Das Fahrradfahren erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Doch wie bei jeder Aktivität gibt es auch beim Radfahren - manchmal zumindest - gewisse Herausforderungen zu bewältigen. Eine Reifenpanne ist für jeden Radfahrer unangenehm. Mal wieder einen platten Reifen? Da ist der Frust groß. Nichts kann die Freude am Radfahren so schnell trüben wie ein platter Reifen. Fast jeder Radfahrer träumt deshalb davon, absolut pannenfrei unterwegs zu sein.
Eine Alternative zum herkömmlichen Pannenschutz? Tubeless zu fahren ist in aller Munde. Da wird die Dichtmilch in den Reifen gekippt und mit dem Fahrrad über Stock und Stein gebrettert. Liegenbleiben wegen eines platten Reifens? In dem Fall selten. Doch wie ist es, wenn die Dichtmilch direkt in den Fahrradschlauch gekippt wird? Ist das dann nicht auch ein prima Schutz und eine echte Alternative zu herkömmlichen Mitteln? Wir sind der Frage nachgegangen. Könnte Dichtmilch im Fahrradschlauch eine Alternative zum herkömmlichen Pannenschutz darstellen? Da wird so manches Mittelchen ausprobiert, um die Reifen und Fahrradschläuche möglichst gut zu schützen oder zu reparieren.
Pannenschutz: Die verschiedenen Methoden
Der Klassiker ist natürlich die Benutzung eines Flickens, um das Loch im Fahrradschlauch zu verschließen. Oder zur Vorbeugung legt sich der ein oder andere ein sogenanntes Pannenschutzband zwischen Reifen und Schlauch. Großer Beliebtheit erfreut sich, gerade beim Rennrad und dem Gravelbike, das Fahren sogar ohne Schlauch, Tubeless genannt. Zum Pannenschutz bei Durchstich und Punktierung wird spezielle Dichtmilch in den Reifen gefüllt, die kleine Löcher während der Fahrt einfach verschließen soll.
Doch unsere Community hat Fragen, bezüglich weiterer Methoden zum Pannenschutz. Wir gehen also der Frage nach: Kann man Dichtmilch nicht auch in den Fahrradschlauch füllen?
Dichtmilch im Fahrradschlauch: Erfahrungen und Meinungen
Die Meinungen gehen da auseinander. Berichte davon gibt es: So mancher Radfahrer hat das bereits ausprobiert, indem er das Ventil herausgedreht und herkömmliche Dichtmilch in den Fahrradschlauch hineingekippt hat. Die dabei erzielten Ergebnisse reichen von "hat alles einwandfrei funktioniert" bis "großer Mist". Nur wenige Radfahrer berichten detailliert über die gewonnenen Eindrücke. Beim klassischen Tubeless-System wird die Dichtmilch in den Reifen gefüllt und, wie der Name schon sagt, ohne Schlauch gefahren.
Ein Radfahrer berichtete jedoch, dass Drücke bis 3bar problemlos haltbar waren, die Schläuche hätten darunter nicht gelitten, weder aufgrund chemischer Reaktion noch durch Reibung der Partikel in der Dichtmilch. Auch die Fahreigenschaften hätten sich nicht spürbar geändert. Eine wirkliche Aussagekraft ist jedoch nur schwer zu gewinnen.
Gibt es ein spezielles Dichtmittel für Schläuche?
Tatsächlich gibt es zum Beispiel vom Hersteller Muc-Off ein spezielles Dichtmittel genau zu diesem Zweck, das sogenannte "No Puncture Hassle Inner Tube Sealant". Laut Angaben des Herstellers soll es durch besondere enthaltene Molekühle Löcher in Schläuchen von bis zu 4 mm schließen. Die Dichtmilch basiert auf einer Formel auf Wasserbasis, das Inner Tube Sealant trocknet nicht aus. Geeignet ist das Produkt für Schläuche mit Schrader- und Presta-Ventilen (mit herausnehmbaren Ventil aus der Ventilhülse).
Die Reaktionen unserer Redaktion sind dennoch verhalten. Als Argument gegen diese Art von Pannenschutz wird das Mehrgewicht und der schlechte Rollwiderstand angeführt. Doch wer auf der Suche nach dem "perfekten" System ist, der wird diese Argumente womöglich außer Acht lassen. Denn, so die Überlegung: Wenn es funktioniert, wieso also nicht?
Expertenmeinung von Schwalbe
Wir wollten natürlich eine seriöse Einschätzung und haben die Experten von Schwalbe zu dem Thema befragt: Macht es Sinn, Dichtmilch in den Schlauch zu kippen?
Man kann und darf Dichtmilch in den Fahrradaschlauch füllen. Wir von Schwalbe wissen aber aus unseren Tests und unserer Erfahrung, dass Dichtmilch beim Schlauch nicht die Funktion erfüllt wie beim Tubeless-Set-up. Durch den Hohlraum zwischen Schlauch und Reifen verteilt sie sich zwar, aber schließt Punktierungen nicht immer. Größte Erfolgschancen bestehen bei kleinen Punktierungen, bei denen der Schlauch seine Spannung weitestgehend beibehält und kein Hohlraum zwischen Karkasse und Schlauch entsteht, in den die Dichtmilch fließen kann.
Eine negative Reaktion (bspw. Abbinden etc.) durch Talkum in und um den Schlauch ist nicht zu erwarten, da das Dichtmittel nur auf Sauerstoff reagiert.
Für den Dauergebrauch empfehlen sich dann doch eher konventionelle Flicken, denn anders als in einem Tubeless-Set-up kann die Dichtmilch nicht ohne Weiteres erneuert werden. Das Dichtmittel härtet je nach Bedingungen nach 3-6 Monaten aus und würde dann im Schlauch in seinen Einzelkomponenten dauerhaft verweilen.
Tubeless-Reifen: Eine Alternative?
Keine Lust mehr auf keine Luft mehr? Tubeless-Reifen versprechen sorgenfreie Radtouren ohne einen Platten. Wir stellen die wichtigsten Vor- und Nachteile gegenüber und zeigen euch, wie ihr euer eigenes Bike entsprechend umrüstet.
Schlauch oder kein Schlauch? Das ist seit einigen Jahren eines der am heißesten diskutierten Themen der Fahrradszene - ganz besonders unter Radfahrern, für die es auch mal etwas sportlicher sein darf. Konkreter lautet die Frage: Vertraue ich der bewährten, althergebrachten Art und ziehe einen Fahrradschlauch zwischen Reifen und Felge oder verzichte ich auf den Schlauch und setze mit einer abgedichteten Felgen-Reifen-Kombination auf tubeless (zu Deutsch: schlauchlos)?
Schließlich - so die Theorie - profitieren Tubeless-Radfahrer unter anderem von einem besseren Pannenschutz und mehr Traktion bei jeder Tour. Die Antwort muss letztlich jeder selbst finden. Auffällig ist: Speziell auf dem Mountainbike und dem Gravelbike setzen sich Tubeless-Reifen immer stärker durch. In den Disziplinen also, wo die Reifen durch Steine, Felsen, Dornen & Co. besonders strapaziert werden. Denn besonders hier wird klar, warum ein gutes Tubeless-Set-up die Nase vorn hat. Der Weg zum eigenen Tubeless-Bike ist übrigens gar nicht so steinig - wir zeigen, wie es geht.
Vor- und Nachteile von Tubeless-Reifen auf einen Blick
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| ⊕ besserer Schutz vor platten Reifen durch Abdichtung defekter Stellen per Dichtmilch | ⊗ etwas aufwendigere Montage |
| ⊕ höherer Fahrkomfort und mehr Grip dank niedrigerer Reifendrücke | ⊗ regelmäßiger Austausch der Dichtmilch notwendig |
| ⊕ geringerer Rollwiderstand | ⊗ teurer in der Anschaffung |
Auf Tubeless umsteigen - so wird’s gemacht
- Passende Felge und Reifen: Sowohl Felge als auch Reifen müssen „tubeless-kompatibel“ sein, damit das System auch wirklich dichthält. Achte daher beim Kauf auf Kürzel wie TLR (Tubeless Ready) oder TLE (Tubeless Easy).
- Felgenband: Mit dem Felgenband werden die Bohrungen für die Speichen in den Felgen abgedichtet, damit die Luft hier nicht entweichen kann. Bei manchen Tubeless-Laufrädern ist das Felgenband bereits ab Werk montiert.
- Ventil: Der Fahrradschlauch verfügt über ein Ventil. Wird der Schlauch entfernt, fehlt also auch das Ventil im Laufrad. Deshalb werden spezielle Tubeless-Ventile verbaut, über die der Reifen aufgepumpt werden kann.
- Dichtmilch: Passen Reifen und Felge perfekt zueinander, hält das System auch so dicht. Doch erst mit der Dichtmilch kommt der größte Vorteil von Tubeless-Set-ups zum Tragen. Denn die „Pannenmilch“ dichtet nicht nur insgesamt besser ab, sondern verschließt bei Defekten auch kleinere Risse oder Einstiche im Reifen.
- Kompressor: Endlich mal richtig Druck machen: Damit sich der Tubeless-Reifen gut in die Felge setzt, muss die Luft möglichst schnell eingefüllt werden. Dazu bieten manche Hersteller spezielle Kompressoren, wie etwa den Tire Booster von Schwalbe.
Anleitung: In 10 Schritten zum Tubeless-Reifen
- Reifen per Reifenheber auf einer Seite von der Felge lösen und den Schlauch entfernen.
- Falls nötig, Felgenband in der zur Felge passenden Breite anbringen. Dabei muss sich das Felgenband an den Enden ein gutes Stück überlappen.
- Loch fürs Ventil durchs Felgenband stechen.
- Ventil einschrauben. Wichtig ist dabei eine zur Felgenform passende Dichtung. Oft liegen dem Ventil verschiedene Dichtungen bei.
- Den Reifen aufziehen, dabei auf die Laufrichtung des Reifens achten. Will der Reifen nicht über die Felge, kann es helfen, diese mit etwas Seifenwasser einzureiben.
- Den Kompressor aufpumpen und die Luft von dort stoßartig in den Reifen ablassen. Wenn es ein paar Mal laut geknackt hat, sitzt der Reifen richtig in der Felge.
- Wenn der Reifen richtig sitzt, die Luft wieder ablassen und den Ventilkern aus dem Ventil schrauben.
- Die für das Reifenmaß benötigte Menge an Dichtmilch durch das Ventil einfüllen.
- Den Ventilkern wieder einschrauben und die Dichtmilch durch Drehen und Schütteln des Laufrades verteilen.
Wichtig: Da die Dichtmilch mit der Zeit verklumpt und erhärtet, sollte sie etwa alle sechs Monate ausgetauscht werden.
Tubeless-Alternativen im Kurzprofil
- SCHLAUCH: Der Fahrradschlauch ist der Klassiker, verliert im sportlichen Bereich aber mehr und mehr an Bedeutung. Allerdings sorgen aktuelle Varianten aus thermoplastischem Polyurethan (TPU) dank besserem Pannenschutz und geringerem Rollwiderstand für eine kleine Renaissance des Fahrradschlauchs.
- SCHLAUCHREIFEN: Bei dieser Variante sind Reifen und Schlauch fest miteinander verbunden. Wegen ihrer guten Rolleigenschaften werden sie speziell im Rennsport eingesetzt. Zwar schwört mancher Profisportler noch auf Schlauchreifen, ansonsten verschwinden sie aber zunehmend von der Bildfläche.
- SCHAUMSTOFF: Nicht nur ohne Schlauch, sondern auch ohne Luft funktioniert das Airless-System. Hier sitzt ein an Styropor erinnernder Kern aus dem Partikelschaumstoff E-TPU unter dem Reifen. Das System ist unplattbar und lange haltbar, für den sportlichen Einsatz allerdings nicht geeignet.
Tubeless-Bereifung: Vorteile bei Schnelligkeit, Komfort und Pannensicherheit
Tubeless-Bereifung bietet eindeutige Vorteile bei Schnelligkeit, Komfort, Grip und Pannensicherheit. Unnötige Reibung zwischen Reifen und Schlauch wird vermieden. Dadurch ist der Rollwiderstand wesentlich geringer als bei Faltreifen oder Schlauchreifen. Tubeless kann man ohne Leistungseinbußen mit einem geringeren Luftdruck fahren. Das bringt Vorteile im Komfort aber auch mehr Kontrolle in kritischen Situationen und auf schlechten Strecken. Gleichzeitig bieten Tubeless-Systeme hohe Pannensicherheit. Die Gefahr von Durchschlägen ist deutlich geringer. Ein plötzlicher Luftverlust durch platzende Schläuche oder Ventilabrisse ist ausgeschlossen. Zudem funktionieren Tubeless-Systeme sehr gut im Zusammenspiel mit Pannenschutzflüssigkeiten.
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