Ob auf dem Trail oder im Bikepark - dein MTB ist im Dauereinsatz. Schnell übersehen werden aber zum Beispiel die Kontaktstellen zwischen Fahrradrahmen oder -gabel und Schalt- bzw. Bremszug oder -leitung.
Dreck auf den Zügen oder Leitungen wirkt durch die Vibrationen beim Fahren wie Sandpapier und hinterlässt fiese Abriebspuren. Die Außenseite der Sitzstreben bleibt gerne an hohen Fahrradständern oder an Hauswänden hängen, auch beim Transport oder durch Stürze ist der Lack an dieser Stelle schnell ab.
Lackschäden am Rahmen des neuen E-Bikes sind ärgerlich! Und genauso, wie man sein neues Smartphone mit Hülle und Schutzfolie ausstattet, kann man sein Bike vor Steinschlag und Kratzern schützen. Schutzfolie heißt hier das Zauberwort.
Wer kennt das nicht? Kaum ist das neu gekaufte Smartphone vorsichtig aus der Hülle gehoben und mit allen Daten eingerichtet, wird auf das empfindliche Display erstmal eine Schutz- oder Panzerfolie aufgezogen. Erst dann startet man ins digitale Leben.
Und das neue E-Bike, auf das man lange Zeit gewartet und auch gespart hat, wird sofort in den Wald und auf die Trails gejagt? Das kann durchaus in Ordnung sein, schließlich ist ein gutes Mountainbike dafür konstruiert, Sprünge, Stürze und ruppige Passagen zu überstehen. Viele Besitzer ärgern sich dann allerdings über Kratzer und Macken, die zunehmend den teuren Rahmen verunzieren.
An manchen Cockpits lässt sich selbst mit perfekt abgelängten Zügen nicht vermeiden, dass die Züge von Bremse, Schaltung oder Remotes am Steuerrohr und am Rahmen reiben und den Lack beschädigen. Und auch Fahrer mit großen Füßen müssen im Laufe des Bike-Lebens feststellen, dass die Fersen an den Sitzstreben reiben.
Das sind nicht nur optische Mankos, sondern kann bei einem Weiterverkauf auch zu unnötigem Wertverlust führen. Wer das vermeiden möchte, der kann seinem neuen Rahmen vorab eine Rahmenschutzfolie gönnen. Hier bieten sich mehrere Möglichkeiten an.
Warum Rahmenschutzfolie?
Der Rahmen ist das Herzstück eines jeden Fahrrads. Meist sieht man erst nach einer gründlichen Reinigung wie sehr Rahmen und Gabel besonders nach Fahrten im Gelände oder auf Schotter in Mitleidenschaft gezogen wurden. Es sind oft die kleinen unscheinbaren Stellen die am meisten leiden.
Diese Aufkleber, verfügbar in verschiedenen Größen und meist transparent oder schwarz, erhalten die Optik des Rahmens indem sie wie eine Schutzschicht zuverlässig Beschädigungen, nervige Steinschlägen oder kleine Kratzer verhindern, die den Wiederverkaufswert beeinträchtigen können oder einfach nur in der Seele wehtun.
Bei den meisten Neurädern ist nicht automatisch eine Rahmenschutzfolie dabei. Oftmals ist mit einer dünnen Schutzfolie auf den Kettenstreben bereits Schluss. Von der Marke Zéfal sind beispielsweise drei transparente Foliensets aus der „Armor“-Serie in den Größen S, M und L, jeweils mit verschieden großen Elementen für Rahmen und Gabel erhältlich.
Weitere Produkte wie der Unterrohrschutz Down Tube Armor oder die Kurbelschützer Crank Armor zielen auf bestimmte stark betroffene Stellen und Anbauteile ab und schützen diese mit einem noch widerstandsfähigeren Material.
Verschiedene Arten von Rahmenschutzfolien
Bei den Rahmenschutzfolien-Sets sind die einzelnen Folien schon speziell auf die schützenswerten Rahmenteile zugeschnitten. Doch zunächst muß man sich entscheiden, ob man eine durchsichtige Folie - klar oder matt - haben möchte, um die Originallackierung optisch nicht zu verändern, oder, ob ob man sich ganz bewusst für eine pimp-up-your-bike-Lösung entscheidet. Hier gibt es auf dem Markt unzählige Anbieter, die für jeden Geschmack und Geldbeutel Designs anbieten.
Luxshield mit Sitz in Konstanz bietet ein großes 20-teiliges Rahmen-Set für E-Bikes an. Dabei wird alles mitgeliefert, was man für die Montage braucht: Reinigungs- und Montageflüssigkeit, ein Mikrofasertuch sowie ein Filzrakel, um das Wasser auszustreichen. Der Universalzuschnitt kann für viele gängige Rahmengrößen verwendet werden. Ein Anleitungsvideo erklärt anschaulich die einzelnen Schritte. Luxshield - Lackschutzfolie Made in Germany. Das All-Inclusive-Paket mit glänzender Folie ist erhältlich.
Von Bikern für Biker: Die spanische Firma DYED Bro mit Sitz in Madrid, deren Gründer auch in der Enduro World Series unterwegs sind, bietet unzählige Designfolien an. Inzwischen sind auch für E-Mountainbikes universelle Kits zu haben. So ein Set beinhaltet eine Schutzfolie für das Ober- und Unterrohr, zwei zusätzliche Stücke für größere Rahmen sowie je zwei Folien für Kettenstreben und Sitzstreben.
Die Firma rie:sel design mit Sitz in Dresden hat sich ganz dem Spaß auf dem Bike verschrieben und bietet außer Foliensets noch passende Mudguards, Sticker und jede Menge Zubehör an. Auch bei der Oberfläche geht riesel seinen eigenen Weg: Beim TAPE3000 ist die Oberfläche bewusst leicht strukturiert, um Bläschen, die sich nie vermeiden lassen, zu kaschieren. Das Material lässt sich leicht aufbringen, allerdings ist bei weißen Rahmen ein leichter Gelbstich nicht zu vermeiden. Das Rahmenset umfasst 17 Shapes zwischen 70 x 340 mm und 30 x 30 mm und bietet den kompletten Schutz für Oberrohr, Unterrohr und Sitzrohr. Mit frame:tape 3000 bekommst du eine matte Folie mit robuster Honeycomb-Struktur für maximalen Schutz bei stylischem Finish. Du willst den Original-Look deines Bikes erhalten?
Mucky Nutz mit Sitz in England bietet zahlreiche Bikeschutz-Produkte. Die Skinz sind vorgestanzt und werden auf das gut gesäuberte Bike aufgeklebt. Wer unter den Designs der Firma nichts findet, kann sich das Set Frame Skinz auch selbst konfigurieren. Das Frame-Set enthält 17 Folien, die von 32 x 28 mm bis 220 x 65 mm reichen: für Oberrohr, Unterrohr, Sitzrohr, Scheren-Protektoren und Kabelabrieb.
Der Anbieter Allmountainstyle, kurz AMS mit Sitz in Barcelona, hat sich neben Mudguards und Griffen auf Schutzfolien-Sets spezialisiert. Die Foliensets gibt es für alle Bereiche der Bikes in einer Riesen-Auswahl an Designs und Farben. AMS bietet mit dem Honeycomb Bike Guard Total das komplette Set für Sitz- und Kettenstreben, den Hauptrahmen und sogar die Tauchrohre der Federgabel und Extrateile.
Wer die Rundum-sorglos-Lösung haben möchte, der kann sich ein individualisiertes Rahmenschutzset speziell für sein Bike zulegen. Hier bekommt man einen ganzen Bogen mit vorgestanzten Folienformen und einer genauen Anleitung, welches Teil an welcher Stelle des Bikes anzubringen ist.
Für unser Testrad FOCUS JAM² hatten wir den passenden Satz von invisiFRAME bestellt, andere Hersteller, wie z. B. Chameleon Skin aus Italien oder Slicy aus Frankreich, hatten zu unserem Testzeitpunkt Lieferschwierigkeiten. invisiFRAME aus England bietet für viele Bike-Marken und -Modelle speziell konfigurierte Rahmenschutzfolien in allen Größen - sowohl für Carbon- als auch Alu-Rahmen - an, so auch für unser FOCUS JAM². Für jedes Teilstück des FOCUS JAM² ist ein passendes Stück Folie vorgesehen.
Vorbereitung für das Anbringen der Folie
Zu allen „easy-frame“ Bike-Lackschutzfoliensets, die wir verkaufen, liegt eine eindeutige Beschreibung der Anbringung bei.
Im ersten Schritt wird der Rahmen vorgereinigt. Manche Hersteller, wie z. B. Luxshield, liefern dazu schon ein spezielles fettlösendes Reinigungsmittel mit, ebenso ein fusselfreies Tuch.
Die Reinigung der zu beklebenden Fläche sollte vorzugsweise mit Isopropanol oder einer anderen fettlösenden Flüssigkeit einhergehen und zudem mit einem fusselfreiem Tuch durchgeführt werden. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Fläche fett- , öl-, wachs- und silikonfrei ist. Außerdem darf die Oberfläche im Vorfeld nicht mit einem Poliermittel behandelt werden.
Zudem haben wir die Erfahrung gemacht, die wenigen originalen Schutzfolien der Hersteller zu entfernen.
Deine Hände sollten gründlich gereinigt sein. Vermeide einen Pullover zu tragen. Anhaftende Fusseln könnten durch die statische Aufladung der Folie angezogen werden. Um ein sauberes Ergebnis zu erzielen, ist darauf zu achten, dass die Klebeseite der Folie so wenig wie möglich berührt wird.
Mattlack: Schutzfolie hält auf mattem Lack nicht besonders gut. Das liegt daran, dass Mattlack mit Silikon hergestellt wird und sich das Material nicht so gut mit dem Kleber verbindet.
Anbringen der Rahmenschutzfolie
Egal, für welche Version ihr euch entscheidet, generell empfiehlt es sich, Folien immer nass aufzukleben. Nur dann kann der Sitz der Folie korrigiert und optimal ausgerichtet werden.
Danach werden die Folie und auch die Finger mit einem speziellen Wassergemisch eingesprüht. Das kann man auch selbst herstellen: Meist wird empfohlen auf 500 ml Wasser 4 Tropfen Babyshampoo zu geben. Wichtig ist, dass es keine Zusatzmittel, wie handelsübliche Haushaltswaschmittel, enthält.
Gemisch Wasser - Liquid: 500ml - 2 Tropfen* (keine Zusatzmittel, wie handelsübliche Haushaltsabwaschmittel (Palmolive, usw.) verwenden.
*Tipp: Wenn die Folie zu schnell anklebt ist es ratsam mehr Liquid zu benutzen.
Also auch die Finger gut mit dem Wassergemisch befeuchten.
Warum Nassverklebung? Die Folie schmiegt sich so einfacher an, lässt sich gut verschieben, ist einfacher repositionierbar, haftet besser und ergibt am Ende ein homogenes Erscheinungsbild.
Äußere Bedingungen: Verklebe die Folie in einem geschlossenem Raum. Vermeide unnötigen Schmutz, wie Haare oder Fussel. Die Verarbeitungstemperatur sollte in einem Fenster von 15°C und 25°C liegen.
Idealerweise beträgt die Raumtemperatur zwischen 20 und 23 Grad, wenn es kälter ist, lässt sich die Folie nicht gut am Rahmen befestigen. Ein geschlossener Raum wird ebenfalls empfohlen, denn beim Arbeiten im Freien kann durch aufkommenden Wind unerwünschter Staub und Schmutz zwischen Rahmen und Folie gelangen.
Ein Föhn hilft, um die Haftung der Folie an den Rändern zu verbessern und die letzten Wasserreste zu verdrängen.
Danach sollte man mindestens 24 Stunden warten, bis auch die letzten Wasserreste verdunstet sind und die Folie optimal haftet.
Luftblasen: Beim Aufbringen der Klebefolie entstehen immer wieder Blasen, auch wenn man sich noch so sehr anstrengt. Das Gute dabei ist, diese gehen teilweise im Laufe der Zeit von selbst weg. Das Anbringen der Schutzfolie ist einfach, erfordert aber Zeit und Geduld. Die Folie sollte nach dem Aufbringen schön glatt gestrichen werden, um Falten oder Blasen zu entfernen.
Alternativen und Professionelle Hilfe
Wer für sein E-Bike keine teure, speziell zugeschnittene Rahmenschutzfolie findet oder einfach nicht bestellen möchte, kann mit einer guten Universalfolie, die laut Jens Müller idealerweise zwischen 0,3 und 0,36 mm dick sein sollte, empfindliche Teile seines Rahmens schützen. Am besten man fragt bei einem Fachbetrieb, also einem Werbetechniker oder einer Werkstatt für Beschriftung, nach. Oft haben diese Reste von Folien aus der Beklebung von Kraftfahrzeugen übrig und können diese auch schnell und fachmännisch anbringen. Das ist manchmal nicht viel teurer, als die Folie im Internet oder Baumarkt zu kaufen, selbst zuzuschneiden und das Bike zu bekleben.
Entfernen der Folie
Was muß ich beim Ablösen der Folie beachten? Irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ihr die Lackschutzfolie durch eine neue ersetzen wollt, um euer E-Bike in einem frischen Look erstrahlen zu lassen, oder um den unversehrten Rahmen für den Weiterverkauf perfekt zu präsentieren.
Klebt die Schutzfolie schon über einen längeren Zeitraum auf der Lackoberfläche, hilft es, diese etwas anzuwärmen - dazu genügt ein normaler Haarföhn. Diese Methode empfiehlt sich, wenn die Folien auf empfindlichen oder auf bereits beschädigten Oberflächen verklebt wurden. So verhindert man, dass lose Lackteilchen an der Folie haften bleiben und mit abgezogen werden.
Manche Hersteller, wie z. B. Luxshield, empfehlen einen Abziehwinkel von 180°. Sollten noch Kleberückstände am Lack sein, dann kann man diese einfach mit etwas Waschbenzin, Spiritus oder Silikonspray und einem Tuch entfernen.
Demontage der Folie: Die Folie sollte mittels einer Heißluftpistole oder einem Föhn (max. 60°C) vorsichtig und gleichmäßig erwärmt werden. Dadurch „aktiviert“ sich der Kleber und die Folie lässt sich so sehr gut abzuziehen.
Fazit
Alle drei Folien-Lösungen zur Frame Protection funktionieren gut. Es gibt kein besser oder schlechter, sondern hängt von der handwerklichen Begabung und davon ab, wie viel Zeit und Geld man investieren möchte. Wichtig ist, dass das Bike gut geschützt und der Lack so lange wie möglich unversehrt bleibt. Denn das ist nicht nur eine optische Entscheidung, sondern auch eine wirtschaftliche.
Immer mehr Hersteller, wie z. B. Canyon, SCOR oder Specialized, liefern ihre neuen Bikes schon mit Schutzfolie aus. Während beim neuen Canyon Spectral:ON 2022 und beim Specialized S-Works Turbo Levo das Unterrohr durch eine Klarsichtfolie geschützt wird, kann man bei SCOR bei der Bestellung gleich das passende Folienset für das Ober- und Unterrohr sowie die Kettenstreben mitliefern lassen. Gerade bei einem dezenten Bike wie dem SCOR kann man mit den individuell designten Lackschutzfolien viel gestalten. Entweder kann man selbst kreativ werden oder auf Designvorlagen im Konfigurator zurückgreifen. Die erste selbst designte Lackschutzfolie bekommt ihr gratis zum Bike dazu.
Haftungsausschluss: Sollte die Folie beim Biken beschädigt werden, dann ist das ein ganz normaler Vorgang. Die Strapazierfähigkeit ist begrenzt. Sollte sich die Folie beim Biken durch z. B. Reiben mit Schuhen an den Ecken oder Kanten lösen, ist das auch ein möglicher Vorgang. Dahingehend können Segmente als Ersatz geordert werden.
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