Fahrrad Federgabel Wartung Anleitung: So bleibt Ihre MTB-Federgabel fit

Der Bereich Mountainbike-Suspension ist ein Mikrokosmos für sich und hat so viele Aspekte, dass man das Gefühl bekommt, ein Studium absolvieren zu müssen, um die Federelemente zu verstehen. Doch egal, welche Features oder außerirdischen Technologien in Deiner Gabel stecken - ob High End oder Holzklasse: Es ist ihre Kernaufgabe, Schläge bestmöglich herauszufiltern, um den Bodenkontakt nicht zu verlieren und möglichst wenig Stöße an den Menschen weiterzuleiten.

Beide Aspekte dienen dazu, die Kontrolle über das Rad zu behalten, um im schweren Gelände mit hohem Tempo fahren zu können. Gleichzeitig beugt eine feinfühlige Gabel vorzeitiger Ermüdung vor, so dass Du länger und schneller fahren kannst. Diesen Aufgaben kann sie aber nur gerecht werden, wenn die Reibung im Inneren möglichst gering ist, denn nur dann können die Räder schnell und präzise dem Untergrund folgen. Zuviel Reibung erzeugt Trägheit im System.

Die Stöße werden mehr und mehr an die Fahrerin oder den Fahrer durchgereicht und bei mangelnder Pflege wird aus dem smoothen Fahrwerk langsam, aber sicher ein bockiges Rodeo-Pferd mit der Mission, Dich abzuwerfen. Um das zu vermeiden und um die Performance Deiner Gabel immer auf bestmöglichem Level zu halten, ist das wichtigste der regelmäßige sogenannte "kleine Service" oder auch "lower leg service" sowie der Service der Luftkammer. Oft stellst Du den schleichenden Performance-Verlust erst dann fest, wenn die Gabel wieder frisch gewartet ist, und Du spürst, wie feinfühlig sie wieder arbeitet.

Staub und Schmutz von den Trails kommt leicht in das Innere des Gabel-Castings. Anders herum kann auch etwas Schmieröl über die Staubabstreifer aus dem Inneren der Federgabel entweichen. So oder so: Die Funktion der Gabel nimmt von Fahrt zu Fahrt ab. Ein Service der kompletten Gabel ist deshalb aber noch nicht gleich nötig. Denn die modernen Dämpfungskartuschen haben kaum mehr Abrieb und damit auch nur einen sehr geringen Verschleiß. Außerdem ist der Ölkreislauf der Dämpfungskartusche vom zunehmend verschmutzten Schmieröl im Casting komplett getrennt.

Das Dämpfungsöl hält also deutlich länger als das Schmieröl. Die Praxis hat gezeigt: Eine Mountainbike-Gabel alle 50 Betriebsstunden einem großen Service zu unterziehen, wäre übertrieben. Wer dagegen das Schmieröl regelmäßig erneuert, kann sich länger über eine geschmeidig ansprechende Federgabel freuen. Der kleine Gabel-Service dauert für geübte Schrauber nur etwa 20 Minuten und lässt sich ohne Spezialwerkzeuge durchführen. In diesem Artikel erklären wir an einer Rockshox-Gabel, wie Sie Ihre MTB-Federgabel in wenigen Schritten warten und für die nächsten Ausfahrten wieder fitmachen.

Wartungsanleitung für eine RockShox MTB-Federgabel

Vorbereitungen

Für den kleinen Service muss die Gabel aus dem Rahmen ausgebaut werden. Dazu Laufrad und Bremse demontieren und die Vorbau- und Steuersatzschrauben lösen. Anschließend am besten das Rad aus dem Montageständer nehmen und ablegen. Für die Arbeiten wird die Gabel mit dem Gabelschaft in den Montageständer geklemmt. Zur Sicherheit die Luft aus der Gabel lassen.

Schritte zur Wartung

  1. Zugstufenknopf entfernen: Bei Rockshox-Gabeln steckt das rote Zugstufenstellrad unten im rechten Gabelholm (aus Fahrersicht). Kräftig am Stellrad ziehen und das Bauteil auf der Werkbank ablegen. Bei Fox-Gabeln oder älteren Rockshox-Modellen ist das Stellrad der Zugstufe zusätzlich zur Steckverbindung mit einer kleinen Schraube seitlich oder mittig am Zugstufenknopf gesichert.
  2. Schrauben lockern: Anschließend lockern Sie die Schrauben an der Unterseite der beiden Gabelholme um drei bis vier Umdrehungen. Bei unserer Rockshox Sid benötigen Sie dazu einen 5er-Inbus. Bei Fox-Gabeln oder älteren Rockshox-Modellen braucht man dafür eine 10er-Nuss und eine kleine Ratsche. ACHTUNG: Die Schrauben nur wenige Umdrehungen lockern, nicht komplett herausdrehen.
  3. Verpressung lösen: Die Kolbenstange der Kartusche und der Luftschaft sind mit dem Casting verpresst. Um die Gabel zu zerlegen, müssen Sie die Verpressung lösen. Dazu das Werkzeug, mit dem Sie eben die Schrauben am unteren Gabelende gelockert haben, in die Schraube stecken und leicht mit dem Gummihammer auf das Werkzeug schlagen. Am besten dabei am Gabel-Casting gegenhalten.
  4. Casting abziehen: Die Verpressung muss auf beiden Seiten der Federgabel, wie in Schritt 4 beschrieben, aufgeklopft werden. Danach die Schrauben am unteren Ende der Federgabel komplett herausdrehen und beiseite legen. Die Federgabel waagerecht stellen und das Casting vorsichtig abziehen. Wenn dazu viel Kraft nötig ist, ist die Verpressung noch nicht vollständig gelöst.
  5. Öl auslaufen lassen: Stellen Sie das Gabel-Casting senkrecht über einen Behälter und lassen Sie das Öl aus den Öffnungen der Gabel laufen. Achtung: Altöl muss separat entsorgt werden! Am oberen Ende des Gabel-Castings liegen hinter den Staubabstreifern in Öl getränkte Schaumstoffringe. Diese vorsichtig mit der Hand oder einem kleinen, spitzen Werkzeug aus der Vertiefung entnehmen.
  6. Optional - Abstreifer entnehmen: Wer will, kann auch die Gummiabstreifer mit einem Reifenheber oder Maulschlüssel vorsichtig aus dem Casting hebeln. In den meisten Fällen ist das aber überflüssig, weil die Abstreifer oft nicht verschlissen sind. Zudem brauchen Sie zum Einbau neuer Abstreifer ein Spezialwerkzeug. Allein mit Hammer und Nuss lassen sich die Abstreifer meist nicht gerade einklopfen.
  7. Casting reinigen: Ist das Öl komplett abgelaufen, können Sie das Casting mit Isopropyl-Alkohol reinigen. ACHTUNG: keinen Bremsenreiniger verwenden. Dieser hinterlässt Rückstände, die schädlich für die Beschichtungen der Gabel sind. Das Innere des Castings und die beschichteten Standrohre zusätzlich vorsichtig mit einem Tuch auswischen und vor dem nächsten Arbeitsschritt trocknen.
  8. Neue Schaumstoffringe tränken: Die entnommenen Schaumstoffringe können nach einer Reinigung mit einem Tuch wiederverwendet werden. Bei starker Verformung empfehlen wir neue Schaumstoffringe im Schmieröl der Gabel zu tränken. Anschließend die getränkten Schaumstoffringe wieder unterhalb des Gummiabstreifers in die vorgesehene Aussparung im Casting einlegen.
  9. Staubabstreifer fetten: Sind die Staubabstreifer gereinigt, werden die Flächen, die mit den Standrohren in Kontakt kommen, mit Spezialfett eingefettet. Rockshox verwendet hierfür Sram-Butter, Fox empfiehlt das RSP-Slick-Kick-Gabelfett. VORSICHT: Unbedingt eines der Spezialfette verwenden und NICHT auf herkömmliches Fett, das für Steuersatz oder Tretlager verwendet wird, zurückgreifen.
  10. Tauch- und Standrohre zusammenführen: Schieben Sie das Casting mit den getränkten Schaumstoffringen wieder über die Standrohre. Achten Sie darauf, dass beide Staubabstreifer beim Zusammenstecken der Bauteile nicht einklappen. Die Gabel noch nicht ganz zusammenschieben. Vergessen Sie nicht, den Gummiring für die Sag-Anzeige aufzusetzen, und schieben Sie das Casting richtig herum auf die Standrohre.
  11. Öl abmessen: Fox und Rockshox bieten spezielle Schmieröle für ihre MTB-Federgabeln an. Sie können aber auch auf Anbieter wie Motorex zurückgreifen. Wichtig ist, dass das Öl die richtige Viskosität hat. Rockshox-Gabeln benötigen 0W30-Öl. Fox-Gabeln sollten mit dem hauseigenen 20WT-Gold-Öl befüllt werden. Die genauen Füllmengen für das Schmieröl finden Sie in der jeweiligen Bedienungsanleitung.
  12. Schmieröl ins Unterteil drücken: Unsere Rockshox SID-Gabel braucht sowohl im linken, als auch im rechten Gabelbein nur fünf Milliliter 0W30-Schmieröl. Die richtige Menge mit einer Spritze abmessen und in die geöffneten Löcher des Gabel-Castings einfüllen. Drehen Sie hierfür den Gabelschaft schräg nach unten, damit das Schmieröl nicht mehr auslaufen kann. Danach die Gabel komplett zusammenschieben.
  13. Stand- und Tauchrohre verschrauben: Ist die Gabel komplett zusammengeschoben, sind die Gewinde von Luftschaft und Kolbenstange in den Öffnungen des Gabel-Castings sichtbar. Dann die entnommenen Inbus-Schrauben wieder verbauen. ACHTUNG: Die rote Schraube muss auf der Dämpfungsseite (aus Fahrerperspektive rechts) verbaut werden. Rockshox gibt ein Anzugsmoment von lediglich 6,8 Nm vor.
  14. Zugstufenknopf aufstecken: Jetzt das Zugstufenstellrad wieder verbauen. Dazu einfach das entnommene Bauteil fest in die dafür vorgesehene Öffnung pressen. Bei Fox-Federgabeln oder älteren Rockshox-Gabeln das Stellrad mit der kleinen Madenschraube wieder auf dem entsprechenden Metallstift klemmen. Wer aus Sicherheitsgründen Luft abgelassen hat, kann die Gabel jetzt wieder aufpumpen.
  15. Gabel einbauen: Damit keine Ölrückstände auf die Bremse gelangen, reinigen Sie die Gabel mit einem Tuch. Dann können Sie sie wieder im Rahmen verbauen.

Zusätzliche Tipps und Informationen

Wann ist ein großer Federgabel-Service nötig?

Beim kleinen Gabel-Service tauscht man lediglich das Schmieröl der Gabel aus. Beim großen Service werden zusätzlich alle Dichtungen in der Lufteinheit ersetzt und neu geschmiert. Das Öl in der abgeschlossenen Dämpfungskartusche und der Dichtungskopf der Dämpfung werden ausgetauscht. Außerdem werden, wie beim kleinen Service, das Schmieröl, die Staubdichtungen und die Schaumstoffringe gewechselt. Die Standrohre werden gereinigt und von alten Fettresten befreit.

Wie merkt man, dass ein Mountainbike-Fahrwerk in die Werkstatt muss?

Luftverlust, schlechtes Ansprechverhalten (kleiner Service) oder „Schlürf“-Geräusche beim Federn sind sichere Anzeichen dafür, dass sich ein Service lohnt.

Regelmäßige Pflege der Federgabel

So sehr die regelmäßige Pflege der Kette für viele Radfahrer:innen eine Selbstverständlichkeit ist, so sehr vernachlässigen sie ihre Federelemente. Dabei ist deren Pflege noch viel einfacher zu bewerkstelligen. Bei nahezu allen Federelementen auf dem Fahrradmarkt bewegen sich Gleitflächen zueinander. Am augenfälligsten ist das bei einer Federgabel, deren Tauchrohre über die Standrohre gleiten und so Fahrbahnunebenheiten ausgleichen.

"Dreck auf den Gleitflächen erhöht die Reibung des Materials und verschlechtert die Funktion", erklärt Carsten Wollenhaupt, Fahrwerks-Experte beim Federungsspezialisten Rock Shox, wo er unter anderem für den Service der Profi-Bikes verantwortlich ist. "Grobe und anhaftende Verschmutzung kann sogar die Dichtungen beschädigen, die das Innenleben der Federung schützen", so Wollenhaupt weiter. Die einfachste Maßnahme ist, regelmäßig die Gleitflächen der Federung mit lauwarmem Wasser und einem weichen, fusselfreien Tuch zu reinigen.

Gerade wer sein Rad auch im Winter nutzt oder an der Küste wohnt, sollte das regelmäßig tun, denn Salz greift die Gleitflächen extrem an. Für hartnäckigere Verschmutzungen empfehlen sich spezielle Reinigungsmittel, die es im Fahrradhandel zu kaufen gibt. Diese Reiniger sind lösungsmittelfrei und beschädigen also weder Dichtungen noch Beschichtungen.

Finger weg vom Kriechöl

Aus demselben Grund rät Wollenhaupt dringend davon ab, das bei Radfahrenden für seine Vielseitigkeit geschätzte Kriechöl zur Reinigung und Schmierung der Federelemente zu verwenden. "Kriechöle können nicht nur Dichtungen beschädigen, sie sind so dünnflüssig, dass sie diese sogar unterwandern und Schmutz von außen in das Innere der Federung tragen, dort schützende Fettpackungen auflösen und sich mit dem eigentlichen Gabel- oder Dämpferöl vermischen", warnt der Fahrradtechniker.

Hochwertige Federelemente sind grundsätzlich so konstruiert, dass sie sich selbst schmieren. Ein geringer Ölfilm auf den Gleitflächen ist also normal und, anders als beim Auto, kein Grund zur Sorge. Trotzdem ist es nach einer Reinigung mit Reinigungsmitteln oder bei schwierigen Einsatzbedingungen (Staub, Streusalz, Schneematsch, usw.) sinnvoll, der Schmierung unter die Arme zu greifen und so die Gleitflächen und Dichtungen zu schonen.

Finger weg vom Fett

Zähe Fette sind dazu jedoch genauso wenig geeignet wie kriechende Öle. Die beste Lösung sind die Originalöle der Federungshersteller: "So ist eine optimale Funktion garantiert und negative Effekte durch die Vermischung unterschiedlicher Schmierstoffe ausgeschlossen", erklärt Wollenhaupt. Welches Öl für welches Modell das richtige ist, verrät ein kurzer Blick in die Bedienungsanleitung. Ist der richtige Schmierstoff gefunden, trägt man ein paar Tropfen rund um die Dichtungen auf, komprimiert die Federelemente ein paar Mal und wischt anschließend das überschüssige Öl ab.

Wie immer im Umgang mit Schmiermitteln sollte man bei beiden Varianten übrigens darauf achten, das Öl von den Bremsen fernzuhalten. Mit verölten Bremsbelägen, ‑flanken oder ‑scheiben sind selbst die besten Stopper der Welt machtlos.

Wartungsintervalle beachten

Selbst die beste Pflege ändert nichts daran, dass auch Federelemente irgendwann zum Service müssen. Rock Shox etwa empfiehlt für Mountainbikes einen kompletten Service mit Öl- und Dichtungswechsel alle einhundert Netto-Betriebsstunden. Für den Durchschnittsnutzer heißt das wahrscheinlich ungefähr einmal im Jahr. "Wer im Rennbetrieb Sekunden zählt, reagiert naturgemäß empfindlicher auf ein verändertes Federverhalten als der Stadtpendler, der aus Komfortgründen auf eine Federung setzt", erklärt Philipp Martin vom baskischen Mountainbike- und Fahrradhersteller Orbea. Trotzdem zahlt sich regelmäßige Wartung auch für Alltagsfahrer:innen durch bessere Funktion und höhere Lebensdauer aus.

Wann genau die fällig ist, verrät wieder die Bedienungsanleitung. Der Weg zum Service führt dabei in der Regel über den Fachhandel. Versierte Schrauber:innen, die selbst Hand anlegen wollen, sollten vor dem Griff ins Werkzeugregal unbedingt die Bedienungsanleitung konsultieren. Bei manchen Anbietern zieht die Eigeninitiative den sofortigen Garantieverlust nach sich. Wie es anders geht, zeigt Rock Shox. Der Hersteller veröffentlicht Schritt-für-Schritt-Anleitungen mit Explosionszeichnungen und detaillierten Auflistungen der benötigten Werkzeuge, Ersatzteile, Flüssigkeiten usw. und ermutigt seine Kund:innen damit explizit, sich mit der Technik vertraut zu machen. Angst, dass die Kunden etwas kaputt machen, hat Rock Shox dabei keine, wie Wollenhaupt bestätigt: "Unsere Kundschaft besteht nicht nur aus ambitionierte Biker:innen, sondern auch erfahrenen Schrauber:innen und Technikfans. Die Anleitungen sind so detailliert, dass sie zudem direkt signalisieren, wann nur noch Profis weitermachen sollten."

Anbieter für den großen Federgabel-Service

Anbieter Preis großer Gabel-Service (Stand: Februar 2023) Preis großer Dämpfer-Service (Stand: Februar 2023)
Anyrace ab 145 Euro ab 129 Euro
Dämpferklinik ab 110 Euro ab 100 Euro
Flat Out Suspension ab 115 Euro ab 125 Euro
Flowfactory ab jeweils 129 Euro ab jeweils 129 Euro
Fox Servicecenter 144 Euro 122 Euro
Klausmann Suspension-Service ab 135 Euro ab 129 Euro
MRC Trading ab jeweils 129 Euro ab jeweils 129 Euro
Rockshox Servicecenter jeweils ca. jeweils ca.

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