Fahrrad Lenkertasche Testsieger Vergleich

Lenkertaschen sprechen verschiedene Zielgruppen an. Smartphone, Schlüssel, ein Energieriegel und vielleicht noch die Regenjacke. Das und noch mehr passt in kleine Lenkertaschen, die persönliche Dinge am Fahrrad bequem und schnell erreichbar machen. Noch besser wird es, wenn solche Taschen auch als Sling- oder Hüfttasche nutzbar sind.

Testmethoden und Kriterien

Wir haben alle Taschen an verschiedene Lenkertypen (Cityrad, Mountainbike, Rennrad) montiert, bei Alltagsfahrten sowie auf Urlaubstouren mit Smartphone und Co. beladen und in Radfahrpausen als Umhängetasche eingesetzt. Alle Modelle haben wir entweder im Regen gefahren oder unter der Dusche auf Dichtigkeit geprüft.

Einzelne Modelle im Test

Capsuled Bike Bag

Die zylinderförmige Bike-Bag-Tasche von Capsuled ist eigentlich eine Kombination von zwei Taschen, die sich per Reißverschluss im Verhältnis 2,5:1 teilen lassen. Das erweitert den Funktionsumfang enorm: Bei Fahrten in den Alpen haben wir den längeren Teil als Lenkertasche genutzt, den kürzeren als Satteltasche. Insgesamt standen so 3,8 Liter Stauraum zur Verfügung. Das ist für eine Tagestour schon ordentlich.

In den kleineren Teil kamen Ersatzschlauch und Minitool, in den größeren neben dem Smartphone eine kompakt faltbare Regenjacke sowie Proviant. Die Aufteilung der Innentaschen erwies sich im Test als unpassend. Aus unerfindlichen Gründen hat Capsuled vier kleine Fächer eingenäht, von denen keines groß genug ist, um ein Smartphone aufzunehmen. Am Café angekommen, konnten wir die beiden Teile der Bike Bag durch Lösen von Klettbändern demontieren.

Die Testerin hat aber meist nur die größere der zwei Taschen mitgenommen und mit dem beiliegenden Gurt über ihre Schulter gehängt. Auf dieselbe Weise kann man auch nur die kleine Tasche oder beide gemeinsam als eine große Tasche tragen, das macht sie sehr flexibel. Eine Besonderheit ist, dass dieses Modell sich auch als Rahmentasche verwenden lässt.

Leichte Regenschauer hält die Bike Bag aus.

Aevor Bar Bag

Die Bar Bag von Aevor lässt sich außer am Lenker auch als Slingtasche über der Schulter und als Hüfttasche tragen. Der Gurt ist breit, die Rückseite sowie die Übergänge zum Gurt sind weich gepolstert. Zumindest bei mir drückte auch nach längerem Tragen nichts, weder an der Hüfte noch beim Tragen über der Schulter.

Der Nachteil dieser Flexibilität: Der breite Gurt und Teile der Polsterung müssen beim Einsatz am Lenker verstaut werden. Dazu schiebt man sie unter ein Fach an der Rückseite. Das macht die Tasche aufgeräumt, aber etwas klobig. Für die Montage werden Klettbänder über den Lenker geschlagen und durch Ösen gezogen. Das ist am Ende schön stabil, aber herausfordernd beim Einfädeln.

Im großen Hauptfach befinden sich drei kleinere Fächer, in die Smartphones ebenso passen wie anderer Kleinkram. Außen gibt es ein weiteres großes Fach, das mit einem Reißverschluss geschlossen wird. Anders als der Reißverschluss des Hauptfachs ist der zwar nicht abgedichtet, sondern durch einen Umschlag des wasserfesten Stoffs geschützt. Richtig wasserdicht ist die Aevor-Tasche ohnehin nicht, bei heftigem Regen dringt Wasser rein.

An der Front befindet sich ein verstellbarer Gummizug zum Einklemmen von - ja, wovon eigentlich? Für Jacken ist er zu klein, für Handschuhe zu groß. Ich hatte im Test keine Verwendung dafür.

Rund 300 Gramm wiegt die Tasche, die Aevor in mehreren Farben und Designs anbietet. Vier Liter Volumen soll sie haben.

Peak Performance Street Bike Bag

Die Street Bike Bag von Peak Performance ist klein, bunt und flexibel. Man kann sie nicht nur als Lenkertasche, sondern auch als Rahmentasche verwenden. Zur Montage werden zwei Bänder mit Schnallen um den Lenker geschlossen, deren Länge so gewählt ist, dass sie an viele Oberrohre passen. Damit sie bei dieser Nutzung als Rahmentasche nicht zur Seite verschwenkt, wird sie wahlweise vorn am Steuerrohr oder hinten am Sitzrohr fixiert.

Aber Vorsicht: Die Schnallen aus Hartplastik könnten den Lack eines Oberrohrs verkratzen.

Etwas umständlich ist der Schultergurt, weil er mit viel Mühe aus engen Laschen gelöst werden muss. Er ist breit und in der Länge verstellbar, benötigt viel vom Stauraum der 2,3 Liter großen Tasche.

Das Außenmaterial der Tasche hält zwar einen Regenschauer aus, aber bei starkem Regen dringt Feuchtigkeit ein.

Gusti Rudi A.

Leder am Fahrrad ist schön, aber nicht immer praktisch, das gilt auch für die Lenkertasche Rudi A. Zur rustikalen Anmutung gehört, dass der Deckel mit einer Gürtelschnalle verschlossen und die Tasche mit zwei solchen Schnallen am Lenker fixiert wird. Den Tragegurt befestigt man mit Karabinerhaken. Das alles trägt zum stattlichen Gewicht bei. Obwohl Rudi A. zu den kleinsten Modellen im Testfeld zählt, gehört sie mit rund 320 Gramm zu den schweren Exemplaren. Weil sie hoch am Lenker sitzt, könnte sie ein Akkulicht verdecken.

Das Fixieren und Lösen der Gürtelschnallen ist etwas umständlich. Zudem sollten sie beim Tragen als Umhängetasche geschlossen sein, damit ihre Dornen die Kleidung nicht beschädigen. Im Inneren gibt es ein Reißverschlussfach, in das jedoch kein Smartphone hineinpasst. Die Tasche wird ausschließlich in Braun angeboten. Wer mag, kann sie bei der Bestellung für 2,49 Euro Aufpreis mit einer Gravur personalisieren lassen.

Obwohl der Deckel leicht übersteht, schützt die Rudi A. nur gegen leichten Nieselregen.

Das gefällt an der Rudi A.: Das Leder sieht gut aus, und sie ist günstig.

Das weniger: Die Tasche ist nicht wasserdicht und der typische Geruch von behandeltem Leder war auch nach Wochen noch präsent. Das Innenfach ist für große Smartphones zu klein.

Acepac Barrell

Mit der olivgrünen Barrell, deren Farbe der Hersteller aus mir unerfindlichen Gründen Grau nennt, habe ich mich für Schotter- und Waldwege bereit gefühlt, sie passt hervorragend an mein Gravelbike. Auf Touren durch die Vogesen hat sie mein Smartphone zuverlässig geschützt, Kleingeld aufgenommen, Platz für einen Ersatzschlauch, Reifenheber und eine Akku-Luftpumpe sowie ein paar Müsliriegel geboten. Vier Fächer helfen dabei, den Kleinkram gut sortiert abzulegen. In die beiden vorderen passen auch große Smartphones hinein. Die Tasche ist gepolstert und wasserdicht.

Die Barrell wird mit Klettbändern am Lenker befestigt und kann mit einem weiteren Band am Steuerrohr gegen Verschwenken gesichert werden. Dessen Schnalle ist allerdings etwas umständlich zu schließen. An den Seiten werden die Enden des Reißverschlusses in Schnallen eingehängt, was sehr ordentlich aussieht. Der Tragegurt ist sehr schmal und daher unbequem, nimmt in der Tasche aber kaum Raum ein.

Neben unserem olivgrünen Grau gibt es ein Modell in Schwarz.

Borgen Klickfix

Die Klickfix-Lenkerhalterung macht die Verwendung dieser Tasche besonders einfach. Vor dem Losfahren hängt man sie in die Halterung ein, zum Abnehmen drückt man auf den Entriegelungsknopf. Weil die Klickfix-Halterung für deutlich schwerere Körbe und Taschen ausgelegt ist, sitzt die Tasche bombenfest. Wer keinen passenden Adapter am Fahrrad hat, kann die Borgen auch inklusive Lenkeradapter kaufen und muss diesen dann zunächst montieren. Wie immer bei der Klickfix gilt: Ist die Frontleuchte unten angebracht, passt alles, aber ein am Lenker fixiertes Akkulicht könnte durch die hoch sitzende Tasche verdeckt werden.

Das Design der Borgen ist an das von Damenhandtaschen angelehnt. Sie lässt sich mit dem Schultergurt auch umgehängt tragen. Eine Testerin, die das Design erst »spießig« fand, kam beim Einsatz an ihrem Rad ins Grübeln. Die Tasche gefiel ihr zum Schluss doch.

Im Alltag erweist sich die Borgen als durchdacht und unkompliziert. Im Inneren gibt es neben dem Hauptfach ein kleineres für ein Smartphone und zwei weitere für Schlüssel und anderen Kleinkram. Der Deckel schließt magnetisch und schützt ein weiteres, von außen zugängliches Fach, das sich ebenfalls für große Smartphones eignet. Die Schnallen des Umhängegurts können leicht gelöst werden. Der Gurt wird im Inneren des Deckels verstaut. Die Borgen soll fünf Liter fassen. Das ist mit viel Stopfen vielleicht möglich, aber dann beult sie stark aus. Eine Regenjacke passte im Test zusammen mit Smartphone und Co. gut hinein. Neben dem Testmodell mit reflektierendem Muster gibt es drei weitere, davon zwei einfarbige. Wasser kam im Test nicht durch, auch unter der Dusche blieb der Tascheninhalt trocken.

Das gefällt an der Borgen Klickfix: Sie ist flexibel, wasserdicht und unkompliziert in der Handhabung.

Das weniger: Ein Klickfix-Adapter muss fest an das Rad montiert werden.

Swift Bandito

Die Bandito Bar Bag kommt groß daher: Nicht nur, weil sie 3,8 Liter fasst und daher Raum für eine Regenjacke und weitere Kleidungsstücke bietet, sondern auch rein optisch: Die Wände der rollenförmigen Tasche sind verstärkt. So behält sie ihre zylindrische Form auch dann, wenn man nur ein Smartphone hineinlegt.

Das aber fliegt in der großen Bandito beim Radfahren wild herum, da sie keine Innentaschen oder Unterteilungen hat. Das ist blöd, wenn Schlüssel und Smartphone gleichzeitig hineinmüssen. Ich habe mir damit beholfen, das Smartphone zwischen die verstärkte Innenwand und das Außenfutter zu schieben. Der Hersteller Swift liefert zur Befestigung am Lenker zwei Kunststoffbänder sowie ein Gummiband zur Fixierung am Steuerrohr mit. Alternativ lässt sich die Bandito am Sattel einhängen.

Um sie als Umhängetasche nutzen zu können, kann man bei Swift für rund 16 Euro einen Gurt bestellen. In die dafür vorgesehenen Ösen lassen sich aber auch andere Gurte mit Karabinerhaken einklinken. Ich habe zu diesem Zweck einen von meiner Kameratasche verwendet. Vor dem Einsatz über der Schulter müssen die Lenkerbefestigungsbänder entfernt und in die Tasche gelegt werden, denn ohne Spannung öffnet sich deren Verschluss und sie könnten verloren gehen.

Ich habe die etwa 245 Gramm leichte Bandito immer dann gern genutzt, wenn ich warme Kleidung und eine Regenjacke mitnehmen musste. Hat es dann tatsächlich geregnet, blieb der Inhalt trocken. Swift bietet die Bandito in fünf Farben an.

Das gefällt an der Bandito: Sie ist auch für Kleidungsstücke groß genug und trotzdem leicht.

Das weniger: Ein Fach für das Smartphone fehlt.

Weitere getestete Modelle (Kurzübersicht)

  • CYCLITE HANDLE BAR ROLL BAG / 01: Sehr leicht, wasserdicht und robust mit 12,6 Litern Volumen.
  • Riverside / Decathlon Lenkertasche: Harness-System mit 15 Litern, robust, aber etwas schwerer.
  • Topeak Tubular Bar Bag: 3,8 Liter, vielfältige Befestigungsoptionen.
  • Ortlieb Handlebar-Pack: Klassiker, wasserdicht, 9 oder 15 Liter, erweiterbar.
  • Restrap Bar Pack: Aus recycelten PET-Flaschen.
  • Revelate Design Sweetroll: Harness-System, 11 oder 15 Liter, wasserdicht.
  • Deuter Cabezon HB 14: Harness-System, 14 Liter.
  • CYCLITE HANDLE BAR AERO BAG / 01: Windschnittig, 4,9 Liter, speziell für Aero-Lenker.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Bei der Auswahl einer Lenkertasche sollten Sie folgende Aspekte berücksichtigen:

  • Volumen: Passend für Ihre Bedürfnisse (Tagestour vs. Bikepacking).
  • Wasserdichtigkeit: Je nach Wetterbedingungen.
  • Befestigungssystem: Einfach zu bedienen, stabil.
  • Modularität: Erweiterbarkeit mit zusätzlichen Taschen.
  • Kompatibilität: Passt die Tasche zu Ihrem Lenker und Fahrradtyp?

Weitere wichtige Punkte

  • Sichtbarkeit: Reflektierende Elemente für mehr Sicherheit.
  • Material: Robust und langlebig.
  • Gewicht: Besonders wichtig für längere Touren.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Die teuerste Tasche ist nicht immer die beste.

Vor- und Nachteile verschiedener Materialien

Die gängigsten Materialien, aus denen eine Fahrrad Lenkertasche gefertigt wird, sind Nylon, Polyester, Kunststoffgemische und Leder. Je nach Verwendungszweck sind diese Materialien mit einer speziellen Oberflächenbeschichtung imprägniert, um zu verhindern, dass Feuchtigkeit bzw. Regen eindringen kann.

Häufig gestellte Fragen

Sind Fahrrad-Lenkertaschen wasserdicht? Viele Modelle bestehen aus wasserabweisenden Materialien, aber nur wenige sind wirklich 100 % wasserdicht.

Welche Befestigungssysteme gibt es? Rollbags sind leichter und einfacher, Harness-Systeme stabiler und vielseitiger.

Bekannte Hersteller von Lenkertaschen

  • Vaude
  • Ortlieb
  • Rixen & Kaul
  • Haberland
  • Klickfix
  • Gusti
  • Hama
  • Blue Bird
  • Norco
  • IXS Bike Fashion
  • Hapo-G
  • Brügelmann

Zusätzliche Informationen

Die Geschichte der Fahrradlenkertasche reicht bis in die Zeit des Ersten Weltkrieges zurück. Das Fahrrad wurde erst im Jahre 1871 erfunden. Seinerzeit dachte sicherlich noch niemand an Fahrradtaschen. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts änderte sich dies.

Hier ist eine Tabelle, die die getesteten Lenkertaschen und ihre wichtigsten Eigenschaften zusammenfasst:

Modell Hersteller Volumen (Liter) Wasserdichtigkeit Besonderheiten UVP (Euro)
Capsuled Bike Bag Capsuled 3.8 Leichte Regenschauer Teilbar, als Rahmentasche nutzbar 89,99
Aevor Bar Bag Aevor 4 Nicht wasserdicht Als Sling- und Hüfttasche tragbar 59,90
Peak Performance Street Bike Bag Peak Performance 2.3 Regenschauer Als Rahmentasche nutzbar 80,00
Gusti Rudi A. Gusti Klein Nicht wasserdicht Leder, rustikal 39,95
Acepac Barrell Acepac Variabel Wasserdicht Gepolstert 37,31
Borgen Klickfix Borgen 5 Wasserdicht Klickfix-Halterung 34,99 (58,99 mit Adapter)
Swift Bandito Swift 3.8 Trocken bei Regen Verstärkte Wände 114,24

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