Ein Fahrrad mit tiefem Einstieg - eine Innovation, die das Radfahren für viele Menschen zugänglicher und angenehmer gestaltet. Ein Fahrrad mit tiefem Einstieg ist nicht nur für ältere Menschen eine echte Wohltat, sondern für alle, die nach Komfort, Bequemlichkeit und Benutzerfreundlichkeit beim Radfahren suchen.
Vorteile eines Fahrrads mit tiefem Einstieg
- Der erste und offensichtlichste Vorteil eines Fahrrads mit tiefem Einstieg ist das mühelose Auf- und Absteigen. Diese Fahrräder sind ideal für Menschen jeden Alters und jeder körperlichen Verfassung, da sie das lästige Übersteigen des Sattels vermeiden.
- Ein weiterer Pluspunkt ist die Möglichkeit, mit dem Rad anzuhalten, ohne dabei vom Fahrrad absteigen zu müssen.
- Die Pedale sind extra niedrig angesetzt, sodass beispielsweise beim Anhalten an einer roten Ampel der Fuß auf den Boden gestellt werden kann, ohne sich vom Sattel bewegen zu müssen.
- Ein oft übersehener, aber äußerst wichtiger Vorteil ist die Rahmenform, die eine aufrechte Sitzposition begünstigt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Fahrrädern, bei denen man sich oft leicht nach vorne beugen muss, ermöglicht ein Fahrrad mit tiefem Einstieg eine entspannte Haltung mit aufrechtem Rücken. Diese ergonomische Sitzposition entlastet nicht nur den Rücken, sondern trägt auch zur Entspannung der Schultern und Nackenmuskulatur bei.
- Neben dem Komfort bietet ein Fahrrad mit tiefem Einstieg auch ein hohes Maß an Sicherheit und Stabilität. Durch den tieferen Schwerpunkt und die breitere Basis ist das Fahrrad stabiler und einfacher zu kontrollieren, insbesondere bei niedrigeren Geschwindigkeiten oder in Situationen, in denen es gilt, das Gleichgewicht zu halten.
- Ein weiterer Vorzug von Fahrrädern mit tiefem Einstieg ist ihre Vielseitigkeit. Sie eignen sich nicht nur hervorragend für den täglichen Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen, sondern auch für Freizeitaktivitäten wie gemütliche Touren durch die Natur oder Ausflüge in die Stadt.
Moderne Tiefeinsteiger und E-Bikes
Besonders bei E-Bikes erlebt der Tiefeinsteiger-Rahmen eine Renaissance. Immer mehr Hersteller bieten ihn als komfortable Option an - und zwar für alle Geschlechter.
Tiefeinsteiger e-Bikes sind eine ausgezeichnete Wahl für Fahrer:innen, die nach nach einer Mischung aus Komfort, Sicherheit und Barrierefreiheit suchen. Ihre niedrige Einstiegshöhe und komfortable Sitzposition machen sie besonders attraktiv für eine Vielzahl an Menschen: Seniorinnen und Senioren, Menschen mit eingeschränkter Mobilität und Pendler:innen in städtischen Gebieten profitieren von diesem e-Bike Typen.
Die Rahmen dieser Räder bestehen ausschließlich aus mehr oder weniger runden Rohren. Sie erwiesen sich als torsionsunempfindlicher als die offenen Profile mit Akku-Aufnahme.
Modelle und Ausstattung
- Canyon bietet mit dem Precede:ON CF 9 Step Through einen E-Bike Tiefeinsteiger mit sehr modernen Design an.
- Das Kallio von Coboc ist ein Leichtgewicht unter den E-Bike Tiefeinsteigern. Es ist mit einem Hinterradnaben-Motor ausgestattet, dessen Akku im schlanken Unterrohr verborgen ist.
- Cube bietet das Reaction Hybrid Performance wahlweise mit Diamant- oder mit Trapezrahmen an.
- Das Gazelle Ultimate C8+ HMB Belt ist ein sportlich-komfortables City-Bike mit tiefem Einstieg und Frontfederung.
- Gudereit bietet mit dem EC-3 ein schlankes E-Bike für die City an, das mit einem Bosch Active Line Plus Motor und einer Shimano Nexus 7-Gang-Schaltung bestückt ist.
- Mit dem Balance bietet Vanraam ein Tiefeinsteiger Bike an, das sich optional mit einem firmeneigenen Tretunterstützungssystem zum E-Bike wandelt.
Nachteile eines Rahmens mit tiefergelegtem Einstieg
Leider bringt ein Rahmen mit tiefergelegtem Einstieg konstruktionsbedingte Nachteile mit sich: Wird er nicht deutlich schwerer und voluminöser als ein klassischer Diamantrahmen ausgelegt, verschlechtert sich seine Fahrdynamik.
Die vom Pedalieren herrührende Unwucht äußert sich in gegenläufigen, seitlichen Pendelbewegungen zwischen Sattel und Lenker, der Rahmen verwindet sich unter Last - erst recht beim Gegenzug am Lenker, wenn kräftiger pedaliert wird oder wenn ein beladener Gepäckträger weitere Störungen ins Balance-System bringt.
Diese Verwindungen können die Fahrstabilität und -sicherheit beeinträchtigen, denn sie haben die Tendenz, das Vorderrad aus der Spur zu bringen. Bei hoher Geschwindigkeit, mit Kindersitz oder viel Gepäck und erst recht beim Ein- oder Freihändigfahren ist jedoch jede Stabilitätseinbuße unerwünscht. Im Extremfall kann sie zum Sturz führen.
Der Grund für die beschriebenen Steifigkeitsdefizite liegt in der Statik der Rahmenkonstruktion: Das annähernd waagerechte Oberrohr eines Diamantrahmens, das die oberen Enden von Steuer- und Sitzrohr miteinander verbindet, stützt seitliche Auslenkung zuverlässig ab. So kommt es an einem „Herrenrahmen“ erst bei viel höheren Kräften zu störender seitlicher Torsion. Rahmen mit tieferem Einstieg können nie so steif sein wie ein Diamantrahmen.
Bei Rahmen mit tieferem Einstieg sind die Kräfteverhältnisse weniger günstig: Mehrere Vergleichsmessungen an „Radgeschwistern“, also einem Herren- und einem Damenrad desselben Modells, gleicher Bauart und Rahmengröße, ergaben Unterschiede der Seitensteifigkeit zwischen etwa 12 und 20 Prozent zwischen beiden Rahmenformen, je nach Bauart und Auslegung.
Für die Rahmensteifigkeit spielen die verwendeten Querschnitte, Durchmesser und Wandstärken der Rahmenrohre eine große Rolle. Generell kann man sagen: Je größer der Rohrdurchmesser und je höher die Wandstärke ist, desto besser kann der Rohrverbund unerwünschte Störkräfte verdauen. Je steifer der Rahmen ist, desto sicherer fährt sich das gesamte Rad.
Bei den E-Bikes im Test rechneten wir eigentlich nicht mit den typischen Schwächen von Rahmen mit tiefem Durchstieg: Pedelec-Rahmen bestehen meist aus voluminösen Alu-Profilen, dickwandig und oft eckig ausgeformt. Dank Motorunterstützung spielt das Mehrgewicht ja kaum eine Rolle. Intube-Akkus haben den Trend zum Rohrvolumen noch verstärkt.
Lenkerflattern bei E-Bikes
An den eigentlich steifen Pedelecs von Canyon und Kalkhoff stellt sich bei freihändiger Fahrt Rahmenflattern am Lenkkopf ein. Das Vorderrad tänzelt mit zunehmender Amplitude hin und her, die Lenkerenden schwingen, der Vorderrahmen schaukelt sich auf. Legt man beide Hände an den Lenker, beruhigt sich die Situation schnell.
Dieses Lenker- oder Rahmenflattern rührt offensichtlich davon, dass die für die Aufnahme des Intube- Akkus aufgeschnittenen Unterrohre, eine Art U-Profil, der Längsverwindung ab einer bestimmten Eigenfrequenz überraschend schlecht widerstehen können.
Wann und wie stark es zum Rahmenflattern kommt, hängt auch davon ab, welche und wie viele Anreger im Spiel sind. Tritt Lenkerflattern überraschend und bei hoher Geschwindigkeit auf, kann das gefährlich werden.
Völlig vermeiden lassen sich Flatter- Effekte nicht, sie sind konstruktiv bedingt. Wichtig ist, darüber Bescheid zu wissen - und schlimmstenfalls gelassen Tempo rauszunehmen.
Interview mit Dipl.-Ing. Dirk Zedler
MYBIKE: Welche Tücken birgt ein Rahmen mit tiefem Einstieg im Vergleich zum Diamantrahmen?
Dirk Zedler: Ähnlich einem Fachwerk ist das jahrhundertealte Prinzip ein Glücksgriff: Jedes Rahmenrohr, das man weglässt, mindert die Fahrstabilität. Beim Tiefeinsteiger kann sich der vordere Rahmenbereich leichter gegenüber dem hinteren bewegen. Konstrukteure müssen sich hinsichtlich Steifigkeit und Haltbarkeit deutlich mehr Gedanken machen.
MYBIKE: Gibt es dabei Unterschiede zwischen klassischen Fahrrädern und Pedelecs?
Dirk Zedler: Pedelecs haben schwerere Bauteile, die Fahrer/ -innen nehmen mehr Gepäck mit, und der Antrieb bringt mehr Nutzer in bergiges Gelände inklusive schneller Fahrt bergab. Pedelec-Nutzer/ -innen sitzen zudem gerne aufrecht. Bei Pedelecs sind daher die Anforderungen eklatant höher. Deshalb ist auch ein Gepäckträgerakku äußerst fragwürdig. Sitzt der Akku dagegen außen am Zentral- oder Unterrohr, hinter oder vor dem Sitzrohr, fährt sich das Pedelec deutlich besser.
MYBIKE: Wie hängen Rahmensteifigkeit und Lenkkopfflattern zusammen?
Dirk Zedler: Das sieht man an den Intube-Akkus bei Tiefeinsteigern: Einige Hersteller schneiden einfach das Rohr auf, um den Akku zu integrieren. Das Unterrohr bietet dann kaum noch Torsionswiderstand. Selbst wenn sonst alles passt, tritt schon bei geringen Geschwindigkeiten Fahrwerksunruhe auf. Lenkerflattern als ein Phänomen, aber auch die gefährliche Fahrinstabilität bergab, zum Beispiel bei Richtungswechseln, verunsichern nicht nur, sondern führen auch zu Unfällen.
MYBIKE: Wie kann ich beim Fahrradkauf sicher sein, dass mein Wunsch-Bike mit tiefem Einstieg auch genügend Fahrsicherheit bietet?
Dirk Zedler: Die Methode „scharfes Hinsehen“ reicht nicht. MYBIKE-Tests, in denen die Fahrstabilität gemessen und bei Probefahrten eingeordnet wird, dagegen schon. Zudem kann ich nur zur ausführlichen Probefahrt mit eingestellter Sitzposition und definitiv auch mit Gepäck raten. Gerade Letztgenanntes scheidet die Spreu vom Weizen.
Dennoch kann man hervorragende ‚Damenrahmen‘ bauen. Fahrspaß und -sicherheit sind nicht geschlechtsabhängig.“ - Jochen Donner, Testredakteur
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