Kettenschlösser sind bei vielen Fahrradfahrern sehr beliebt. Äußerlich könnten sie mit Kabelschlössern verwechselt werden, da auch Kettenschlösser meist einen Kunststoffmantel besitzen. Es gibt sie in unterschiedlichen Längen, und durch die vielen Glieder sind sie flexibel genug, damit man immer irgendwas findet, woran man sein Fahrrad anschließen kann.
In unserem Test haben wir über 42 Kettenschlösser mit Seitenschneider, Stahlsäge, Bolzenschneider und Winkelschleifer malträtiert. 34 sind davon derzeit noch erhältlich. Fahrradschlösser, die innerhalb dieser Zeit nicht zu knacken sind, gelten als sicher. Gänzlich unknackbare Kettenschlösser sind fürs Fahrrad in der Regel zu schwer, leichte dagegen problemlos zu öffnen.
Im Test zeigte sich: Leichte Kettenschlösser sind schnell durchtrennt und sichere sind fürs Fahrrad viel zu schwer - zumindest, um sie täglich am Rad zu befestigen und mitzunehmen. Wer sein Fahrrad jedoch dauerhaft parken möchte, etwa im Fahrradkeller, der will vielleicht ein extra sicheres Fahrradschloss für zu Hause. Tatsächlich schlagen sich sogar einige wenige leichtere Modelle in unserem Test nicht schlecht und werden auch durch ihren teils niedrigen Preis für den Alltag attraktiv.
Testsieger und Empfehlungen
Wir stellen in der unten folgenden Tabelle eine Auswahl an Schlössern vor, die mit „sehr gut“, „gut“ oder „befriedigend“ abgeschnitten haben.
AXA Linq
Bei den Kettenschlössern belegt aktuell das AXA Linq den 1. Platz, da wir das Schloss nicht mit dem Bolzenschneider öffnen konnten und es ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis aufweist.
Axa Linq Kettenschloss Bewertung Fahrradmagazin.net: „Sehr gut“ mit 4,6 von 5 Punkten
- Gewicht: ca. 2,6 kg
- Preis: ab 47,74 €
- Kettenglieder: 9,5 mm
- Besonderheit: top Aufbruchsicherheit
Abus Bordo Granit XPlus 6500
Bei den Faltschlössern belegt das Abus Bordo Granit XPlus 6500 den 1. Platz, da wir das Schloss nicht mit dem Bolzenschneider öffnen konnten und es eine hohe Flexibilität beim Abschließen aufweist.
Abus Bordo Granit XPlus 6500 Bewertung Fahrradmagazin.net: „Gut“ mit 3,9 von 5 Punkten
- Gewicht: ca. 1,572 kg
- Preis: ab 150,59 €
- Glieder: 5,5 mm starke Stäbe
- Besonderheit: mit Halterung
Abus Granit X-Plus 540
Bei den Bügelschlössern belegt das Abus Granit X-Plus 540 den 1. Platz, da wir dieses Schloss nicht mit dem Bolzenschneider öffnen konnten und zum Beispiel die Halterung den Transport einfach macht.
Abus Granit X-Plus 540 Bewertung Fahrradmagazin.net: „Gut“ mit 4 von 5 Punkten
- Gewicht: ca. 1,545 kg
- Preis: ab 84,99 €
- Glieder: 13 mm starker Bügel
- Besonderheit: leicht und dennoch robust
Impact FlexLock
Impact FlexLock Bewertung Fahrradmagazin.net: „Gut“ mit 3,6 von 5 Punkten
- Gewicht: ca. 1,254 g kg
- Preis: ab 59,95 €
- Glieder: 8 Stahlstäbe
Für welche Art Schloss man sich entscheidet, ist jedem selbst überlassen.
Spezielle Kettenschlösser im Detail
Hiplok Gold
Wer um Kettenschlösser einen Bogen macht, weil er ihren Transport umständlich findet, ist beim Hiplok Gold gut aufgehoben. Das Hiplok Gold ist ein interessantes Exemplar. Es soll zum Transport als Gürtel getragen werden können. Äußerlich erinnert das Hiplok Gold an einen Sicherheitsgurt im Auto. Der Textilmantel ist aus wasserabweisender, relativ harter Kunstfaser, wie man sie bei vielen Fahrradschlössern und eben den besagten Gurten sieht. Auch der Verschlussteil erinnert stark an einen Auto-Gurt. Er ist auch ähnlich groß.
Wie der Name es schon erahnen lässt, kann man sich das Schloss während der Fahrt elegant um die Hüfte legen. Anders als beim optischen Ebenbild wird das Hiplok Gold aber nicht verschlossen, indem man einen flachen Stecker in die Seite schiebt. Dieser hat einen Durchmesser von 12 Millimetern, die Kettenglieder kommen auf 10 Millimeter. Ein gewisses Gewicht bleibt dabei natürlich nicht aus. Bevor man sich aufs Fahrrad schwingt, kann man sich das Schloss namensgetreu um die Hüfte legen. Das klappt sehr gut und erhöht den Komfort merklich. Auf die Länge des Schlosses ist man dabei nicht begrenzt, die Gürtelbefestigung ist davon unabhängig und durch einfaches Festziehen bzw. Lockern in der Größe verstellbar.
Im Inneren befindet sich eine sehr stabile Kette aus äußerst hartem Stahl, gegen die wir mit unseren Werkzeugen nichts ausrichten konnten. Die Verarbeitung ist durchgehend auf sehr hohem Niveau. Es gibt keine Fransen, Schweißnähte, überstehende Teile oder hakende Schlüssel. Mit unseren Werkzeugen konnten wir überhaupt nichts erreichen - unser Testmuster sieht immer noch so gut wie nagelneu aus.
Die Kollegen der Stiftung Warentest (7/2017) haben das Hiplok Gold ebenfalls getestet und kamen zu einem eher ernüchternden Ergebnis von gerade einmal »befriedigend« sowie der Endnote 3,5. Das Problem war aber nicht fehlende Aufbruchssicherheit - diese wurde mit einer Note von 1,7 als »gut« bewertet. Zur Benotung der Handhabung sei allerdings gesagt, dass der Stiftung Warentest die Handhabung der meisten getesteten Fahrradschlösser nicht richtig gefiel und obendrein ein hohes Gewicht zusätzlich zu Abwertungen führte - was bei einem Kettenschloss für einen nennenswerten Widerstand aber nun einmal unverzichtbar ist.
Da wir in aller Regel keine Labortests durchführen, können wir die Schadstoffbelastung selbst nicht beurteilen. Ähnlich sieht es mit der Haltbarkeit aus. Wir haben keine Korrosionsprüfung durchgeführt, dafür aber einen Langzeittest. Nach knapp einem Jahr Dauerstrapazen im Freien bei jedem Wind und Wetter fand sich an zwei Stellen des Schlosses Rost, und zwar am Verschlussbolzen und der äußeren Platte des Schlüssellochs.
Nach einer weiteren Schadstoffprüfung hat die Stiftung Warentest (05/2021) das Hiplok Gold später noch einmal weiter abgewertet. Als Grund geben die Kollegen an, dass in der Ummantelung der Weichmacher DEHP in einer Menge vorkam, die die EU-Grenzwerte überschreitet. In diesem Zug sank die Bewertung für Schadstoffe auf magere 5,4 (»mangelhaft«).
Für alle, denen das Hiplok Gold zu teuer ist oder die sich aufgrund der Testergebnisse der Stiftung Warentest unsicher sind, gibt es zum Glück eine große Auswahl von Konkurrenten am Markt.
Kohlburg Helsinki
Das Kohlburg Helsinki bringt rund zweieinhalb Kilo auf die Waage, es ist mit 120 Zentimeter aber auch angenehm lang. Leichtgepäck-Radlern könnte das Gewicht trotzdem zu viel sein. Da bei Kettenschlössern aber die Faustregel »Was nichts wiegt, taugt auch nichts« gilt, entschädigt die hohe Aufbruchsicherheit der Vierkantkette muskulöse Pedalisten für die Last.
Im Vergleich zum Abus Ivy 9100 ist das Kohlburg Helsinki ein richtiges Schnäppchen. Trotzdem steht das Helsinki dem Ivy in nichts nach: Die Verarbeitung ist auf Top-Niveau, die Handhabung einwandfrei, und aufbrechen konnten wir es auch nicht. Mit dem Helsinki hat Hersteller Kohlburg ein Kettenschloss im Angebot, das ganz oben mitspielt - vergleichbare Qualität kostet beim Konkurrenten Abus schnell das Doppelte. Auf 120 Zentimeter Länge reihen sich 8,5 Millimeter starke Vierkant-Glieder aneinander, bis eines der Enden in einem Verschlussteil mündet.
Im geschlossenen Zustand konnten wir keine offensichtliche Schwachstelle ausmachen, sondern nur die Kette selbst angreifen, gegen die unser Bolzenschneider aber keine Chance hatte. Der Stahl war zu hart, und nach unseren Attacken sah das Helsinki praktisch genauso aus wie davor. Wir nehmen an, am ehesten könnte man den Verschlussbolzen herausreißen, würde man stark genug an der Kette ziehen. Getestet haben wir das aber nicht, denn dazu müsste man gut motorisiert auf Diebestour gehen und würde obendrein Gefahr laufen, das Fahrrad dabei schwer zu beschädigen.
Angenehm ist aber nicht nur die Stabilität, auch an der Handhabung haben wir nichts auszusetzen. Natürlich handelt es sich um eine schwere und lange Kette, das ist aber auch schon der einzige Nachteil. Die Schlüssel haken nicht, der Verschluss klemmt nicht und das Verschlussglied versinkt nicht in seiner Ummantelung. Unterm Strich sind wir fast rundum zufrieden mit dem Kohlburg Helsinki.
Kohlburg Alcatraz
Wer noch mehr Widerstand möchte und sein Fahrrad immer wieder am selben Platz abstellt, kann noch eine Liga höher gehen und es dem Super-Schwergewicht Kohlburg Alcatraz anvertrauen. Außerdem haben wir mit dem Kohlburg Alcatraz eine noch schwerere Empfehlung, die sich aber nur zur stationären Sicherung eignet.
Das Alcatraz besteht zum größten Teil aus einer 140 Zentimeter langen, sehr dicken Kette aus gehärtetem Stahl. Ein Glied hat stolze 13 Millimeter Durchmesser - pro Seite. Eines der beiden Enden mündet in einem ebenso dicken Stahlring, durch den das andere Ende gezogen und dann durch den Verschlussteil gesichert wird, der für sich schon stabiler aussieht als sonst so manches komplettes Fahrradschloss. Er erinnert an ein Bügelschloss, ist aber kleiner.
Es mag kaum überraschen, dass wir mit unseren Werkzeugen überhaupt keine Chance hatten, das Alcatraz zu zerstören, zumal das Material so dick ist, dass wir den Bolzenschneider kaum noch ansetzen konnten. Kohlburg gibt dem Alcatraz in seiner hauseigenen Sicherheitsbewertung den Maximalwert und noch zusätzlich Zucker obendrauf - 10+ von 10 möglichen Punkten. Noch fettere Schlösser werden wir in naher Zukunft also wahrscheinlich nicht mehr sehen.
Eines sollte angesichts dieses gewaltigen Schlosses klar sein, Hersteller Kohlburg weist aber auch noch einmal explizit darauf hin: Das Alcatraz ist mit einem Gewicht von 6,4 Kilogramm viel zu schwer, um es beim Fahrradfahren mit sich herumzuschleppen. Es wäre auch zu groß. Stattdessen soll es dafür sorgen, dass das Fahrrad, einmal dort abgestellt, an einem festen Ort bleibt. Für diesen Zweck ist das Kohlburg Alcatraz dann aber auch perfekt geeignet. Hier muss allerdings jeder selbst entscheiden, ob er wirklich so ein Bollwerk benötigt, das hängt letztendlich von der Wohnsituation und dem individuellen Sicherheitsgefühl ab. Für die meisten Menschen reicht es eine Nummer kleiner.
Abus Steel-O-Chain 4804C Symbols
Das Abus Steel-O-Chain 4804C Symbols ist ein Kinderfahrradschloss und eine gute Alternative zu einem Kabelschloss. Es geht auf große Fahrt, und Abus bedenkt die Nutzer ihres ersten eigenen Fahrzeugs mit einem passenden Schloss - mit Symbolen statt Zahlen, denn die Fahrradfahrer, für die das 4804C Symbols gedacht ist, können mit einem Bagger oder einer Rakete mehr anfangen als mit Nummern. Das reduziert freilich die Anzahl möglicher Kombinationen, ein Problem sehen wir darin allerdings nicht. Immerhin bleiben immer noch über 500 Möglichkeiten übrig, und Kinderfahrradschlösser sind so einfach zu knacken, dass auch diese 500 noch mehr sind, als jemand tatsächlich durchprobieren würde - man kann das 4804C Symbols viel einfacher mit einem Bolzenschneider zerlegen, was in unserem Praxistest nur etwa 30 Sekunden dauerte, und das inklusive der Entfernung der Textilummantelung.
Mit dem Steel-O-Chain 4804C Symbols richtet sich Abus an die jüngsten aller Nachwuchs-Pedalisten: Vorschulkinder. Es ist zwar nicht unbezwingbar, punktet aber mit sauberer Verarbeitung, kindgerechter Gestaltung und einfacher Handhabung. Gut gefallen haben uns das klare Feedback der Zahlenwalzen und die hohe allgemeine Material- und Verarbeitungsqualität. Das Textil, das die Vierkantkette umspannt, ist Abus-typisch aus einer robusten Kunstfaser gefertigt.
Litelok Core Plus
Das Core Plus ist eine wilde Mischung, aber gefällt uns gerade deswegen sehr gut. Das Litelok Core Plus ist ein Hybrid-Schloss. Es verbindet Aspekte von Ketten-, Kabel- und Bügelschlössern und hätte wohl genauso gut (oder schlecht) in eine der anderen Kategorien gepasst. Für uns passt es nur am besten in diese Kategorie, was uns auch der Hersteller auf Anfrage bestätigte. Wir hätten es jedoch auch bei Bügelschlössern oder Kabelschlössern parken können, denn das Litelok vereint Stärken und Schwächen aller Schlossformen - mitunter hätte man es aufgrund seiner Haptik auch den Bügelschlössern zuordnen können.
Wichtig ist hier aber eher, was diese spezielle Bauweise bringt: hohe Bruchsicherheit bei vergleichsweise kleinem Gewicht. Dass wir das Litelok nur bedingt mit der hier aufgeführten Konkurrenz vergleichen können, liegt jedoch auch am aufgerufenen Preis. 170 Euro zahlt man in etwa für die 75-Zentimeter-Version. Der sehr präsente Schließmechanismus ist vergleichsweise dick und die Kette (oder das Kabel) sehr starr. Auch wenn das Schloss tatsächlich nur 1,9 Kilogramm und damit deutlich weniger als vergleichbar sichere Kettenschlösser wiegt, richtet sich die Gürteloption wohl wirklich nur an passionierte Rennradfahrer und (Halb-)Profis - auf den Weg ins Büro oder die Universität macht man sich mit diesem modischen Accessoire nicht.
Wenn wir hier ähnlich sicher sagen, dann meinen wir, dass wir dem Litelok mit unserem Bolzenschneider nichts anhaben konnten. Auch unsere übliche Strategie, den Mantel mit unserem Drahtschneider oder dem Cuttermesser zu entfernen, brachte hier keinen Erfolg. Keine Probleme hatte hingegen unsere Flex, die sich in rund 42 Sekunden einmal durch das Schloss gefressen hatte. Kein sonderlich guter Wert, vor allem da man für den gleichen Preis wesentlich bruchsicherere Schlösser bekommt, die auch gewichtstechnisch in einer ähnlichen Liga spielen oder sogar leichter sind. Die bereits angesprochene Starrheit entpuppt sich ebenfalls als Nachteil. Das Litelok Core Plus handhabt sich mehr wie ein Bügel- als wie ein Kettenschloss.
Weitere getestete Kettenschlösser
Einige weitere Kettenschlösser wurden ebenfalls getestet, wiesen jedoch Schwächen auf:
- Grifema GA1201-12: Geringe Widerstandskraft gegen Bolzenschneider.
- Mupas 705: Leicht mit Bolzenschneider aufzubrechen.
- Nextcover LockOne: Schwache Kettenglieder, schneller Aufbruch.
- Contec PowerLoc: Trotz solider Kettenglieder in unter drei Minuten zu knacken.
Die Wahl des richtigen Schlosses
Für ein gutes und qualitativ hochwertiges Fahrradschloss sollte Sicherheit an oberster Stelle stehen. Neben der Sicherheit sollte auch das Thema Gewicht und die Größe eine Rolle spielen. Ist das Fahrradschloss nicht fest mit dem Rahmen verbunden, sollte es nicht zu schwer sein. Es darf jedoch gleichzeitig nichts an Sicherheit einbüßen, nur um Gewicht einzusparen.
Neben dem sicheren Abschließen des Fahrrads ist es auch wichtig, dass die Schlösser einfach zu bedienen sind. Ebenfalls sollte es nicht zu schnell aufzubrechen sein und das Schloss darf auch beim Radfahren nicht stören, z. B. durch eine Überbreite oder dem Gewicht.
Gute Radschlösser sollten also:
- handlich und leicht
- sicher und stabil
- günstig und hochwertig sein
Jeder hat dabei andere Ansprüche für sich selbst und an das Fahrradschloss. Das passende Radschloss findet man über den Fahrradschloss Test. Hierbei werden verschiedene Fahrradschlösser mit unterschiedlichen Attributen verglichen.
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