Für den Transport schwerer Gegenstände ist nicht zwingend ein Auto erforderlich. Anhänger für Fahrräder sind umweltfreundlich, praktisch und halten viel aus. Der Selbstbau bietet die Möglichkeit, den Anhänger individuell an die Bedürfnisse und Wünsche anzupassen.
Warum einen Fahrrad Lastenanhänger selber bauen?
Es gibt mehrere Gründe, warum sich der Selbstbau eines Fahrradanhängers lohnen kann:
- Individuelle Anpassung: Beim Selbstbau kann der Anhänger genau auf die eigenen Bedürfnisse und Wünsche angepasst werden. Dies kann beispielsweise die Größe, die Beladungskapazität oder das Design betreffen.
- Kosten: Der Eigenbau eines Fahrradanhängers ist in der Regel günstiger als der Kauf eines vorgefertigten Anhängers. Besonders bei hochwertigen Anhängern mit vielen Extras kann der Selbstbau eine deutliche Kostenersparnis bringen.
- Erfahrung und Know-how: Der Selbstbau eines Fahrradanhängers bietet die Möglichkeit, handwerkliche Fähigkeiten zu erwerben oder zu vertiefen.
Materialbeschaffung und Kosten
Für den Eigenbau eines Fahrradanhängers werden in der Regel Materialien wie Holz, Stahl oder Aluminium benötigt. Auch Schrauben, Muttern, Räder und andere Kleinteile sind erforderlich. Das Material kann entweder im Baumarkt oder online beschafft werden.
Die Kosten für den Eigenbau eines Fahrradanhängers hängen von verschiedenen Faktoren ab, wie dem verwendeten Material, der Größe und dem Design des Anhängers. In der Regel kann mit Kosten zwischen 50 und 500 Euro gerechnet werden.
Ein Nutzer hat sich dazu entschieden, einen Fahrradanhänger selbst zu bauen, um Kosten zu sparen und den Anhänger an seine Bedürfnisse anpassen zu können. Insgesamt hat er etwa 200 Euro für das Material und die Werkzeuge ausgegeben. Das ist deutlich günstiger als der Kauf eines vorgefertigten Anhängers in einem ähnlichen Preissegment.
Anforderungen an das Zugfahrzeug
Anhänger und Ladung stellen für dein Fahrrad eine zusätzliche Belastung dar. Daraus ergeben sich höhere Anforderungen an einzelne Komponenten und das Fahrrad als Ganzes.
Gesetzliche Vorschriften für Lastenanhänger
Maßgeblich für die verkehrsrechtliche Einordnung eines Anhängers in Deutschland ist das Zugfahrzeug. Demnach gelten für Anhänger hinter E-Bike und S-Pedelec andere Vorschriften (Anhänger für Krafträder) als für Anhänger hinter Fahrrad und Pedelec. Weil der Anteil an echten E-Bikes und S-Pedelecs aber verschwindend gering ist, beschränken wir uns hier im weiteren Verlauf auf Anhänger für Fahrrad und Pedelec (per StVZO, § 61a dem Fahrradanhänger gleichgestellt).
Abmessungen
Aus § 63, StVZO und den Anforderungen zum sicheren Betrieb von Gespannen (auch in Anlehnung an § 31 (2), StVZO) ergeben sich die folgenden Abmessungen als sinnvolle Vorgabe (§ 32 (9), StVZO):
- Höhe max. 1,4 m
- Breite max. 1,0 m
- Länge max. 2,0 m (Spezialanhänger für Sportgeräte bis max. 4,0 m)
Dennoch bleiben die in § 32 (1), (2) und (3), StVZO genannten Obergrenzen auf Fahrradanhänger anwendbar, und seien sie noch so absurd:
- Höhe max. 4 m
- Breite max. 2,55 m
- Länge max. 12 m
Gewicht
Maßgeblich für das maximale Gesamtgewicht eines Fahrradanhängers (Anhänger + Ladung) sind die Angaben des Anhänger-Herstellers, stets unter Berücksichtigung der Angaben des Fahrrad-Herstellers (Gesamtgewicht und max. Zuglast). Fehlen die Hersteller-Angaben, kann man sich an den Empfehlungen aus dem „Merkblatt für das Mitführen von Anhängern hinter Fahrrädern“ vom RWTÜV orientieren, wenngleich deren Inhalte auch nicht rechtsverbindlich sind. Demnach zählt als maximales Gesamtgewicht:
- ungebremste Anhänger: 40 kg
- gebremste Anhänger: 80 kg
Daneben ergibt sich aus der DIN EN 15918 ein maximal zulässiges Gesamtgewicht für Fahrradanhänger von 60 kg. Weil die Einhaltung von DIN-Normen für die Hersteller aber freiwillig ist, bleibt es eher eine Orientierungshilfe, solange der Anhänger-Hersteller nicht ausdrücklich mit einer Konformität zu dieser DIN EN Norm wirbt.
Beleuchtung
Wurde der Anhänger vor dem 01.01.2018 in Verkehr gebracht, ist er von den aktuell geltenden Vorgaben zur Beleuchtung befreit (§ 67a (6), StVZO). Für jüngere Modelle gelten die folgenden Vorschriften:
Allerdings solltest du im eigenen Interesse für bestmögliche Sichtbarkeit des Anhängers sorgen, auch wenn du von den erwähnten Pflichten entbunden bist. Sorge also für Reflektoren in den Speichen der Laufräder und auf der Rückseite des Anhängers sowie für eine gut sichtbare Fahne.
Benutzungspflichtige Radwege
Aus der „Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung“ (VvW-StVO) lässt sich entnehmen, dass Fahrräder mit Anhänger von der Nutzung „benutzungspflichtiger Radwege“ ausgenommen sind, wenn sie unzumutbar sind.
Unsere Empfehlung: Entscheide im eigenen Ermessen, ob der Radweg zumutbar ist oder nicht und sei darauf vorbereitet, deine Entscheidung gegenüber den Ordnungshütern zu begründen.
Fahrradanhänger selber bauen
Natürlich kannst du dir einen Lastenanhänger vollständig selber bauen. Allerdings greifen dann die oben erwähnten gesetzlichen Vorgaben und es wird mit Sicherheit zu einer technisch anspruchsvollen Aufgabe. Denn Kupplung, Deichsel und Fahrwerk sowie die Absicherung dieser sicherheitsrelevanten Komponenten gegen Ausfall erzeugen bei Einzelanfertigung unverhältnismäßig viel Aufwand. Viel einfacher ist dagegen der Umbau eines altgedienten Fahrradanhängers aus zweiter Hand zu einem kompakten, flexiblen Lastenanhänger. Wie du dabei am besten vorgehst, haben wir im Folgenden detailliert beschrieben.
Anforderungen an den Lastenanhänger
Um einen passenden Fahrradanhänger für den Umbau zu finden, lohnt vor der Suche die Auseinandersetzung mit deinen Erwartungen und den unterschiedlichen Anhänger-Konzepten:
- Anhänger-Eigengewicht: Der geplante Lastenanhänger soll möglichst leichtgewichtig sein, denn umso mehr Spielraum bleibt für die Zuladung (siehe oben unter Gesamtgewicht).
- Anhängergröße: Die Ladefläche sollte in ihren Abmessungen und Aufbauten (Reling, Kastenform, Wände, usw.) zu deinen Erwartungen passen. Hier wird es sehr individuell. So wird der eine eher eine kleine Kiste mit Deckel bevorzugen, ein anderer dagegen benötigt eher eine offene Ladefläche mit hohen Seitenwänden für großvolumige Ladung, usw.
- Kompaktheit: Wer daheim keinen geräumigen Stellplatz verfügbar hat oder seinen Fahrradanhänger ab und zu auch per Auto transportieren muss, der benötigt einen leicht und kompakt zerlegbaren Anhänger: abnehmbare Räder, faltbare Bügel, demontierbare Deichsel, usw.
- Zustand: Vielgenutzte Fahrradanhänger aus zweiter Hand sind nicht immer im besten Zustand. Daraus resultiert ja schließlich der oftmals niedrige Preis. Allerdings reicht es für dein Vorhaben, wenn die tragende Konstruktion samt Räder, Deichsel und Kupplung noch intakt ist. Die anderen Komponenten, die du später am Lastenanhänger sowieso nicht benötigst, können also ruhig in schlechtem Zustand sein.
- Deichsel und Kupplung: Für Deichsel und Kupplung existieren unterschiedliche Systeme und Konzepte. Suche aus der Vielfalt im Angebot das für die Passende heraus. Achte bei der Kupplung auf das passende Gegenstück. Hier gibt es keinen internationalen Standard. Die Systeme sind untereinander also nicht immer kompatibel. Wenn die Anbindung der Deichsel über die Hinterradachse erfolgt, berücksichtige die aus der Laufradgröße resultierende Neigung der Ladefläche (26″ / 28″ / usw.).
Den passenden Grund-Anhänger finden
Aus den oben erwähnten Anforderungen ergeben sich die Rahmen-Bedingungen für deine Suche nach dem passenden Alt-Anhänger. Suche einen solchen Anhänger auf einem Portal wie Kleinanzeigen oder Quoka. Entnehme den eingestellten Bildern, ob das konstruktive Konzept zu deinen Erwartungen passt. Mit etwas Glück und viel Geduld findest du auf diesem Weg einen solchen, passenden Alt-Anhänger für unter 50 Euro.
Umbau zum Lastenanhänger
Im nächsten Schritt erfolgt der Umbau des erstandenen Anhängers zum gewünschten Lastenanhänger. Zunächst demontierst du alle Anbauten, die für den angedachten Einsatz als Lastenanhänger nicht gebraucht werden. Dann rüstest du nach Belieben auf.
Wir verwenden eine Platte aus Sperrholz (oder Multiplex) als Ladefläche und versahen sie mit einem Raster aus Durchgangsbohrungen, über die wir die Ladung sehr individuell per Spanngurte, Seile oder Expander fixieren können. Im Bedarfsfall nutzen wir zusätzlich die ursprünglichen Seitenwände (Metallbügel), allerdings ohne die textilen Bezüge. So lassen sich Gegenstände mit größeren Abmessungen sicher fixieren. Ebenfalls im Bedarfsfall nutzen wir zusätzlich längere Ausleger, um Ladung über die Grenzen der Ladefläche hinaus (seitlich oder nach hinten) abstützen zu können.
Angestrebt haben wir bei allen Anbauten eine Leichtbauweise, um das Anhängergewicht so gering wie möglich zu halten. Hier bot sich also Holz als idealer Baustoff an. Allerdings ist damit ein erhöhter Aufwand für den Wetterschutz verbunden: Das Holz benötigt einen Schutzanstrich.
Was du auf jeden Fall vermeiden solltest
Bei Unfällen mit Anhänger-Beteiligung überprüfen die Sachverständigen der Versicherungen natürlich auch Zustand und Beschaffenheit des Fahrradanhängers. Werden an deinem Anhänger dann bauliche Veränderungen entdeckt, kann sich das sehr empfindlich auf die Haftungszuweisung auswirken, auch wenn diese Veränderungen keine direkte Auswirkung auf Stabilität oder Belastbarkeit hatten.
Daher die dringende Empfehlung: Jegliches Bohren, Sägen, Biegen oder andere mechanische oder zerspanende Eingriffe an den einzelnen Komponenten des Lastenanhängers solltest du unterlassen. Sämtliche Prüfsiegel, Zertifikate und Bauartgenehmigungen seitens des Herstellers verlieren dann unter Umständen nämlich ihre Gültigkeit. Beschränke dich stattdessen auf die Demontage nicht benötigter Anbauteile und beurteile neue Anbauteile stets bzgl. Stabilität und Verkehrstauglichkeit.
Der Lastenanhänger im Verkehr
Zu den üblichen Gefahren für Radfahrer im Straßenverkehr (Dooring, geschnitten werden beim Überholen, fehlender Seitenabstand, usw.) kommen durch den Lastenanhänger noch weitere Gefahren hinzu:
- Das Gespann aus Fahrrad samt Anhänger ist länger als ein Fahrrad und erfordert Umsicht beim Rangieren, Lenken und Ausweichen vor Hindernissen.
- Bei Abfahrten, hohen Geschwindigkeiten und im dichten Verkehr ist eine erhöhte Bremsbereitschaft vonnöten, denn dein Bremsweg ist mit zusätzlicher Anhängerlast deutlich länger.
- Widrige Wetterverhältnisse (regennasse Fahrbahn, schlechte Sicht und Straßenglätte in der kalten Jahreszeit) erfordern äußerste Umsicht, beste Sichtbarkeit und ein defensives Fahrverhalten.
- Aber auch bei bester Sicht wird der relativ flache Lastenanhänger vom motorisierten Verkehr leicht übersehen. Kaum ein Verkehrsteilnehmer rechnet mit einem Gespann, wenn er im Rückspiegel einen Radfahrer erkennt.
Wähle für Fahrten mit Lastenanhänger am besten wenig befahrene Nebenstrecken und Zeiten außerhalb der Rushhour und vermeide Fahrten bei Dunkelheit und schlechten Wetterverhältnissen. Halte Bereifung und Bremsen an deinem Fahrrad unter ständiger Beobachtung und unterziehe sie rechtzeitig der nötigen Pflege.
Diebstahlschutz beim Lastenanhänger
Fahrradanhänger sind in der Regel mit wenigen Handgriffen vom Zugfahrzeug getrennt. Das bedeutet für den Nutzer hohen Komfort, birgt aber gleichzeitig auch eine erhöhte Diebstahl-Gefahr. Du benötigst also möglicherweise ein zweites Fahrradschloss oder eine Stahlkette mit Vorhängeschloss, wenn dein Gespann unbeaufsichtigt im öffentlichen Raum abgestellt wird. Ob eine abschließbare Kupplung in dieser Hinsicht schon ausreicht, wagen wir zu bezweifeln.
Verwandte Beiträge:
- Triumph Mountainbike Test & Kaufberatung: Modelle, Preise & Erfahrungen
- Decathlon Mountainbike 26 Zoll: Test & Kaufberatung
- Ist Fahrradfahren Sport? Kalorienverbrauch & gesundheitliche Aspekte
- Unglaubliche Kalorienverbrennung beim Radfahren – So viele Kalorien verbrennst du wirklich!
- Dreirad mit Rücktrittbremse: Test, Kaufberatung & Modelle
Kommentar schreiben