Fahrrad Griffe MTB Test: Komfort und Kontrolle im Fokus

Die Sonne lacht vom Himmel, der Radweg verläuft in weichen Bögen, doch taube Finger und ein leichter Schmerz im Handgelenk trüben die Freude? Viele Radfahrer kennen Kribbeln und Taubheitsgefühle in den Fingern oder Handgelenksschmerzen. Hochwertige Griffe sind schnell gekauft, zügig montiert und versprechen meist eine schnelle und effektive Besserung.

Beim Radfahren gibt es drei Kontaktpunkte vom Menschen zur Maschine, wobei neben den Pedalen und dem Sattel die Griffe einen großen Anteil am Wohlfühlfaktor haben. Unsere Arme leiten je nach Sitzposition bis zu 25 Prozent unseres Körpergewichtes über die Hände auf die Griffe ab. Von dort aus finden sämtliche Übermittlungen der Schalt-, Brems- und Lenkimpulse statt. Stimmen im Zusammenspiel von Sitzposition, Griff- und Lenkerform, ergonomischen Gegebenheiten und persönlichen Vorlieben ein oder mehrere Parameter nicht, führt das schnell zu Druckspitzen, Überlastungen und Fehlstellungen.

Ursachen von Handproblemen beim Radfahren

Für Probleme im kleinen und Ringfinger ist der Ulnar-Nerv die Ursache, der an der Außenseite der Hand verläuft. Bekommt etwa der Handballen zu viel Druck an der falschen Stelle ab, können diese Bereiche gequetscht werden. Eine Lösung ist, den Druck an dieser Stelle über eine große Fläche abzuleiten. Treten indessen Probleme in Daumen, Zeige- und Mittelfinger auf, liegt der Grund im Karpaltunnel. Er ist ein schmales Nadelöhr im Handgelenk, das sich Sehnen, Blutgefäße und Nerven teilen. Wird dieser Durchgang durch erhöhten Druck oder ein abgeknicktes Handgelenk verengt, kommt es schnell zu Kribbeln oder einschlafenden Händen.

Treten auf Tour Probleme auf, kann das regelmäßige Ausschütteln der Hände für eine kurzfristige Abhilfe sorgen. Sind Lenkerhörnchen vorhanden oder ist ein Multifunktionslenker mit mehreren Greifvarianten verbaut, lässt sich unterwegs einfach und schnell umgreifen. Der Positionswechsel sorgt für Linderung, weil sich die Druckverteilung und Belastung verschiebt. Zusätzlich aktiviert das kräftige Greifen an Hörnern bestimmte Muskeln, wodurch die Durchblutung mobilisiert wird. Wer einen verstellbaren Vorbau am Rad hat, kann den Lenker höherstellen.

Griffe mit Flossen: Aktive Unterstützung für die Hand

Aktive Unterstützung erfährt die Hand durch Flossengriffe. Ihr charakteristischer Namen kommt durch die nach hinten herausragende Auflagefläche, die wie eine Flosse aussieht und den Druck in der Hand breiter verteilt und effektiver ableitet. Zusätzlich wird das Handgelenk unterstützt und der Karpaltunnel geschont. Druckempfindliche Nerven und sensible Blutgefäße werden entlastet und die unangenehmen Symptome reduziert oder gleich ganz verhindert. Die bessere Abstützung hat einen weiteren Vorteil: Die Haltearbeit von Hand und Arm wird verringert, was Kraft spart und den Komfort auf längeren Touren steigert.

Damit Flossengriffe ihre Aufgaben verlässlich leisten können, sind sie meist gleich aufgebaut: Ein harter Kern gibt dem Griff Struktur, eine dort aufgesetzte Klemmung Schutz vor Verdrehen und den nötigen Halt auf dem Lenker. Weicheres Material auf der Oberfläche sorgt für gute Dämpfung und einen sicheren Griff. Die Kunst im Bereich der Flosse besteht darin, der Hand bestmöglichen Support bei gleichzeitig effektiver Dämpfung zu verleihen.

Die Wahl des richtigen Griffs

Damit ein Griff optimal zu Ihnen passt, gibt es einige Punkte zu beachten. So fällt der Blick als erstes auf die Schalthebel. Bei Kettenschaltungen finden sich meist Shimano Rapidfire- und Sram Trigger-Schalthebel, die mit Daumen und Zeigefinger betätigt und außerhalb des Griffes montiert werden. Dafür sind zwei gleich lange Griffe nötigt. Ist eine Nabenschaltung, etwa von Pinion, Rohloff oder Shimano verbaut, so befindet sich auf der rechten Seite ein Drehgriff. Hier wird ein kürzerer Griff verbaut. Selten zu finden sind zwei Drehgriff-Schalthebel für Kettenschaltungen, die auf zwei kurze Griffe setzen.

Der zweite Schritt ist die passende Form zu finden. Sportler wählen kompakte Modelle mit kleiner Flosse, weil diese eine aktive Fahrweise unterstützt. Die Hand kann besser um den Griff rotieren, was vor allem im MTB-Bereich Vorteile bringt. Alltags- und Tourenradfahrer profitieren von einer größeren Flosse durch die bessere Druckableitung und Unterstützung. Zudem steht der generelle Komfort im Vordergrund. Die Größe des Griffes sollte sich an der Handgröße orientieren. Personen mit kleinen Händen greifen zu kleinen, Personen mit großen Händen zu großen Griffen. Je nach persönlicher Vorliebe sollte man aber nicht zwingend daran festhalten, weil individuelle Präferenzen durchaus anders ausfallen können.

Wer nicht weiß, was er will, sollte von einem Online-Kauf absehen. Der erste Anlaufpunkt ist daher der fachkundige Händler vor Ort. Er kann mit seiner Expertise bei der Suche nach dem individuell besten Griff beratend zur Seite stehen. Wer zudem die Möglichkeit bekommt, Testgriffe Probe zu fahren, sollte diesen Service annehmen! So kann man in der gewohnten Alltags- und Tourenumgebung schnell herausfinden, ob der Griff zu einem passt.

Bestehen trotz hochwertiger Griffe Handprobleme, sollte man einen Radfitting-Spezialisten aufsuchen. Dieser betrachtet das Gesamtsystem aus Fahrer, Rad und Einzelkomponenten und kann die Problemstellen zügig erkennen. Etwa, wenn Sitzposition, Lenkerform und Einsatzbereich nicht zusammenpassen. Bei Bedarf kann das Rad angepasst und Probe gefahren werden.

Testkriterien für Fahrradgriffe

Damit Sie den bestmöglichen Überblick erhalten, werden die Griffe nach Eingang gewogen, vermessen und die Eckdaten wie Form, Material, Klemmung, Oberflächen, Materialien und Verarbeitung überprüft. Anschließend wandern sie ins Fotostudio und dann auf die Testräder. Dort werden sie von kleinen wie großen Händen, Frauen wie Männern sowie ohne und mit Handschuhen im Alltag, einer längeren Tour und im Sporteinsatz gefahren und anschließend bewertet. In einer Sitzung werden alle Werte diskutiert und die Endergebnisse zusammengefasst.

Weil die jeweiligen Überpunkte unterschiedliche Relevanz haben, werden Druckverteilung und Greifkomfort je 30, der Dämpfung 20, der Kontrolle 10 und der Verarbeitung sowie dem Gewicht je 5 Prozent zugewiesen. Bei der Druckverteilung werden alle Griffe mit einer Messfolie im Labor untersucht. Dazu sitzt ein Proband auf einem Ergometer, welches eine durchschnittliche Trekkingrad-Sitzposition samt dazu passendem Lenker bietet. Die gemessenen Daten lassen eine direkte Vergleichbarkeit bezüglich Druck-Spitzen, -Mittelwert, -Verteilung und Auffälligkeiten zu.

In der Praxis spielt der Greifkomfort die größte Rolle. Hierbei achten wir auf die Unterstützung der Hand, die Stützbreite, den Durchmesser, die Oberflächen, die Haptik der eingesetzten Materialien, homogene Übergänge von und zur Flosse sowie die Einbindung der Klemmstellen. Aber auch störende Kanten, kalte Aluminiumoberflächen und hervorstehende Schrauben werden notiert. Da die Unterschiede ohne oder mit Handschuhen durchaus gravierend ausfallen, erfolgt die Bewertung ohne Handschuhe. Die Dämpfungscharakteristik ist wichtig, weil damit Komfort und Ermüdungserscheinungen einhergehen. Wird viel und gut dämpfendes Material an den richtigen Stellen eingesetzt, werden Vibrationen und Schläge effektiv verringert.

Mit Blick auf die Kontrolle achten wir auf eine gute Struktur und griffige Oberfläche. Aber auch die Erreichbarkeit von Brems- und Schalthebeln, ohne an Kanten, Schrauben oder Griffenden zu streifen, ist wichtig. Weiterhin spielen eine gute Hinterschneidung der Flosse auf der Unterseite, das Verhalten bei Nässe sowie das Feedback vom Rad eine Rolle. Bei der Verarbeitung betrachten wir die Wahl, Platzierung von Material, überstehende Kanten und Fertigungsrückstände, die Oberflächenbeschaffenheit, Übergänge verschiedener Bereiche sowie die optische Note.

Da oft ohne Handschuhe gefahren wird, sollte auf Weichmacher, krebserregende Stoffe und Allergene verzichtet werden. Ein Feature besonders wichtig: Die Schraubklemmung steht für eine dauerhaft sichere Montage selbst bei Nässe und unterschiedlichsten Temperaturen. Sie stellt auch sicher, dass sich die Flossenform nicht verdreht und somit immer den optimalen Support bietet. Auch ist der Griff sofort einsatzbereit, weil ein Auslüften von Montagehilfsmitteln entfällt.

Bei den Klemmschellen gibt es verschiedene Varianten: Eine innen- und außenliegende Doppelklemmung ist redundant und damit besonders sicher. Eine innenseitige Montage klemmt im oft verstärkten Lenkerbereich der Armaturen und wird von 16 Herstellern eingesetzt. Mit Blick auf die Schraubenköpfe sind 4- und 5-Millimeter-Inbus zu bevorzugen, weil sich diese weniger schnell runddrehen als kleinere Ausführungen. Pluspunkte gibt es für auf dem Griff angebrachte Drehmomente. Eine Angabe zur Griffseite oder eine Ausrichtungshilfe bieten nur wenige Hersteller. Weitere gute Details sind die Nachrüstbarkeit oder Integrationsmöglichkeit von Hörnchen, Klingeln, Spiegeln oder Werkzeug.

MTB-Griffe im Test: Race, Trail & Ergo

Damit Ihnen schmerzende Hände auf der Tour erspart bleiben, haben wir 20 MTB-Griffe in drei Kategorien - Race, Trail und Ergo - im Test miteinander verglichen. Dazu haben wir nicht nur die Shore-Härte gemessen, also den Härtegrad des Gummis, sondern alle Griffe ausgiebig in der Praxis auf Griffigkeit und Komfort hin untersucht. Bei den ergonomischen MTB-Griffen haben wir zusätzlich die Druckverteilung mit Hilfe einer Druckmessfolie ermittelt.

Je ergonomischer ein Griff geformt sei, desto wichtiger sei die richtige Positionierung, erklärt der Experte. Sitzt die unterstützende Fläche an der falschen Stelle, bewirkt sie im schlechtesten Fall genau das Gegenteil, und es entstehen neue Druckstellen. Mit dieser zylindrischen Bauweise komme eigentlich jeder gut zurecht, weiß Schumacher. Und wer keine Probleme mit tauben Fingern oder stechenden Handballen hat, der kann auch ruhig einen klassischen, runden Griff wählen. Aber Vorsicht: Damit aus dem neuen Griff wirklich eine runde Sache wird, muss die Dicke zur Handgröße passen. Nur dann lässt sich der Lenker auch schmerzfrei und mit wenig Kraftaufwand greifen.

Die meisten Griffe sind nicht einfach rund und glatt, sondern verfügen über eine Art Struktur. Besonders das Waffel-Design an der Unterseite, wie man es bei Lizard Skins, Odi oder DMR findet, gibt den Fingern guten Halt in der Abfahrt und beim Klettern. Lamellen oder erhabene Strukturen an der Oberseite helfen, Stöße besser zu absorbieren.

Um Gewicht zu sparen, kommen Race-Griffe meist ohne Klemmung. Das erschwert die Montage. Sprüht man den Griff zuvor mit alkoholischen Lösungen wie Glasreiniger ein, lässt er sich leicht auf den Lenker schieben. Der Alkohol ist schnell verdampft, und der Griff sitzt bombenfest. Bremsenreiniger ist hier weniger zu empfehlen, weil er aggressiv ist und die Oberflächen angreifen kann. Spüli-Wasser hinterlässt oft einen rutschigen Schmierfilm am Lenker, und reines Wasser oder Spucke trocknet nur langsam zwischen Lenker und Griff ab. Runter geht’s am besten, wenn man mit einer Spritze etwas Wasser zwischen Griff und Lenker verteilt. Dann kräftig drehen und ziehen.

Die meisten aktuellen Griffe werden an der Lenkerinnenseite geklemmt. Das erweitert nicht nur die Griff-Fläche nach außen, sondern verhindert auch Druckstellen am harten Klemmring. Somit ist ein „Übergreifen“ des Griffes möglich. 3-mm-Inbus-Schrauben sind inzwischen Standard, die drehen weniger schnell aus als die früheren 2er- oder 2,5er-Inbus-Schrauben. Beim Festziehen sollte man das angegebene Drehmoment von meist 2 bis 3 Nm nicht überschreiten, vor allem Carbon-Lenker reagieren empfindlich auf zu hohe Klemmkräfte.

Die Dicke des Griffs sollte analog zur Handgröße gewählt werden. Ist der Griff zu dick, braucht man mehr Kraft, um den Lenker festzuhalten, die Hände ermüden schneller. Ist der Griff zu dünn, stoßen die Finger an die Handballen, und man kann den Lenker nicht mehr sicher umgreifen. Ein dicker Griff verfügt in der Regel auch über mehr Gummi und kann so Stöße besser dämpfen als ein dünnes Exemplar, das dafür ein direkteres Griffgefühl vermittelt.

Alle Ergo-Griffe haben eins gemeinsam: Sie versuchen, über Dellen, Ecken oder Abflachungen, den Händen mehr Halt und eine größere Auflagefläche zu bieten. So verteilt sich der Druck besser am Lenker, was Schmerzen verhindern kann. SQlab treibt das Ganze mit seinem 711er-Griff auf die Spitze. Aber auch Ergon und Ritchey schaffen es, den Druck auf die Hände zu reduzieren.

Ein Griff mit sogenanntem Flügel mindert den Druck noch weiter und verhindert, dass die Handgelenke abknicken und Nerven geklemmt werden.

MTB-Griff-Empfehlungen

Für Biker, die es auf Rumpel-Trails regelmäßig scheppern lassen, kann sich die Anschaffung der Rev Grips lohnen. Hat man sich einmal an die Rotationswirkung der Griffe gewöhnt, schonen sie Hände und Arme vor ermüdenden Stößen. Vor allem an Bikes mit straffen Fahrwerken, die regelmäßig auf ruppigen Pisten unterwegs sind, bringen die weichen Griffe dem Körper etwas Entspannung. Auf Touren in gemäßigtem Gelände ist der Effekt zu schwach. Auch für Jib-Biker sind die Rev Grips nicht die richtigen Griffe.

Fest steht: Ein guter Griff unterstützt die Hand und beugt Problemen vor. Der Test zeigt eindrucksvoll, dass im Detail große Unterschiede bestehen, die in der Praxis über „top“ oder „Flop“ entscheiden.

Tabelle: Ausgewählte MTB-Griffe im Vergleich

Griffmodell Besonderheiten
Ritchey WCS Trail Doppelklemmung, guter Grip
Spank Spike Grip 33 Breit, Supergrip
SQLab Griff 70X Sehr guter Grip, klebt fast an den Händen
Ergon GA3 Flügelform, guter Grip, ideal für lange Touren
Ergon GP3 Barends unabhängig verstellbar, sehr komfortabel
RaceFace Chester Leicht konisch, gute Dämpfung

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