Fahrradreifen läuft unrund: Ursachen und Lösungen

Es kommt häufig vor, dass ein Fahrradreifen, insbesondere beim Mountainbiken, nicht rund läuft. Das Problem äußert sich darin, dass das Vorder- oder Hinterrad "eiert". Glücklicherweise kann man kleine bis mittlere Schäden zumeist selbst recht schnell und einfach beheben. Ein direkter Neukauf ist nur dann sinnvoll, wenn die Räder nicht mehr zu retten sind.

Ursachen für einen unrunden Lauf

Wenn man mit dem Mountainbike über Stock und Stein fährt, ist es nicht ungewöhnlich, dass das Laufrad einiges abbekommt. Ein unrunder Lauf kann verschiedene Ursachen haben:

  • Seitenschlag: Hierbei handelt es sich um eine seitliche Abweichung der Spur. Das Rad eiert also von links nach rechts.
  • Höhenschlag: Beim Höhenschlag variiert die Höhe der Felge.
  • Reifen sitzt nicht sauber: Der Mantel sitzt nicht überall exakt gleichmäßig tief in der Felge. Das passiert schneller als man denkt.

Beides, Höhen- und Seitenschlag, kann man recht einfach selbst korrigieren.

Werkzeuge und Vorbereitung

Für die Reparatur eines unrund laufenden Reifens benötigen Sie folgendes:

  1. Nippelspanner: Als Spezialwerkzeug benötigen Sie in jedem Fall einen Nippelspanner. Hier reicht auch ein ganz einfacher. Profis benutzen natürlich einen Zentrierständer. Aber auf den können Sie für den Hobbybereich verzichten, um kleine Schäden zu beheben.
  2. Reifenheber: Zum Abmontieren des Reifens.
  3. Zeit und Geduld: Nehmen Sie sich Zeit und nehmen Sie Änderungen bei der Speichenspannung nur in kleinen Schritten (viertel Umdrehungen) vor. Sonst kommt es ganz schnell vor, dass hinterher mehr kaputt ist als vorher. Aber auch dann keine Panik.

Vorbereitung: Bauen Sie die Reifen (Mantel und Schlauch) vorher aus.

Reifenmontage: Schritt für Schritt

Reifenmontage gehört zum kleinen Einmaleins der Bikereparatur. Hier eine kurze Anleitung:

  1. Kontrollieren Sie, dass das Felgenband korrekt sitzt.
  2. Setzen Sie eine Seite des Mantels auf die Felge. Achten Sie dabei darauf, ob der Mantel eine Laufrichtung hat. Das ist nicht bei allen Mänteln so, aber wenn, dann ist diese meist mit Pfeilen auf dem Mantel markiert.
  3. Pumpen Sie den Schlauch etwas auf - sollte schon eine „schöne Form“ haben - und legen Sie ihn in den Mantel. Beginnen Sie beim Ventil.
  4. Beginnen Sie gegenüber dem Ventil mit dem Einsetzen der anderen Mantelseite und arbeiten Sie beidseitig. Achten Sie dabei darauf, dass der Schlauch nicht eingequetscht wird. Enden Sie am Ventil.
  5. Kontrollieren Sie noch einmal den richtigen Sitz und ob nichts eingequetscht ist.
  6. Pumpen Sie den Reifen einmal auf sein Maximum auf, damit er sich richtig in die Felge setzt.

Wenn der Reifen immer noch eiert

Es kann vorkommen, dass der Reifen auch nach der Montage noch eiert. Letztendlich kann es daran liegen, dass der Mantel nicht sauber in der Felge sitzt. Hier sind einige Tipps, um das Problem zu beheben:

  • Felgenband kontrollieren: Das Felgenband liegt manchmal schon schief drin und muss erneut sauber ausgerichtet oder, falls es kaputt ist, ersetzt werden.
  • Auf- und Abpumpen: Wenn der Mantel in der Felge sitzt, aber eben nicht sauber, erst einmal versuchen, das Ganze mit Kneten zu beheben. Dabei ggf. etwas Luft wieder ablassen. Wenn das nicht klappt, einmal den Reifen bis zum Maximum aufpumpen. Ggf. springt der Mantel dabei richtig rein. Wenn nicht, einfach noch mal wieder stark Luft ablassen und das Ganze noch einmal.
  • Spüli: Spüli kann vorherigen Tipp unterstützen. Einfach Das Felgenhorn und den Reifen mit einem Spüli-Wasser-Gemisch ein wenig einseifen. Das verringert die Reibung und sollte den Prozess vereinfachen.
  • Eine Runde drehen: Einfach mal eine Runde um den Block fahren. Das Gewicht und die Bewegung können ihren Teil zu einem gut sitzenden Mantel beitragen.

Weitere Ursachen und Lösungen

Sollten die oben genannten Maßnahmen nicht helfen, gibt es noch weitere mögliche Ursachen:

  • Fehlerhafter Reifen: Wenn alle Montage-Tipps und Tricks angewandt wurden, bleibt eine sehr einfache Finaldiagnose: der Reifen ist fehlerhaft. Das ist nach keiner Erfahrung keinesfalls selten.
  • Felgenband ragt ins Felgenhorn: Es könnte sein, dass das Felgenband ins Felgenhorn hinein ragt und den Reifen stört. Ein geklebtes Felgenband sitzt etwas genauer.
  • Problemstelle am Reifen: Aber der Reifen selbst kann ebenfalls eine Problemstelle aufweisen. Wenn man diese nicht mit den Augen findet und vielleicht mit einer scharfen Klinge begradigen kann (nur wenn Material über steht), dann kann man einfach mal die Unwucht auf Reifen und Felge markieren (etwa mit einem Klecks TippEx) und den um 180° kopfüber gedrehten Reifen neu montieren. Danach lässt sich bestimmen, ob eine neue Unwucht entweder an der Markierung der Felge oder des Reifens erneut auftritt.

Montagepaste als Hilfsmittel

Professionelle Montagepaste für Zweiradreifen kann hilfreich sein, damit sich der Reifen zuverlässig und gleichmäßig ins Felgenbett senkt. Die Montagepaste wird mit einem kleinen Pinsel aufgetragen und haftet sehr gut an der Stelle, wo man sie braucht. Nach der Montage einfach die Felge feucht abwischen.

Montagepaste vs. Spülmittel

Die Meinungen darüber, ob Spülmittel eine geeignete Alternative zur Montagepaste darstellt, gehen auseinander. Einige sind der Ansicht, dass ein normales Spülmittel für den Zweck völlig gleichwertig ist, während andere davon abraten, da es einen rutschigen Schmierfilm hinterlassen kann.

Felgenband: Die richtige Wahl

Das Felgenband verhindert mechanische Beschädigungen des Schlauchs „von innen“, also durch Speichenköpfe, Metallgrate und Bohrungen in der Felge. Es gibt unter Spannung montierte Kunststoffbänder sowie selbstklebendes Felgenband aus Textilgewebe und Kunststoff.

Es sollte möglichst breit sein und das komplette Felgenbett bedecken. Das Felgenband sollte man regelmäßig, z. B. bei einem Reifenwechsel, kontrollieren, da es verrutschen oder sich ablösen kann.

Empfohlene Felgenbandbreite

Schwalbe empfiehlt für die Rigida Zac19-Felge 22mm breite Bänder.

Reifendruck und Pannensicherheit

Zu hoher oder zu geringer Reifendruck erhöht das Pannenrisiko deutlich. Die passenden Druckangaben finden sich auf der Reifenflanke. Rund einmal im Monat gilt es, den Reifendruck zu prüfen. Sinnvoller ist ein spezieller Reifendruckmesser. In einem Fahrradhaushalt sollte eine entsprechende Standpumpe mit Manometer zur Grundausstattung zählen. Damit lässt sich der Luftdruck direkt ablesen und nach den Vorgaben richtig einstellen.

Ein pannensicherer Reifen kann den Schlauch vor Einstichen schützen. Der „Marathon Plus“ von Schwalbe darf sich beispielsweise „unplattbar“ nennen. Unter der Lauffläche des Reifens verhindert eine hochelastische Pannenschutzeinlage aus Spezialkautschuk den Durchstich von Gegenständen in den Schlauch.

Weitere Tipps für langlebige Reifen

  • Regelmäßige Reifenkontrolle: Ein Blick auf die Reifen lohnt sich immer, um eingefahrene Fremdkörper wie Steine u. Ä. zu entfernen, damit sie sich nicht weiter in den Reifen „einarbeiten“ können.
  • Profil prüfen: Ein abgefahrenes Profil sorgt für ein schlechteres Fahrverhalten, mindert die Traktion und erhöht das Pannenrisiko.
  • Lagerung: Montierte Reifen sollten an einem kühlen, trocknen und möglichst dunklen Ort gelagert werden und immer aufgepumpt sein. Bei längeren Standzeiten lohnt sich eine regelmäßige Kontrolle des Luftdrucks. Im Idealfall sollte das Fahrrad oder E‑Bike hängend gelagert werden. Denn sonst können die Seitenwände des Reifens beschädigt werden.

Tabelle: Häufige Ursachen und Lösungen für einen unrunden Reifenlauf

Ursache Lösung
Reifen sitzt nicht richtig in der Felge Reifen mit Spüli oder Montagepaste montieren, maximalen Reifendruck aufpumpen, Runde fahren
Felgenband verrutscht oder beschädigt Felgenband ausrichten, ersetzen oder breiteres Felgenband verwenden
Defekter Reifen Reifen austauschen
Höhen- oder Seitenschlag in der Felge Speichenspannung korrigieren (zentrieren) oder Laufrad vom Fachmann prüfen lassen

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