Wer wünscht es sich nicht: Drauf auf das Bike und los geht der Fahrspaß, egal wie lange die Tour auch dauert! Doch der Schmerz oder das Taubheitsgefühl am Hinterteil kann aber selbst die herrlichste Fahrradtour verderben. Dies kann aber viele Ursachen haben. Entweder ist der Sattel zu weich oder er passt einfach nicht zum eigenen Körperbau.
Um einen besseren Überblick zu erhalten, erläutern wir die Ursachen von Problemen, bieten Lösungsansätze und beleuchten die Merkmale eines „passenden“ Sattels. Trotz alledem sollte man folgende Punkte in Betracht ziehen, damit die Bike-Tour zur Wohlfühltour wird.
Ursachen für Sitzbeschwerden beim Radfahren
Viele Radfahrer klagen oft über Beschwerden im Gesäßbereich, die von empfindlichen Sitzknochen ausgehen können. Beim Radfahren ist es wichtig, auf die Anatomie des Beckens zu achten. Es ist ratsam, die Druckempfindlichkeit durch kurze und regelmäßige Fahrten zu Beginn der Saison zu trainieren.
Die Knochen nehmen durch das Sitzen keinen Schaden, daher sollte das Körpergewicht vor allem auf ihnen ruhen. Der Abstand der Sitzknochen am Sattel variiert je nach Sitzposition. Bei aufrechter Sitzposition als Trekkingradfahrer rotiert das Becken nach hinten.
Die Breite des Fahrradsattels ist sehr wichtig. Wenn er zu breit ist, können die seitlichen Kanten an den Innenseiten der Oberschenkel scheuern und Druckstellen verursachen. Das kann dazu führen, dass der Biker unbeabsichtigt nach vorne rutscht. Ist der Sattel zu schmal, wird zu viel Druck auf die Weichteile und den Bereich zwischen den Oberschenkeln ausgeübt, wo wichtige Blut- und Nervenbahnen verlaufen, die gequetscht werden können. Leider reagiert dieser Bereich relativ unempfindlich gegenüber Überlastung, was langfristig zu ernsthaften Problemen und Schäden führen kann.
Merkmale eines passenden Sattels
Im Grunde genommen kommt es immer darauf an, wie oft und wie lange man auf dem Bike unterwegs ist. Wenn man sein Rad ab und an für spontane Fahrten in die Stadt oder nur zum Bäcker nutzt, spielen die Sattelqualität, Härtegrad und Breite eine untergeordnete Rolle. Fährt man aber regelmäßig in die Arbeit und geht ab und an auf Tages- sowie Mehrtagestouren, spürt man sofort, ob der Sattel dem Sitzfleisch guttut.
Somit fühlen sich weiche Polster anfangs angenehmer an, führen aber langfristig eher zu Kribbeln, Taubheitsgefühlen und anderen Beschwerden. Dadurch wird der Druck auch auf den weniger empfindlichen, aber problematischeren Damm- und Schambereich übertragen, wodurch Blut- und Nervenbahnen gequetscht werden können.
Egal ob der Sattel ein Loch in der Mitte besitzt, oder der Entlastungskanal mittig vertieft angebracht ist, dieses Feature ermöglich es, den sensiblen Dammbereich zu entlasten. Bei dem Sattelloch ist zu beachten, dass diese Öffnung unter Umständen Grund für eine Verschmutzung der Hose ist und im Winter ein eher unangenehmes Kältegefühl im Sitzbereich erzeugt.
Hierbei sitzt man fest im Sattel, wobei das Becken nach links und rechts mehr Spielraum bekommt. Spannend bei den Testrunden war, dass durch die Active Technologie von SQlab mittels eines Hebels die Flexibilität der beweglichen Sattelschale verändert werden kann. Diese Funktion dient dazu, die Lendenwirbelsäule zu mobilisieren und soll Rückenschmerzen vorbeugen.
Das Obermaterial aller im Test gefahrenen Sättel schützen vor Regen und Schmutz und lassen sich gut abwischen. Bei der Montage der Sättel ist es wichtig, die Anweisungen zu beachten. Sie sollten nicht über die maximalen Markierungen hinaus angebracht werden. Den größten Verstellbereich im Test besitzen Bontrager, Ergon und SQlab.
Immer mehr Marken bieten zudem Adaptermöglichkeiten für Werkzeuge, Lichter oder Satteltaschen über Clipsysteme an, wie es beispielsweise bei Selle Royal der Fall ist. Für E-Biker im Speziellen werden Sättel für noch mehr Komfort optimiert, insbesondere mit einem teilweise höher gezogenen Heck, um das Rutschen bei Bergaufpassagen zu verhindern.
Ganz besonders optisch auffällig sind Sättel, wie der SQlab, mit einem Stufen-Design. Hierbei wird der Druck unter dem Schambeinbogen zusätzlich reduziert. Auch bei Sätteln wird „grün“ gedacht: Selle Italia setzt auf einen automatisierten Prozess zur Herstellung hochwertiger Fahrradsättel, ohne auf umweltschädliche Klebstoffe und Polyurethane zurückzugreifen, um die CO2-Emissionen zu minimieren.
Um ein eindeutiges Ergebnis der zu testenden Sättel zu erhalten, haben wir zum einen die Sättel mittels Druckmessfolie im Labor gefahren. Um die Grafiken besser zu deuten, gibt es folgende Eckpunkte zu beachten: Der schwarze Bereich ist ohne Sitzdruck. Danach steigt der Druck mit den Farben Weiß, Grau, Blau, Grün, Gelb und Rot an.
Somit sind Sättel mit einem druckfreien Mittelareal zu bevorzugen, da diese eine deutliche Aussparung im Damm- und Prostatabereich besitzen. Dies trägt wiederum dazu bei, dass einem der Sitzbereich nicht taub wird. Zum anderen wurden die 23 Testsättel auch auf Tour getestet.
Unser Testergebnis kann hierbei eine Entscheidungshilfe sein. Im Punkt Preis-Leistung hatten in diesem Test unter 23 Modellen die Hersteller Acid und Wittkop die Nasen vorne. Am Ende wurden zwei Testsieger gekürt. Bontrager für den sportlichen Radfahrer mit einer straffen Polsterung und SQlab für Trekking-Biker, der mit einem hochwertigen Fahrkomfort punktet.
Tipps für mehr Komfort
Auch hier gibt es Lösungen, wenn durch das lange Sitzen weiterhin Druckschmerzen oder Hautirritationen an der Tagesordnung sind. Mit beispielsweise einem regelmäßigen Wechseln der Sitzposition durch Aufstehen oder Pausen, kommt mehr Frischluft an den Sitzbereich. Dies verhindert, dass feuchtes und warmes Sitzklima entsteht.
Zudem ist eine Radhose mehr als nur ratsam, da diese den Schweiß im Sitzpolster ideal abtransportiert und durch ihr meist antibakteriell und atmungsaktives Material eine hohe Luftzirkulation ermöglicht. Geschmacksache sind Sitzcremes.
Zudem sollte man auf eine korrekte Sitzposition achten. Höhe, Winkel und Position des Sattels können das Sitzerlebnis stark beeinträchtigen. Bestenfalls sollten Sättel immer waagrecht montiert werden. Leider führt aber auch eine zu hohe Sitzposition zu seitlichen Bewegungen des Beckens über dem Sattel, wodurch das Hin und Her zu Hautirritationen und Reibstellen führen kann.
Sollten weiterhin Probleme im Sitzbereich bestehen, wird empfohlen, ein Fahrradfachgeschäft aufzusuchen, denn oft bieten diese professionelle Bike-Fittings an. Dort werden untere anderen die Sitzknochen vermessen, der passende Sattel ausgewählt, die Einstellung und die Sitzposition überprüft und bei Bedarf optimiert.
Sattelbreite messen
So bieten viele Fachhändler an, den Sitzknochenabstand ihrer Kunden zu messen. Der Münchner Hersteller SQlab hat die Methode der Sitzknochenvermessung in Deutschland etabliert. Aber auch andere Hersteller bieten Sättel an, die auf der Berechnung des Sitzknochenabstands basieren.
Um den Sitzknochenabstand zu messen, brauchen Sie Wellpappe, eine Sitzgelegenheit mit ebener Oberfläche, einen Stift und ein Lineal. Die Wellpappe wird auf die gerade Sitzfläche (beispielsweise ein Hocker) gelegt. Setzen Sie sich nun mittig auf die Pappe und richten Ihren Oberkörper auf, die Füße stellen Sie auf die Zehenspitzen, damit die Sitzknochen mehr Druck auf die Pappe ausüben. Umkreisen Sie nun mit einem Stift den Abdruck, und kennzeichnen Sie den tiefsten Punkt mit einem Kreuzchen.
Weitere Satteltypen
Da gibt es beispielsweise das erhöhte Heck, bei dem die Nase des Sattels tiefer liegt als der hintere Teil. Stufensattel? Gelkissen? Das Problem des Kribbelns und der Taubheitsgefühle gehen Sattel-Hersteller zum Teil unterschiedlich an. Ein anderer Lösungsweg liegt in der Aussparung, die für Entlastung sorgt.
Das natürliche Material passt sich im Laufe der Zeit der Anatomie des Fahrers an, da die Lederdecke wie eine Hängematte vorne und hinten flexibel aufgehängt ist. Die Bespannung muss, wenn der Sattel weich gefahren ist, regelmäßig nachgezogen werden. Leder ist ein natürliches Material, das sich verändert. Daher sollten Ledersättel regelmäßig gefettet und nachgespannt werden.
Einige Hersteller bieten geschlechtsspezifische Sättel an. Ob Gleichstellung oder nicht: ausprobieren. Denn die Hauptsache ist: Sie fühlen sich wohl. Richtig beurteilen lassen sich Sattel und Satteleinstellungen erst, nachdem Sie einige Kilometer damit gefahren sind. Unser Gesäß muss sich erst an den neuen Sattel gewöhnen. Eine schmerzhafte Reaktion auf den ungewohnten Druck ist daher normal. Machen Sie idealerweise drei bis vier Fahrten mit ein bis zwei Tagen Pause dazwischen.
Empfehlungen für Trekking-Sättel
Für alle, die mit ihrem Trekkingrad gerne längere Touren machen, ist der SQlab 602 Ergolux Active 2.0 empfehlenswert. Der 602 Ergolux Active 2.0 hat ein wellenförmiges Stufenheck und eine Einkerbung in der Sattelmitte. Die Schaumpolsterung lässt sich mit dem Finger ein wenig eindrücken, dennoch sinken die Sitzknochen beim Fahren nicht bemerkbar in die Polsterung ein.
Der Scientia von Selle Royal überzeugt mit starker Preis-Leistung. Er kostet weniger als der Testsieger und ist genauso gut für Touren geeignet. Dazu ist er bequem und kommt ebenfalls mit leicht erhöhtem Heck. Darin polstert Gel den Allerwertesten.
Für längere Touren oder zur stärken Entlastung der Bandscheibe und des Rückens kann mithilfe des Drehmechanismus die gewünschte Beweglichkeit eingestellt werden. Der SQlab 602 Ergolux Active 2.1 ist eine lohnenswerte Alternative für Tourenfahrer. Erhältlich ist der Sattel in den Größen 14, 15, 16 und 17 Zentimetern.
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