Fahrradreifen Milch: Vor- und Nachteile

Keine Lust mehr auf platte Reifen? Tubeless-Reifen versprechen sorgenfreie Radtouren ohne Pannen. Dieser Artikel vergleicht die wichtigsten Vor- und Nachteile und zeigt, wie man das eigene Bike entsprechend umrüstet. Die Frage, ob man dem bewährten Fahrradschlauch zwischen Reifen und Felge vertraut oder auf den Schlauch verzichtet und auf eine abgedichtete Felgen-Reifen-Kombination (tubeless) setzt, ist seit einigen Jahren eines der am heißesten diskutierten Themen in der Fahrradszene.

Schließlich profitieren Tubeless-Radfahrer von einem besseren Pannenschutz und mehr Traktion bei jeder Tour. Auffällig ist, dass sich Tubeless-Reifen speziell auf dem Mountainbike und dem Gravelbike immer stärker durchsetzen, also in den Disziplinen, wo die Reifen durch Steine, Felsen, Dornen & Co. besonders strapaziert werden. Denn besonders hier wird klar, warum ein gutes Tubeless-Set-up die Nase vorn hat.

Vor- und Nachteile von Tubeless-Reifen auf einen Blick

  • Vorteile:
    • Besserer Schutz vor platten Reifen durch Abdichtung defekter Stellen per Dichtmilch
    • Höherer Fahrkomfort und mehr Grip dank niedrigerer Reifendrücke
    • Geringerer Rollwiderstand
  • Nachteile:
    • Etwas aufwendigere Montage
    • Regelmäßiger Austausch der Dichtmilch notwendig
    • Teurer in der Anschaffung
    • Luftverlust bei längeren Standzeiten

Auf Tubeless umsteigen - so wird’s gemacht

Der Weg zum eigenen Tubeless-Bike ist gar nicht so steinig. Hier ist eine Anleitung:

  • Passende Felge und Reifen: Sowohl Felge als auch Reifen müssen „tubeless-kompatibel“ sein, damit das System auch wirklich dichthält. Achte daher beim Kauf auf Kürzel wie TLR (Tubeless Ready) oder TLE (Tubeless Easy).
  • Felgenband: Mit dem Felgenband werden die Bohrungen für die Speichen in den Felgen abgedichtet, damit die Luft hier nicht entweichen kann. Bei manchen Tubeless-Laufrädern ist das Felgenband bereits ab Werk montiert.
  • Ventil: Da der Fahrradschlauch über ein Ventil verfügt, werden spezielle Tubeless-Ventile verbaut, über die der Reifen aufgepumpt werden kann.
  • Dichtmilch: Die „Pannenmilch“ dichtet nicht nur insgesamt besser ab, sondern verschließt bei Defekten auch kleinere Risse oder Einstiche im Reifen.
  • Kompressor: Damit sich der Tubeless-Reifen gut in die Felge setzt, muss die Luft möglichst schnell eingefüllt werden. Dazu bieten manche Hersteller spezielle Kompressoren.

Anleitung: In 10 Schritten zum Tubeless-Reifen

  1. Reifen per Reifenheber auf einer Seite von der Felge lösen und den Schlauch entfernen.
  2. Falls nötig, Felgenband in der zur Felge passenden Breite anbringen. Dabei muss sich das Felgenband an den Enden ein gutes Stück überlappen.
  3. Loch fürs Ventil durchs Felgenband stechen.
  4. Ventil einschrauben. Wichtig ist dabei eine zur Felgenform passende Dichtung. Oft liegen dem Ventil verschiedene Dichtungen bei.
  5. Den Reifen aufziehen, dabei auf die Laufrichtung des Reifens achten. Will der Reifen nicht über die Felge, kann es helfen, diese mit etwas Seifenwasser einzureiben.
  6. Den Kompressor aufpumpen und die Luft von dort stoßartig in den Reifen ablassen. Wenn es ein paar Mal laut geknackt hat, sitzt der Reifen richtig in der Felge.
  7. Wenn der Reifen richtig sitzt, die Luft wieder ablassen und den Ventilkern aus dem Ventil schrauben.
  8. Die für das Reifenmaß benötigte Menge an Dichtmilch durch das Ventil einfüllen.
  9. Den Ventilkern wieder einschrauben und die Dichtmilch durch Drehen und Schütteln des Laufrades verteilen.
  10. Nach 24 Stunden nachpumpen.

Wichtig: Da die Dichtmilch mit der Zeit verklumpt und erhärtet, sollte sie etwa alle sechs Monate ausgetauscht werden.

Die Milch macht‘s!

Mit Tubeless hat man weniger Platten als mit Schlauch. Tubeless hat aber durchaus auch seine Tücken. Es kann zum Beispiel passieren, dass die Milch den Ventilkern verklebt und dann kann man nicht mehr aufpumpen. Auch die Montage kann durchaus eine Herausforderung sein. Wenn kein Schlauch mitbewegt wird und deswegen weniger Masse verformt werden muss, hat man weniger „Walkarbeit“. Außerdem entsteht zwischen Reifen und einem Schlauch ja auch Reibung - und bei Tubeless nicht. Außerdem kann man Tubeless mit weniger Reifendruck fahren. Und mit weniger Luft wird die Auflagefläche des Reifens größer - inklusive der Kontaktpunkte vom Profil. Dadurch bekommt das Bike noch mehr Bodenhaftung.

Instandhaltung von Tubeless-Reifen

Die Instandhaltung erfordert bei Tubeless mehr Aufwand, weil Dichtmilch mit der Zeit trocknet. Bei manchen Herstellern bilden sich dann nach ein paar Monaten Kügelchen im Inneren des Reifens oder es entsteht eine Haut. Wie oft, hängt übrigens auch davon ab, wie oft man fährt, weil die Bewegung des Laufrads auch die Partikel der Dichtmilch bewegt. Wenn ein Rad über den Winter gar nicht gefahren wird, ist Tubeless im Frühling festgetrocknet.

Tubeless im Vergleich zu anderen Systemen

Tubeless-Bereifung bietet eindeutige Vorteile bei Schnelligkeit, Komfort, Grip und Pannensicherheit. Unnötige Reibung zwischen Reifen und Schlauch wird vermieden. Dadurch ist der Rollwiderstand wesentlich geringer als bei Faltreifen oder Schlauchreifen. Tubeless kann man ohne Leistungseinbußen mit einem geringeren Luftdruck fahren. Das bringt Vorteile im Komfort aber auch mehr Kontrolle in kritischen Situationen und auf schlechten Strecken. Gleichzeitig bieten Tubeless-Systeme hohe Pannensicherheit.

Die Gefahr von Durchschlägen ist deutlich geringer. Ein plötzlicher Luftverlust durch platzende Schläuche oder Ventilabrisse ist ausgeschlossen. Zudem funktionieren Tubeless-Systeme sehr gut im Zusammenspiel mit Pannenschutzflüssigkeiten. Die Vorteile sind vor allem für sportliche Fahrer interessant, denen es um maximale Performance geht.

Das System ist technisch anspruchsvoll und erfordert ein Tubeless kompatibles Laufrad. Wenn Du ein wartungsärmeres Set-Up suchst, dann ist das System mit Schlauch die richtige Wahl für dich.

Weitere Tipps und Hinweise

  • Ein Kompressor oder der Schwalbe Tire Booster sind sehr hilfreich, wenn es beim Aufpumpen Probleme gibt.
  • Unbedingt die Angaben zu maximalem Luftdruck von Reifen und Felge beachten.
  • Bitte zum Aufpumpen keine CO2-Kartuschen verwenden. Das CO2 wirkt sich ungünstig auf die Pannenschutzflüssigkeit aus.
  • Generell ist beim Hantieren mit der Dichtflüssigkeit Vorsicht geboten.

Wie häufig muss die Dichtflüssigkeit nachgefüllt werden?

Doc Blue bleibt ca. 2000 km oder 2-7 Monate als vorbeugender Pannenschutz im Reifen aktiv. Wenn das System einmal dicht ist, musst Du die Milch nicht unbedingt nachfüllen. Die zusätzliche Schutzwirkung gegen Pannen hast Du natürlich nur, wenn es noch aktive Milch im Reifen gibt. Wir empfehlen die Dichtflüssigkeit vor einem Wettkampf oder einer größeren Tour zu kontrollieren und zu erneuern. Wenn Dich das Mehrgewicht nicht stört, kannst Du auch einfach zusätzliche Dichtmilch einfüllen.

Problembehebung beim Aufpumpen

Aufpumpen ist häufig das größte Problem beim Montieren eines Tubeless-Reifens. Gerade bei eher klassischen Felgenformen, die nicht optimal für eine Tubeless-Montage konstruiert sind, entweicht die Luft beim Pumpen oft unkontrolliert zwischen Reifenwulst und Felge.

Folgende Kniffe schaffen Abhilfe:

  • Kontrollieren, dass das Ventil zwischen den Reifenwülsten positioniert ist.
  • Montagefluid verwenden! Durch den Gleitfilm rutschen die Reifenwülste viel leichter in die vorgesehene Position.
  • Ventileinsatz entfernen um den Luftdurchfluss zu vergrößern.
  • Wenn der Reifen zu locker sitzt, hilft oft eine zusätzliche Lage Felgenband.
  • Reifen vorher mit Schlauch montieren und 24 Stunden ruhen lassen.

Alternativen zu Tubeless

Es gibt auch Alternativen zu Tubeless-Systemen:

  • Schlauch: Der Fahrradschlauch ist der Klassiker, verliert aber im sportlichen Bereich mehr und mehr an Bedeutung. Allerdings sorgen aktuelle Varianten aus thermoplastischem Polyurethan (TPU) dank besserem Pannenschutz und geringerem Rollwiderstand für eine kleine Renaissance des Fahrradschlauchs.
  • Schlauchreifen: Bei dieser Variante sind Reifen und Schlauch fest miteinander verbunden. Wegen ihrer guten Rolleigenschaften werden sie speziell im Rennsport eingesetzt.
  • Schaumstoff: Nicht nur ohne Schlauch, sondern auch ohne Luft funktioniert das Airless-System. Hier sitzt ein an Styropor erinnernder Kern aus dem Partikelschaumstoff E-TPU unter dem Reifen. Das System ist unplattbar und lange haltbar, für den sportlichen Einsatz allerdings nicht geeignet.

Fazit

Pizza oder Pasta, Tubeless oder Schlauch? Am Ende ist es eine Frage des Geschmacks - und natürlich der Anforderungen. Denn beide Varianten haben Vor- und Nachteile:

  • Tubeless Vorteile:
    • Erhöhte Pannensicherheit, vor allem bei Durchlägen und kleinen Durchstichen wie z.B. von Dornen
    • Weniger Luftdruck bringt mehr Grip, Traktion und Komfort (vor allem beim Mountainbike)
    • Weniger Gewicht an der rotierenden Masse
  • Tubeless Nachteile:
    • Mehr Aufwand bei der Installation
    • Dichtmittel muss 2x jährlich getauscht werden
  • Schlauch Vorteile:
    • Einfachere und schnellere Installation
    • Keine Gefahr der "Schweinerei" mit Dichtmittel bei der Installation
  • Schlauch Nachteile:
    • Anfälliger für Pannen bei Durchstichen und Durchschlägen auf die Felge
    • Tendenziell etwas mehr Luftdruck nötig, dadurch leicht reduzierter Grip und Komfort
    • Mehr Gewicht an der rotierenden Masse

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