Alternativen zur Fahrradreifen Montagepaste: Tipps und Tricks für eine erfolgreiche Reifenmontage

Die Montage von Fahrradreifen kann manchmal eine Herausforderung sein. Oftmals sitzen Reifen sehr stramm, was die Montage erschwert. Doch was tun, wenn der Reifen partout nicht auf die Felge will? Dieser Artikel gibt Ihnen alternative Tipps und Tricks rund um die Reifenmontage, wenn es mal schwierig wird.

Was man beim Reifen machen kann

Am Reifen selbst ist offenbar wenig zu tun. Natürlich muss die Größe passen, und zwar diejenige, die in der ETRTO-Angabe steht. Die „European Tyre and Rim Technical Organisation“ legt den Durchmesser genau fest. Wenn auf dem Reifen beispielsweise „40-622“ steht, sollte der Reifen auf eine Felge passen, die an der Stelle, wo der Reifenwulst beim aufgepumpten Reifen sitzt, einen Durchmesser von 622 Millimeter hat. Das ETRTO-Maß ist viel eindeutiger als die früher üblichen Angaben in Zoll.

Ist ein neuer Reifen trotz eigentlich korrekter Maße zu stramm, kann man ihn auf eine andere Felge montieren und über Nacht mit dem maximal zulässigen Druck aufgepumpt stehen lassen. Manchmal dehnt sich ein neuer Reifen dabei und lässt sich dann leichter auf das gewünschte Rad montieren. Viel mehr ist am Reifen nicht zu machen. Vor allem hochwertige Reifen, die auch für die Tubeless-Montage geeignet sind, müssen eng sitzen, um dicht zu halten.

Ein Tipp zum Reifen hat sich doch noch aufgetan. Online-Redakteurin Sandra Schuberth kam mit Hilfe der warmen Sommersonne zum Erfolg:

Sandra Schuberth: “Vor einiger Zeit hatte ich mal so ein Ungetüm von Reifen, bei dem kein Trick helfen wollte. Schließlich habe ich sie auf dem Balkon in die pralle Sommersonne gestellt, in der Hoffnung, dass diese den Reifen etwas geschmeidiger macht. Ordentlich aufgeheizt klappte dann die Montage - noch nicht gut aber besser als vorher.”

Tricks mit der Felge

An der Felge gibt es möglicherweise mehr Möglichkeiten. Ein supersimpler Trick aus dem Internet ist es, das dünnstmögliche Felgenband zu verwenden. Ich habe nachgemessen: Das zum Kreis geschlossene, hellblaue Kunststoffband in meinem Tourenrad ist 0,5 Millimeter dick, das selbstklebende Tubeless-Band für mein Rennrad nur 0,1 Millimeter. Der Durchmesser multipliziert mit der Zahl Pi ergibt den Umfang eines Kreises. Ergebnis der Rechnung: Der Umfang verringert sich mit dünnem Felgenband um knapp 2,6 Millimeter. Das bringt wohl meistens wenig, doch es soll auch einen Millimeter dicke Felgenbänder geben. Dann würde der Tausch schon relevanter.

Der zweite Check gilt dem Felgenbett: Ist es eine Tubeless-Felge? Die erkennt man unter anderem daran, dass sie im Felgenbett eine tiefe umlaufende Rinne hat, aber weiter außen, wo der Reifenwulst sitzt, ganz eben ist. Eine Norm für diese Art Felgen legt fest, dass die Rinne zwischen 2,6 und 3 Millimeter tief sein muss. Wenn diese Rinne (das sogenannte Tiefbett) vorhanden ist, verschafft sie erheblich mehr Spielraum als ein dünneres Felgenband. Auch bei fast allen anderen Felgen ist das Felgenbett einwärts gewölbt. Das ist für die Reifenmontage entscheidend.

Es gilt also immer, den größtmöglichen Teil des Reifenwulstes in die Felgenmitte zu schieben, wo der Durchmesser am geringsten ist, um den Reifen schließlich an einer anderen Stelle über das Felgenhorn wuchten zu können.

Die Reifenmontage

Der Tipp, den Reifen dabei erst zuletzt in der Nähe des Ventils über die Felge zu hebeln, hat mir eigentlich nie eingeleuchtet. Wer das so macht, muss nämlich abschließend das Ventil nach innen drücken, damit der Reifen keine Beule nach außen hat. Doch bei knapp sitzenden Reifen hat die Variante „Ventil zuletzt“ definitiv einen Vorteil: Der Reifenwulst lässt sich auf fast dem gesamten Reifenumfang in die Felgenmitte schieben, also zum tiefsten Punkt des Felgenbetts.

Damit der Wulst während der Reifenmontage dort bleibt, hilft notfalls die Fingerkraft eines netten Menschen oder ein Riemen respektive Kabelbinder. Der kann auch helfen, den bereits montierten Teil des Reifens zu fixieren, während man an anderer Stelle weiterwerkelt. Auf den letzten Zentimetern ist die Reibung zwischen Reifen und Felgenhorn besonders hoch. Hier kommt notfalls ein Montagefluid zum Einsatz, eine Art optimierte Seifenlauge. Im Prinzip tut es auch Spülwasser. Nach dem Einschmieren kommt man allerdings nur noch mit Reifenhebern weiter, denn für die Reifenmontage per Hand wird die Angelegenheit zu glitschig.

Alternative Gleitmittel zur Reifenmontage

Was kann man als Reifenmontiermittelersatz nehmen? Hier einige Vorschläge aus der Community:

  • Spülmittel (sparsam verwenden!)
  • Bremsenreiniger (verflüchtigt sich schnell)
  • Talkpulver
  • Gleitmittel für Abwasserrohre (HT-Rohr-Schmiere)
  • Schmierseife

Achtung: Spülmittel kann den Nachteil haben, dass es bei Nässe wieder rutschig wird.

Tubeless für alle?

Tubeless-Reifen sind eigentlich ein alter Hut: Praktisch jedes Auto fährt ohne Schlauch. Der Luftdruck presst den Reifen gegen die Felge und dichtet so das System ab. Auch beim High-End-Mountainbike und vielen Gravelbikes ist die Technik seit Jahren verbreitet. Doch aus physikalischen Gründen und wegen der empfindlicheren Reifen kommt bei Fahrrädern zusätzlich Dichtmilch zum Einsatz. Sie dichtet den Übergang zwischen Reifen und Felge und verschließt kleinere Durchstiche von selbst.

Bei diesen Sporträdern hat Tubeless oft Vorteile: Tubeless-Reifen lassen sich mit weniger Druck fahren, ohne einen Durchschlag zu riskieren, der den Schlauch beschädigen würde. Und weniger Druck bedeutet mehr Grip und mehr Komfort.

Stefan Franken, Produktmanager Tourenreifen, SCHWALBE: „Auch an Tourenrädern nutzen manche Hersteller die eigentlich vorteilhaften, breiten Tubeless-Felgen vom Mountainbike. Das ist kein Problem, wenn alle Maße stimmen. Wenn sich bei so einem ausgereizten System die unvermeidlichen Toleranzen bei Felgen und Reifen aber zufällig addieren, kann es bei der Montage etwas schwieriger werden.“

Vor- und Nachteile von Tubeless

Doch was bringt Tubeless für Tourenradler, die mit normalem Luftdruck auf halbwegs gepflegten Radstrecken reisen? Für die Technik spricht die erhöhte Pannensicherheit gegen kleine Schnitte und Durchstiche - doch die sind bei entsprechenden Reifen ohnehin selten. Auch die Gewichtsersparnis ohne Schlauch ist nicht überwältigend: Ein mittelschwerer Schlauch für durchschnittlich breite Reifen wiegt etwa 120 Gramm, die Dichtmilch etwa 60 bis 90 Gramm pro Reifen.

Ein Argument, das vor allem bei Rennradlern zieht, ist der verringerte Rollwiderstand. Weil sich ein Schlauchlosreifen beim Abrollen leichter verformt als die Kombination aus Reifen und Schlauch, lassen sich offenbar ein paar Watt sparen: Einige Profiteams bei der Tour de France waren schlauchlos unterwegs.

Am Gebrauchsrad sprechen praktische Gründe dagegen eher gegen Tubeless. Das beginnt bei der Reifenmontage: Tubeless-Reifen müssen schlagartig mit viel Luft befüllt werden, um dicht abzuschließen. Das erfordert einen Kompressor oder eine spezielle Pumpe mit Druckbehälter. Das Einfüllen der klebrigen Dichtmilch und die Demontage eines so betankten Reifens können in eine ziemliche Sauerei ausarten. Zudem muss die Dichtmilch alle paar Monate nachgefüllt werden, um bei Pannen zuverlässig abzudichten (ohne Pannen hält auch eingetrocknete Milch dicht). Nicht zuletzt erfordert ein Tubeless-Reifen auch häufigeres Nachpumpen als ein guter Butylschlauch, das Ventil verklebt zudem leicht.

Weitere Tipps für eine erfolgreiche Reifenmontage

  • Alle Speichenbohrungen müssen vollständig und sicher durch ein geeignetes Felgenband abgedeckt sein.
  • Pumpe den Schlauch leicht auf, bis er eine runde Form hat. Das Ventil durch die vorgesehene Bohrung der Felge stecken.
  • Schlauch in den Reifen einlegen.
  • Verwende zur Montage keine scharfen Montierhilfen.
  • Gegenüber dem Ventil beginnend montierst Du die andere Reifenseite auf die Felge. Der Schlauch darf nicht zwischen Reifen und Felge eingeklemmt sein.
  • Achte auf rechtwinklige Stellung des Ventils.
  • Zentriere den Reifen, bevor Du ihn bis zum gewünschten Druck aufpumpst.
  • Benutze ein Manometer, um den Reifendruck einzustellen. Der zulässige Druckbereich ist auf der Reifenflanke angegeben.
  • Kontrolliere den Reifendruck mindestens einmal pro Monat mit einem Luftdruckprüfer.

Wenn die Durchmesser von Felge und Reifen nicht optimal aufeinander abgestimmt sind, treten häufig Montageprobleme auf.

Hilfreich ist es immer die Montage gegenüber dem Ventil zu beginnen und am Ventil zu beenden, da sich der zu montierende Reifenwulst auf möglichst langer Strecke im Felgentiefbett befinden sollte.

Statt den Reifen mit dem Daumen zu drücken, ist es oft leichter den Reifenwulst von gegenüber über das Felgenhorn zu „rollen“.

Sehr hilfreich sind natürlich Reifenheber. Achte dabei darauf, dass der Reifenwulst keinen Schaden nimmt. Immer nur ein kleines Stück hebeln und den Reifenheber lieber öfter ansetzen. Auf keinen Fall Reifenheber aus Metall verwenden.

Sehr hilfreich ist hier eine dritte Hand, die den Reifen auf der gegenüberliegenden Seite im Tiefbett festhält. Auch ein Kabelbinder oder ein alter Pedalriemen können gute Dienste als "dritte Hand" leisten.

Der Schwalbe Reifenheber ist besonders hilfreich bei schwierigen Montagefällen. Du kannst ihn auf der Felge einclipsen und damit den bereits montierten Bereich des Reifenwulstes fixieren. Dieser rutscht dann nicht mehr heraus während Du den letzten Abschnitt über die Felge hebelst.

TIPP: Wenn sich Fahrradreifen schwer montieren bzw. demontieren lassen, hilft in den meisten Fällen die Verwendung eines Tubeless-Felgenbands anstatt der üblich verbauten Standardfelgenbänder.

Wenn der Felgendurchmesser zu groß und/oder der Reifendurchmesser zu klein ist, gleitet der Reifenwulst nur schwer in die richtige Stellung auf der Felgenschulter.

Abhilfe: Den Druck kurzfristig überhöhen und/oder den Reifenwulst mit Seifenlauge oder Montageflüssigkeit einreiben, um ihm das Gleiten zu erleichtern.

Unser Montagefluid Easy Fit lässt sich sehr einfach mit der praktischen Schwammdose- ohne Hilfsmittel und schmierige Finger - auf den Reifenwulst auftragen. Beim Aufpumpen gleitet der Reifenwulst dann leicht in die richtige Position auf der Felge. Nach ca. 10 Minuten verflüchtigt sich die Flüssigkeit vollständig.

Wenn der Felgendurchmesser zu klein und der Reifendurchmesser zu groß ist, kommt der Reifen unabhängig vom Reifendruck nicht richtig zum Sitzen. Abhilfe schafft meistens ein Zentrieren des Reifens von Hand bei sehr geringem Druck. Bearbeite den Reifen mit dem Daumen, bis die Felgenkennlinie des Reifens an allen Stellen parallel zur Felge verläuft.

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