Auf der Berliner Bike Fair kolektif wird zwischen einigen Big Playern in der Fahrradwelt vor allem kleinen Custom Bike-Manufakturen eine Plattform geboten, um ihre Produkte zu präsentieren. Nachdem die Messe letztes Jahr pandemiebedingt ausfallen musste, waren etablierte Brands wie Canyon und ROSE, aber auch kleinere Anbieter wie Fern Fahrräder oder Finnbar Trout Bicycles vom 25. bis zum 27. März 2022 wieder im Motorwerk in Berlin vertreten. Deshalb war man ganz besonders gespannt auf die Präsentation der Neuheiten und heißesten Custom-Kreationen.
In diesem Artikel stellen wir euch die aufregendsten Produkte und die schönsten Custom-Konzepte der Messe vor. Außerdem präsentieren wir euch noch einige Eindrücke vom RAD RACE Last Wo/Man Standing - einem Fixed-Gear-Ausscheidungsrennen auf einer Kartbahn. Klingt gut? Los geht’s!
BASIC Bikes
BASIC Bikes ist eine ganz junge Brand und bietet - wie der Name schon erahnen lässt - Fahrräder, die aufs Wesentliche reduziert sind. Die Sticker kommen vom Berliner Hersteller REFLECTIVE Innovations und können in jeder beliebigen Farbe bestellt werden. Entwickelt auf einer Open-Mould Carbon-Plattform und ausgestattet mit Carbon-Laufrädern werden die Bikes mit absoluten Kampfpreisen präsentiert.
Das neue Road-Bike kommt aufgrund von Lieferengpässen mit dem exotischen und preisbewussten Groupset von L-TWOO, bestehend aus einer 2×12-Schaltgruppe und semi-hydraulischen Scheibenbremsen. Für 2.950 € bekommt ihr ein 7,45 kg leichtes Rennrad, das sich in seiner Gewichtsklasse mit den großen Brands messen will. Es kann aber auch als Rahmenset erworben und nach euren eigenen Wünschen selbst aufgebaut werden. Vorbestellungen nehmen die Jungs von BASIC Bikes ab sofort an.
Bereits in 2,5 Monaten kann man dann mit seinem neuen Rennrad rechnen. Neben dem Road-Bike mit 700C-Laufrädern gibt es noch ein Gravel-Modell und bald auch ein 29”-Bike.
Chirp Chirp Cycles
Chirp Chirp Cycles wurde erst vor 2 Jahren gegründet und hat auf der kolektif die ersten 2 Exemplare ihres Modells Lark gezeigt. Ob uns das nach der Lerche benannte Titan-Bike ebenso früh morgens aus den Federn schälen lässt, während alle anderen noch schlafen, bleibt offen.
Das Singen scheint da ungleich realistischer, vor allem wenn man weiß, dass das Bike custom für sich selbst zugeschnitten und geschweißt wurde. Dadurch könnt ihr, wenn gewünscht, auf eine Sattelstütze verzichten und bekommt die ENVE-Sattelklemmung sauber am Ende der einteiligen Sattelstütze in einer 3-D-gedruckten Form integriert. Es will damit den klassischen Randonneur ansprechen. Das Bike setzt auf eine klassische, sportliche Rennrad-Geometrie, sportlich-agiles Handling und kombiniert das mit breiten, voluminösen Reifen für raues Geläuf.
Das Bike ist auf 185 Exemplare begrenzt, da das Wort Lerche auf jedem Bike in einer anderen Sprache stehen wird. Englisch und koreanisch sind schon vergriffen, schnell sein lohnt sich also, wenn ihr eine bestimmte Sprache wollt!
Cicli Bonanno Futomaki Disc 2
Die Bikes von Niccolò Bonanno sind absolute Hand- und Maßarbeit - Stahlrohre, Funkenflug und zwei magische Hände. Die Lackierung von Robert von Velociao lässt uns ins Schwärmen kommen! Das Futomaki Disc 2 - benannt nach der dicken Sushi-Rolle - ist alles andere als dick, sondern filigran, schlank und - gleich seinem Namensgeber - kunstvoll.
Außerdem setzt der Stahlrenner auf Beast Carbon-Komponenten (hier findet ihr unseren Hausbesuch) an Lenker, Sattelstütze und Laufrädern. Damit ist das Bike bis auf die in Rumänien gefertigte Campagnolo Record-Schaltgruppe überwiegend made in Germany. Der Nachfolger des bereits von uns getesteten Futomaki Disc (zum Test) glänzt mit den neuen CNC gefertigten Ausfallenden und fancy Logos mit 3-D-Effekt.
Nico will sich auch zukünftig auf eine EU-basierte Produktion und entsprechende Anbauteile fokussieren. Er baut pro Jahr 50-60 Rahmen und liefert ca. ein Drittel davon als Komplett-Bikes aus. Den Cicli Bonanno Futomaki Disc 2-Rahmen bekommt man für 3.000 €, während die Preise für Komplett-Bikes je nach Ausstattung und Kundenwünschen stark variieren.
Fern Fahrräder Ultra Rando
Flo von Fern Fahrräder zeigt mit dem Ultra Rando ein edles Bikepacking Brevet-Bike für Komfort-Fans. Der Antrieb kommt von der Kleinmanufaktur INGRID und die schicken Carbon-Fender aus einem Unternehmen, das eigentlich Teile für den Formel-1-Rennsport fertigt. Das Bike kommt absolut voll ausgestattet mit Nabendynamo, Licht, Carbon-Schutzblechen und super edlen Gramm Tourpacking-Taschen (mehr dazu im nächsten Absatz „Gramm Tourpacking Bags“).
Gleichzeitig kommen reduzierte Felgenbremsen zum Einsatz, die auf Custom Carbon-Felgen in 30 mm Breite einwirken - wohl die einzigen in diesem Format mit Bremsflanke. Der gewollt harte Kontrast zwischen Stahlrahmen und ultraleichten Anbauteilen wird durch die fließende Lackierung von Velociao wieder aufgebrochen - inspiriert ist die Farbgebung übrigens von Flo’s Lieblings-Sneakern. Das Frameset bekommt man bereits für 3.500 €. Allerdings müsst ihr zurzeit ca. 9 Monate auf ein Bike aus Flo’s Custom-Schmiede warten, Qualität und Handarbeit aus Berlin-Lichtenberg braucht nun mal seine Zeit.
Fern Fahrräder Ultra Rando: 9,4 kg (ohne Taschen, inkl. Pedale) | ca.
Gramm Tourpacking Bags
Die Taschen am Fern Ultra Rando kommen aus der Gramm Tourpacking-Taschenschmiede. So ermöglicht die V-Form problemloses Betätigen von STI-Triggern und ist außerdem aerodynamischer als die traditionellen Formen. Chefin Tine und ihr Team haben sich in der Bikepacking-Szene über die letzten Jahre einen hervorragenden Ruf erarbeitet und bieten mehr als nur die starke Optik ihrer Produkte.
Die Gramm X Allygn Diamond Bag findet auf dem vorderen Allygn Diamond-Gepäckträger Platz und ist extra so geschnitten, dass sie euch beim Bremsen und Schalten nicht in die Quere kommt. Die FIDLOCK-Verschlüsse sind gut zu erreichen und intuitiv zu betätigen, wie wir auf dem Messegelände testen konnten. Durch die starken Magneten finden sie quasi blind ihr Gegenstück und rasten sicher ein. Auf dem geschlossenen Flap könnt ihr außerdem noch eine Jacke oder ähnliches verspannen.
Finnbar Trout Cycles
Bei Finnbar Trout Cycles steht der Kunde im Mittelpunkt. Der Gründer James Buckley macht die Konzeptionierung und das Bikefitting am liebsten direkt am Kunden in seinem Studio in Köln. Das hier gezeigte Singlespeed-Modell wurde exklusiv für einen Kölner DJ gebaut und nach dessen Wünschen von Rob des Berliner Unternehmens velociao lackiert. Genauer gesagt, in einer aufwendigen Mischung aus Lackierung und Wassertransferdruck gestaltet, es soll so an einen Buntspecht erinnern.
Der Bicycle for Life-Print auf dem Unterrohr macht deutlich, dass die Bikes von James gebaut werden, um eine Ewigkeit zu überdauern. Passend dazu kommen die Laufräder Custom-made vom Laufrad-Großmeister Žarko der Kölner Schmiede Laufrad-Tuning, der eine lebenslange Garantie auf Speichenbruch gewährleistet.
ORTLIEB Quick-Rack Light
Zwar kein Bike, aber ein praktisches Gadget für alle Rad-Fans, die sich etwas mehr Alltagsnutzen an ihrem Drahtesel wünschen, stellt ORTLIEB vor. Dort wird der ORTLIEB Quick-Rack einfach verschraubt und anschließend mit einer Gummilasche an der Sattelstütze befestigt und schon habt ihr 2 Rails, um Satteltaschen daran zu hängen. Der Quick-Rack Light ist eine unauffällige und praktische Gepäckträger-Variante für alle Bikes, die über eine M5- bzw. M6-Öse am Hinterbau verfügen.
Wer noch etwas mehr Befestigungspunkte braucht, kann auch zum 5 € teureren Quick-Rack greifen, der zusätzlich über Querstreben verfügt, um auch obendrauf etwas befestigen zu können. Zudem gibt es für 19,99 € noch das passende Schutzblech in 38, 50 und 72 mm Breite, damit ihr für wirklich jedes Wetter gewappnet seid.
Sour Purple Haze
Die Jungs von Sour Bicycles aus Dresden haben unter anderem ihr geländegängigstes Bike mit Dropbar ausgestellt. Außerdem ist der Rahmen bereits für eine interne Zugverlegung vom Di2-Schaltwerk und Leitung für eine Dropperpost vorbereitet. Das Purple Haze kann mit bis zu 65 mm Reifenbreite gefahren werden und macht klar, dass es sich im gröbsten Gravel-Terrain noch zuhause fühlt.
Es setzt ganz bewusst auf bewährte Standards an Tretlager und Steuerrohr mit außenliegenden Lagerschalen und soll dadurch enorm leicht zu warten sein. Damit seid ihr maximal flexibel beim Aufbau eures Gravel-Bikes. Wer keinen Bock hat, sich das Bike selbst aufzubauen, kann sich ab 2.999 € auch ein Komplett-Bike bei Sour konfigurieren. Sour Bicycles verlegt der Umwelt und den Arbeitsbedingungen zuliebe außerdem sukzessive ihre Rahmenfertigung nach Deutschland.
Sour Purple Haze: 849 € (Rahmen) 1.099 € (Rahmen inkl.
VOTEC VRX
VOTEC präsentiert das VRX der Teamfahrerin Janine Döring auf der kolektif und gibt einige Insights zum Bike, das Ende dieses Jahres offiziell erscheinen soll. Die Züge sind absolut unsichtbar durch Lenker, Vorbau und anschließend den Rahmen verlegt. Es soll ein reines Gravel-Baller-Bike sein und verzichtet zugunsten der Effizienz bewusst auf überflüssigen Komfort.
Die Kettenstreben sind nicht - wie bei vielen anderen Herstellern - tiefer gezogen, um ausreichend Platz für Ritzel und Reifen bis 54 mm Breite zu schaffen, sondern richten sich leicht nach oben. Zudem verfügt das Bike über Schutzblechaufnahmen - für diejenigen, die beim Hardcore-Graveln nicht dreckig werden wollen. Zusätzlich zur Carbon-Variante soll ebenfalls noch bis Dezember dieses Jahres die Alu-Variante des Bikes released werden.
Wheeldan Basilisk
Das Basilisk von Wheeldan kombiniert ein Pinion-Getriebe mit 18 Gängen und Riemenantrieb mit einem hochwertigen Titanrahmen und schicken Detaillösungen. Die Getriebe-Aufnahme wurde aus Titan geschmiedet und so ausgelegt, dass die Bremsleitung trotz Getriebe innerhalb des Rahmens zum Hinterbau geführt wird. Das Front-End des Rahmens, Sattelstütze und Flaschenhalter sind heat treated und an der Carbon-Gabel finden zwei - ebenfalls blaue eingefärbte - „anything“-Halter Platz.
Die Bikes von Daniel „Wheel Dan“ Pleikies werden für euch auf Maß und bis ins Detail nach Wunsch in Berlin gebaut. Das Bike kann mit 700×32-mm-Bereifung auf der Straße oder mit 650×55-mm-Reifen im gröberen Geläuf eingesetzt werden und soll die Lücke zwischen Road, Gravel und Bikepacking schließen.
RAD RACE Last Wo/Man Standing
Nach der Ausstellung kommt das Vergnügen … - für alle, die es Vergnügen nennen können, so schnell wie möglich mit einem Fixed Gear-Bike über eine 430-Meter-Kart-Rennstrecke Runden abzuspulen. Es treten 128 Männer und 32 Frauen im K.O.-Format gegeneinander an. Fixed Gear only! No brakes! So lauten die zwei einzig nennenswerten Regeln.
Fazit
Die kolektif hat nach einem Jahr pandemiebedingter Zwangspause wieder Tausende Bike-Begeisterte in Berlin zusammengebracht und eine Menge Neuheiten präsentiert. Das kunterbunte Treiben mitten im Schmelztiegel der Kulturen lässt ein positives Gefühl zurück und uns freudig in die Zukunft blicken: auf weitere Messen, die Bike-Saison, natürlich auf die nächste kolektif und aufpochende Trends in der Bike-Industrie.
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