Rücken Ihres Kindes fest und reden Sie mit ihr oder ihm - das gibt die notwendige Sicherheit. Laufen Sie nebenher, aber schieben Sie ihr Kind nicht. Wenn es gut läuft, lassen Sie den Rücken los, laufen aber noch etwas mit und reden weiter. Wenn das gut klappt, üben Sie bremsen und Kurven fahren - hierzu können Sie einen kleinen Parcours erstellen, den Sie gemeinsam mit Ihrem Kind z. B. mitnehmen und für die Kids einen Parcours zeichnen.

Das Allerwichtigste ist Ruhe und Geduld. Und wenn Sie dann einen kleinen Fahrprofi ausgebildet haben, genießen Sie gemeinsame Fahrradtouren. Dabei können Sie auch immer wieder wichtige Kompetenzen üben. Kinder müssen übrigens bis zum 8. Geburtstag auf dem Gehweg fahren, zwischen 8 und 9 Jahren dürfen sie es auch noch, ab 10 Jahren allerdings nicht mehr.

Empfehlungen für Kinderfahrradgrößen

Die richtige Größe hat ein Fahrrad, wenn das Kind aufrecht sitzend den Lenker bedienen und auf dem Sattel sitzend mit beiden Beinen bequem auf dem Boden stehen kann. So können Kids besonders am Anfang das Radfahren sicher üben.

Auch die richtige Reifengröße des Fahrrads sollte vor dem Kauf immer bedacht werden. Sie sollte sich stets an der Körpergröße des Kindes orientieren. Ab dem Alter von drei Jahren und einer Körpergröße von rund 90 Zentimetern kommt zum Beispiel ein Fahrradmodell mit 12-Zoll-Reifen infrage. Wichtig: das Rad vor dem Kauf im Fachhandel ausprobieren.

Hinweis: Eltern sollten ihrem Kind kein zu großes Fahrrad kaufen, nur damit es über einen längeren Zeitraum genutzt werden kann. Für den Spaß am Fahrradfahren ist das kontraproduktiv, und das Kind kann so keine Sicherheit beim Radfahren gewinnen.

Checkliste vor dem Kauf:

  • Höhenverstellbarer Lenker und Sattel (damit das Rad mitwachsen kann)
  • Kindgerechte Rahmenergonomie: Kinder sollten mit der gesamten Fußfläche auf den Boden kommen.

Es gibt auch Fahrradlehrer. Wenn sie nicht WILL, würde ich sie auch nicht zwingen. Ich würde dann mit ihr durchsprechen, was die Konsequenzen sind, und dann würde ich ggf. Und natürlich würde ich ggf. ich wäre auch für pedalen ab und sitz so niedrig, dann die füße beide am boden sind und die knie angenehm viel angewinkelt sind.

Tabelle mit empfohlenen Fahrradgrößen

Alter Körpergröße (ca.) Reifengröße (Zoll)
3-5 Jahre 90-110 cm 12-16
5-8 Jahre 110-130 cm 16-20
Ab 8 Jahre Ab 130 cm 20+

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