Fahrradsattel für Frauen beim Mountainbiken: Ein umfassender Test

Machen wir uns nichts vor - Frauen sind untenrum anders gebaut als Männer. Darum liegt es auch nahe, dass Frauen andere Anforderungen an einen Fahrradsattel haben, als Männer. In diesem Beitrag erklären wir dir die Unterschiede zwischen einem Mountainbike Sattel für Männer und einem Mountainbike Sattel für Frauen. Das Becken macht den großen Unterschied zwischen Männern und Frauen, wie du hier nachlesen kannst.

Anatomische Unterschiede und ihre Auswirkungen

Bei Frauen ist das Becken so gebaut, dass sie Kinder gebären können. Daraus resultiert, dass bei Frauen der Schambeinbogen tiefer liegt als bei Männern. Neben dem Schambeinbogen werden oft auch die Sitzknochen zwischen Männern und Frauen verglichen. Die Sitzknochen-Abstände sind bei Frauen und Männer jedoch relativ ähnlich. Es gibt sowohl Frauen mit einem weiten Sitzknochen-Abstand als auch Männer mit einem schmalen Sitzknochen-Abstand und umgekehrt.

Veränderungen nach der Schwangerschaft

Durch eine Schwangerschaft kann sich bei einer Frau das Becken verändern. Schon öfter haben wir von Frauen gehört, die nach einer Schwangerschaft plötzlich unbequem auf ihrem perfekt ausgemessenen Sattel sitzen, den sie sich vor der Schwangerschaft gekauft haben. Daher ist es zu empfehlen, nach einer Schwangerschaft den Sitzknochenabstand noch einmal zu überprüfen. Das sind Probleme, die nur Frauen auf dem Fahrrad kennen.

Merkmale eines guten Damensattels

Im Idealfall sitzt die Sattelnase bei einem Fahrradsattel für Damen etwas tiefer als der hintere Teil des Sattels. So wird gewährleistet, dass die Sattelnase nicht zu viel Druck auf das Schambein ausübt. Was wichtig ist, dass der Sattel die Sitzknochen stabil unterstützt und man nicht zu tief einsinkt. Ein guter Fahrradsattel für Damen muss nicht weich und möglichst breit sein. Er muss ausreichend hart sein und die perfekte Breite haben.

Aussparungen im Sattel

Viele Hersteller verkaufen spezielle Fahrradsattel für Damen mit einem Loch in der Mitte. Dieses Loch soll den Druck auf den Schambereich / Dammbereich von Frauen mindern, denn wo nichts ist, kann auch nichts drücken. Es gibt eine Studie, die belegt, dass durch ausgeschnittene zu schmale Fahrradsättel den Satteldruck erhöhen. Letztlich musst du aber für dich selbst herausfinden, ob du eine Aussparung im Sattel als angenehm empfindest.

Unisex-Sättel als Alternative

Wie oben schon beschrieben, unterscheiden sich die Sitzknochen von Männern und Frauen kaum. Aus diesem Grund kann mit dem richtigen Sitzknochenabstand auch ein Unisex-Fahrradsattel verwendet werden. Die Sitzknochen können bei vielen Fahrradhändlern vermessen werden. Alternativ bietet der Ergonomieexperte SQlab auch ein kostenloses Vermessungskit an. Die Kölner Sportschule hat sogar bei einer Studie rausgefunden, dass der Fahrradsattel nicht an das Geschlecht angepasst werden muss, sondern an die Aktivität und den Sitzknochenabstand. Als Frau findest du also den richtigen Fahrradsattel zum Mountainbiken, in dem du einen MTB Sattel in der richtigen Größe auswählst.

Die Bedeutung der richtigen Sattelbreite und Sitzposition

Die Breite des Fahrradsattels ist sehr wichtig. Wenn er zu breit ist, können die seitlichen Kanten an den Innenseiten der Oberschenkel scheuern und Druckstellen verursachen. Das kann dazu führen, dass der Biker unbeabsichtigt nach vorne rutscht. Ist der Sattel zu schmal, wird zu viel Druck auf die Weichteile und den Bereich zwischen den Oberschenkeln ausgeübt, wo wichtige Blut- und Nervenbahnen verlaufen, die gequetscht werden können. Leider reagiert dieser Bereich relativ unempfindlich gegenüber Überlastung, was langfristig zu ernsthaften Problemen und Schäden führen kann.

Spezielle Sättel für verschiedene Geschlechter

Speziell für verschiedene Geschlechter konzipierte Sättel sind in der Bike-Industrie immer noch umstritten. Einige Hersteller wie Contec, Ergon und Terry bieten sowohl Herren- als auch Damenmodelle an. Für eine große Auswahl an Sattelbreiten präsentieren sich Bontrager, SQlab und Velo mit jeweils vier verschiedenen Breiten.

Weitere Tipps für mehr Komfort

Auch hier gibt es Lösungen, wenn durch das lange Sitzen weiterhin Druckschmerzen oder Hautirritationen an der Tagesordnung sind. Mit beispielsweise einem regelmäßigen Wechseln der Sitzposition durch Aufstehen oder Pausen, kommt mehr Frischluft an den Sitzbereich. Dies verhindert, dass feuchtes und warmes Sitzklima entsteht. Zudem ist eine Radhose mehr als nur ratsam, da diese den Schweiß im Sitzpolster ideal abtransportiert und durch ihr meist antibakteriell und atmungsaktives Material eine hohe Luftzirkulation ermöglicht.

Die richtige Sitzposition

Zudem sollte man auf eine korrekte Sitzposition achten. Höhe, Winkel und Position des Sattels können das Sitzerlebnis stark beeinträchtigen. Bestenfalls sollten Sättel immer waagrecht montiert werden. Leider führt aber auch eine zu hohe Sitzposition zu seitlichen Bewegungen des Beckens über dem Sattel, wodurch das Hin und Her zu Hautirritationen und Reibstellen führen kann.

Professionelle Hilfe

Sollten weiterhin Probleme im Sitzbereich bestehen, wird empfohlen, ein Fahrradfachgeschäft aufzusuchen, denn oft bieten diese professionelle Bike-Fittings an. Dort werden untere anderen die Sitzknochen vermessen, der passende Sattel ausgewählt, die Einstellung und die Sitzposition überprüft und bei Bedarf optimiert.

Die Bedeutung des Härtegrads

Im Grunde genommen kommt es immer darauf an, wie oft und wie lange man auf dem Bike unterwegs ist. Wenn man sein Rad ab und an für spontane Fahrten in die Stadt oder nur zum Bäcker nutzt, spielen die Sattelqualität, Härtegrad und Breite eine untergeordnete Rolle. Fährt man aber regelmäßig in die Arbeit und geht ab und an auf Tages- sowie Mehrtagestouren, spürt man sofort, ob der Sattel dem Sitzfleisch guttut. Dadurch wird der Druck auch auf den weniger empfindlichen, aber problematischeren Damm- und Schambereich übertragen, wodurch Blut- und Nervenbahnen gequetscht werden können.

Weiche Polster vs. harte Polster

Somit fühlen sich weiche Polster anfangs angenehmer an, führen aber langfristig eher zu Kribbeln, Taubheitsgefühlen und anderen Beschwerden.

Entlastungskanäle und -löcher

Egal ob der Sattel ein Loch in der Mitte besitzt, oder der Entlastungskanal mittig vertieft angebracht ist, dieses Feature ermöglich es, den sensiblen Dammbereich zu entlasten. Bei dem Sattelloch ist zu beachten, dass diese Öffnung unter Umständen Grund für eine Verschmutzung der Hose ist und im Winter ein eher unangenehmes Kältegefühl im Sitzbereich erzeugt.

Technologische Innovationen

Spannend bei den Testrunden war, dass durch die Active Technologie von SQlab mittels eines Hebels die Flexibilität der beweglichen Sattelschale verändert werden kann. Hierbei sitzt man fest im Sattel, wobei das Becken nach links und rechts mehr Spielraum bekommt. Diese Funktion dient dazu, die Lendenwirbelsäule zu mobilisieren und soll Rückenschmerzen vorbeugen.

Materialien und Montage

Das Obermaterial aller im Test gefahrenen Sättel schützen vor Regen und Schmutz und lassen sich gut abwischen. Bei der Montage der Sättel ist es wichtig, die Anweisungen zu beachten. Sie sollten nicht über die maximalen Markierungen hinaus angebracht werden.

Adaptermöglichkeiten

Immer mehr Marken bieten zudem Adaptermöglichkeiten für Werkzeuge, Lichter oder Satteltaschen über Clipsysteme an, wie es beispielsweise bei Selle Royal der Fall ist.

Spezielle Sättel für E-Biker

Für E-Biker im Speziellen werden Sättel für noch mehr Komfort optimiert, insbesondere mit einem teilweise höher gezogenen Heck, um das Rutschen bei Bergaufpassagen zu verhindern.

Umweltfreundliche Produktion

Auch bei Sätteln wird „grün“ gedacht: Selle Italia setzt auf einen automatisierten Prozess zur Herstellung hochwertiger Fahrradsättel, ohne auf umweltschädliche Klebstoffe und Polyurethane zurückzugreifen, um die CO2-Emissionen zu minimieren.

Testverfahren und Ergebnisse

Um ein eindeutiges Ergebnis der zu testenden Sättel zu erhalten, haben wir zum einen die Sättel mittels Druckmessfolie im Labor gefahren. Um die Grafiken besser zu deuten, gibt es folgende Eckpunkte zu beachten: Der schwarze Bereich ist ohne Sitzdruck. Danach steigt der Druck mit den Farben Weiß, Grau, Blau, Grün, Gelb und Rot an. Somit sind Sättel mit einem druckfreien Mittelareal zu bevorzugen, da diese eine deutliche Aussparung im Damm- und Prostatabereich besitzen. Dies trägt wiederum dazu bei, dass einem der Sitzbereich nicht taub wird.

Fahreindruck und Druckverteilung

Zum anderen wurden die 23 Testsättel auch auf Tour getestet. Da der Fahreindruck eines Sattels sehr wichtig ist, hat dieser mit 45 Prozent den größten Einfluss im Testergebnis, wobei die Druckverteilung aus ergonomischer Sicht auch sehr relevant mit 35 Prozent bewertet wurde.

Preis-Leistungs-Sieger

Im Punkt Preis-Leistung hatten in diesem Test unter 23 Modellen die Hersteller Acid und Wittkop die Nasen vorne. Am Ende wurden zwei Testsieger gekürt. Bontrager für den sportlichen Radfahrer mit einer straffen Polsterung und SQlab für Trekking-Biker, der mit einem hochwertigen Fahrkomfort punktet.

Die Rolle des Bike-Fittings

Gleich vorne weg: DEN perfekten MTB-Sattel gibt es nicht. Bikerinnen und Biker sitzen immer individuell. Darum führt auch nur die Probefahrt ans Ziel. Wir haben Bike-Fitting-Expertin Franziska Schmidt gefragt, wie man den richtigen Sattel ausfindig macht.

Messung des Sitzknochenabstands

Man sitzt auf einem Hocker mit Gel-Folie oder Wellpappe und drückt darin die Sitzhöcker ab. Der gemessene Abstand hilft, die Beckenbreite einzuordnen - das ist aber nur bei aufrechter Sitzposition aussagekräftig. Die Wahl des Sattels nur an diesem Wert festzumachen, greift zu kurz.

Sitzposition auf dem Mountainbike

Entspannt mit aufrechter Sitzposition oder agressiv-sportliche Vorbeugung wie auf einem Racer? Entsprechend fällt die Wahl beim Sattel aus.

Polsterhärte

Die Härte des Paddings sollte unbedingt den Fahrgewohnheiten angepasst werden. Das heißt: Je länger man im Sattel sitzt, desto härter darf die Polsterung sein. Sitzknochen gewöhnen sich an die Druckbelastung. Ein weicher Sattel, der anfangs bequem scheint, kann sich auf längeren Touren durchsitzen und für Druckschmerzen sorgen.

Druckmessung

Die Bike-Fitterin Franziska Schmidt von Gebiomized gibt zu verstehen: "Um den richtigen Sattel zu finden, empfiehlt sich eine Druckmessung auf dem Rad. Dann sieht man die Beckenposition, die belastete Fläche und kann daraus schnell schließen, welche Sattelform am besten zu einem passt. Aus unseren Erfahrungen heraus wissen wir: Viele Frauen kommen mit V-Formen etwas besser klar. Die meisten männlichen Fahrer empfinden eine T-Form mit Cutout als angenehm. Aber das ist natürlich total individuell und kommt auf die Position auf dem Rad an. Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass die meisten Frauen eine breitere Sattelmitte benötigen."

Sattelbreite und Sitzknochenabstand

Die Sattelbreite ist eine der wichtigsten Größen bei der Sattelwahl, besonders, wenn man eher aufrecht auf dem Bike sitzt, und wird immer an der breitesten Stelle gemessen. Der Sattel muss mindestens so breit sein, dass beide Sitzbeinhöcker komplett auf ihm aufliegen und man nicht an der Kante der Polsterung sitzt. Bei einer sportlicheren Sitzposition und einer guten Beckenkippung ist die Sattelbreite nicht ganz so ausschlaggebend. Auch bei Frauen ist das häufiger der Fall - dazu mehr weiter unten. Hier sollte der Sattel im mittleren Teil etwas breiter ausfallen, um den Schambeinkufen ausreichend Auflagefläche zu bieten. Breite und Form des Sattels sollten also immer auch von der Sitzposition und nicht allein vom Sitzknochenabstand abhängig gemacht werden.

Sattelformen: T-Form vs. V-Form

Grundsätzlich unterscheidet man bei den Sattelformen zwischen T-Form und V-Form. Welche Form besser zum Fahrer passt, hängt von der Beckenposition auf dem Sattel ab. Die T-Form zeichnet sich durch eine etwas schmalere, lange Nase und eine im Verhältnis deutlich breitere Sitzfläche aus. Sie ist die klassische Sattelform, die auch häufig ab Werk auf Rädern verbaut wird und funktioniert besonders bei einer aufrechten Sitzposition, bei der die Sitzbeinhöcker Kontakt zum Sattel haben, oft sehr gut. Außerdem bietet sie etwas mehr Beinfreiheit gerade bei muskulöseren Oberschenkeln. Wenn das Becken gekippt ist (wie es bei vielen Frauen der Fall ist) und die Schambeinkufen Kontakt zum Sattel haben, empfiehlt sich eine V-Form. Die etwas breitere Sattelnase bietet den Schambein­kufen schon ab dem mittleren Teil deutlich mehr Kontaktfläche.

Kontur des Sattels

Sättel mit ebener Sitzfläche bieten dem Fahrer eine gute Stabilität. Eine seitlich abfallende Form kann aber durchaus entlastend sein, weil sie den Druck reduzieren kann. Auch hier kommt es wieder auf das subjektive Gefühl, aber auch auf die Position des Beckens an. Wenn man beim Treten mit dem Oberschenkel an die Sattelkante stößt, kann ein seitlich abfallender Sattel die Lösung sein. Ein ansteigendes Heck ist besonders für Fahrer und Fahrerinnen geeignet, die hohen Druck im Schambeinbereich verspüren. Liegen die Sitzbeinhöcker auf dem erhöhten Teil des Sattels auf, ist der vordere Teil entlastet. Das ist besonders bei Männern wichtig. Ein Nachteil der Aussparung kann sein, dass sich der Druck nicht mehr flächig verteilt, sondern auf den relativ schmalen Kanten neben dem Cutout liegt. Daneben gibt es auch Sättel mit "Channel", also einer leichten Vertiefung. Sie hat im Prinzip dieselbe Funktion wie ein Cutout, bietet aber etwas mehr Kontaktfläche und ist in der Regel die sinnvollere Lösung. Komplett geschlossene Sättel können bei einer aufrechten Beckenposition aber ebenso gut funktionieren.

Die Sattelnase

Auch die Sattelnase hat einen Einfluss auf das Sitzfegühl: Eine breite Sattelnase hat den Vorteil, dass man den Sattel an verschiedenen Stellen gut belasten kann. Beim Bergauffahren rutschen viele Fahrer und Fahrerinnen gerne nach vorne. Wenn dort dann etwas mehr Fläche vorhanden ist, sitzt man stabiler und angenehmer. Da der vorderste Teil der Sattelnase meist nicht belastet wird, ist eine lange Sattelnase nicht zwingend nötig, kann aber gerade in technischem Gelände von Vorteil sein. Gerade Fahrer und Fahrerinnen mit kräftigen Oberschenkeln empfinden einen kurzen Sattel als sehr angenehm. Viele Shortfit-Sättel haben eine stark ausgeprägt V-Form die auf dem Mountainbike nicht zu jeder Beckenposition passt, aber gerade bei sportlicher Sitzposition sinnvoll sein kann.

Das Sattelgestell

Stahl, Titan oder Carbon? Hier kann prozentual gesehen jede Menge Gewicht gespart werden: Während die Gestelle bei preiswerten Sätteln meist aus CrMo-Stahlrohr bestehen und schon mal an die 100 Gramm wiegen, spart man mit einem Carbon-Gestell bis zu 60 Prozent Gewicht. Dünnwandigere Stahlrohre, wie sie hochwertigere Legierungen zulassen, liegen gewichtsmäßig genau dazwischen und ungefähr auf dem Niveau, das mit massiven Titanstreben erreicht werden kann. Ein Carbon-Gestell hebt den Sattel jedoch auch in eine ganz andere Preisklasse - aber es passt nicht in jede Sattelstütze. Um bruchsicher zu sein, sind Carbon-Streben meistens hochoval. Sie haben Querschnitte von 7 x 9 oder 7 x 10 Millimetern. Auf den meisten hochwertigen Sattelstützen befindet sich an versteckter Stelle ein Hinweis, für welche Art von Gestellen sie geeignet sind.

Interview mit Expertinnen

Was braucht ein Fahrradsattel, damit Frauen schmerzfrei biken können? Bei aller Freude für das Mountainbiken, die Frauen und Männer gleichermaßen teilen - es gibt doch physiologische Unterschiede bei beiden. Mit Auswirkungen auch auf die Wahl eines MTB-Sattels. Wir haben mit zwei Expertinnen gesprochen, die sich aber nicht in allen Punkten einig sind - umso spannender sind die unterschiedlichen Herangehensweisen.

Janina Haas von Ergon / Terry

Wir unterscheiden bei unseren Sätteln von Ergon und Terry grundsätzlich zwei Bereiche. Zum einen ist das die knöcherne Struktur des Beckens. Zum anderen das Weichteilgewebe. Für die knöcherne Struktur haben wir bei den Sätteln für Frauen den mittleren Bereich breiter gemacht, was der Physiognomie der meisten Frauen entgegenkommt. Frauen haben durchschnittlich einen Schambeinwinkel von über 90 Grad, das heißt die Schambeinkufen laufen breiter aufeinander zu. Daher brauchen sie eine breitere Unterstützung auch in der Sattelmitte, der die Schambeine aufnehmen kann. Beim Mann laufen die Knochen an der Stelle in einem kleineren Winkel zueinander.

Sarah Seckler von SQlab

Worauf sollten Frauen beim Kauf eines Sattels besonders achten?Aus den oben gennannten Gründen, sollten Frauen darauf achten, dass der mittlere Bereich des Sattels gut unterstützt. Von T-Form-Sätteln raten wir vor allem im Mountainbike-Bereich daher ab. Y- oder V-Shape hingegen sind gut. Allem geht voran, dass die Sattelbreite passt. Unsere Fachhändler vermessen den Sitzknochenabstand exakt mit unserem digitalen Sitzhocker. Hier entscheidet die Sitzposition auf dem Rad, wie die Sitzknochen auf dem Sattel aufsitzen. Also weit nach vorne gebeugt beim sportlichen MTB oder eher entspannt aufrecht. Deshalb entwickeln wir für jede Anforderung im Radsport spezielle Sättel, die die Sitzposition berücksichtigen. Der lokale Fachhandel ist da von Vorteil, weil man dort ausprobieren kann, ob ein Sattel wirklich passt und eine Beratung stattfindet.

Testberichte

Ergon Sport Gel Women: Ein Sattel speziell für die Anatomie der Frau. Christiane und Sabrina haben den Sattel für Dich getestet!

Christiane testet den Ergon SR Sport Gel Women

Ich fahre seit 6 Jahren Rennrad und habe schon einige Sättel, Sattelpositionen und verschiedene Hosen ausprobiert. Komplett beschwerdefrei war ich jedoch nie, gerade bei längeren Touren können Sitzprobleme einem die Freude am Radfahren verderben. Auch im Austausch mit den Mädels aus meinem Team berichteten einige von ähnlichen Beschwerden, vor allem Druckbeschwerden im Damm- und Genitalbereich.

Sabrina testet den Ergon SM Sport Gel Women

Nachdem Robin aus dem Marketing auf mich zu kam und frug, ob ich nicht den neuen damenspezifischen SM Sport Gel Women Sattel von Ergon auf meinem Mountainbike ausprobieren möchte, habe ich sofort Ja gesagt. Bisher hatte ich den SME3-S in der Bikini Edition montiert und war bereits sehr zufrieden. Jedoch war ich sehr neugierig und gespannt, was Ergon noch am speziell für Damen auf dem Mountainbike entworfenen Sattel verbessern konnte. Die Montage ist einfach und der Verstellbereich der Rails ausreichend groß. Die Farbe des Sattels passt perfekt zu Sabrinas Mountainbike.

Checkliste für die richtige Wahl

Gerade Frauen klagen häufig über Sitzprobleme auf dem Rad - was nicht selten dazu führt, das Bike bald in die Ecke zu stellen. „Durch die unterschiedliche Beckenanatomie und -breite muss die Abstimmung und Auswahl viel intensiver erfolgen als bei Männersätteln“, erklärt Sabine Spitz, sechsmalige Deutsche Mountainbike-Meisterin, das Problem. Bei einem falschen Fahrradsattel werden Nerven und Blutgefäße im Dammbereich komprimiert oder ganz abgeklemmt. Die Folgen: Taubheitsgefühle, Durchblutungsstörungen, Schmerzen.

Funktion vor Farbe

Bei der Auswahl des Sattels sollte man die Funktion an die erste Stelle setzen. Denn Radfahren macht keinen Spaß, wenn der Hintern schmerzt.

Sattelmodelle im Überblick

Exklusiv für FIT FOR FUN hat Sabine Spitz acht aktuelle Damenmodelle getestet. Ihr Fazit: Man muss verschiedene Sättel ausprobieren, nur so findet man den richtigen für die individuellen Bedürfnisse.

Modell Preis Gewicht Material Breite/Länge Besonderheiten Fazit
Sqlab 612 74,90 Euro 308 g Kunstleder 13,3 x 27 cm Stoßdämpfer, sportlich schmal geschnitten FIT FOR FUN-Tipp! Viel Bewegungsfreiheit für die Beine, viel Sitzkomfort und ergonomische Form
Specialized Jet 43 70 Euro 266 g Kunstleder 14,3 x 27,5 cm Aussparung, Titangestell, gibt es in drei Größen Optimale Entlastung für Damm und Schambein. Viel Bewegungsfreiheit!
Selle Lady Gel Flow 79,95 Euro 320 g Leder 16 x 26 cm Aussparung in der Mitte, Gel-Einsatz, Rosen-Design Gelungener Kompromiss zwischen Sportlichkeit und Komfort. Straffes Polster
Velo Pronto ZTT 28,90 Euro 289 g Kunstleder 13,4 x 27,4 cm Aussparung im Scham-Bereich, viele Nähte auf dem Sitz Flache Sitzposition für sportliche Fahrerinnen. Die Nähte können scheuern
San Marco Aspide Gel 98 Euro 256 g Leder/Stoff 15 x 27 cm Gel-Einlage im Sitzbereich, viel Nähte, sehr leicht Wenig an die weibliche Anatomie angepasst, keine gute Druckverteilung
SMP Strike Plus 169 Euro 369 g Leder 15,8 x 28 cm Sehr große und lange Aussparung im Dammbereich Futuristischer Fahrradsattel mit großen Aussparungen. Nach einigen Kilometern kann die Polsterung nachgeben und für mehr Druck sorgen.
Fizik Vitesse HP 89 Euro 310 g Leder 15,5 x 27 cm Titangestell, Gel-Einsatz im Schambereich Schmale Sättel bieten dir mehr Bewegungsfreiheit, ideal für sportliche Fahrerinnen.
Lookin MFlex 49,90 Euro 717 g Kunstleder 17,7 x 25 cm Massives, über die ganze Fläche verteiltes Sitzkissen Achte darauf, dass die Aussparungen in der Sattelmitte den Damm- bzw. Schambereich entlasten und keine störenden Nähte vorhanden sind.

Die Wahrheit über Fahrradsättel

Um den Fahrradsattel ranken sich die Mythen wie um griechische Gottheiten: Ein weicher Sattel fährt sich komfortabler. Das Loch in der Mitte entlastet den Dammbereich. Legenden, die inzwischen allesamt widerlegt sind oder zumindest nicht ganz der Wahrheit entsprechen. Fakt ist: Je länger ein Fahrer im Sattel sitzt, desto härter darf der Sattel gepolstert sein. Schon nach 30 Minuten sinkt der Körper so tief in ein zu weiches Polster, dass sich der Druck auf die empfindlichen Weichteile und tiefer liegende Muskelschichten unangenehm erhöhen kann.

Individuelle Anpassung

Die Wahrheit ist: Der passende Fahrradsattel ist so individuell wie der persönliche Fingerabdruck. Je sportlicher Sie auf dem Mountainbike sitzen, desto schmaler darf übrigens der Sattel sein. Solange der Sattel zur Anatomie und der individuellen Sitzposition der Fahrerin passt, kommen Frauen auch bestens mit Unisex-Sätteln zurecht.

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