Fahrradhelmpflicht in Deutschland: Was Sie Wissen Müssen

Sicherheit ist eines der zentralen Themen im Straßenverkehr. Es gibt eine Vielzahl an Maßnahmen, die dafür sorgen sollen, dass alle Verkehrsteilnehmer so sicher wie möglich am Ziel ankommen. Neben den Verkehrsregeln sind in diesem Zusammenhang auch technische Einrichtungen an den Fahrzeugen bzw. die Ausrüstung der Fahrer wichtig. Und nicht nur in Deutschland müssen bestimmte Verkehrsteilnehmer einen Helm nutzen. Eine gesetzlich festgelegte Helmpflicht ist in Europa nicht selten und sollte bei Urlaubsreisen daher nicht außer Acht gelassen werden.

Wie und für wen die Helmpflicht in der StVO definiert ist, welche Sanktionen bei Verstößen drohen und ob es bestimmte Vorgaben für die Helme gibt, erfahren Sie im nachfolgenden Ratgeber.

Gilt in Deutschland eine Helmpflicht?

Ja, für in § 21a StVO definierte Fahrzeuge gilt in Deutschland eine gesetzliche Helmpflicht. Diese ist unter anderem für Motorräder, Trikes und Quads zu beachten.

Muss auf dem Fahrrad ein Helm getragen werden?

Nein, es gibt keine Helmpflicht auf dem Fahrrad. Bei sogenannten Pedelecs kommt es darauf an, um welche Art es sich handelt. Hier kann unter Umständen eine Helmpflicht gelten.

Wie hoch fallen die Sanktionen bei einer Missachtung der Helmpflicht aus?

Ist ein Motorradfahrer ohne geeigneten Helm unterwegs, wird ein Verwarngeld von 15 Euro fällig. Fahren Kinder ohne Helm mit, wird ein Bußgeld von 60 Euro veranschlagt.

Helmpflicht per Gesetz: Ja oder nein?

Besonders Fahrzeuge, die keinen umschließenden Fahrgastraum haben, müssen anders für Sicherheit sorgen. Airbags und meist auch Sicherheitsgurte sind in der Regel nicht möglich bzw. würden wirkungslos bleiben. Um dennoch ein gewisses Maß an Sicherheit zu gewährleisten, wurde die Helmpflicht per Gesetz eingeführt. Doch für wen gilt diese eigentlich?

Eingeführt wurde die Pflicht, auf bestimmten Fahrzeugen einen Helm tragen zu müssen, in Deutschland 1976. Wichtig in diesem Zusammenhang ist § 21a der Straßenverkehrsordnung (StVO). Explizit mit einer Schutzhelmpflicht belegt sind also Krafträder und offene Fahrzeuge, die schneller als 20 km/h fahren können. Auf Motorrädern, Trikes, Quads und einigen E-Bikes muss demnach immer ein Helm aufgesetzt werden.

Im benannten Paragraphen ist zudem bestimmt, dass ein Schutzhelm dann zu tragen ist, wenn die Fahrzeuge keine Möglichkeit zum Anschnallen bieten. Dies beantwortet dann auch die Fragen, ob eine Helmpflicht im Cabrio besteht. Wichtig ist zudem auch, dass nicht nur Fahrer einen Helm tragen müssen, sondern auch etwaige Mitfahrer. In diesem Fall gilt die Helmpflicht explizit auch für Kinder, wenn diese beispielsweise im Beiwagen oder auf dem Quad mitfahren.

Gibt es Ausnahmen von der Helmpflicht? Ist eine Befreiung unter Umständen möglich?

Bestehen außerordentliche Gründe, dass ein Helm nicht getragen werden kann, ist eine Befreiung von der Helmpflicht eine Option. Dies wird jedoch immer für den jeweiligen Einzelfall entschieden. Liegen zum Beispiel gesundheitliche Gründe vor, muss dies durch ein Gutachten bzw. durch eine ärztliche Bescheinigung nachgewiesen werden.

Nur mit Helm? Was ist beim Radfahren vorgeschrieben?

Ob Radfahrer in Bezug auf die Helmpflicht pro oder contra sind, hat in Deutschland rechtlich keine Auswirkungen. Eine Pflicht, auf dem Rad einen Helm zu tragen, gibt es hier nicht. Auf dem Rad entscheidet jeder selbst, ob der Kopf per Helm geschützt wird oder nicht.

Achtung: Auch bei bestimmten Pedelecs ist ein Helm Pflicht. Das S-Pedelec, welches bis zu 45 km/h schnell werden kann, erfüllt die Voraussetzungen aus § 21a StVO. Somit gilt auch auf diesem eine Helmpflicht. Anders können die Regelungen zum Beispiel im Urlaub aussehen, denn in einigen Ländern ist auch auf dem Fahrrad eine Helmpflicht zu beachten. Ob dies für Erwachsene oder nur für Kinder gilt, sollten Reisende vorab klären.

Ohne Helm unterwegs?

Wer mit einem Fahrzeug fährt, für das eine Helmpflicht zu beachten ist, jedoch keinen Helm trägt, muss mit einem Bußgeld rechnen. Die Helmpflicht zu missachten, bedeutet in Deutschland ein Verwarngeld von 15 Euro. Werden allerdings Kinder ohne Helm mitgenommen, erhöht sich der Betrag auf 60 Euro und ein Punkt in Flensburg wird ebenfalls eingetragen.

Die Missachtung der Helmpflicht ist auch in Bezug auf den Versicherungsschutz von Bedeutung. So kann Fahrern durchaus eine Mitschuld an einem Unfall eingeräumt werden, wenn sie fahrlässig oder vorsätzlich ohne vorgeschriebenen Helm unterwegs waren. Versicherungen können die Zahlungen teilweise oder ganz verweigern bzw. den Versicherten in Regress nehmen.

Eine Helmpflicht fürs Fahrrad? Das müssen Sie wissen

Das Fahrrad setzt sich gerade in deutschen Städten immer mehr als bevorzugtes Verkehrsmittel durch. Wenn Sie ohne Helm fahren, verstoßen Sie nicht gegen das Gesetz. Zwar entschied ein Schleswig-Holsteinisches Oberlandesgericht (OLG) 2013, dass im Falle eines Unfalls dem Radfahrer eine Mitschuld gegeben werden könne, wenn er keinen Helm trug (Urteil vom 5. Juni 2013; Az. 7 U11/12). Der Bundesgerichtshof hob dieses Urteil 2014 jedoch wieder auf.

Aktuelle Statistiken zu diesem Thema sind indes sowohl für als auch gegen die Einführung einer Helmpflicht fürs Fahrrad zu interpretieren.

Was spricht für eine Helmpflicht in Deutschland?

Das Tragen eines Helmes ist in Deutschland keine Pflicht, doch gilt eine grundsätzliche Empfehlung für Radfahrer, einen Fahrradhelm aufzusetzen, wenn sie im Straßenverkehr fahren. Laut einer Statistik der Datenbank der Unfallforschung der Versicherer, führen Unfälle in 46 Prozent der Fälle zu Kopfverletzungen, wenn der Radfahrer einen Helm trug. Gerade schwere Unfälle können zu Hirnverletzungen führen - hier minimiert der Helm das Risiko beim Radfahren deutlich.

Statistiken zeigen auf, dass die Anzahl an Verletzungen bei Radfahrern in anderen Ländern zurückgehen nach der Einführung einer Helmpflicht fürs Fahrrad. Rein sozialwirtschaftlich betrachtet wäre eine Fahrradhelmpflicht laut Experten nicht sinnvoll. Verschiedene Studien zeigen auf, dass weniger Menschen nach der Einführung einer Helmpflicht für Fahrradfahrer auf das Rad steigen. Die Zahlen variieren zwischen 10 Prozent und 40 Prozent weniger Radler. Für diese Menschen entfallen die positiven Wirkungen des Radfahrens - etwa die Bewegung.

Viele Radfahrer lehnen einen Fahrradhelm aus Komfortgründen ab - etwa, weil er die Frisur zerstört. Diese Begründung mag bei einem so ernsten Thema etwas oberflächlich erscheinen. Mit einem Helm auf dem Kopf könnten sich viele Radfahrer deutlich sicherer und geschützter fühlen. Aus diesem Grund könnte sich deren Risikobereitschaft erhöhen.

Gilt eine Helmpflicht fürs Fahrrad in Italien?

In vielen Ländern gilt eine Helmpflicht fürs Fahrrad. Kinder werden meist besonders geschützt. Spanien (außerhalb geschlossener Ortschaften.

Worauf ist beim Kauf eines Fahrradhelms zu achten?

Radfahrerinnen und Radfahrer haben keine Knautschzone. Deshalb kommt es darauf an, sich zusätzlich zu schützen. Ein Fahrradhelm hilft, im Falle eines Sturzes eine schwere Kopfverletzung zu vermeiden.

Bei Unfällen von Radfahrern und Radfahrerinnen spielen immer wieder Kopfverletzungen eine Rolle. In vielen Fällen ließen sich diese durch das Tragen eines Helms vermeiden.

Das Tragen eines Fahrradhelms ist in Deutschland keine Pflicht, doch gilt eine grundsätzliche Empfehlung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) auch an Kinder und Jugendliche, einen Helm aufzusetzen, wenn sie im Straßenverkehr mit dem Fahrrad unterwegs sind. Bei schulischen Veranstaltungen kann nach Erlasslage der Bundesländer Helmpflicht bestehen.

Der Helm muss mit der Nummer der angewandten Prüfnorm zu „Helme für Radfahrer und für Benutzer von Skateboards und Rollschuhen“ und dem „CE“-Zeichen gekennzeichnet sein und sollte zusätzlich ein Prüfzeichen, wie das GS-Zeichen ("Geprüfte Sicherheit"),aufweisen. Helle leuchtende/fluoreszierende und reflektierende Elemente auf dem Helm, sowie intergrierte, aktive Beleuchtungs-LED´s, fördern die Sichtbarkeit. Zudem sollte der Helm möglichst leicht sein und Lüftungsschlitze haben. Die Akzeptanz eines Helms und damit die Wahrscheinlichkeit des Tragens steigen, wenn die jungen Nutzerinnen und Nutzer beim Kauf selbst mitentscheiden können. Übrigens: Nach einem Sturz ist der Fahrradhelm zu ersetzen, auch wenn äußerlich keine Schäden sichtbar sind. Worauf beim Kauf eines Fahrradhelms sonst noch zu achten ist, erfahren Sie in der Schrift “Profis fahren mit Helm”.

So passt der Helm richtig

Nur ein richtig sitzender Fahrradhelm kann sein volles Schutzpotenzial entfalten:

  • Der Helm muss gerade auf dem Kopf sitzen.
  • Die Ohren liegen genau im Dreieck der Riemen, die Seitenverstellung befindet sich knapp unter dem Ohr.
  • Der Helm sollte schon ohne besondere Fixierung gut und fest sitzen. Beim leichten Vornüberbeugen mit geöffneten Kinnriemen sollte er nicht sofort vom Kopf rutschen.

Eine Helmpflicht für Radfahrerinnen und Radfahrer wird immer wieder diskutiert. 70.903 von ihnen waren dabei auf einem nicht motorisierten Fahrrad, 23.658 Menschen mit dem Pedelec unterwegs gewesen. 444 Personen kamen ums Leben, davon 256 auf einem "normalen" Fahrrad und 188 auf dem Pedelec.

Der Radverkehr folgt leider nicht dem allgemein positiven Trend der Unfallstatistik.

Unfälle mit Pedelecs gehen häufiger tödlich aus als solche mit Fahrrädern ohne Motor, wofür auch das Alter der Verunglückten ein Grund ist - bei älteren Menschen ist zudem die Wahrscheinlichkeit höher, sich bei einem Sturz schwer oder tödlich zu verletzen. Verletzte oder getötete Pedelec-Fahrende waren im Durchschnitt 53 Jahre alt, die auf einem nicht motorisierten Fahrrad 42.

Welchen Anteil Kopfverletzungen an diesen Zahlen haben, ist nicht bekannt, weil die amtliche Statistik bei einem Fahrradunfall nicht unterscheidet, welche Körperregion betroffen ist.

Jung oder alt: Wer trägt einen Helm?

Die Helmtragequote lag 2022 bei 40,3 Prozent. Dabei war sie bei Pedelecfahrern mit 60,1 Prozent deutlich höher als bei konventionellen Radfahrerinnen und -fahrern (34 Prozent). Am höchsten - 81,3 Prozent - war sie 2022 bei den Jüngsten, nämlich bei Kindern von sechs bis zehn Jahren.

Mit 31,2 Prozent liegt die Gruppe der 17- bis 21-Jährigen in der Statistik ganz hinten. Bei einem Unfall trägt er oder sie ohne Schutzhelm daher kein Mitverschulden an einer Kopfverletzung. Anders sieht es bei sportlich Ambitionierten aus, bei denen es um Schnelligkeit geht und ein höheres Gefährdungspotenzial besteht.

Konkret gilt das für Fahrerinnen und Fahrer von Rennrädern auf der Straße und von Mountainbikes im Gelände. Bei der Ausübung ihres Sports in der Freizeit und im Rahmen von Wettkämpfen wird dringend geraten, einen Helm zu tragen. Andernfalls kann die Betroffenen bei einem Unfall eine Mitschuld treffen, was mit Kürzungen der Schadensersatzansprüche durch die Versicherung verbunden wäre.

Keine gesetzliche Helmpflicht besteht auch für Pedelecs bis 25 km/h. Schnelle Pedelecs bis 45 km/h gelten als Kraftfahrzeuge und dürfen nur mit einem geeigneten Helm gefahren werden.

Auch für E-Bikes, die ohne Tretunterstützung diese Geschwindigkeiten erreichen können, gilt eine gesetzliche Helmpflicht.

Vorschriften und Erfahrungen im Ausland

Nur in einer Handvoll Staaten weltweit existiert eine Helmpflicht für Radfahrende jeden Alters, die auch kontrolliert wird. In Spanien besteht sie außerhalb geschlossener Ortschaften für alle. In weiteren Ländern, darunter Österreich, Tschechien, Kroatien und Schweden, müssen Kinder und Jugendliche grundsätzlich einen Fahrradhelm tragen. Dabei variiert die Altersgrenze von Land zu Land.

Pionier war Australien, in dessen Bundesstaaten und Territorien die Verpflichtung zum Tragen eines Helms zwischen 1990 und 1992 eingeführt wurde. Danach ging nach einer Studie im International Journal of Epidemiology von 2019 die Zahl tödlicher Unfälle von Radfahrern deutlich zurück.

Die Gegner der Helmpflicht argumentieren, dass diese das Radfahren so unattraktiv mache, dass weniger Menschen mit dem Fahrrad unterwegs seien und deshalb auch weniger tödlich verunglücken.

Wie ein Fahrradhelm schützt

Bei einem Verkehrsunfall erleiden viele Radfahrende schwere Kopf- und Hirnverletzungen. Ein Helm lässt diese deutlich weniger schwer ausfallen: Ohne Helm trifft die Aufprallkraft konzentriert auf eine kleine Fläche und kommt dadurch mit großem Druck zur Wirkung. Mit Helm aber verteilt sich die Kraft auf eine viel größere Fläche, im Optimalfall auf die gesamte Helmauflagefläche.

Sehr anschaulich wird dies beim sogenannten Melonentest: Wenn die Frucht ungeschützt aus 1,50 Metern fällt, zerbricht sie. In einen - ausgemusterten - Fahrradhelm gelegt, richtig befestigt und aus der gleichen Höhe fallen gelassen, bleibt sie unbeschädigt.

Tabelle: Helmpflicht in verschiedenen Ländern

Land Helmpflicht
Deutschland Nein (Empfehlung)
Österreich Kinder und Jugendliche
Tschechien Kinder
Spanien Außerhalb geschlossener Ortschaften
Finnland Ja, für alle Altersgruppen
Malta Ja, für alle Altersgruppen

Tipps zum Helmkauf und zum Tragen

Die wichtigste Empfehlung ist, auch für jede noch so kurze Strecke auf dem Rad einen Helm zu tragen. Vor dem Kauf sollte man ihn unbedingt anprobieren. Dass der Helm den geltenden Anforderungen genügt, zeigt das CE-Kennzeichen als Mindestanforderung.

Der Helm sollte mit einer LED-Beleuchtung und reflektierenden Elementen an der gesamten Helmschale sowie im Kinnriemen ausgestattet sein. Noch besser wird die Sichtbarkeit mit einem hellen Design in auffälligen Farben.

Vor dem Aufsetzen ist darauf zu achten, dass die Riemen nicht verdreht sind. Beim aufgesetzten Helm sollen sie vor und hinter dem Ohr vorbeilaufen. Das Kinnriemenschloss darf bei straff gespanntem Riemen nicht direkt auf dem Unterkieferknochen aufliegen, sondern unter dem Kinn.

Der Helm soll mittig auf dem Kopf sitzen und die Hälfte der Stirn bedecken. Bei geschlossenem Kinnriemen darf er sich nicht verschieben lassen. Der TÜV empfiehlt ebenso wie der ADAC, einen Helm nach fünf Jahren auszumustern.

Nach einem Sturz ist der Helm zu entsorgen und zu ersetzen.

So kann Radfahren sicherer werden

Die Infrastruktur für den Radverkehr in Deutschland ist nicht immer optimal. Um die Verkehrssicherheit für Radfahrer zu erhöhen, müssen die Kommunen, Landkreise und Bundesländer für sichere Radverkehrsanlagen sorgen. Dazu gehört - auch wegen der starken Zunahme von Pedelecs - die Realisierung durchgängiger Radverkehrsnetze mit ausreichend breiten Radwegen und sicheren Führungen über Knotenpunkte und Einmündungen.

Wichtig ist mehr Aufklärungsarbeit, damit alle Verkehrsteilnehmenden, also Auto- und Radfahrende, Fußgänger und Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel, mehr Verständnis füreinander entwickeln. Gefordert sind mehr gegenseitige Rücksichtnahme und die Einhaltung der Verkehrsregeln.

Haftungsrechtliche Konsequenzen beim Fahrradfahren ohne Helm?

Allerdings stellt sich gleichwohl die Frage, ob dem Kind beim Fahrradfahren ohne Helm haftungsrechtliche Nachteile drohen, wenn es einen Verkehrsunfall erleidet. Mehrere Gerichte sind nämlich davon ausgegangen, dass hier ein Schadensersatzanspruch gegenüber einem anderen Verkehrsteilnehmer wegen einem Mitverschulden des Radfahrers im Sinne von § 254 BGB gekürzt wird. Hiermit müssen vor allem Rennfahrer rechnen.

Die Frage ist allerdings, ob dies auch bei normalen Fahrrädern gilt. Zwar hat das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht hier den Anspruch einer Radfahrerin wegen einem angeblichen Mitverschulden um 20% gekürzt (OLG Schleswig- Holstein, Urteil vom 05.06.2013 - 7 U 11/12). Diese hatte sich erheblich verletzt, weil ein Autofahrer unachtsam die Türe seines Fahrzeuges geöffnet hatte.

Der Bundesgerichtshof entschied jedoch anders. Er stellte mit Urteil vom 17.06.2014 - VI ZR 281/13 klar, dass der Radfahrerin hier kein Mitverschulden anzulasten ist. Gleichwohl ist unklar, ob dies immer gilt. Denn der Bundesgerichtshof stellte in seiner Urteilsbegründung darauf ab, dass dies „jedenfalls“ für Unfälle bis 2011 gilt. Ebenso ließ der BGH mangels Entscheidungserheblichkeit offen, wie die rechtliche Situation für Radfahrer aussieht, die sich „sportlich betätigen“.

Hieraus ergibt sich, dass es nach der Straßenverkehrsordnung keine Helmpflicht für Kinder beim Fahren mit einem normalen Fahrrad gibt. Insofern droht hier mangels Verstoßes auch kein Bußgeld. Allerdings kann auch nicht mit Sicherheit gesagt werden, dass hier aktuell eine Kürzung eines Schadensersatzanspruches wegen Mitverschuldens definitiv ausgeschlossen ist.

E-Bike-Helmpflicht - muss ich einen Helm tragen, wenn ich ein Elektrofahrrad fahre?

Für E-Bikes beziehungsweise Pedelecs gibt es zwar eine Reihe verschiedener Richtlinien und Gesetze, die für herkömmliche Fahrräder nicht gelten. Die Helmpflicht zählt allerdings nicht dazu. E-Bikes, die auf eine Geschwindigkeit von bis zu 25 Kilometer pro Stunde unterstützen zählen verkehrsrechtlich als Fahrrad. Daher gilt auch für alle Pedelecs, die bis zu 25 km/h unterstützt werden, dass es keine Fahrradhelmpflicht gibt.

Anders sieht dies hingegen bei S-Pedelecs ausm die nicht nach StVO nicht als Fahrräder, sondern Krafträder gelten. Im Paragraf 21a Abs. 2 der StVO ist eindeutig ausgewiesen, dass Fahrer von Krafträdern mit einem Motorantrieb über 20 Kilometer pro Stunde einen Helm tragen müssen.

Fahrradhelmpflicht in anderen Ländern - brauche ich einen Helm für den Bike-Urlaub in der Schweiz, den Niederlanden, Österreich & Co.?

In Deutschland gibt es also keine Helmpflicht für Fahrradfahrer. Aber wie ist es in anderen Ländern? In verschiedenen Regionen Europas und der Welt gibt es eine Fahrradhelm-Pflicht in anderen nicht. Für beliebte Nachbarländer wie Österreich, der Schweiz und die Niederlande kann Entwarnung gegeben werden. Dort gibt es keine Pflicht zum Tragen eines Helms für Erwachsene.

Kinder hingegen müssen zum Beispiel in Österreich und Tschechien einen Helm tragen. Eine generelle Helmpflicht für alle gibt es in Europa nur in Malta und Finnland.

Aber auch in der Slowakei und Spanien (und damit auch auf dem Fahrrad-Eldorado Mallorca) gibt es eine Fahrradhelm-Pflicht außerhalb geschlossener Ortschaften für alle Radler jeden Alters. Für Pedelecs im europäischen Ausland gelten viele verschiedene Regeln. Jedes Land hat andere Vorschriften zur Art der Unterstützung und zur genauen Leistung. In vielen Ländern Europas ist es ebenfalls Pflicht bei der Nutzung von Pedelecs und S-Pedelecs einen Helm zu tragen.

In den meisten Nachbarländern gilt für E-Bikes bis 25 km/h keine Helmpflicht. Ausnahmen sind beispielsweise Kroatien und Spanien, allerdings nur für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre. Global betrachtet gibt es einige Länder, bei denen eine Fahrradhelm-Pflicht gesetzlich verankert ist. Prominenteste Beispiele dafür sind Australien, Neuseeland und Südafrika.

Statistiken und Studien

Um den Schutz eines Helmes zu verdeutlichen, verweist der Neurologe auf den Melonentest: Lässt man eine Wassermelone aus 1,50 m Höhe auf den Boden fallen, zerbricht sie. Wird die Melone allerdings in einem Helm befestigt fallen gelassen, bleibt sie unbeschädigt. Prallt der Kopf ungeschützt auf Asphalt auf, kann es zu schweren Blutungen und Gewebeverletzungen im Gehirn kommen, so Neurologe Erbguth. Sprache, Motorik oder Bewusstsein könnten so geschädigt werden.

Auffällig ist, dass mit der zunehmenden Zahl von E-Bikes auch die Zahl der Fahrradfahrer ansteigt, die einen Helm tragen. Die Helmquote lag laut Bundesanstalt für Straßenwesen im Jahr 2022 bei Fahrerinnen und Fahrern konventioneller Fahrräder bei 34 Prozent. Unter den E-Bike-Fahrerinnen und -Fahrern haben dagegen 60,1 Prozent einen Helm getragen. Insgesamt lag die Helmquote unter allen Radfahrenden bei 40,3 Prozent. Damit ist die Quote gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen: 2021 lag sie noch bei 34,6 Prozent.

Argumente für und wider eine gesetzliche Helmpflicht

Die Diskussion für oder gegen eine Helmpflicht wird immer wieder geführt, dabei gibt es verschiedene Argumente von Befürwortern und Gegnern einer Helmpflicht:

Argumente für eine Fahrradhelmpflicht in Deutschland:

  • Risiko für schwere und leichte Kopfverletzung wird reduziert
  • Kopfverletzungen können tödlich sein
  • Radfahrer haben keinen Schutz wie eine Knautschzone beim Auto
  • einen Fahrradhelm zu tragen ist einfach und ohne Probleme möglich
  • ein Fahrradhelm erhöht die Sichtbarkeit bei allen Verkehrsteilnehmern

Argumente gegen eine Fahrradhelmpflicht in Deutschland:

  • die Radverkehrs-Zahlen würden stark zurückgehen
  • ein Schutzhelm verleitet dazu, unvorsichtiger und mit höherem Risiko Fahrrad zu fahren
  • Kontrollen zur Durchsetzung der Fahrradhelm-Pflicht wären nur sehr schwer machbar
  • Fahrradhelme zerstören die Frisur und führen besonders im Sommer zu erhöhtem Schwitzen

Unfall mit dem Fahrrad - zahlt meine Versicherung trotzdem?

Da es in Deutschland keine Pflicht zum Tragen eines Fahrradhelms gibt, spielt es rechtlich bei einem Unfall keine Rolle, ob du einen Helm trägst oder nicht. Weder für die Schuldfrage noch für die Versicherung ist dies von Relevanz.

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