Specialized S-Works Crux: Ein ultraleichtes Gravel-Race-Bike im Test

Das Specialized S-Works Crux sicherte sich in einem Gravel-Race-Vergleich den Kauftipp - und bleibt auch weiterhin eines der leichtesten Bikes im Testfeld.

Durch sein federleichtes Gewicht von 7,22 kg war das Specialized S-Works Crux einst das Maß der Dinge im Gravel-Race-Segment. Doch seit seinem Release hat sich die Szene weiterentwickelt und der Wettbewerb ist härter denn je: Aero-Boliden mit mehr Reifenfreiheit setzen neue Maßstäbe.

Um mit der Zeit zu gehen, schickt Specialized das S-Works Crux in einem Custom-Race-Setup mit Road-Komponenten wie Aero-Cockpit und tiefen Laufrädern - übernommen vom Specialized S-Works Tarmac SL8 - ins Rennen. Das Ziel ist klar: Durch die optimierte Aerodynamik soll es auch noch mit den Aero-Gravelbikes der Konkurrenz mithalten.

Was sofort auffällt: Das Crux bleibt sich treu: kein neues Modell mit Aero-Offensive, sondern weiterhin klassische Rohrformen im Stil des Aethos. Während viele Hersteller auf möglichst wenig Luftwiderstand setzen, wirkt der schlanke Rahmen fast schon nostalgisch.

Doch was auf den ersten Blick veraltet erscheint, macht das S-Works Crux mit seinem ultraleichten Design wieder wett. Mit 7,22 kg ist es das leichteste Bike im Test - doch zur Abwechslung mal nicht das teuerste. Unauffällig am Bike ist hier nur der dezente S-Works-Schriftzug.

Die wuchtigen Roval Rapide CLX II-Carbon-Laufräder hingegen sind alles andere als zurückhaltend. Ursprünglich für das Tarmac entwickelt, wurden sie speziell für das Testbike nachgerüstet, um das Crux im Racing-Kontext aerodynamischer zu machen. Ein mutiger Zug, denn im Vergleich zum serienmäßigen Terra CL-Gravel-Laufradsatz sind die Rapide-Laufräder nicht nur schwerer, sondern auch deutlich weniger auf Offroad-Tauglichkeit ausgelegt.

Ausstattung und Komponenten

Maximaler Leichtbau, kompromisslos auf Racing getrimmt: Das Crux verzichtet am Rahmen auf aerodynamische Tricksereien und setzt dafür umso mehr konsequent auf eine High-End-Ausstattung.

Die Roval Rapide Laufräder setzen mit 50 mm Felgentiefe vorne und 62 mm hinten voll auf Aerodynamik. Das bringt Speed auf Asphalt und Hardpack - doch auf grobem Schotter macht sich die schmale Maulweite von 21 mm bemerkbar. Der 42 mm breite Specialized S-Works Pathfinder wölbt sich dadurch stärker ballonartig, was die Aufstandsfläche reduziert und den Grip in Kurven sowie auf losem Untergrund spürbar einschränkt.

Zwar glänzte der Reifen in einem Gravel-Reifenvergleichstest mit einem extrem niedrigen Rollwiderstand, musste dafür aber bei Traktion und Kontrolle spürbare Kompromisse eingehen. Passend zum Aero-Konzept übernimmt Specialized auch das Roval Rapide-Cockpit aus der Road-Kategorie.

Mit 42 cm Breite verspricht es auf dem Papier gute Kontrolle und konnte in der Vergangenheit durch angenehme Ergonomie überzeugen. In der Praxis wirkt das Setup jedoch weniger aggressiv als bei Konkurrenten - und das liegt nicht nur am fehlenden Flare in den Drops, der bei Abfahrten auf losem Untergrund für mehr Stabilität sorgen würde.

Geometrie und Handling

In der Geometrie positioniert sich das Cruxx klar auf der sportlichen Seite des Testfelds. Das Stack-to-Reach-Verhältnis von 1,46 sorgt für eine gestreckte Sitzposition. Der steile 72°-Lenkwinkel verweist auf die Cross-DNA des Bikes und verspricht ein direktes, agiles Handling.

Schon nach wenigen Metern ist klar: Dem Specialized S-Works Crux geht es um pure Geschwindigkeit und Fahrspaß. Mit seinem minimalistischen Design, dem steifen Rahmen und dem ultrageringen Gewicht ist das Crux eines der reaktionsschnellsten Bikes im Testfeld. Doch wo viel Agilität ist, kann die Laufruhe leiden.

Vor allem auf schnellen, ruppigen Abfahrten fordert das Crux eine saubere Linie und eine ruhige Hand, denn es reagiert sensibel auf Lenkimpulse und hält seine Spur weniger souverän im Vergleich zu Gravel-Monstertrucks wie dem Cannondale SuperX oder 3T RaceMax Italia. Im direkten Vergleich bleibt es aber trotzdem stabiler als nervösere Allroad-Modelle und vermittelt stets ein direktes, intuitives Fahrgefühl.

Fahrgefühl und Komfort

Seine wahre Stärke spielt das Crux allerdings im Antritt aus. Kaum ein anderes Bike im Test sprintet so mühelos nach vorne, setzt jede Pedalumdrehung so effizient in Vortrieb um und belohnt einen aktiven Fahrstil mit sofortiger Beschleunigung. Besonders in kurzen, steilen Anstiegen fühlt es sich beinahe unfair leicht an und setzt sich mühelos an die Spitze - hier schlägt die volle Leichtbau-DNA durch.

Selbst das ultraleichte Parapera Anemos² kann da nicht ganz mithalten. Neben all der Dynamik bringt das Crux auch ein sehr hohes Maß an Fahrspaß mit. Der leichte Rahmen, die präzise Lenkung und das verspielte Handling machen es zu einem Bike, das nicht einfach nur gefahren, sondern aktiv bewegt werden will.

Dennoch ist das Crux kein entspannter Cruiser für lange Distanzen - der Rahmen ist straff und schluckt auf ruppigem Terrain längst nicht alle Vibrationen und Schläge. Ein großer Teil des Komforts kommt daher von den Anbauteilen. Die Roval Alpinist-Sattelstütze samt sehr weichem S-Works Power Mirror-Sattel, das Roval-Cockpit und die Pathfinder-Reifen holen spürbar Dämpfung heraus und machen das Crux trotz seines straffen Rahmens deutlich komfortabler als erwartet.

Zwar ist es nicht ganz so bequem wie ein Trek Checkmate SLR, aber viel sanfter als das knochenharte ROSE BACKROAD FF. Durch die großzügige Reifenfreiheit von 47 mm bleibt zudem genug Spielraum für ein Plus an Dämpfung und Grip - ein klarer Vorteil gegenüber dem Canyon Grail CFR XPLR, das mit nur 42 mm hinten deutlich limitierter ist.

Einsatzbereich

Das S-Works Crux ist die ultimative Wahl für Rennen mit vielen Höhenmetern - an steilen Rampen spielt sein geringes Gewicht alle Trümpfe aus und lässt die gesamte Konkurrenz hinter sich. Besonders in kurzen, intensiven Rennen mit vielen Richtungswechseln brilliert das direkte Handling.

Weniger souverän zeigt es sich dagegen auf langen High-Speed-Abfahrten oder grobem Terrain, wo laufruhigere Bikes wie das 3T RaceMax oder Cannondale SuperX mehr Vertrauen vermitteln. Wer ein wendiges, reaktionsschnelles Gravel-Race-Bike mit CX-DNA und viel Fahrspaß sucht, bekommt mit dem Crux dennoch ein pures und präzises Rennwerkzeug.

Fazit

Das Specialized S-Works Crux ist ein ultraleichtes, pfeilschnelles Race-Gravel-Bike mit ausgeprägter Cross-DNA und einem messerscharfen Handling. Sein geringes Gewicht und die ausgeprägte Agilität machen es zur ersten Wahl für steile Kletterpassagen und enge Kurse.

Zwar fordert das Crux eine aktive Fahrweise, belohnt diese aber mit unvergleichlicher Dynamik und maximalem Fahrspaß.

Spezifikationen des Specialized S-Works Crux

Komponente Details
Gewicht 7,22 kg
Rahmen Klassische Rohrformen im Stil des Aethos
Laufräder Roval Rapide CLX II
Reifen Specialized S-Works Pathfinder, 42 mm
Cockpit Roval Rapide

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