Fahrradreifen: Breit oder schmal – Vor- und Nachteile

In unserer Themenreihe dreht sich alles um den Fahrradreifen. Nachdem du Teil 1 und Teil 2 bereits gelesen hast, bist du bestens gewappnet für die kommende Fahrradsaison. Redet jemand über die ETRTO Nummer für die Reifengröße bist du nicht mehr beeindruckt, auch den passenden Drahtreifen mit Pannenschutz hast du für dein Fahrrad gefunden. Nun willst du noch das letzte bisschen Performance aus deinem Rennrad oder Mountainbike holen.

Die Wahl der richtigen Reifenbreite

Die Wahl der richtigen Reifenbreite ist entscheidend für die Performance und den Komfort deines Fahrrads. Leider lässt sich das pauschal nicht beantworten. Je nach Fahrradtyp werden unterschiedliche Reifenbreiten gefahren.

Reifenbreite nach Fahrradtyp

Die Reifenbreite geht einher mit dem Anforderungsbereich.

  • Rennrad: Den größten Einfluss auf die Reifenbreite wirst du beim Rennrad und Cyclocross feststellen. Dort ist eine Abweichung von mehr als 5 Millimeter erheblich. Traditionell wurden Rennräder mit sehr schmalen Reifen von 18 bis 20 mm Breite gefahren. Bis in die 2010er Jahre waren 23 mm breite Reifen der Standard. Heutzutage liegt die gängige Reifenbreite bei 28 mm, mit einem Trend zu noch breiteren Reifen bis 32 mm. Diese Entwicklung resultiert aus dem Wunsch nach erhöhtem Fahrkomfort, besserer Traktion und erhöhtem Pannenschutz.
  • Cyclocross: Cyclocross-Räder sind für den Einsatz im Gelände konzipiert und benötigen daher Reifen, die sowohl Traktion als auch Stabilität bieten. Die Reifenbreite liegt typischerweise zwischen 32 mm und 35 mm.
  • Gravelbike: Gravelbikes zeichnen sich durch ihre Vielseitigkeit aus und sind für unterschiedliche Untergründe geeignet. 40-42 mm: Diese Breite ist der Standard für Gravelbikes und bietet einen ausgewogenen Kompromiss zwischen Rollwiderstand und Geländetauglichkeit.
  • Mountainbike (MTB): Bei einem MTB steht die Bodenhaftung und Traktion im Vordergrund. Die MTB-Reifen erhalten daher ein stollenähnliches Profil. Der Rollwiderstand wird nicht so stark in den Fokus gerückt. Bei einem Cross Country und Marathon Mountainbike wird 51 Millimeter bis 54 Millimeter (2,1 Zoll bis 2,3 Zoll) empfoheln. Bei einem All Mountain geht die Tendenz zu 54 Millimeter bis 61 Millimeter. Auf dem Mountainbike (MTB) dürfen es gerne dicke Reifen sein, also Reifen mit größerer Breite. Neben dem optischen Aspekt hat ein Fahrrad mit dicken Reifen Vorteile im Gelände und auf unbefestigten Wegen.
  • Citybike und Trekkingbike: Die Fahrradreifen für die Citybikes und Trekkingbikes sind schmaler als beim MTB, und breiter als beim Rennrad. Ein Kompromiss von Rollwiderstand und Pannenschutz muss her. Ein mäßiges Profil, für guten Grip auf Wald- und Schotterböden und gleichzeitig nicht zu viel davon, um einen hohen Rollwiderstand auf Asphalt vorzubeugen. 37 Millimeter bis 52 Millimeter Reifenbreite gelten als Referenz. Hier kommen typischerweise Reifenbreiten von 37 bis 52 mm zum Einsatz.
  • E-Bike: Je nachdem, welche Art von E-Bike du fährst, kannst du dich an die vorherigen Fahrradtypen halten. Für Fahrräder mit Elektromotor richten sich die Reifenbreiten grundsätzlich nach dem jeweiligen Fahrradtyp. Da E-Bikes schneller unterwegs sind und durch die zusätzliche Technik mehr Gewicht mitbringen, ist zusätzlich auf eine entsprechende Freigabe durch den Hersteller zu achten. Beispielsweise sind beim Reifenhersteller Schwalbe geeignete Reifen mit E-25 und E-50 gekennzeichnet.

Vor- und Nachteile breiter und schmaler Reifen

Vorteile breiter Reifen:

  • Aufgrund ihrer größeren Kontaktfläche mit dem Boden haben breite Reifen eine bessere Bodenhaftung.
  • Breite Reifen fahren über kleinere Bodenunebenheiten einfacher hinweg, was oft als höheren Fahrkomfort empfunden wird.
  • Dadurch eignen sie sich besser für Offroad-Fahrten und auf unbefestigten Wegen.
  • Auch wenn es zuerst etwas unsinnig klingt: Breite Fahrradreifen rollen leichter als vergleichbare schmalere Modelle.
  • Der Fahrkomfort ist um Welten besser. Ein dicker Reifen mit dem richtigen Luftdruck wirkt wie eine zweite Federgabel.
  • Der fette Schlappen steckt viel mehr weg.
  • Deine Fahrtechnik verbessert sich enorm im schwierigen Gelände.

Nachteile breiter Reifen:

  • Schmale Reifen sind leichter und bilden weniger rotierende Masse.
  • Sie lassen sich daher besser beschleunigen, sind also agiler.
  • Der Trick ist die gute Balance zwischen dick und zu dick: Je „fetter“ der Reifen wird, desto schwerer wird er - was sich wiederum bei der Beschleunigung auswirken kann (Trägheitsmoment).

Technische Aspekte und Kompatibilität

Kompatibilität: Nicht alle Fahrradrahmen und -gabeln sind für sehr breite Reifen ausgelegt. Es ist wichtig, die maximale Reifenbreite zu kennen, die dein Fahrrad aufnehmen kann, um sicherzustellen, dass ausreichend Platz vorhanden ist und es nicht zu Reibungen kommt.

Achte darauf, dass du am Hinterrad keinen zu breiten Reifen montierst! An vielen Bikes gibt es wegen den Kettenstreben konstruktiv bedingte Einschränkungen: Hat der Reifen zu wenig Durchlauf, dann wird er beim nächsten kleinen Achter derart am Rahmenrohr anstehen, dass sich nichts mehr bewegt.

Vorne ist der Durchlauf sowieso kein Problem. Die Ideallösung heißt vorne breit und hinten schmäler: Komfort- und Traktionsprobleme werden naturgemäß stärker im Frontbereich wahrgenommen.

Welche Reifenbreiten sind auf meinem Fahrrad möglich?

Meist ist es möglich, auch breitere Reifen auf der gleichen Felge des Fahrrads zu montieren. Wichtigster Ausgangspunkt ist der Reifeninnendurchmesser, den die Fahrradfelge am Laufrad vorgibt. Dieser ist identisch zum Felgen-Nenndurchmesser bzw. Außendurchmesser der Felgenschulter, an dem der Reifenwulst auf der Felge aufliegt.

Will man einen breiteren Reifen aufziehen, muss dieser also denselben Reifeninnendurchmesser wie der bisherige Reifen haben.

Der zweite wichtige Punkt ist die Maulweite der Felge. Die Reifenbreite soll in etwa zwischen dem 1,5- und 2,5-fachen der Maulweite liegen.

Welche maximale Reifenbreite kann ich verwenden?

Die maximal verwendbare Reifenbreite wird durch mehrere Faktoren begrenzt:

  • Die Fahrradgabel hat eine bestimmte Weite und gibt damit eine erste technische Limitierung der Reifenbreite vor. Breitere Fahrradreifen sind zudem höher, daher kann auch der Abstand zur Gabelbrücke zu klein werden.
  • Wenn eine Felgenbremse montiert ist, schränken die Bremshebel die möglichen Reifenbreiten ein. Am besten bei angezogener Bremse den verfügbaren Platz messen und etwas Luft lassen, da sich die Bremsklötze noch abnutzen.
  • Kommen Schutzbleche zum Einsatz, decken diese nur eine gewisse Reifenbreite ab. Auch die Befestigungsstreben der Schutzbleche können die maximale Breite des Reifens begrenzen.
  • Ist die Reifenbreite im Verhältnis zur Maulweite der Felge zu groß, wird die Reifenwand zu sehr beansprucht, es kann zu einem Flankenbruch kommen und der Reifen platzt auf.

Kann ich auch einen dünneren Reifen verwenden?

Normalerweise ja. Im ersten Schritt würde ich anhand der Reifenbeschriftung den Reifeninnendurchmesser bestimmen und mir einen Überblick über verfügbare schmälere Reifen machen.

Die oben genannten technischen Begrenzungen durch andere Fahrradteile machen bei schmaleren Reifen natürlich keine Probleme. Allerdings ist auch hier das Verhältnis zur Maulweite der Felge zu beachten, um Quetschlöcher zu vermeiden.

Welche Reifenbreite darf ich auf meiner vorhandenen Felge verwenden?

Der ETRTO-Standard empfiehlt Reifenbreiten in Abhängigkeit von der Maulweite der Laufradfelge. Doch was ist die Maulweite einer Felge?

Die Maulweite (auch Felgeninnenweite genannt) bezeichnet den Abstand zwischen den beiden Innenseiten einer Felge.

Nachfolgende Tabelle zeigt die empfohlenen Reifenbreiten gemäß ETRTO. Die Angaben beziehen sich nur auf Hakenfelgen (oft mit C angegeben, C = Crotchet = engl. Haken), da diese heute am gängisten sind.

Maulweite der Felge in mm Empfohlene Reifenbreiten in mm
13 18 - 25
15 23 - 32
17 25 - 50
19 28 - 57
21 35 - 62
23 37 - 64
25 44 - 64
27 47 - 64
29 54 - 64

Solange man die empfohlenen Reifenbreiten verwendet, sollte man auf der sicheren Seite sein. Abhängig von der Stabilität des Reifenmantels erlauben manche Reifenhersteller durchaus noch größere Reifenbreiten. Hier bitte im Einzelfall die Herstellerangaben überprüfen.

Der Einfluss des Reifendrucks

Entscheidend ist, dass der Luftdruck stimmt. Zuviel Luft im Bike-Reifen und die ganze Theorie ist nichts mehr wert. Aber: Die Menge Luft raus lassen, damit der Gummi schön geschmeidig und komfortabel rollt, kannst du nur wirklich bei breiten dicken Reifen. Bei schmalen Reifen hättest du zu wenig Schutz für die Felge und folglich an der nächsten Kante ein Problem.

Der Druck im Bike-Reifen wird, genau wie bei der Federgabel, immer abhängig vom Gewicht der Person eingestellt. Alle anderen Richtwerte oder Theorien kannst du komplett vergessen.

Eine Bitte an alle netten Männer: Pumpt die Reifen eurer Partnerin nicht so voll! Wenn du Federgabel und Reifen exakt auf ihr Gewicht anpasst, dann kann sie sich jetzt schon auf ein völlig neues Fahrgefühl im Gelände freuen.

Wird der Fahrradreifen mit zu viel Luft befüllt, steht er ständig unter Spannung und kann leichter bei Unebenheiten platzen. Zudem verliert der Reifen an Bodenhaftung und der Fahrtkomfort leidet darunter.

Nehmen wir aber nun an, du würdest der Fahrradreifen pausenlos mit zu wenig Luft fahren.

Empfehlung: Pump den Reifen lieber mit etwas mehr Luft (an der oberen Grenze der auf dem Reifen angegeben ist).

Beachte: Wir können nur eine allgemeine Empfehlung aussprechen, der Reifendruck ist von den äußeren Bedingungen (Hitze, Kälte), dem Terrain (Gelände, Straße) und dem Körpergewicht des Fahrers abhängig.

  • Ein Rennrad mit Drahtreifen sollte mit 7 bis 9 bar gefahren werden. Verschiebst du dein eigenes Körpergewicht um eine Kommastelle nach links, gilt dies als guter Richtwert. Bei 80kg Körpergewicht wären das 8 bar.
  • Das Mountainbike mit Drahtreifen / Faltreifen sollte einen Luftdruck von 2 bis 3,5 bar besitzen. Die Stabilität, Fahrtkomfort und Bodenhaftung steht im Mittelpunkt beim MTB, daher neigt man beim Mountainbike zu einem etwas niedrigen Reifendruck.
  • Das Trekkingbike und Citybike sollten mindestens 4 bar Luftdruck haben. Besser etwas zu viel Luft im Reifen, als zu wenig. Der Rollwiderstand ist dabei geringer und es wird weniger Körperkraft benötigt.

Warum rollen dicke Reifen besser als schmale?

Die Erklärung liegt im Einfederungsverhalten. Jeder Reifen flacht unter Belastung unten etwas ab. Daraus resultiert eine ebene Aufstandsfläche.

Bei gleichem Luftdruck haben der breite und der schmale Reifen eine gleich große Aufstandsfläche. Während sich der breite Reifen eher in die Breite platt drückt, hat der dünne Reifen eine schmalere aber längere Aufstandsfläche.

Das abgeflachte Stück kann man als einen Lastarm interpretieren, welcher der Rollbewegung des Reifens entgegenwirkt. Durch die stärkere Abflachung des schmalen Reifens wird das Rad „unrunder“ und muss sich beim Abrollen stärker verformen.

Beim breiten Reifen wirkt sich die Abflachung weniger in Laufrichtung aus. Daher bleibt er „runder“ und rollt leichter.

Rollwiderstände: Bereits bei 2bar rollt ein 60 mm breiter Reifen so leicht wie ein 37 mm bei 4bar.

Auf den ersten Blick erscheint es widersinnig, dass ein dicker Reifen besser rollen soll als ein schmaler.

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