Fahrradhelm mit Airbag im Test: Eine Revolution für Radfahrer?

Der Hövding Airbag Fahrradhelm stellt ein innovatives Konzept im Bereich des Radfahrerschutzes dar. Anders als herkömmliche Helme wird der Hövding als Kragen um den Hals getragen und schützt im Falle eines Sturzes durch einen Airbag, der sich innerhalb von 0,1 Sekunden entfaltet. Dieses System nutzt integrierte Sensoren, um die Bewegungen des Nutzers kontinuierlich zu überwachen.

Funktionsweise und Sicherheit

Im Falle eines Unfalls werden diese Sensoren aktiviert, und der Airbag schützt den Kopf sowie den Nackenbereich, indem er sich schnell entfaltet und eine Schutzhaube bildet. Das Produkt ist speziell für den urbanen Einsatz konzipiert und sollte ausschließlich beim Radfahren aktiviert werden. Laut wissenschaftlicher Studien bietet der Hövding eine Sicherheitsstufe, die achtmal höher ist als die eines herkömmlichen Fahrradhelms. Dies wird durch die umfassende Schutzwirkung des Airbags und die präzise Auslösung im Falle eines echten Unfalls erreicht.

Ein Stuntman wagte in einem Crashtest den Sprung über den Lenker. Dabei blies sich der Airbag rechtzeitig vor dem Aufprall auf den Boden auf. Beim Aufprall auf dem Boden ist der Kopf von allen Seiten durch den Airbag abgesichert.

Im Labor haben wir ihn aufgeblasen geprüft - mit denselben Methoden wie herkömmliche Fahr­radhelme. Durch den Rund­umschutz erzielte der aufgeblasene Airbag bessere Sicher­heits­noten als die Helme des Tests. Er schützt den Kopf sehr gut und verringert das Risiko für Hirn­verletzungen deutlich.

Der Airbag registriert plötzliche Beschleunigungen und soll sich beim Sturz in Sekundenbruchteilen aufblasen.

Allerdings schützt er nicht in allen Unfallszenarien so gut wie ein Helm. Hier seien herkömmliche Fahrradhelme eindeutig besser als ein Airbag, der sich ja erst entfalten muss. Peuckert: "Der Helm ist immer da, bietet sozusagen ab Millisekunde 0 vollen Schutz."

Einschränkungen und Nachteile

Anders dürfte es jedoch aussehen, wenn der Radfahrende mit dem Kopf direkt gegen ein Hindernis prallt, etwa eine sich öffnende Lkw-Tür in Kopfhöhe oder einen Ast. Dann tritt der Schaden bereits ein, bevor der Airbag eine plötzliche Beschleunigung registrieren und auslösen kann.

Doch wenn der Akku nicht geladen ist, öffnet er sich nicht. Und auch mit geladenem Akku öffnet er sich nicht in allen Situationen zur rechten Zeit.

Komfort und Handhabung

Der Hövding ist für einen Kopfumfang von 52 bis 59 cm geeignet und bietet durch das BOA-System eine individuelle Anpassungsmöglichkeit. Diese Anpassung sorgt für eine gute Passform und erhöht den Tragekomfort. Der Kragen sollte eng anliegen, mit dem Boa-Drehverschluss lässt sich die Weite stufenlos einstellen. Dann noch den Bezug als Abdeckung drüber, fertig.

Den Tragekomfort beschrieben unsere Prüfpersonen jedoch als gewöhnungsbedürftig. Der Airbag wiegt zirka 840 Gramm und liegt wie ein schwerer Schal um den Hals und im Nacken. Bei hohen Temperaturen fließt Schweiß. Den Hövding gibt es nur in einer Größe. Personen mit schmalem Hals können ihn enger stellen. Dann wirft er aber schnell unbequeme Falten.

Dennoch möchte nicht jeder beim Pendeln durch die Stadt einen Helm tragen.

Weitere Aspekte

Die Standard-Ausstattung des Hövding umfasst einen Basisüberzug sowie ein USB-C-Ladekabel, das für die regelmäßige Aufladung des Geräts benötigt wird. Im Falle einer Airbagauslösung bietet der Hersteller an, den Hövding gegen Aufpreis umzutauschen.

Um die Software mit Bewegungsdaten zu füttern, wurden laut Hersteller tausende Stürze und Unfälle mit Stuntfahrten und Crashtest-Dummies nachgestellt. Sensoren registrieren 200 Mal pro Sekunde die Positionsänderung. Erkennt das System einen Sturz, wird der Airbag in weniger als 0,1 Sekunden ausgelöst.

Der Hersteller betont: Das System ist nur während der Fahrt zu aktivieren, denn der Algorithmus in der Steuereinheit auf dem Rücken ist mit den typischen Bewegungsmustern von Fahrradunfällen program- miert. Die Stufen zum Bäcker hochstolpern, könnte sonst mit einem teuren Knalleffekt vor der Theke enden.

Interessant ist auch die Gewichtsverteilung. Das heißt: er ist im hinteren Bereich etwas schwerer, damit er bei bestimmter Belastung eher auf dem Rücken aufliegt, zum Beispiel beim Vorbeugen.

In jedem Hövding ist ein Akku eingearbeitet, der etwa 10 - 15 Stunden hält. Danach muss er wieder aufgeladen werden. Im ausgeschalteten Zustand hält der Akku sogar bis zu 36 Tage.

Hövding 3 im Test: Erfahrungen und Ergebnisse

Der Hövding 3 legt sich wie ein etwas zu starrer Schal um den Hals. Auf dem Rücken liegt eine etwa faustgroße Steuereinheit mit Technik, Akku und Gaskartusche auf. Vorne sorgt ein Reißverschluss für den festen Halt. Ein Drehelement, wie man es von den meisten Fahrradhelmen kennt, zurrt den Hövding 3 fest. Er sollte aber nur so fest angezogen werden, dass der Fahrer noch ausreichend Luft bekommt. Sobald man auf dem Fahrrad sitzt, schließt man die magnetische Sicherung und stellt den Fahrrad-Airbag damit scharf.

Tatsächlich fühlt sich der Hövding 3 beim Anlegen wenig bequem an. Das gilt vor allem dann, wenn man keinen Pullover oder keine Jacke trägt. Er drückt vorne unter dem Kinn und hinten im Nacken. Ist dagegen etwas Stoff zwischen Hals und Hövding 3, wird die Sache deutlich angenehmer.

Beim Fahrradfahren selbst bemerkt man den Fahrrad-Airbag schon nach kurzer Zeit kaum noch. Der Hövding 3 scheint auf die Körperhaltung beim Fahrradfahren optimiert zu sein. Wir ziehen bezüglich des Komforts den Hövding 3 einem klassischen Fahrradhelm vor, schließlich bleibt der gesamte Kopf frei. Nichts drückt auf Ohr oder Kopf und der Fahrtwind streicht angenehm durch das Haar. Auch Damen und Herren, die Wert auf ihre Frisur legen, könnten auf die Lösung von Hövding schielen. Schließlich wird sie nicht von einem Helm plattgedrückt.

Grundsätzlich sollte man beim Hövding darauf achten, dass die magnetische Sicherheitslasche vor dem Absteigen vom Fahrrad gelöst wird. Ansonsten soll es wohl öfter mal vorkommen, dass der Fahrrad-Airbag versehentlich auslöst, obwohl man gar nicht mehr Fahrrad fährt.

Der Hövding 3 erkennt sofort eine kritische Situation und löst die Gaskartusche aus. Mit einem lauten Knall pumpt sich der Fahrrad-Airbag innerhalb einer zehntel Sekunde auf und stülpt sich vom Hals über den gesamten Kopf. Dabei füllt sich auch die Halskrause mit Gas und stabilisiert die Nackenpartie. Das ist für den Fahrer vielleicht sicher, aber nicht gerade angenehm. Wir müssen schnell den Reißverschluss lösen, weil wir kaum noch Luft bekommen.

Vor- und Nachteile des Hövding 3

  • Vorteile: Besserer Schutz in vielen Situationen, angenehmeres Tragen als klassische Helme, keine Beeinträchtigung der Frisur.
  • Nachteile: Kann in bestimmten Situationen falsch auslösen, kein Ersatz bei Auslösung, nicht für anspruchsvolle Trails geeignet.

Mase Airding: Eine Alternative?

Die deutsche Firma Mase hat nun ein Schutzsystem entwickelt, das aktuell wohl die bestmögliche Sicherheit für Fahrradfahrer bietet. Manch einem mag die Idee bekannt vorkommen - und tatsächlich erinnert der neue Mase-Airbag-Rucksack an den Airbag-Kragen des schwedischen Herstellers Hövding. Die Airbags sind rund um Kopf, Nacken und Oberkörper platziert und verfügen über einen Steißbeinschutz.

Insolvenz von Hövding

Ende 2023 meldete der Hersteller Insolvenz an. Unter anderem hatte es Berichte gegeben, wonach manche Akkus sich zu schnell entladen hatten. Mit leerem Akku öffnet sich der Airbag bei einem Sturz aber nicht. Die schwe­dische Verbraucher­schutz­behörde musste zwar ein Verkaufs­verbot für den Helm wieder zurück­nehmen, Hövding glaubte aber nicht, verlorenes Vertrauen wieder herstellen zu können.

Konventionelle Fahrradhelme: Alternativen und Empfehlungen

Neben den Airbag-Helmen gibt es auch eine Vielzahl konventioneller Fahrradhelme, die unterschiedliche Vorteile bieten. Einige Modelle zeichnen sich durch besondere Sicherheitsmerkmale, hohen Tragekomfort oder innovative Designs aus. Hier eine Auswahl:

  • Uvex Urban Planet LED: Bietet zusätzlichen Schutz im Heck- und Schläfenbereich, angenehmer Tragekomfort, robust und mit LED-Licht ausgestattet.
  • Uvex Finale Visor: Verfügt über ein klappbares Visier, Beleuchtung und Insektenschutz.
  • Abus Pedelec 2.0: Integrierter Regenschutz, LED-Licht und optional mit MIPS-System erhältlich.
  • POC Omne Beacon Mips: Stylisches Design und gute Sichtbarkeit.
  • Fischer Urban Plus Brooklyn: Günstiger Helm mit Beleuchtung, Sonnen- und Insektenschutz.

Tipps zum Kauf eines Fahrradhelms

  • Passform: Der Helm sollte stramm sitzen, aber nicht drücken.
  • Größe: Den Kopfumfang messen und den passenden Helm wählen.
  • Sichtbarkeit: Auf Reflektoren oder gut sichtbare Farben achten.
  • Normen: Der Helm sollte den Anforderungen der DIN EN Norm 1078 entsprechen.
  • Austausch: Nach einem Sturz sollte der Helm ersetzt werden.

Fahrradhelme können schwere Kopfverletzungen verhindern und Leben retten. Laut Bundesverkehrsministerium ist ein guter Fahrradhelm dazu in der Lage, bis zu zwei Drittel der Energie zu absorbieren, die bei einem Sturz ohne Helm auf den Kopf einwirken würde.

Tabellarische Übersicht: Vergleich von Fahrradhelmen

Helmmodell Typ Besondere Merkmale Preis (ca.)
Hövding 3 Airbag-Helm Schutz von Kopf und Nacken, schnelle Auslösung 250 € (Abverkauf)
Uvex Urban Planet LED Konventionell LED-Licht, hoher Tragekomfort 100 €
Uvex Finale Visor Konventionell Visier, Beleuchtung, Insektenschutz Variiert
Abus Pedelec 2.0 Konventionell Integrierter Regenschutz, LED-Licht Variiert

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