Schwalbe Spikereifen im Test: Sicherheit und Performance im Winter

Radfahren bei Matsch, Schnee und Eis: Spikereifen am Fahrrad sind ein beliebtes Hilfsmittel, um im Winter sicher auf Eis und Schnee unterwegs zu sein. Aber sind die Winterreifen mit den Metallstiften überhaupt erlaubt?

Sind Spikes am Fahrrad erlaubt?

Tatsächlich gilt das Verbot der Stollenreifen für Autos nicht für Fahrräder und E-Bikes, wie der ADFC erklärt. Heißt, Spikereifen bei winterlichen Bedingungen sind kein Problem. Achtung aber bei S-Pedelecs (also E-Bikes mit 45 km/h Höchstgeschwindigkeit): Hier gelten Sonderregeln und Spikes sind NICHT erlaubt.

Was sind Spike-Reifen überhaupt?

Spike-Reifen, auch bekannt als Stollen- oder Winterreifen, sind eine speziell entwickelte Art von Fahrradreifen, die für optimale Leistung und Sicherheit unter winterlichen Bedingungen konzipiert sind. Dank der auf der Lauffläche eingearbeiteten Metallstifte krallen sich die Spezialpneus ins Eis, Schnee oder Schneematsch. Aber: Die Spikes sind nicht spitz, wie der Name suggeriert, sondern haben einen abgeflachten, runden Kopf.

Die getesteten Spikereifen im Überblick

Im Folgenden werden einige der bekanntesten und getesteten Spikereifen für Fahrräder vorgestellt:

  1. Schwalbe Marathon Winter Plus: Einer der bekanntesten Spikereifen für das Fahrrad. Bis zu 240 Spikes sollen das Rad sicher in der Spur halten, selbst auf eisglatten Straßen und in Kurvenlage. Dazu beitragen soll auch das spezielle Lamellenprofil sowie der Wintercompound.
  2. Specialized Icebreaker Reflect: Specialized versieht seinen Icebreaker Reflect Winterreifen mit Wolframcarbid-/Stahlstollen, die einen hohen Grip auch bei widrigem Wetter bieten sollen. Dazu hat der Fahrradreifen ein recht offenes, schneeabweisendes Profil, um stets eine hohe Traktion zu gewährleisten.
  3. Continental Contact 240: Volle Kontrolle bei Eis und Schnee soll der Continental Contact 240 bieten. Der stark profilierte Winterreifen besitzt dazu zwei Reihen an Spikes, die für sicheren Grip bei winterlichem Wetter sorgen sollen.
  4. Schwalbe Ice Spiker Pro: Wer mit dem MTB sicheren Halt auf rutschigem Winter-Geläuf haben möchte, der sollte sich den Schwalbe Ice Spiker Pro einmal anschauen. Bis zu 402 Wolframcarbid-Spikes, je nach Reifengröße, krallen sich förmlich in den pulvrigen Untergrund.
  5. Kenda Klondike Elite: Hartmetall-Spikes sollen für den benötigten Grip auf Schnee und Eis sorgen. Gut zu wissen: die Spikes sind in je zwei Reihen seitlich angebracht, die Lauffläche kommt dagegen ohne aus. Sobald es in leichte Kurvenlage geht, packen die Spikes jedoch zu.

Schwalbe Marathon Winter Plus im Detail

Die Winterversion von Schwalbes Dauerläufer Marathon ist ein mächtiger Reifen: 920g, 36mm breit und 240 Spikes machen Eindruck. Das Profil des Marathon erinnert viel mehr an einen Winterreifen am Auto als an einen Spikereifen für’s Rad. Recht geringe Profiltiefe, große Abstände zwischen den Stollen und die charakteristischen gezackten Rillen längs zur Fahrtrichtung sollen für Grip in allen Lagen sorgen.

Schwalbe empfiehlt für den Marathon Winter einen Druck zwischen 2,5 und 5 Bar - für den Einsatz bei trockenen Verhältnissen auf Asphalt entscheiden wir uns für den Maximaldruck von 5 Bar und radeln los. Angenehm überrascht sind wir von der Geräuschkulisse: Der Reifen gibt zwar das charakteristische Summen eines Spikereifens von sich, doch hatten wir angesichts der 240 Spikes dort eine deutlich unangenehmere Lautstärke erwartet.

Performance auf Eis und Schnee

Wir lassen den Druck auf 2,5 Bar ab, und wagen uns auf eine großflächig vereiste Fläche. Zu unserem Erstaunen spüren wir auf dem Rad davon kaum etwas. Unser Rad bleibt zu jeder Zeit komplett und problemlos steuerbar, Grip ist selbst bei etwas schnelleren Kurvenfahrten mehr als ausreichend vorhanden. Der Reifen bietet sehr guten Halt, insbesondere auf nassem Schnee und im Matsch. Bei Pulverschnee hatten wir das Problem, dass sich das Profil recht schnell zusetzte und der Grip dann doch spürbar nachließ.

Der neue Schwalbe Al Mighty Spike

Grundsätzlich ist die Spike Variante des Schwalbe Al Mighty baugleich mit der normalen Ausführung. Was beim Al Mighty grundsätzlich wichtig ist: dieser Reifen baut extrem groß und kann es locker mit dem Terrene Johnny 5 aufnehmen. Der wesentliche Unterschied besteht natürlich darin, dass Schwalbe hier bereits ab Werk satte 320 Spikes in den Reifen genagelt hat, 8 der 12 Stollen pro Cluster sind hier mit Spikes bestückt.

Die Schwalbe Al Mighty Spike schnappen solide ins Felgenbett und dichten krass ab: auch ohne Dichtmilch gab es über Tage hin keinen messbaren Druckverlust. Schön, dass Schwalbe hier offenbar durchweg dieselbe hohe Fertigungsqualität hat. Und da der Reifen keine Laufrichtungsbindung hat, kann man nichtmal was falsch machen.

Testergebnisse des Al Mighty Spike

Selbst bei rücksichtslosen Vollbremsungen und härtesten Anstiege sitzen die Spikes fest im Gummi. Tatsächlich kann der Schwalbe Al Mighty Spike auf nassen Wurzeln bzw. rutschigem Holz (z.B. Brücken) klar gegenüber dem normalen Reifen punkten und seinen harten Biss ausspielen.

Wie schlägt sich der Schwalbe Al Mighty Spike dort, wo er hingehört? Jetzt dürfte es ja kaum eine Überraschung sein, dass ein Reifen mit dermaßen spitzen Spikes so vehement in eine Eisplatte beißt wie ein verängstigtes Kind in den Finger des Zahnarztes. Ja, das geht mal so richtig gut!

Der Schwalbe Al Mighty Spike ist für uns ein perfekter Allrounder, der in der Summe seiner Eigenschaften keine natürlichen Feinde besitzt. Funktion und Qualität sind überragend und aus unseren inzwischen Langzeiterfahrungen mit dem Al Mighty können wir auch sagen, dass sich der Verschleiß angenehm in Grenzen hält.

Weitere wichtige Aspekte bei Spikereifen

  • Reifenbreite: Spikes bauen durch das wintertaugliche Profil und die überstehenden Spikes etwas breiter und höher als klassische Reifen.
  • Schlauchlos fahren: Alle Hersteller bieten bei Mountainbikereifen die Möglichkeit, auf den Schlauch zu verzichten.
  • Einfahren: Damit sich die Spikes im Gummi setzen und dauerhaft sicher im Gummi sitzen, sollten die Reifen auf sauberer Asphaltstraße und bei langsamer Geschwindigkeit ohne scharfe Bremsmanöver gut 50 Kilometer eingefahren werden.
  • Haltbarkeit: Die meist verbauten, gehärteten Stahlspikes aus Wolfram-Carbid-Stahl sind härter als Asphalt, halten mehrere tausend Kilometer und damit mehrere Jahre.
  • Reifendruck: Prinzipiell empfiehlt der ADAC, im Winter den Reifendruck auf ca. 2 bis 3 bar zu reduzieren, um durch die dann breitere Auflagenfläche mehr Haftung zu haben.

Testergebnisse und Empfehlungen

Im Test begeistern bezüglich Preis-Leistung vor allem CST (Fatbike, Trekking) und ReTyre (MTB). Empfehlungen heimsen beim Mountainbike Suomi und im Trekkingbereich Continental und Specialized ein. Die Testsiege in den Kategorien gehen an Vee Tire Co. (Fatbike) sowie Schwalbe (MTB und Trekking).

Vergleich von Rollwiderstand

Interessant ist auch der Blick auf die Gewichte, denn einige der schwersten Modelle zählen überraschend zu den besten beim Rollwiderstand! Sie rollen zwar angenehm leicht, bieten aber nur einen zähen Antritt. Vergleicht man die Ergebnisse mit einem ähnlichen Reifenaufbau von Standardreifen, so laufen Spikereifen im Schnitt circa 10 Watt schwerer, wodurch in Summe ein Mehraufwand von 20 Watt entsteht.

Pannenschutz im Test

Beim Durchschlagschutz spiegelt das Überfahren von Gullydeckeln, Bordsteinkanten und großen Kanten wider. Hier landet Schwalbe auf den ersten Plätzen vor Kenda Klondike Elite. Beim Durchstichtest, der spitze Gegenstände wie Nägel und Dornen abbildet, schlägt die Stunde der Trekkingmodelle. Continental liegt hier vor Kenda und nochmal Continental. Flachen, scharfen Gegenständen wie Scherben und Steinen setzen Continental, CST und Schwalbe am meisten entgegen.

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