Mountainbikes werden immer teurer, wobei die 10.000-Euro-Schallmauer längst gefallen ist. Die großen MTB-Hersteller bieten Top-Modelle für weit mehr Geld an. Doch was rechtfertigt diese hohen Preise, und warum können Motorradhersteller ihre Produkte günstiger anbieten? Dieser Artikel vergleicht Mountainbikes und Motorräder, um diese Frage zu beantworten.
Preis und Ausstattung
Mountainbike: Specialized Enduro S-Works - 14.000 Euro
Top-Modelle wie das Specialized S-Works Enduro sind voll von Hightech, wie z.B. die AXS-Elektro-Schaltung und das Factory-Fahrwerk von Fox. Solche Highend-Federelemente sind am Mountainbike zwar kein Muss, aber ein Zeichen von Technikliebelei. Die Entwicklung ist ein Kostentreiber, da ein Mountainbike stabil und leicht sein muss, während bei einem Motorrad hauptsächlich die Stabilität im Vordergrund steht. Leichte, robuste Anbauteile schlagen zusätzlich zu Buche. Als einer der Hauptposten gelten die Carbon-Backformen für die unterschiedlichen Rahmengrößen (oft bis zu vier Stück), was in der Motorradproduktion nicht vorkommt. Nichtsdestotrotz beweisen Versender oder der Fachhandelsriese Cube, dass man hochwertige Bikes mit edler Ausstattung auch günstiger anbieten kann. Das hier abgebildete Specialized S-Works Bike kostete vor zwei Jahren noch 10.999 Euro.
KTM 500 EXC-F - 11.800 Euro
Die Motocross-Optik der KTM 500 EXC-F täuscht, denn sie besitzt eine Straßenzulassung. Das teuerste Modell mit 500 cm³ kostet 2200 Euro weniger als das Top-Modell des Specialized-Enduros. Das erscheint verrückt, da hier ein PS-starker Motor verbaut ist. Die Begründung: Leichte, filigrane Komponenten für Mountainbikes zu konstruieren und zu fertigen ist viel schwieriger und teurer. Bei Motorrädern dagegen muss kaum aufs Gewicht geachtet werden. Zudem bauen Motorradhersteller nur eine Rahmengröße, was die Fertigung vereinfacht, die Stückzahlen steigert und den Preis drückt. Niedriges Gewicht (MTB) mit einer effektiven Federung auszustatten ist viel aufwändiger als hohes Gewicht (Motorrad). Auch die Händler-Margen bei Motorrädern sollen geringer sein als bei Fahrradhändlern.
Technische Daten im Vergleich
Hier ist eine Tabelle mit ausgewählten technischen Daten der beiden Modelle:
| Merkmal | Specialized Enduro S-Works | KTM 500 EXC-F |
|---|---|---|
| Gewicht | 14,7 Kilo (ohne Pedale) | 107 Kilo (Leergewicht) |
| Bauart | - | 1-Zylinder, 4-Takt |
| Hubraum | - | 510 cm³ |
| Gänge | - | 6 |
| Starter | - | Elektro |
| Federweg | - | 300 / 310 mm |
| Lenkwinkel | - | 63,5° |
| Tankinhalt | - | 9,2 l |
| Motorengewicht | - | 29,2 Kilo |
Motorrad vs. Mountainbike im Bikepark
Ein ungewöhnliches Duell fand im Bikepark Warstein statt, wo normalerweise Mountainbiker sich austoben. Die Redaktion von AUTO BILD MOTORRAD wollte herausfinden, welches Gerät mehr Laune macht im Revier der MTB-Cracks. Kollege Jan Horn enterte mit seiner 300-Kubik-Sherco einen Boner, ein baumstammähnliches Gebilde mit ein paar Latten obendrauf. Mountainbiker Wolfgang Knoop, 57 Jahre alt, kam nach einer Motocross-Verletzung 2006 zum Mountainbiken und zeigte eine beeindruckende Vorstellung auf dem Boner.
Der Bikepark gliedert sich in diverse Bereiche, die unterschiedliche Anforderungen an die Fahrtechnik stellen. Die Sherco 300 SEF und das Trek Slash 8 unterscheiden sich deutlich in den Fahreigenschaften. Das Fahrrad lässt sich einfach drücken, sogar ziehen und seitlich fließend korrigieren, während sich der über 100 Kilogramm schwere Viertakter nur minimal in seiner Flugbahn beeinflussen lässt. Dafür bügelt das Gewicht der Sherco Baumwurzeln zur flauschigen Wiese platt, wo das Fahrrad anfängt zu springen. Die Motorkraft ist ein klarer Vorteil. Ein Gasstoß, schon hebt die Maschine ihr Vorderrad und überwindet Kanten oder Sprungkuppen mit zarter Leichtigkeit. An diesen Stellen muss der Mountainbiker taktisch in die Pedale treten.
Im Gegenzug mag die Sherco die engen Kehren und kurzen Landezonen nach Gaps und Tables gar nicht. Das zarte Trek ist hier klar besser dran. Technisch haben beide Sportarten viel gemein. Für Motocrosser lautet die Empfehlung, von Zeit zu Zeit aufs Mountainbike umzusatteln.
Sicherheit im Straßenverkehr
Während die Zahl der bei Verkehrsunfällen getöteten Pkw- und Lkw-Fahrer seit Jahren konstant fällt, verharrt die Zahl der getöteten Zweiradfahrer auf gleichbleibendem Niveau oder steigt sogar an. Ob Motorrad-, Moped-, Fahrrad-, Pedelec- oder E-Scooter-Fahrer: Kommt es mit einem motorisierten oder nicht motorisierten Zweirad zu einem Unfall, sind die Folgen für die betroffenen Nutzer häufig verheerend. Denn sie haben ganz im Gegensatz zum Pkw, Transporter oder Lkw keine Knautschzone. Selbst dann, wenn zum Beispiel Pkw-Nutzer als häufigste Unfallgegner vergleichsweise langsam fahren, resultieren aus Kollisionen oftmals schwerste Verletzungen. Auf den verletzungsträchtigen Aufprall des Körpers eines Radfahrers gegen harte Fahrzeugstrukturen folgt häufig der nicht minder gefährliche Aufprall auf die Fahrbahn.
Auch bei einer Kollision zwischen einem Pkw und einem Motorradfahrer wirken die Aufprallkräfte direkt auf den Motorradfahrer. Durch die großen Massenunterschiede wirken auf die Zweiradnutzer zudem erhebliche Verzögerungen beziehungsweise Beschleunigungen. Dazu kommt allgemein, dass Motorräder schon im reinen Fahrbetrieb im Hinblick auf ihre fahrdynamische Stabilität sehr viel schneller an ihre Grenzen kommen als etwa ein Pkw.
Nach Angaben des Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) der Universität Washington in Seattle kamen 2017 weltweit circa 225.000 Motorradfahrer und rund 69.000 Fahrradfahrer bei Verkehrsunfällen ums Leben. Das macht zusammen knapp ein Viertel aller etwa 1,25 Millionen Verkehrstoten. Vor allem bei den Radfahrern zeigt die Kurve weltweit seit Jahren nach oben, bei den Motorradfahrern sinken die Zahlen seit 2012 erfreulicherweise wieder. Bei den Radfahrern ist global die prozentual stärkste Zunahme bei den 50- bis 69-Jährigen zu beobachten. Hier stieg die Zahl der Getöteten von 9.400 im Jahr 1990 auf 23.900 im Jahr 2017, also auf das Zweieinhalbfache. Ähnlich sieht es bei den Motorradfahrern aus.
Downhill-Vergleich: Fahrrad gegen Motorrad
Downhill-Profis wie Nicolas Vouilloz sind Extremsportler. Die Frage war: Wer ist bergab schneller, Fahrrad oder Motorrad? Christian Pfeiffer, Trialakrobat und Stuntman, trat gegen Vouilloz an. Die Strecke war brutal. Christian war überrascht, so hatte er sich das nicht vorgestellt. Als er Nicolas beim Training beobachtete, schwand die Zuversicht. Sein Speed war unglaublich, dennoch wirkte alles völlig unspektakulär. Dagegen war das Motorrad wild, aggressiv, laut. Die Steine flogen herum, dicke Brocken rollten den Abhang herunter. Das Hinterrad zog tiefe Furchen in den Boden, brach aus, der Lenker schlug. Am Ende war das Motorrad zwei Sekunden schneller, aber alle waren sich darüber im Klaren, dass Nicolas der moralische Sieger ist.
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