Fahrradhelm mit Mikrofon im Test: Smarte Helme für mehr Sicherheit und Komfort

Beim Radfahren Musik hören, Podcasts geniessen oder telefonieren - das ist mit einem Fahrradhelm mit Mikrofon möglich. Immer mehr Hersteller integrieren Lautsprecher, Mikrofone und Beleuchtung in ihre Helme, um den Komfort und die Sicherheit der Radfahrer zu erhöhen. Wir haben verschiedene Modelle getestet, um herauszufinden, welche smarten Helme wirklich überzeugen.

Mein Start mit smarten Helmen

Zuerst lud ich den Helm über den Micro-USB Anschluss an der Rückseite. Dabei installierte ich die Coros App und aktualisierte gleich die Software des Helms. Per App installierst du die Firmware Updates. Über Bluetooth fand mein Handy sofort den Helm und während des Tests gab es keine Probleme. Noch schnell die Fernbedienung über die Gummibänder um den Vorbau geschnürt, per Bluetooth gekoppelt und los gehts!

Der Start bei Livall ging ebenso fix mit ihrer App und der Controller koppelte sich von allein. Nur der Gummi, zum Montieren am Lenker, könnte etwas länger sein.

Lautsprecher und Klangqualität

Die Firma Coros und Livall hat sich überlegt Lautsprecher in einen Helm zu integrieren. Damit rutscht dir nicht ständig ein Stöpsel heraus. Klar mit In-Ear Kopfhörern ist das gelöst, dafür hörst du nichts mehr vom Verkehr.

Coros Omni Smart

Die winzigen Lautsprecher liegen vor dem Ohr und nutzen den Knochenschall. Der Klang ist gut und es kommt sogar richtig Bass heraus. Die Geräusche des Verkehrs hörte ich mühelos und mit meinen Freunden konnte ich mich unterhalten. Musik zu hören, klappte mühelos, wie schaut’s mit Hörbüchern oder Podcasts aus? Ebenfalls verstand ich entspannt alle Wörter, sogar bei Gegenwind oder schnelleren Fahrten (ca. 30 km/h). Klar bergab wird es schwierig, aber da stoppe ich eh die Wiedergabe. Deine Umgebung bzw. Mitradler beschallst du nicht, bzw. hören Sie es nur leicht, wenn du die Lautstärke auf Anschlag drehst.

Livall BH 62

Bei Livall fehlt der Bass und der Klang ist blechern und schlechter wie bei dem Omni Smart. Dennoch hörte ich trotz Wind sogar Hörbücher gut, aber deine Mitfahrer und Umgebung verstehen dafür mehr.

Lichter und Blinker

Speziell MTB- oder Rennradfahrer haben das Licht nicht immer mit. Dann dauert die Tour länger, es ist dunkel und du bist ohne Licht. Einmal durfte ich dafür Strafe zahlen. In dem Helm ist zumindest das rote Rücklicht integriert, welches du über den Controller bequem einschaltest. Mir fehlte nur ein weißes Licht für vorn. 12 einzelne LED Punkte leuchten beim Livall, während zwei größere LED Leisten beim Coros blinken.

Der Livall BH 62 ist Fahrradhelm mit Blinker, welchen du über den Controller steuerst. Obwohl ich kaum denke, dass ein Autofahrer das checkt. Deine Mitfahrer merken das Blinken schon eher, weil der Livall dazu piept.

Radhelm mit Beleuchtung durch zwei blinkende LED Rücklichter.

Telefonieren über die Freisprecheinrichtung

Telefonieren beim Radeln, funktioniert über ein kleines Mikrofon im Bluetooth-Helm. Beim Test wurde ich beim Coros besser verstanden. Bei Wind versteht dich dein gegenüber schwer.

Qualität des Bluetooth Helmes und Einstellung

Im Vergleich zu meinem Kask Rapido* Helm ist der Coros Omni nicht so bequem. Du stellst den Omni über das Drehrad ein, aber bei meinen Kask gelingt das einen Ticken besser. Durch die Technik bringt der Coros Omni 360 Gramm auf die Waage und der Kask wiegt 230 Gramm (selbst nachgewogen). Dennoch hat der smarte Omni viele und große Luftlöcher.

Da punktet der Livall BH 62, er liegt mit 295 Gramm dazwischen und wirkt hochwertiger als der Omni Smart, trotzdem kommt er nicht an den Kask heran.

Akkulaufzeit

Extrem überraschte mich der Akku. Bei einigen Herstellern hält der Akku nur die Hälfte der angeblichen Laufzeit durch, nicht bei Coros. Nach mehreren Fahrten von insgesamt 6:30 Std. sind noch 47% drauf (Habe aber nicht die ganze Zeit Musik gehört). Da sind die angegebenen 10 Stunden realistisch. Davon träumt der Livall Helm, nach ca. 6 Stunden geht ihm der Saft aus.

Nachteil bei Livall, er hat einen speziellen USB-Anschluss.

Den Controller am Lenker musste ich immer über die App verbinden, während der Helm automatisch mein Handy fand. Das hat Livall besser gelöst einmal draufdrücken und der Controller wacht auf seinem Schlaf auf und ist sofort einsatzbereit ohne nerviges koppeln. Dafür lassen sich mit dem Livall Controller keine Tracks vor- und zurückspringen, dies funktioniert nur über die Knöpfe am Helm. Das Rücklicht lässt sich nur per Livall App einschalten.

Alternative

Coros bietet den günstigeren Linx* Helm an. Er wiegt 60 Gramm mehr als der Omni und hat kein Rücklicht.

Dort findest du Radlautsprecher und andere Wege deine Radtouren musikalisch zu untermalen. Willst du keinen neuen Helm und trotzdem den Verkehr verstehen, dann schau doch nach Knochenschall Kopfhörern*.

Weitere getestete Smarthelme

Neben den oben genannten Modellen wurden auch weitere Smarthelme getestet. Hier eine Übersicht:

  • Cratoni Smartride: Ein robuster Helm für E-Biker und S-Pedelec-Fahrer mit guter Verarbeitung, gut sichtbaren Lichtern und Walkie-Talkie-Funktion. Allerdings sehr schwer und teuer.
  • Livall BH51 M Neo: Ein schwergewichtiger Smarthelm mit LED-Beleuchtung, Blinkern, Lautsprechern und Mikrofon. Die Lichtausstattung und Blinkfunktion sind Pluspunkte, aber das Gewicht und die Belüftung sind verbesserungswürdig.
  • Livall BH60 SE: Ein leichterer und preiswerterer Smarthelm mit gutem Tragekomfort, Headset-Verbindung und Belüftung. Allerdings nur in einer Einheitsgröße erhältlich.
  • Lumos Kickstart: Ein Helm mit guter Sichtbarkeit im Dunkeln durch LED-Lichter und Blinker. Einfache Bedienung und gute Belüftung, aber nur in Einheitsgröße und ohne Kinnpolster.
  • Sena R1 Evo: Ein Smarthelm mit Gegensprechanlage, der sich gut für Radfahrer eignet, die gerne beim Fahren kommunizieren. Allerdings schwer und mit kleinem Rücklicht.

Die besten Smarthelme im Überblick

Einige Helme können mehr als „nur“ den Kopf schützen. Sie leuchten, blinken, spielen Musik, eignen sich zum Telefonieren und senden bei einem Unfall automatisch eine Nachricht an den hinterlegten Notfallkontakt.

Modell Vorteile Nachteile Preis (ca.)
Sena R1 Evo Mesh-Intercom für Gruppenfahrten, Telefonie, Musikwiedergabe, flexibles Verschlusssystem Kein Frontlicht, kein Blinker, keine App-Anbindung, Lautsprecher ohne Bass 161 Euro
Livall Evo 21 360-Grad-Licht, Blinker mit Fernbedienung, Umgebungslichtsensor, Bremslicht, SOS-Funktion Proprietärer Ladestecker, Licht kann nicht dauerhaft leuchten, Frontlicht nicht sehr hell 120 Euro

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Idealerweise sollten Sie einen Fahrradhelm vor dem Kauf immer anprobieren. Nur so können Sie feststellen, ob er optimal zu Ihrer Kopfform passt. Er sollte stramm sitzen, aber nicht drücken. Als Faustformel gilt: Wenn Sie den Helm vor- und zurückbewegen, sollte die Stirn ein wenig Falten schlagen. Dann sitzt der Fahrradhelm fest genug. Ist der Kinnriemen geschlossen, darf sich der Helm nicht nach hinten abstreifen lassen.

Grundsätzlich ermöglicht es so gut wie jeder Fahrradhelm, die Größe über ein Drehrädchen anzupassen. Dennoch ist es wichtig, einen Fahrradhelm zu kaufen, der von seiner Dimension her zu Ihrem Kopf passt.

Achten Sie beim Kauf auf zusätzliche Reflektoren oder eine für andere Verkehrsteilnehmer gut sichtbare Farbe. Dunkle Fahrradhelme erwärmen sich bei Sonne stärker als helle.

Auf der Verpackung und dem Helm sollte das Produktionsdatum abgedruckt sein. Fahrradhelme, die in der EU verkauft werden, müssen den Anforderungen der DIN EN Norm 1078 entsprechen. Alle Helme in unserem Test erfüllen diese Norm. Wer noch mehr Wert auf Sicherheit legt, kann beim Kauf nach der Norm NTA 8776 Ausschau halten.

Nach einem Sturz sollten Sie Ihren Fahrradhelm durch ein neues Modell ersetzen.

Sicherheit geht vor

Fahrradhelme können schwere Kopfverletzungen verhindern und Leben retten. Das haben bereits verschiedene Studien und Untersuchungen belegt. Laut Bundesverkehrsministerium ist ein guter Fahrradhelm dazu in der Lage, bis zu zwei Drittel der Energie zu absorbieren, die bei einem Sturz ohne Helm auf den Kopf einwirken würde.

Ein Fahrradhelm kann ebenfalls dazu beitragen, dass ein Radler im Straßenverkehr besser gesehen wird. Zudem bieten viele Fahrradhelme zusätzlichen Komfort. Mit einem Sonnenschutz versehen, reduzieren sie einfallendes Licht. Ein wasserdichter Überzug bietet Schutz bei Regen.

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